Schulzeux.de > Deutsch

"Blauer Abend in Berlin" Gedichtinterpretation

Inhaltsverzeichnis

"Blauer Abend in Berlin" wurde geschrieben von von Oskar Loerke und wird folgend in einer Gedicht-Interpretation mit Analyse der sprachlichen Mittel aufgearbeitet.

Das Gedicht „Blauer Abend in Berlin“ wurde 1916 erstmals in dem Buch „Gedichte von 1916“ veröffentlicht, die zweite Auflage hatte den Buchtitel „Pansmusik“ (1929). Entstanden ist es 1911.
Es wird eine Straßenszene mit Menschen abends in Berlin geschildert, der Erzähler vergleicht seine Eindrücke mit der Unterwasserwelt eines Kanals. Im Folgenden wird dieses Gedicht „Blauer Abend in Berlin“  interpretiert und analysiert werden.

Die Gedichtform ist eine streng eingehaltene Sonett, das heißt, es handelt sich um ein vierzehnzeiliges Gedicht, bestehend aus vier Strophen: zwei mit je vier Zeilen und zwei mit je drei Zeilen. Auch das strenge Reimschema (abba, abba, cdd, cdd) ist eingehalten. Loerke verfolgt im formalen Bereich eine kompositorische Strenge.
Der Erzähler nimmt nur die Rolle des Beobachters ein. Er erzählt dem Leser was er sieht, seine Eindrücke, unterlässt aber jede offensichtliche Gefühlsregung. Man kann vermuten, dass der Erzähler von oben auf die Straßen herabblickt, weil es unten „am Grunde“ auf der Straße alles als „Bodensatz“ empfindet. Allerdings schwebt er auch nicht über der Stadt, da es gleich zu Anfang des Gedichtes heißt: “Der Himmel fließt in steinernen Kanälen“ (Z.1). Der Blick an den Häuserschluchten hinauf vermittelt dem Leser auch den Eindruck, als befände er sich in einem Kanal und am oberen Rand der Gebäude wäre die blaue Wasseroberfläche (der Himmel): „alle Straßen, voll vom Himmelblauen“ (Z.3). Mit dem Titel „Blauer Abend in Berlin“ ist vielleicht der über die Stadt hereinsinkende Abend gemeint, der alles in bläuliches Licht taucht. Weiter geht es mit „Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen“ (Z.4): Hier wird der direkte Vergleich von Häuser-/ Kirchturmkuppeln mit Bojen und (Fabrik-) Schloten mit Pfählen die aus dem Wasser ragen, gemacht. Man könnte die steilrecht ausgehauenen Kanäle und die Schlote und Kuppeln auch als Symbole des modernen Lebens / der Zivilisation verstehen.

In der zweiten Strophe wird das Treiben auf den Straßen, in dem Gedicht als ‚Innenleben’ des Kanals beschrieben, die schwarzen „Essendämpfe“ werden zu Wasserpflanzen und „die Leben (...) beginnen sacht vom Himmel zu erzählen“ (Z.7+8). Die Leben, also das was sich unten bewegt, die Menschen, stauen sich da unten und die steilrecht ausgehauenen Kanäle, also die enge, moderne Stadt, macht sie wohl sehnsüchtig nach dem blauen Himmel. „Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien“ (Z.9), was wohl auf den Abend anspricht (beziehungsweise die blaue Stunde), der die Farben verblassen und alles in bläulichem Licht erscheinen lässt. Blau steht auch für Sehnsucht und Melancholie. Die blauen Melodien könnten eine Metapher für den blauen Himmel sein. Sie haben sich vielleicht auch während des Tages vermischt und werden jetzt durch die sanfte Kraft des Wassers entwirrt. Die „Leben“, in Zeile 13 konkreter „Menschen“ werden sanft von einer imaginären Wellenhand (Personifizierung: Welle = Hand) bewegt. Sie werden als „Bodensatz und Tand“ (Z.10) und „grober bunter Sand“ (Z.13) bezeichnet, was eigentlich einen abwertenden Charakter haben müsste. Die Verben, mit denen sie ‚bewegt’ werden: regen, dünen, kommen, gehen, gleiten, ziehen machen das aber wieder rückgängig, es wird das Gefühl vermittelt die Menschen seien dort unten aufgehoben und geschützt, „im linden Spiel der großen Wellenhand“ (Z14). Das Gedicht erhält besonders durch die oben genannten Verben und den Eindruck eines sacht dahinfließenden Gewässers einen ruhigen, harmonischen Charakter. Vielleicht vermittelt es auch die Stimmung von Feierabend, nach dem hastigen, grellen, beschäftigenden Tag, der Lebensrhythmus wird nicht von der Arbeit, sondern wieder von der Natur bestimmt. Mit der großen Wellenhand könnte aber auch eine ‚höhere Macht’ gemeint sein, die das Tun der Menschen lenkt oder die Menschen lassen sich nach Feierabend vom Wasser treiben, sozusagen ins Blaue hinein, also ohne Ziel.

