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"Anrufung des großen Bären" Interpretation (Ingeborg Bachmann)

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Gedichtinterpretation "Anrufung des großen Bären" - Ingeborg Bachmann

Die österreichische Schriftstellerin und Lyrikerin Ingeborg Bachmann wurde 1926 in Klagenfurt geboren und verstarb 1973 in Rom an den Folgen eines nicht geklärten Wohnungsbrandes.
In Innsbruck, Graz und Wien studierte sie Philosophie. Sie übernahm eine einjährige Gastdozentur für Poetik in Frankfurt am Main. Ihr unabhängiges lyrisches Schaffen hatte oft einen harten Klang bei eindringlicher natürlicher Sprachmelodie.
Die verschlüsselte Gedankenlyrik, vorherrschend in freien Rhythmen, verbindet Intel-lekt und Poesie. Melancholisch steht das Ich einer feindlichen Realität gegenüber; zerstörte Liebe, Scheitern und Untergang führen zu dem immer wiederkehrenden Thema des neuen Aufbruchs ebenso auch die Freiheit und die Problematik des Ich’s. Ingeborg Bachmann übersetzte auch Gedichte von G. Ungaretti.

Das Gedicht „Anrufung des Großen Bären“ wurde 1956 von Ingeborg Bachmann geschrieben. In ihm geht es um die Anerkennung und zugleich Furcht vor dem Großen Bären, der als Sinnbild von Gott steht. 
Die Anrufung oder das Gebet richtet sich an Gott, den die Menschen fürchten, ihm aber auch gleichzeitig zu Füßen liegen.
Die 1. Strophe der „Anrufung des Großen Bären“ besteht aus 11 Zeilen, die 2. aus 7 und die 3. und 4. Strophe aus 5 Zeilen. Es kann kein bestimmtes Reimschema fest-gemacht werden, weil sich die Endungen der Verse nicht reimen.

Ingeborg Bachmann benutzt schon die Überschrift des Gedichts „Anrufung des Gro-ßen Bären“ als Schlüssel zum ganzen lyrischen Werk. Die Anrufung des Sternenbilds wird als Anrufung oder Gebet an Gott gesehen. 
Schon in der ersten Strophe wird die Formsprache der Lyrikerin offensichtlich. Sie trennt nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Form den lebendigen, im Wald leben-den Bär von dem Sternenbild als Symbol Gottes, indem sie die Eigenschaften des lebenden Bären auf das Sternenbild überträgt. So dient der Bär als Metapher zum „Großen Bären“.
Der Bär im Gedicht von Ingeborg Bachmann aber hat zwei Seiten: einerseits wird der „alte Bär“ als gebrechlich und schwach beschrieben mit seinen „müden Flanken“ und „alten Augen“; letzteres eine gekonnt eingesetzte Alliteration als stilistisches Mittel. Doch trotz allem unterschätzen ihn die Menschen nicht wegen seiner scheinbaren Altersschwäche. Er strahlt nämlich andererseits auch eine gewisse Ge-fahr und Wachsamkeit aus, die den im Gedicht genannten Hirten, die ihre Herden schützen müssen, Angst macht und ein Misstrauen auslöst. Das kommt daher, dass der Bär durch seine „scharfen Krallen“ und „halbentblößten Zähne“ doch nicht so er-schöpft wirkt, wie er im ersten Moment erscheint.
Das Sternenbild des „Großen Bären“ wird „Wolkenpelztier“ mit „Sternenaugen“ und „Sternenaugen“ beschrieben.

In der zweiten Strophe spricht der Bär selbst als lyrisches Ich und stellt sich gleich mit Gott. Er stellt die Tannenzapfen als Symbol der Welt dar, und die Menschen 
seien die Schuppen daran. Gott benutzt die Erde und die darauf lebenden Menschen als Spielball, verglichen mit dem Bär, der im Wald mit Zapfen spielt.
Der Bär treibt die Zapfen und rollt sie vom Anfang des Waldes bis zum Ende. Bei dieser Passage „von den Tannen im Anfang zu den Tannen am Ende“ handelt es sich um eine Bibelanlehnung von Ingeborg Bachmann; der Anfang und das Ende alles Seins, oder auch A? (Alpha und Omega). Der Bär testet die Zapfen im Maul genauso wie Gott die Menschen auf Prüfung stellt, ob sie auch seinen Vorstellungen entsprechen und nach seinem Willen leben. Alles was nichts wert ist, wird vernichtet, egal ob Menschen oder Erde.

