Schulzeux.de > Deutsch

Anna Seghers Referat & Biografie

Inhaltsverzeichnis

Biografie Anna Seghers in kurz als Referat.

Anna Seghers Biografie (Referat)

Netty Reiling, so hieß Anna Seghers mit ihrem Mädchennamen, wurde am 19. November 1900 geboren. Sie war ein Einzelkind einer jüdischen, wohlhabenden Familie. Der Vater Isidor Reiling führte zusammen mit seinem Bruder eine Antiquitäten- und Kunsthandlung. Ihre Mutter Hedwig, geb. Fuld, stammte aus einem alteingesessenen Frankfurter Haus. Netty sagte von sich selbst, dass sie ein schlimmes Kind war, das ihren Eltern immerzu Probleme bereitete.
Sie kam auf eine sehr kleine, angesehene Privatschule, nach drei Jahren kam sie auf die Höhere Mädchen-schule und schließlich aufs Gymnasium. Als der 1. Weltkrieg beginnt, nimmt Netty Reiling zusammen mit ihren Mitschülerinnen an Kriegshilfsdiensten teil. Das Spannungsfeld zwischen Historie, Kunstgeschichte und christlichjüdischen Synkretismus* wurde für Netty ein prägendes Erlebnis. Sie gab sich nicht mit dem Abitur zufrieden und studierte an den Universitäten Köln und Heidelberg Kunstgeschichte, Geschichte und Sinolo-gie*. Während ihres Studiums nahm sie an marxistischen Diskussionszirkeln teil und lernt ihren späteren Ehemann László Radványi kennen. Anschließend folgten zwei Semester in Köln, die sie mit einer Promotion* über „Jude und Judentum im Werk Rembrandts“ abschloss. Ihren Doktortitel verwendete sie allerdings nie. Ihr war nur wichtig, das begonnene Studium diszipliniert abzuschließen.

Am 10. August 1925 heiratete sie den ungarischen Juden, Schriftsteller, Soziologen und Kommunisten László Radványi, der in der Bildungsarbeit der KPD aktiv war. Sein Parteiname war Johann-Lorenz Schmidt. Als Lehrer und Gelehrter widmete er sein ganzes weiteres Leben der Verbreitung von marxistischen Ideen. Sie bekamen zwei Kinder, Peter (*1926) und Ruth (*1928). Nettys Leben wurde zunächst durch die Mutterpflich-ten und das Schreiben von Geschichten ganz in Anspruch genommen. Sie trennte aber ihr Privatleben streng von ihrem Beruf. In ihren schriftstellerischen Arbeiten aus dieser Zeit setzte sie sich mit den Lebensbedingun-gen der unteren Gesellschaftsschichten auseinander. Ihren richtigen Namen legte sie ab, als ihre ersten Er-zählungen erschienen. Für ihren Novellenerstling „Der Aufstand der Fischer von St. Barbara“, mit dem sie als Anna Seghers mit einem Schlag berühmt wurde, und „Grubetsch“ erhielt sie von Hans Henny Jahnn die ange-sehenste deutsche Literaturauszeichnung, den Kleist-Preis. Zitat: „Es gab dabei zwei Linien: Erzählen was mich heute erregt, und die Farbigkeit von Märchen: das hätte ich am Liebsten vereint und wusste nicht, wie.“ Diese Aussage wird in der Forschung immer wieder zitiert, weil sie die frühen Erzählungen und das weitere Werk in ihrer Suche nach einer Verbindung von sozialem und dann politischem Engagement mit märchen-haften und mythischen Elementen sehr gut charakterisiert. Seghers’ ganze Neigung gehörte denjenigen, denen die Natur oder die Gesellschaft keine Vorteile gaben. Zitat: „Menschen, die es immer leicht haben und beson-ders strahlend sind, misstraut man etwas, ehe man sie auf die Probe gestellt sieht.“ Als Schriftstellerin, Redne-rin und Publizistin erwies sich Anna Seghers, die wegen ihres Schreibstils von einigen für einen Mann gehal-ten wurde, als durchaus emanzipiert. Selbstbewusst nahm sie ihren Platz zwischen den meist männlichen Kollegen ein.

