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Fiktive Rollenbiographie zur Vorbereitung eines Kurzschauspiels

Inhaltsverzeichnis

Ich heiße Heinz Gandalph (geboren Zunft) und bin 54 Jahre alt. Ich erblickte am 21.01.1951 in Prerow, Schleswig-Holstein, um punkt 12Uhr das Licht der Welt. Ich wuchs in einem wohlhabenden Elternhaus auf und gutem sozialen Umfeld. Meine Eltern waren beide Firmenvertreter von Beruf (Bayer GMBH)  und waren daher viel beschäftigte Leute. In meiner Kindheit habe ich sie kaum zu Gesicht bekommen, unsere Nachbarin, für mich Tante Emma, zog mich größtenteils auf und lehrte mich Normen und Werte. Auch war sie die einzige Bezugsperson, die ich hatte. Mit anderen Kindern gespielt habe ich nie.

Als ich ´61 in der 4. Klasse den 3. Schlaganfall von Tante Emma miterleben musste, und sie folglich starb, brach für mich eine Welt zusammen und konnte mit keinem Menschen mehr umgehen. Meine, mich sowieso kaum sehenden, Eltern sahen tatenlos meiner depressiven Persönlichkeitsveränderung zu. Ein Jahr später, mit 11, trennten sich plötzlich und unerwartet meine Eltern voneinander und gaben mich in das Kinderheim „Prerow-Sonnenschein“, da sie „der Verantwortung nicht gerecht kommen können...“. Ich verstand die Welt nicht mehr. 

Jedoch entwickelte ich rasch soziale Kontakte mit Gleichaltrigen in meiner neuen Heimat. Erstmals verstand ich es, Freunde zu haben, mit ihnen zu teilen und zu lachen. Jeder im Heim war außerordentlich selbstständig und zielorientiert, man war einfach auf sich gestellt. Ab der 7. Klasse besuchte ich das „Roland-Stolz-Gymnasium“ in Prerow und nahm mir vor, nach erfolgreicher Absolvierung meines Abiturs, auszuziehen und zustudieren. Das reichte mir vorerst als Zukunftsziel. Meine gesamte Schulzeit lang war ich auf der Suche erfüllter Liebe. Mit 17, in der 12. Klasse wenn ich mich recht erinnere, dachte ich sie gefunden zu haben. Gertrud, damals reife 21, war schön und hatte lange, dunkle Haare. Ich wusste nun, mein Typ muss brünett sein! Wir lernten uns in einem Club kennen,  ich tanzte sie zu Mary Hopkins Hit  „Those Were The Days“ an und kamen schließlich zusammen.

Nach Beendigung der 13. Klasse und erfolgreichen Abschneidens im Abitur mit 1,9, packte ich die Sachen und zog fort. Ich blieb zunächst bei meinem besten und langjährigen Freund, Karlo Moxt, unter, bis ich eine Bestätigung meiner Bewerbungen bei diversen Universitäten bekommen würde. Mein Ziel war es Lehrer zu werden, in Sport und Geschichte. Ich musste unbedingt einen Job machen, wo ich vorrangig Kindern und Jugendliche den Weg weisen kann,  ihnen helfen im Alltag und natürlich der Schule. Früher in der Schule fragte ich mich oft, warum bestimmte Lehrer den Stoff nicht unkomplizierter und effektiver vermitteln können. Diesem Gedankengut vertrauend, zog es mich zur Uni nach Frankfurt/Main. Zu diesem Zeitpunkt, ´72 glaube ich, trennten sich Gertruds und meine Wege. Sie wollte lieber hier, in Prerow, an der schönen Ostseeküste, bleiben. Karlo ging den Weg des meinen und zog mit mir nach Frankfurt. Geschickt ließen wir uns `73 mit gefälschten ärztlichen Bescheinigungen ausmustern und konnten ohne Druck vom Bund unser Studium beginnen. Wir lebten in einer 2 Zimmerwohnung zu zweit und teilten uns daher die billige Miete. Es war schon eine ganzschöne Umstellung der Leistungsansprüche und des Niveaus. Aber selbst daran hatte man sich schnell gewöhnt und schuftete  von Semester zu Semester. Nebenbei, um das Studium zu finanzieren, ging ich jobben. Mal dort als Kellner, mal hier bei McDonalds. Mit 27 schloss ich schließlich mein Studium als Diplom-Lehrer ab und begann mein soziales Jahr im 12. Frankfurter Kindergarten „Freud oh´ Rose“. Sicherlich waren die folgenden 2 Jahre anstrengend und stressig, aber ich denke bis heute, dass es mir viel gebracht hat damals, mit kleinen Kindern zu arbeiten und an deren Erziehung mitzuwirken. Nun erhielt ich endlich die Bescheinigung des Lehrerseins und wurde verbeamtet. Ich war nun 29 und sollte in das Berufsleben einsteigen. Folglich meldete ich mich beim Schulamt und wurde Klassenlehrer einer 1. Klasse. Es war nicht leicht diese Zeit. So jung und dabei soviel Verantwortung tragen- da gehörte einiges an Nervenstärke dazu. 1983, mit 32 Jahren, sollte mein Leben ein entschiedenes Schicksal treffen. Die junge Lysan Gandalph, gerade mal 28, kam als neue Lehrerin auf die Schule und es war Liebe auf den ersten Blick. Sie betrat den Konferenzraum und unsere Blicke sprachen die eindeutige Sprache der Liebe. Eine Beziehung unter Kollegen war damals ungern gesehen, weshalb es schon belastend war, sie die ersten Jahre geheim zuhalten. Mit 34 Jahren, am 20. September ´1986 erblickte mein Sohn Manù das Licht der Welt. Lysan und ich beschlossen ein Haus hier in Frankfurt zubauen und erwarben ein Jahr später ein 1000m² großes Gründstück.