"Blauer Abend in Berlin"  Schluss-Analyse:
Es fällt insgesamt eine inhaltliche Wandlung auf: Anfangs wirkt das Gedicht von der Wortwahl her hart und kalt, zum Beispiel bei den „steinernen Kanälen“ (Z.1) oder die „Schlote“ (Z.4). Nach der ersten Strophe ändert sich dies zunehmend, die Zeilen fließen dann sozusagen dahin wie das Wasser.
Loerke schrieb 1926 in einem Brief: „Ich habe die moderne Großstadt erlebt als ein Stück Natur“8). Das Bild, was dieses Gedicht beschreibt erweckt den Anschein, als sei der geregelte Ablauf der Großstadt wieder in den der Natur zurück verwandelt worden. Das steht im Gegensatz zu vielen anderen Großstadtgedichten dieser Zeit, bei denen die Stadt eine negative Rolle spielt und sozusagen als ‚menschenfressendes Ungeheuer’ bezeichnet wird.
Das Gedicht heißt zwar „Blauer Abend in Berlin“, es werden aber nur allgemeine, für jede Großstadt gültige Merkmale (Straßen, Kuppeln, Schlote...) eingesetzt, nichts deutet weiter darauf hin, das man diese Situation nur in Berlin beobachten kann.
Alle Metaphern, die von Stadt zu Kanal angestellt werden (zum Beispiel Häuserschluchten = Kanäle, Menschen = Bodensatz, Essendämpfe = Wasserpflanzen...) tragen zu einem zwar verfremdeten Stadtbild bei, das man sich aber lebhaft und als schön vorstellen kann. Dazu passt auch der Vergleich von Loerkes Gedichten als „Bilder, in denen sich sinnliche und übersinnliche Welten innig durchdringen“9).

Oskar Loerke mit dem Gedicht Blauer Abend in Berlin


Der Himmel fließt in steinernen Kanälen;

Denn zu Kanälen steilrecht ausgehauen

Sind alle Straßen, voll vom Himmelblauen;

Und Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen

Im Wasser schwarze Essendämpfe schwelen

Und sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.

Die Leben, die sich ganz am Grunde stauen,

Beginnen sacht vom Himmel zu erzählen,

Gemengt, entwirrt nach blauen Melodien.

Wie eines Wassers Bodensatz und Tand

Regt sie des Wassers Wille und Verstand

Im Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen,

Die Menschen sind wie grober bunter Sand

Im linden Spiel der großen Wellenhand.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4.1 / 5 Sternen (9 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2013
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 01.07.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 3 mal 2? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:
  • tja :P schrieb am 28.03.2012:

    Im großen und ganzen fand ich diese Analyse eine der Besten, die ich vin diesem Gedicht gelesen habe, doch ich glaube, sie ist etwas zu kurz. Die Einleitung war nicht sehr toll und es haben noch andere Themen im Hauptteil gefehlt!
    Aber ich fand gut, dass man sich hier mehr auf die Interpretation konzentriert hat; jedoch hat die zu viele verschiedene Arten, wie es sein könnte.
    Doch sonst ist diese Analyse sehr gelungen und ich habe sie mit Freude durchgelesen.
    ( Ach ja, es hat mich ein BISCHEN weitergebracht ;) )

  • minee schrieb am 04.05.2011:

    das ist zu lang und du könntest es ausführlicher schreiben

  • :))! schrieb am 02.02.2011:

    JA! jetzt erstm wo ich die Analyse gelesen habe, habe ich das Gedicht ein wenig verstanden...Ich konnte damit rein garnichts anfangen!

  • Beate Marlene HanneloreXD schrieb am 10.01.2011:

    das ist das schlechteste Gedicht was ich je gehört habe! entweder war ihm da schlecht geworeden, als er das Gedicht geschrieben hat, oder er hatte gennerell nen Schaden!!!!^^

  • deutschass schrieb am 10.11.2010:

    Meine oma schreibt bessere Analysen, Interpretationen !

  • JackWolf4 schrieb am 08.11.2010:

    Mir hat die Interpretation irgendwie nicht geholfen...
    Ich bin vielleicht nicht so eine Leuchte in Deutsch, aber für mich klingt das eher nach einer Inhaltangabe.
    Über das Metrum (Jambus, Trochäus etc.) oder die Kadenz hast du nichts gesagt, und ein paar worte über das thema hättest du auch verlieren können

  • TheBest schrieb am 28.09.2010:

    Mir auch. :)

  • Sunshine schrieb am 10.06.2010:

    danke die interpretation hat mir echt weitergeholfen (:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+