Obwohl sie durch ihren Mann Kontakt zu kommunistischen Kreisen hatte, wurde sie politisch erst aktiv, nachdem sie als Schriftstellerin anerkannt wurde. Sie engagierte sich in der kommunistischen Arbeiterbewe-gung und trat in die KPD ein. Ein Jahr später organisierte sie sich im „Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller“ (Autorenorganisation der KPD) und nimmt das Pseudonym „Anna Seghers“ an. Der Deckname sollte im Dritten Reich auch von praktischem Nutzen sein: Während die Gestapo sie unter ihrem Künstlerna-men suchte, konnte sie als Frau Radványi flüchten. Seghers’ erste große Tagung war der zweite Internationale Schriftstellerkongress für politische und revolutionäre Literatur in Charkow. In dieser Zeit verschrieben sich Deutschlands Kommunisten immer enger der politischen Doktrin Stalins und die im Zeichen des Sowjetkom-munismus entstehende Kunst verlor immer mehr von ihrem einstigen Avantgardismus*. Ihre literarischen Vorbilder waren und blieben jedoch Kleist, Dostojewskij, Dos Passos und Kafka. Die Geschichten aus den ersten Kinderbüchern gefielen ihr bis zum Lebensende. Sie liebte Grimms Märchen, von dessen Sprache sie viel lernte. Den Sinn und Rhythmus mancher Sätze eignete sie sich an. Anna Seghers blieb ihr ganzen Leben eine eifrige Leserin. Stets bestand sie darauf, dass ihr Literatur Beistand zum Leben bot. Die Mutter, die Lite-ratur liebte, förderte diese Neigung ihrer Tochter.
Nach der Machtübernahme Hitlers wurde Seghers vorübergehend verhaftet und floh dann mit ihrem Mann über die Schweiz nach Frankreich. Ihre Kinder blieben zunächst bei den Großeltern. Sie war Mitherausgeberin der in Prag erscheinenden Exilzeitschrift „Neue Deutsche Blätter“ und Mitbegründerin des Schutzverbandes Deutscher Autoren. Ihre erste Veröffentlichung, „Der Kopflohn“, ist der Roman einer politischen Verfolgung, angesiedelt im ländlichen Milieu. Die Auseinandersetzung um den internationalen Faschismus bestimmte sämtliche Arbeiten, als Historiografie, als Parabel und als Stoff. Mit „Der Weg durch den Februar“ und „Der letzte Weg des Koloman Wallisch“ wandte sie sich dem aktuellen politischen Geschehen in Österreich zu. Mit dem Roman „Die Rettung“ kehrte sie literarisch zurück ins Land ihrer Herkunft und beschrieb politische Schicksale aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise.

Dies alles erscheint im Nachhinein wie eine Vorarbeit oder Fingerübung zu jenem Roman, der ihr Weltruhm verschaffte und der heute als das wohl gültigste literarische Porträt Deutschlands unter dem Zeichen der Hit-lerherrschaft gelten darf: „Das siebte Kreuz“. Nach der Besetzung Frankreichs verlässt sie mit Mann und Kin-dern Frankreich und gelangt nach Mexiko. Hier arbeitet Anna Seghers trotz der Schwierigkeiten des Exille-bens auf politischer und kultureller Ebene weiter. In Mexiko City wird der Heinrich-Heine-Klub mit Anna Seghers als Präsidentin gegründet. 1942 erscheint „Das siebte Kreuz. Roman aus Hitlerdeutschland“ in eng-lisch in den USA und als deutsche Ausgabe beim Verlag der Freien Deutschen. 1946 erscheint „Das siebte Kreuz“ erstmals in Deutschland.