Die folgenden 2 Jahre der Bauzeit mieteten wir 3 uns eine 3 Zimmerwohnung nur wenige Meter entfernt unseres zukünftigen Heimes. Wir wechselten auch beide die Schule, des Arbeitsweges wegen und der Beziehung. Das heißt wir unterrichteten an separaten Schulen. 1988 sollten gleich 3 Ereignisse unser Leben schüren; Die Geburt unserer Tochter Leàn, die Einweihung unseres Hauses und Lysans und meine Hochzeit. Schon damals wusste ich meine unerfüllte Liebe in Lysan gefunden zuhaben. So vergingen die Jahre und man wurde reich an Erfahrung, blickte mit gehobenem Lächeln der Kindheit entgegen und wusste, man habe doch was erreicht. Meine Familie stellt für mich den einzigen wirklichen Sinn des Lebens dar, habe alles getan um meinen Kindern eine schöne, gesunde Kindheit zu ermöglichen. Ich denke, da ich mich sosehr auf meine Familie konzentrierte, brach der Kontakt mit der Außenwelt ein. Man geht halt arbeiten, beschäftigt sich daher mit Kindern und vielleicht auch netten Kollegen, kommt nach Hause und ab dann zählt nur noch die Familie für mich. Lysan sagt oft, ich soll mal wieder raus unter die Leute, aber im Laufe der Zeit habe ich mir mein eigenes Bild über unsere Gesellschaft gemacht und bin daher so froh, eine glückliche Familie zuhaben.

Das kapitalistische denken der Menschen wird sie eines Tages noch kaputt machen, die Modernisierung sie einholen […]. Ich philosophiere gern, mache mir Gedanken über den Menschen warum er so ist, weshalb er das so macht, usw. Trotzdem bin ich relativ Weltoffen und zugegeben komisch für mein Alter. Lysan nennt das dann immer scherzhaft „midlife-crisis“. Aber ich sehe mich nun mal selbst als einen Menschen, der auch mit 54 noch Motorrad fährt, Sport treibt und Lebensmut zeigt. Außerdem bin ich  spontan, entschlossen, selbstständig, offen und ehrlich. Dafür sehr kontakt-unfreudig, zu nachdenklich & liebe schwarzen Humor, womit ich oft auf falsche Reaktionen meiner Mitmenschen stoße. Toleranz ist für mich äußerst wichtig und wenn ich irgendetwas auf der Welt hasse, dann ist das Rassismus und Schwulenfeindlichkeit. Vielleicht geht letzteres auch nur aus einer kurzen, männlichen Affäre im Studium hervor. Aber darauf möchte ich nicht näher eingehen. Für die Zukunft habe ich mir eine Sache in den Kopf gesetzt, die ich unbedingt machen möchte; eine Weltreise mit Lysan für mehrere Jahre, wahrscheinlich aber erst im Rentenalter realisierbar. Bis heute habe ich keinen Kontakt mehr zu meinen Eltern gehabt . Mag sein das sie tot sind, mag sein das nicht…

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4.3 / 5 Sternen (6 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Darstellendes Spiel
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2005
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 13.07.16

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  • hixsiscibia schrieb am 14.01.2011:

    Vielen Dank fur die interessante information

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