Die erste Zeile der dritten Strophe erinnert an die Propheten des Alten Testaments. „Fürchtet auch nicht“ sagt Jesus öfter im Neuen Testament und versucht damit Gott als liebenden Vater näher zu bringen. In diesem Fall aber handelt es sich um einen Umdrehung des Bibelsatzes denn bei Fürchtet euch oder fürchtet euch nicht“ pas-siert etwas wovor die Menschen Angst haben. Aus Angst Gott zu verärgern, werden die aufgefordert in den Klingelbeutel zu zahlen und gut zu allen Menschen zu sein, damit sie von Gott nicht bestraft werden. Im Klingelbeutel werden eigentlich Gelder für Arme Menschen und für gute Zwecke gesammelt. Darin besteht auch die Ironie dieser Passage, weil den Leuten in der Kirche ein Zwangsfrömmigkeit aufgesetzt wird, da sie in den Klingelbeutel zahlen müssen. Sie sollen christlich handeln und sich loyal anderen gegenüber verhalten. Gott steht in dieser Passage im Sinnbild des „blinden Mannes“ der seinen Bären, diesmal aber das Sternenbild „Großer Bär“ an der Leine hält. Gott ist als Blinder dargestellt, damit er nicht sieht, dass die Bevölke-rung gar nicht so gottesfürchtig ist. Gott soll mit Almosen und Gebeten abgespeist werden im Glauben, Gott mit Kleinigkeiten im Schach halten zu können. Auch sollen Gott Opfergaben gebracht werden, indem die Menschen ihre Lämmer gut würzen und das Wüten von Gott kann besänftigt werden. Doch eigentlich werden die Läm-mer nicht von Gott gegessen, sondern von den Menschen selbst. Dabei zeigt sich das Christentum als sehr eigennützig und nicht solidarisch. 

Andernfalls, wie in der vierten Strophe geschildert, reißt sich der Bär los. Gott wird sauer auf die Menschen, weil sie nicht in seinem Willen gehandelt haben. Er zerstört nicht nur einen Zapfen oder nur die Welt, sondern das gesamte Universum mit sei-nen Planeten. Dabei stürzen die Planeten, oder die Sterne vom Himmel, das Him-melszelt stürzt zusammen und es droht ein Weltuntergang und Naturkatastrophen. Ebenso die Zapfen, die von den Tannen fallen und in die Tatzen des starken Bären gelangen. Hier in diesem Fall steht die Tanne, als Baum der Erkenntnis. 
Die Welt wird als eine unter vielen kosmischen Welten dargestellt und Gott hat alle im Griff.

Nun stelle ich mir die Frage, ist es wahr, dass alle, die sich von Gott abwenden, gleich böse sind? Das muss doch nicht sein. Es gibt nun mal auch Völker, die keinen bestimmten Gott anbeten, dann wären ja viele Menschen nach der christlichen Reli-gion böse. 
Auch stelle ich den Begriff Gottesfurcht in Frage. In diesem Gedicht von Ingeborg Bachmann kann Gottesfurcht in zwei Richtungen interpretiert werden. Eigentlich ist mit Gottesfurcht die Anerkennung, Würdigung von Gott gemeint. Es ist also keine richtige Furcht vor Gott. Doch in „Anrufung des Großen Bären“ haben die Menschen wirklich Angst vor Gott, dass er ihnen etwas antut und die Anerkennung verwandelt sich in Furcht vor Gott.

Ingeborg Bachmann bringt das Sternenbild des Großen Bären in Verbindung mit Gott und stellt zwischen ihnen eine Metapher her. Damit will die Lyrikerin ihre Leser zum Nachdenken anregen, damit sie sich auch einmal über ihre Taten bewusst werden und überlegter handeln. Die Lyrikerin will einem näher bringen, dass die Menschen immer erst begreifen müssen, was sie falsch gemacht haben, wenn etwas passiert und sie erkennen, dass sie Fehler gemacht haben. Ende der Interpretation des Gedichts von Ingeborg Bachmann: Anrufung des Großen Bären - gerne könnt ihr dazu kommentieren!

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4.2 / 5 Sternen (9 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2005
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 03.12.16

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