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Brief von Tschanz - Charakterisierung

Inhaltsverzeichnis

Friedrich Dürrenmatt: Der Richter und sein Henker - Brief von Tschanz. Folgend also ein fiktiver Brief von Tschanz als Art Rollenbiographie - man muss sich in ihn hineinversetzen und aus seiner Sicht heraus schreiben, sodass dadurch auch eine Charakterisierung Tschanz indirekt enthalten ist.

Nach dem Besuch bei Bärlach, bei dem Tschanz erfährt, dass der Alte ihn als Täter erkannt hatte, findet Tschanz den Tod. Nehmen wir an, das sei Absicht gewesen – Tschanz hinterließ einen Abschiedsbrief, indem er sich zur Tat und den Motiven äußert. Wie könnte der Brief formuliert sein?
Dieser Brief ist wohl nun meine letzte Möglichkeit mich für meine Tat zu rechtfertigen. Ich, der mein ganzes Leben lang immer im Schatten anderer stand, habe nie eine Gelegenheit bekommen von anderen Menschen richtig akzeptiert zu werden. Ich hatte keine schöne Kindheit und konnte noch nich einmal ein Gymnasium besuchen. Als ich es dann endlich geschafft hatte hier in dem Polizeirevier arbeiten zu können, hatte ich mir erhofft wenigstens in meinem Beruf Erfolg zu haben und von meinen Kollegen gebraucht und akzeptiert zu werden.

Doch zu meinem Frust war hier Schmied tätig und ich bin nie aufgefallen und konnte mich nicht hocharbeiten. Schmied, der eine ideale Kindheit hatte, der das Gymnasium besuchen konnte, der eine hübsche Freundin hatte, der eine gute Berufsstellung hatte, ja der, der eigentlich alles hatte, um ein glückliches Leben zu führen, stellte mich durch seine Bildung in das Dunkle hinein. Und ein Selbstvertrauen, von dem ich sowieso noch nie besonders viel besaß, begann sich immer mehr und mehr abzubauen. Da ich niemanden hatte, mit dem ich über meine Probleme reden konnte oder der mich tröstete und mir Beistand leistete, kam ich in die Lage, dass ich meine Lebenslust verlor. Plötzlich entwickelte sich bei mir ein Plan, der mir zum ersten Mal in einem Traum bewusst wurde. In diesem Traum ist Schmied bei der Aufklärung eines Mordes von einem Schwerverbrecher erschossen worden.

Dann haben mich Lutz und Komissar Bärlach plötzlich gebraucht. Ich war nun der, der eine Karriere mit Erfolg und Anerkennung erlebte. Komischerweise ähnelte ich Schmied sehr. Ich besaß seinen „blauen Charon“, kleidete mich so wie er, und Anna war meine Frau. Auf jeden Fall bin ich am nächsten Morgen aufgewacht und freute mich zum ersten Mal seit langer Zeit auf den Arbeitstag. So besorgte ich mir während Schmieds Arbeitszeit einige Informationen über ihn. So legte ich nach einiger Zeit fest, wann und auf welche Weise ich ihn umbringen konnte. Da ich erfahren hatte, dass er oft Abends bei Gastmann war und dort feierte, beschloss ich ihn umzubringen bevor er dort ankommen konnte. Ich stand an der Straße und er stoppte seinen Mercedes. Also bekam ich die Möglichkeit ihn zu erschießen, während ich seine Autotür öffnete. Dann bin ich sofort wieder zurück nach Grindelwald gefahren, wo ich Urlaub machte, weil ich mir schon dachte, dass Lutz und Komissar Bärlach mich für die Aufklärung des Falles brauchen würden. Das geschah auch, aber die nächste Zeit war einerseits schön, weil ich nun endlich mein Ziel erreicht hatte und gebraucht wurde. Aber es war schwer für mich, weil ich ein Mörder und ein Polizist, der einen Mord aufklären muss, zugleich war. Der Anfang war für mich die Hölle, weil ich versuchen musste einen anderen Mörder für Schmied zu finden. Außerdem war da auch noch Komissar Bärlach, der mir nie von seinem Verdacht und ganzen Ideen erzählte. Es war nicht leicht für mich, da er ein sehr schlauer und listiger Mann ist. Die ganze Zeit während der Untersuchungen war ich mir nicht sicher, wie viel er wusste.

