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Bertolt Brecht Referat

Inhaltsverzeichnis

Folgend ein ausführliches Referat zum Leben Bertolt Brechts!

Das Leben Bertold Brechts - Referat, Gliederung:


1 Einleitung

2 Leben und Schaffen Bertold Brechts

2.1 Kindheit und Jugend

2.2 Frühwerke und die Anfänge des epischen Theaters (1919- 1933)

2.3 Exilzeit (1933- 1947)

2.4 Spätwerk (1948- 1956)

2.5 Konzeption des epischen Theaters

2.6 Das Parabelstück "Der gute Mensch von Sezuan" (1941)

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

1 Einleitung


Bertold Brecht- ein Name der jedem geläufig ist- doch kaum jemand weiß wirklich etwas über ihn- über seine Lebensstadien und -werke.
Seine teils realistischen, teils unwirklichen und satirischen Erzählungen, Gedichte und Balladen machten ihn zu einem der einflussreichsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Er war ein Mensch, der kein Blatt vor den Mund nahm, weder in seinen Stücken und noch weniger im Alltag. So äußerte er zum Beispiel folgenden Satz "Die Schriftsteller können nicht so schnell schreiben, wie die Regierungen Kriege machen; denn das Schreiben verlangt Denkarbeit". (Quelle Kesting, S.20) Was ihn zu dieser Denkarbeit bewegte und was die Ergebnisse daraus sind, möchte ich nun in meinem Referat darstellen.

2. Bertolt Brechts Leben und Schaffen


2.1 Kindheit und Jugend

Eugen Berthold Friedrich Brecht, der später als Bertold Brecht bekannt wurde, wird am 10. Februar 1898 in Augsburg als Sohn einer bürgerlichen Familie geboren. Der Vater Berthold Friedrich Brecht ist zur Zeit der Geburt des ersten Sohnes Angestellter in einer Papierfabrik. Seine soziale Stellung und sein Einkommen ermöglichen der Familie ein materiell unbesorgtes Leben.
Der Vater, ein vielbeschäftigter Mann, bestand auf Autorität in der Familie, war streng, aber nicht engherzig. So ließ er trotz aller Skepsis gegenüber den literarischen Versuchen seines Sohnes die Sekretärinnen der Papierfabrik dessen Manuskripte auf der Maschine schreiben.
Von 1904 bis 1908 besuchte Brecht die Volksschule, langweilte sich jedoch nach eigenen Aussagen diese 4 Jahre lang. Auf dem anschließenden Gymnasium lernte Brecht zwar die deutschen Klassiker sowie Corneille und Shakespeare kennen, jedoch bildete sich sein Kunstverstand vor allem durch das, was er über das Schulpensum hinaus an klassischer und zeitgenössischer Literatur las: Rilke, Rimbaud, Hauptmann, Wedekind und auch die Bibel. Auch war er schon immer ein fleißiger Theaterbesucher.
Brechts Wesen und Denken wurde sehr durch die Augsburger Umgangssprache, die Ausdrücke und Redewendungen der Handwerker und Straßenhändler nachhaltig beeinflusst. Bereits als Schüler fiel Brecht durch selbstständiges und kritisches Denken auf. Er war gegen seine Lehrer und deren Denkweise von aufsässiger Respektlosigkeit. Weder seinen Eltern, noch seinen Lehrern gelang es, ihm zu einem "nützlichen" und braven Bürger zu erziehen. Schon mit 16 veröffentlichte Brecht erfolgreich Gedichte und war der Mittelpunkt der sogenannten "Brecht- Clique". In diesem Freundeskreis trug er viele Gedichte vor, sich selbst auf der Gitarre begleitend. Brecht sang, wie sich einer seiner Freunde erinnert, "nicht schön, aber mit hinreißender Leidenschaft".