Fast fünfzehn Jahre nach ihrer Flucht kehrte sie über Schweden und Frankreich nach Berlin zurück. Ihre Kin-der studierten in Frankreich und ihr Mann folgte ihr erst später wegen Reisebeschränkungen des kalten Krie-ges. Er wird Professor für Wirtschaftswissenschaften in Berlin. Gemeinsam mit ihm träumte sie von einem neuen Deutschland, in dem es soziale Gerechtigkeit, aber keine Gnade für Nazis gäbe. Als dann die DDR gegründet wurde, sah sie darin „zum ersten Mal in der Geschichte einen Staat, in dem die Macht in den Hän-den der Menschen liegt, die den Frieden wünschen und soziale Gerechtigkeit und Freiheit.“ Sie wollte diesen Glauben, der vor allem auf Hoffnung basierte, nicht aufgeben, obwohl sie wusste, dass viele der Hände schmutzig waren. Für sie blieben es einzelne Hände, die der richtigen Grundlage nichts anhaben konnten. Die während dieser Zeit entstandenen Romane sind der Literaturauffassung des sozialistischen Realismus ver-pflichtet. Sie wurde Vizepräsidentin des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“ und auch Vorsitzende des Schriftstellerverbandes der DDR.

Erst 1962 erscheint in Westdeutschland die erste Ausgabe des Romans „Das siebte Kreuz“. Die Erzählungs-bände „Karibische Geschichten“, „Die Kraft der Schwachen“, „Sonderbare Begegnungen“, „Drei Frauen aus Haiti“, sowie Aufsätze jener Zeit beweisen die ungebrochene Kraft der Schriftstellerin, menschliche Schicksale in einem gesellschaftlichen Geflecht zu erfassen. Waren die Romane und Erzählungen ihrer Exilzeit vom Heimweh nach Deutschland bestimmt, so waren ihre Erzählungen der sechziger und siebziger Jahre von der Sehnsucht nach Ferne und Weite, Freiheit und Glück geprägt.

Später wird Anna Seghers noch der Kulturpreis des Weltfriedensrates und die Ehrenbürgerschaft von Ostber-lin verliehen. Obwohl sie eine der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellerin war, bekam sie nur wenig Anerkennung. So erhielt sie erst kurz vor ihrem Tod die Ehrenbürgerschaft der Universität Mainz, dann die ihrer Geburtsstadt Mainz. Diese Zeit war jedoch vom Tod ihres Mannes mit zunehmender Gebrechlichkeit gezeichnet. Die Schriftstellerin Anna Seghers stirbt 82-jährig nach langer Krankheit am 01. Juni 1983 in Ostberlin und wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlinmitte neben ihrem Mann beigesetzt.

Sie war eine lebendige, bis ins Alter schöne, etwas eitle und gesundheitlich keineswegs robuste Frau, die gern lustig war, aber oft Grund zur Verängstigung hatte. Sie war äußerst zäh und lernte in ihrem unsicheren Leben Loyalität und etwas Festes überaus zu schätzen. 

In ihrem Testament verfügte Anna Seghers, dass die Tantiemen ihrer Werke zur Unterstützung junger Künst-lerinnen und Künstler aus der DDR und aus sogenannten Entwicklungsländern dienen sollen. Diese Aufgabe erfüllt gegenwärtig die 1995 gegründete Anna Seghers-Stiftung, in dessen Vorstand die Tochter Ruth Radványi sitzt.

*Synkretismus: Verschmelzung von philosophischen Lehren, Kulturen, Religionen 
*Sinologie: Wissenschaft der chinesischen Sprache, Kultur, Geschichte und Politik
*Promotion: Verleihung der Doktorwürde
*Avantgardismus: künstlerischer oder politischer Vorkämpfer

ANZEIGE Klassenfahrt
Jugendreise.de organisiert erlebnisreiche Schüler Klassenfahrten und fast jede Form von anderen Gruppenreisen.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4.5 / 5 Sternen (2 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt:
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 30.07.16

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 5 plus 1? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+