Doch ich war davon überzeugt, dass er irgendetwas ahnte. Dann hatte ich plötzlich einen potentiellen Mörder. Es war Bärlachs Jugendfreund Gastmann. Er war schon immer ein Verbrecher, dem aber nie eine Tat nachgewiesen werden konnte. Doch ich wusste, dass Bärlach schon seit dem ersten Treffen mit ihm versuchte ihn festzunehmen. Da er ja auch jetzt etwas mit dem Fall Schmieds zu tun hatte, habe ich es mir gar nicht so schwer vorgestellt ihm den Mord anzuhängen. Ich glaube auch, dass ich alles ohne Probleme geschafft hätte, wenn da nicht der geschickte Komissar Bärlach gewesen wäre. Er hat mir schon ziemlich früh eine Falle gestellt, als er angeblich von dem Hund angefallen wurde und ich den mit meiner Waffe, die ich auch für schmied benötigt hatte, erschoss. Das ist mir aber erst klar geworden, nachdem ich verzweifelt nach dem Hund suchte und die Kugel entfernen wollte. Von da an habe ich unbewusste getan, was Bärlach von mir wollte. Inzwischen ähnelte ich Schmied zwar sehr, denn ich besaß seinen Wagen, hatte dieselbe Kleidung und hatte Anna. Aber ich konnte Nachts kaum schlafen – vor Angst. Ein anderes Problem war auch Gastmanns Anwalt von Schwendi, weil er versuchte uns, die Polizei nicht zu sehr an ihn heran zulassen. Außerdem hatte Lutz verboten Gastmann zu vernehmen und Bärlach wollte wegen seiner schlimmen Magenbeschwerden in den Urlaub. Da verlor ich die Geduld und bin dann eines Nachts bei ihm eingebrochen, um ihn zu Ermorden, doch er war zu geschickt. Durch seinen Urlaub wollte ich nun die Chance nutzen, um Gastmann zu ermorden. Dies gelang mir auch und ich glaubte, dass man mir den Mord an Schmied nicht nachweisen könnte.

Als Bärlach dann wieder zu Hause war, hat er mich zu sich eingeladen. Doch den Grund für diese Einladung habe ich leider erst später im Haus bemerkt. Er wollte angeblich mit mir feiern. Den ganzen Abend hat er trotz seiner schweren Krankheit sehr viel gegessen und mir nach und nach klar gemacht, dass er alles über mich und meine Vorgehensweise wusste. Aber das schlimmste hat er mir auch deutlich gemacht – dass er mich als Henker für seine Geschichte mit seinem Lebensziel, dem Gewinn der Wette mit Gastmann benutzt hat. Ich war am Boden zerstört und wütend auf Bärlach, weil er mich als Spielzeug benutzt hat. Schließlich bin ich aus Verzweiflung aus dem Haus gerannt und wollte nicht mehr weiterleben, weil ich nicht damit fertig werden konnte, dass Bärlach mir meinen Erfolg, den ich mir erst kürzlich erworben hatte, schon wieder zerstört hatte. Ich habe diesen Brief geschrieben, damit ich allen zeigen kann, was ich für ein schreckliches Leben hatte und darum dass ich jetzt eingesehen habe, dass ich mit meinem Selbstmitleid und Neid nur andere Menschenleben zerstört habe. Ich habe auch eingesehen, dass ich keinen anderen Menschen nachahmen kann und es wahrscheinlich besser ist, wenn ich nun kein Unheil mehr anrichten kann. Aber ich wollte auch einmal glücklich sein. Ich hoffe, dass es wenigstens einige gibt, die mir verzeihen. Mir tut alles Leid. schanz

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4.3 / 5 Sternen (3 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2014
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 28.10.16

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