Er durchschaute die Verlogenheit der "guten Gesellschaft", konnte ihr allerdings zunächst noch nichts anderes entgegensetzen als freche, herausfordernde Verachtung. Schlauheit und gewissermaßen politisches Handeln zeigte sich bald in sehr nachträglicher Form, in einem Aufsatz aus dem Schuljahr 1915/ 1916. Die Schüler hatten einen Aufsatz über das Thema "Süß und ehrenvoll ist es für das Vaterland zu sterben" zu schreiben. Dieser Meinung war der 18jährige nun gar nicht. Er wertete den Ausspruch als "Zweckpropaganda" und vollbrachte somit einen kleinen Schulskandal. Nur durch die Aussage eines Lehrers, der meinte, das Gehirn des Schülers sei durch den Krieg verwirrt, kam Brecht mit einer Schulstrafe davon, die im Jahreszeugnis vermerkt wurde.
1917 besteht er sein Abitur und beginnt noch im selben Jahr Philosophie und Medizin an der Universität München zu studieren.  Weiter geht es im Brecht Referat:
Brechts unsystematisches Studium der Naturwissenschaften, der Medizin und vor allem der Literatur wurde 1918 durch seinen Dienst als Sanitätssoldat in einem Augsburger Lazarett unterbrochen. Das Elend der Verkrüppelten und die skrupellosen Praktiken der Musterungskommission hat Brecht nie vergessen -von da an datiert seine entschiedene pazifistische Haltung.
Zu dieser Zeit schreibt er die "Legende vom toten Soldaten", der auf Befehl des Kaisers aus dem Grab geholt wird, um ein zweites Mal sterben zu können. Brecht enthüllt die verantwortungslose Haltung der Militärs und der Geistlichen. Klare politische Ziele verfolgte Brecht damals nicht, wohl aber wandte er sich protestierend gegen die Hurrapatrioten und gegen die, für die der Krieg ein Geschäft war.
1918 schreibt er sein erstes Stück Baal. Seine "Helden" suchte er nicht unter den Leuten seiner bürgerlichen Umgebung, sonder stets unter Asozialen, Seeräubern und sagenhaften Eroberern- in diesem Fall ist es ein Säufer und Mörder.
Ein politisches Bekenntnis des Studenten Brecht war seine Tätigkeit als Theaterkritiker für die Augsburger Tageszeitung "Volkswille". Er begann in kühner Sprache mit einem erbarmungslosen Aufräumen, das sich nicht nur auf die Zustände des Provinztheaters seiner Vaterstadt richtete. Während dieser Zeit schloss er Freundschaft mit Lion Feuchtwanger und Johannes R. Becher.
1919 pendelte Brecht zwischen München und Augsburg hin und her, absolviert zwar auch sein Studium, bewegte sich aber vor allem im Münchens Literatur- und Theaterkreisen.  Merke aber: im Referat soll nur das wichtigste stehen, nicht alle Details aus dem Leben brechts!

Während der Studienjahre gewann die künstlerische Grundhaltung des bayrischen Komikers Karl Valentin großen Einfluss auf Brecht. Die Anregungen und sprachlichen Einflüsse aus Valentins Volkstheater sind in vier Einaktern zu erkennen: z. B. "Die Kleinbürgerhochzeit", "Der Bettler oder der tote Hund".
Obwohl sozialkritische Textteile schon zunehmend deutlich in diesen Stücken auftauchten, wurden sie doch in einem vorwiegend verrückten und scherzenden Ton bestimmt. Man ordnet die zu dieser Zeit geschriebenen Stücke in die expressionistisch-anarchistische Frühphase Brechts ein.

2.2 Frühwerke und die Anfänge des epischen Theater (1919- 1933)

Nach dem Tod Brechts Mutter 1920, siedelt Brecht ganz nach München über und mietet für sich und die Augsburger Sängerin Marianne Zoff, die er 1922 heiratet, ein Zimmer. Dort arbeitet er als Dramaturg an den Münchener Kammerspielen.
Inzwischen hat er Kontakt mit Berliner Verlagen aufgenommen und seine "Trommeln in der Nacht" sichern ihm die Beachtung weiter literarischer Kreise. Spätestens, nachdem er den Kleist Preis für seine Komödie 1922 erhalten hat, rückt er in die erste Reihe moderner Dramatiker. Eine ganz neue Auffassung vom Theater kündigt sich an.
Nur wenige Monate nach der Hochzeit mit Marianne Zoff, im November 1922, wurde die Tochter Hanne geboren, die unter dem Namen Hanne Hiob als Schauspielerin bekannt geworden ist.
Im Frühjahr 1922 fuhr Brecht nach Berlin, um mit Verlagen von Theatern zu handeln, jedoch kann sich Brecht, obwohl er sparsam lebt nicht in Berlin halten, seine Einkünfte waren zu gering. Auf Grund dessen, reiste er wieder auf sein Zimmer nach München. Wenig später
wurde er sogar wegen Unterernährung für kurze Zeit in die Charité eingeliefert. Doch nach der Inszenierung "Eduards des Zweiten", 1924, an den Münchener Kammerspielen nahm dieses ungesicherte Dasein ein Ende. Er bekam ein Dramaturgenangebot und siedelt endgültig nach Berlin in seine Atelierwohnung um.
Seit Mitte der 20er versuchte er herauszufinden, wie die Verhältnisse wirklich waren und wie sie verändert werden können. Die Antworten findet er bei Marx und Engels. Ernsthaft begann er in Abendkursen den Marxismus zu studieren. Seine Werke jener Zeit zeichnen noch eine Übergangsperiode; er gibt sich zwar gesprochen sozialkritisch, aber keineswegs konsequent marxistisch.
Mit dem 1926 in Darmstadt uraufgeführten "Mann ist Mann" stellt Brecht ein Gleichnis für die Manipulierbarkeit der Persönlichkeit unter kapitalistischen Verhältnissen auf.
Brecht hatte bereits bei den Proben zur Berliner Aufführung von "Trommeln in der Nacht" 1922 die Schauspielerin Helene Weigel kennen gelernt. Am 3. November 1924 wurde ihr Sohn Stefan geboren. Die Ehe mit seiner ersten Frau wurde 1927 geschieden. Die Heirat mit Helene Waigel fand 2 Jahre später statt. 1930 wurde die Tochter Babara geboren.
Bis zum Jahre 1928 arbeitet er an der "Dreigroschenoper", nach den Motiven der alten englischen "Beggars Opera" (1728). Darin gestaltete Brecht ein Abbild der bürgerlichen Gesellschaft, wie er sie sah: als Ausbeuterordnung, die auf Verbrechen beruht und ständig neue Verbrechen hervorbringt, um weiterleben zu können. Hier fand sich erstmals ein Niederschlag des Marxismus mit Sprüchen wie: "Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral". Nach der Uraufführung in Berlin, feierte Brecht mit seiner "Dreigroschenoper", zu der Kurt Weill die Musik schrieb, den größten Theatererfolg der Weimarer Republik. Das Stück stellt die erste konsequente Durchführung seiner Theorie vom "epischen Theater" dar. Der sensationelle Erfolg brachte Brechts Namen weit über Deutschland hinaus.
Nachdem sich Brecht zum Sozialismus bekannte, schrieb er eine Reihe so genannter "Lehrstücke". Darunter zählt "Die Maßnahme" (1930), "Der Jasager" und "Der Neinsager", beides Schulopern sowie Die Mutter (1932)
Von 1928 bis zur Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 schrieb Brecht mehrere musikalische Dramen, darunter etwa Die Literaturoper "Aufstieg und Fall der Stadt Mahogonny" (1930), eine Parodie auf die Exzesse des genusssüchtigen Kapitalismus in einer "imaginären Stätte der Vergnügungen" sowie das Drehbuch zu dem "Dreigroschenfilm” "Die Beule" (1930). Zu dem Film "Kuhle Wampe" schrieb er das "Solidaritätslied", das den Kampf der Arbeiter gegen die Ausbeutung und gegen den Faschismus unterstützen sollte.

2.3 Exilzeit (1933-1947)

Als Gegner Hitlers floh Brecht in der Nacht nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 über Prag und Wien in die Emigration. Zunächst lebte Brecht in der Schweiz und traf sich mit Heinrich und Thomas Mann sowie mit Lion Feuchtwanger und Arnold Zweig. Da ihm die Schweiz zu teuer war, übersiedelte er zunächst nach Paris, dann in ein kleines Bauernhaus an der dänischen Küste, bei Svendborg. Dort lebte er mit Unterbrechungen bis 1939. Brecht stellte seine ganze Arbeit als Dichter und Dramatiker in den Dienst der antifaschistischen Sache. Er wollte die Wahrheit über den Faschismus verbreiten und Anleitung zum antifaschistischen Handeln geben.
Bereits im Mai 1933 wurden die Bücher Brechts offiziell in Deutschland verboten und symbolisch auf den Scheiterhaufen verbrannt. 1935 wurde ihm die Staatsbürgerschaft des Deutschen Reiches aberkannt.
Die Jahre der Emigration waren trotz aller Unruhen von steter literarischer Produktion geprägt. 1934 veröffentlichte er den "Dreigroschenroman", die epische Verarbeitung der "Dreigroschenoper". Außerdem nimmt er am ersten internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur in Paris teil. In den Jahren des Exils arbeitete er bei verschiedenen Emigrantenzeitschriften mit, darunter "Die Sammlung" (Amsterdam) und "Die neue Weltbühne" (Prag).
Den Trennungsstrich zu seinem vorherigen Leben hatte Brecht längst gezogen. So schreibt er in dem autobiographischen Gedicht "Verjagt mit gutem Grund" folgendes: "Ich bin aufgewachsen als Sohn wohlhabender Leute […], aber als ich erwachsen war und um mich sah, gefielen mir die die Leute meiner Klasse nicht […] und ich verließ meine Klasse und gesellte mich zu den geringen Leuten…" (Quelle Gehrke, S.7).
Zeitungen, Radio und gelegentliche Besuche waren Brechts einzige Berührungen mit der Außenwelt. Hin und wieder fuhr er nach Paris und London, um seine Stücke unterzubringen. Doch die Abgeschiedenheit kam seinen Werken zugute. In den Jahren 1933- 38 schrieb Brecht seine bedeutendsten Dramen: "Das Leben des Galilei", "Mutter Courage" und "Der gute Mensch von Sezuan". Außerdem entstanden die Svendborger Gedichte, die eine neue Periode der Brechtschen Lyrik einleiten. Es sind politische Satiren, Lehr- und Warngedichte, die die Kriegsvorbereitungen aufdecken und nach einem Zeichen des Widerstandes suchen. So z.B. folgendes Gedicht: "Auf der Mauer stand mit Kreide: Sie wollen den Krieg. Der es geschrieben hat, Ist schon gefallen." (Quelle Kesting, S. 75).
In der 24 teiligen Szenenfolge " Furcht und Elend des Dritten Reiches" (1938) setzte sich Brecht mit Erscheinungen des alltäglichen Lebens in Hitlerdeutschland auseinander. Er zeigt, wie Menschen zu Werkzeugen des Faschismus entwürdigt werden, wenn sie sich anzupassen versuchen.
Über Schweden, Finnland und die Sowjetunion gelangte Brecht 1941 schließlich nach Kalifornien, wo er, in der Nähe von Hollywood lebend, den Dichter Lion Feuchtwanger wieder trifft und Freundschaft mit Charlie Chaplin schließt.
In der Zwischenzeit werden die Dramen " Mutter Courage und ihre Kinder", "Der gute Mensch von Sezuan" sowie das "leben des Galilei" in Zürich uraufgeführt.
Im November 1947 musste sich Brecht einem Verhör vor dem Washingtoner "Komitee zur Bekämpfung unamerikanischer Umtriebe" unterziehen, das ihm kommunistische Gesinnung vorwarf.
Brecht bekannt sich zwar zum Marxismus, verwahrte sich aber gegen die Behauptung, jeweils selbst einer kommunistischen Partei angehört zu haben. Im Dezember des gleichen Jahres kehrte er nach Europa zurück.

2.4 Spätwerk (1948-1956)

Nach einem Aufenthalt am Züricher See siedelte Brecht im August 1948 nach Ostberlin über. Die Alliierten hatten ihm zuvor die Einreise in die westlichen Besatzungszonen Deutschlands verweigert. In Ostberlin wurde er zunächst Generalintendant des Deutschen Theaters, ein Jahr später gründete er zusammen mit seiner Frau Helene Waigel das Berliner Ensemble, wobei sie die großzügige Unterstützung der DDR- Regierung erfuhren. Charakteristisch für Brechts Theaterarbeit wird die Einheit on Stückschreiber, Theoretiker und Regisseur. Im gleichen Jahr wurde Brecht die Mitgliedschaft der Akademie der Künste in Ostberlin angetragen.
In dieser Zeit schrieb er u.a. das "Aufbaulied" (1948) und "Sprüche und Volkslieder". Sie sprechen alle von den benötigten Denk- und Verhaltensweisen, um die revolutionären Veränderungen herbeizuführen.
1950 erwarb er die österreichische Staatsbürgerschaft, wobei die Tatsache zu Hilfe kam, dass Helene Waigel gebürtige Wienerin war.
Ein Jahr später verlieh ihm die DDR- Regierung den "Nationalpreis" für sein Gesamtwerk. Die letzten Lebensjahre gehörten vor allem der Vertiefung seiner dramatischen Theorie vom Epischen Theater.
Für die "Festigung des Friedens zwischen den Völkern" bekam er 1954 den internationalen Leninpreis. In diesem Jahr zog das Berliner Ensemble in das Theater am Schiffbauerdamm.
Eine seine letzten literarischen Arbeiten war die 1955 fertig gestellte "Kriegsfibel".
Brecht starb im August 1956- mit 58 Jahren- an einem Herzinfarkt in Berlin. Noch im selben Monat wurde er auf dem Berliner Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt.

2.5 Konzeption des epischen Theaters

Die entscheidende Abwendung Brechts vom Illusionstheater und die Entwicklung seines "epischen Theaters" beruht auf der marxistisch geprägten Überzeugung von der Veränderbarkeit der geschichtlichen Welt durch den Menschen.
Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist die 1949 erschienene Schrift "Kleines Organon für das Theater". In diesen 77 thesenhaft formulierten Abschnitten fixiert Brecht die Positionen des epischen Theaters.
Nach Brechts Ansicht entspricht das Theater nicht mehr den politisch- gesellschaftlichen Ansprüchen seiner Zeit. Auf Grund dessen erprobte er eine Dramaturgie und Spielweise, die er als "nicht- oder antiaristotelisch" bezeichnete. Diese stellte er bewusst in den Gegensatz zum bürgerlichen Illusionstheater, denn dieses bot zu wenige Einsichten in die gesellschaftliche Hintergründe und Gesetzmäßigkeiten.
Brecht strebte statt des Mitleidens des Publikums ein denkendes Publikum an. Die Zuschauer sollten alle noch vorhandenen Illusionen über die Wirklichkeit loswerden. Sie sollen nicht einfach bloße Konsumenten der Bühnenkunst sein, sondern intellektuellen Abstand bewahren.
Ihm ging es um die Sicht der "anderen Seite", der Unterdrückten. Um das Bewusstsein und die Urteilskraft des Zuschauers zu aktivieren, verfremdete Brecht die dramaturgische Vorführung. In dieser Verfremdung konfrontiert er zwei unstimmige oder absurde Situationen. Alltägliche, bekannte Situationen werden auf eine neue Weise betrachtet und rufen einen Schock oder eine Verblüffung hervor. Dies führt dann dazu, dass die Einfühlung des Zuschauers in die Bühnenfigur unterbunden oder zumindest unterbrochen wird. Der Zuschauer behält Kontrolle über die Figur und kann aus der Distanz betrachten.
Auch durch die bildhaft naturalistische Sprache und dem Gebrauch eines derben Worts wollte Brecht den Geschmack des bürgerlichen Theaters schocken.
Die parabelhaften Demonstrationen von menschlichen Zuständen in den Stücken zwingen zum Denken. Durch die Erkenntnis und die Verbreitung der Wahrheit soll die Welt verändert werden und der Zuschauer auf vergnügliche Weise gelehrt und gelernt werden.

2.6 Das Parabelstück "Der gute Mensch von Sezuan" (1941)

Die Parabel als eine besondere Art der lehrhaften Dichtung illustriert eine Wahrheit, indem sie einen vergleichbaren Vorgang oder eine vergleichbare Erscheinung aus einem Bereich so darbietet, dass durch Analogieschluss die eigentlich angestrebte Erkenntnis erreicht wird.
Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" zeigt an dem Einzelfall des chinesischen Mädchens Shen Te, dass es unmöglich ist, "gut zu sein und doch zu leben". (Quelle Gehrke, S.26)
Auf der Suche nach einem guten Menschen wandern drei Götter durch die Stadt. Ihre Absicht ist es, dass Gerede zu widerlegen, man könne auf der Erde nicht gleichzeitig die Gebote der Götter einhalten und dennoch leben, weil die ökonomischen Bedingungen zu unerträglich sind (die Armut der Stadt).
Alle Versuche den Göttern ein Nachtlager zu beschaffen, schlagen fehl. Niemand will sie aufnehmen. Letztendlich bleibt nur noch die Prostituierte Shen Te übrig, die sich trotz Hungers und obwohl sie die Miete bis zum nächsten Tag aufzubringen hat, einen schon vorangemeldeten Freier entgehen lässt, um den drei Göttern ein Dach über dem Kopf zu bieten.
Aus Dankbarkeit verhelfen die Götter dem Mädchen zu einem Tabakladen, dessen Erträge Shen Te künftig für die Unterstützung der Armen zu verwenden gedenkt. Doch noch ehe das Geschäft sich entwickeln kann, ist es durch die guten Taten der Inhaberin vom Ruin bedroht.
Um den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu vermeiden und damit die Hilfsquelle "Tabakladen" zu retten, verkleidet sich das Mädchen als erfundener Vetter Shui Ta. In dieser Gestalt handelt sie einzig nach den Gesichtspunkten der ökonomischen Zweckmäßigkeit, d.h. egoistisch. Ursprünglich war die Verwandlung in den Vetter Shui Ta nur als Ausweg aus einer verzweifelten Lage, als einmaliger Vorgang beabsichtigt. Doch der Zwang der Gegebenheiten veranlasst, dass Shui Ta immer und immer wieder erscheint.
Die Armen, scheinbar ihrer Helferin beraubt, zerren den Vetter vor Gericht und beschuldigen ihn des Mordes an ihrer Wohltäterin.
Dem Gericht stehen die drei Götter vor. Nachdem sich- unter Ausschluss der Öffentlichkeit- der vermeintliche Shui Ta den Göttern als Shen Te zu erkennen gegeben hat, wird sie von den Götter allein gelassen.

Das Stück stellt die Frage: Kann die kapitalistische Welt so bleiben, wie sie ist?
Diese bedeutende gesellschaftliche Frage wird auf die Person des Mädchens Shen Te projiziert. Der Grundkonflikt besteht darin, nach humanen Gesetzen leben zu wollen- es aber nicht zu können.
Brecht wollte mit dieser Parabel den Beweis anstreben, dass die bürgerliche kapitalistische Lebensweise die Verwirklichung humanistischer Ideale nicht nur unmöglich macht, sondern dass sie die inhumanen Verhaltensweisen des Menschen geradezu herausfordert und begünstigt.
Das Anliegen des Marxisten Brechts ist es, die Einsicht des Menschen zu erreichen, dass man eine neue Welt braucht.

3 Schlussdes Brecht Referats

Die Dramaturgie des epischen Theaters hat seit den zwanziger Jahren nicht unbeträchtliche Veränderungen erfahren. Brecht selbst war es, der immer wieder experimentiere, probierte und diskutierte, der als Regisseur wirkte und in theoretischen Schriften seine Theateransichten darstellte, sie zur Reife führend- und dabei eine starke Resonanz des internationalen Publikums fand.
In dem Jahrzehnt nach Brechts Tod- von 1956 bis 1966- wurden in 53 Ländern 1436 Inszenierungen seiner Stücke herausgebracht.
Mit seinen Werken, die sich kritisch mit Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung des Einzelnen auseinander setzen, erlangte Brecht den Status eines modernen Klassikers. Die unterschiedlichsten Schriftsteller, aber auch Regisseure wurden von ihm nachhaltig geprägt.
Bevor Brecht 1956 verstarb äußerte er noch folgendes Zitat, mit dem ich mein Referat abschließen möchte:

"Ich benötige keinen Grabstein, aber wenn ihr einen für mich benötigt, wünschte ich, es stünde darauf: Er hat Vorschläge gemacht. Wir haben sie angenommen. Durch eine solche Inschrift wären wir alle geehrt." (Quelle Kächele, S. 130)

4 Literaturverzeichnis


1 Bütow, Wilfried (Leiter des Autorenkollektivs). Literatur im Überblick. Von den
Anfängen bis zur Gegenwart. Ein Lehrbuch für Schüler der Klassen 7 bis 10. Berlin.
1990.
2 Gehrke, Hans. Brecht. Analysen und Reflexionen. Der gute Mensch von Sezuan. Leben des Galilei. Hollfeld. 1973. 2. Auflage.
3 Kabisch, Eva- Maria. Standorte. Umgang mit Texten im Deutschunterricht der Oberstufe. Stuttgart. 1991.
4 Kächele, Heinz. Bertold Brecht. Leipzig. 1984.
5 Kesting, Marianne. Bertold Brecht mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hamburg. 19559. 35. Auflage.
6 www.weltchronik.de

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4.8 / 5 Sternen (6 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2013
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 03.08.16

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