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Charakterisierung Madame Gaillard "Das Parfüm"

Inhaltsverzeichnis

Süskind: Das Parfum - Charakteristik und Personenbeschreibung von Madame Gaillard. Eine ausführliche Charakterisierung der Madame Gaillard aus "das Parfüm", die auch als Interpretation Gaillards Verwendung finden kann.

Die literarische Figur Madame Gaillard, aus dem Roman „Das Parfum“ von Patrik Süskind soll in der folgenden Charakteristik auf ihr Wesen untersucht werden. Handlungszeitpunkt ist Mitte des 18. Jahrhunderts, im damaligen Paris. Madame Gaillard, eine Pflegemutter, nimmt in dem literarischen Werk eine Nebenrolle ein, jedoch ist sie für den Verlauf des Geschehens von Bedeutung. Es scheint als sei sie einer der vielen unbedeutenden Charaktere des Romans, die lediglich den Leser durch die ersten Lebensjahre des kleinen Grenouille führt. Doch genauer gesehen ist sie dadurch wesentlich beteiligt an der Erziehung der Hauptperson Grenouille.

Die Kostkinderpflegerin aus Faubourg Saint-Antoine, hat ihr Leben innerlich schon gelebt. Im jungem Kindesalter verpasste ihr Vater ihr einen Schlag auf die Stirn mit einem Feuerhaken, dass ihr für immer den Geruchssinn rauben sollte. Mit dem Verlust ihres Geruchssinn schienen auch jegliche Gefühle abhanden gekommen zu sein „Sie empfand nichts, als sie später ein Mann beschlief, und ebenso nichts, als sie ihre Kinder gebar.“ (S.25f). Das zeigt sehr deutlich, dass diese Frau in gefühlsmäßiger Hinsicht längst tot ist. Die Geburt eines Kindes ist der emotionale Höhepunkt im Leben einer jeden Frau, doch Madame Gaillard scheint dieses Schlüsselerlebnis mit einer Gleichgültigkeit hinzunehmen, dass den Leser schockiert. Die einzigen Gefühlsregungen, die sie kennt scheinen die „[...] leichte Gemütsverdüsterung, wenn die monatliche Migräne nahte, und eine ganz leichte Gemütsaufhellung, wenn die Migräne wieder wich.“ (S. 26) zu sein. Ein wesentliches Merkmal der Pflegemutter, ist ihr Ordnungs- und Gerechtigkeitssinn.

Es scheint fast ironisch, dass eine Frau die als Kind auf brutale Weise ihren Geruchssinn verlor und seitdem nur dahinvegetiert, an Gerechtigkeit glaubt. Dies zeigt sie hauptsächlich in dem Umgang mit den Waisenkindern, da sie keines bevorzugt geschweige denn benachteiligt. Sie behandelt die Kinder wie Waren, denn sie sind ihre finanzielle Absicherung, mehr nicht. So ist es ihr gleich, wenn einer der Zöglinge stirbt; denn „Paris produzierte im Jahr über zehntausend neue Findelkinder, Bastarde und Waisen.“ (S.27). Doch man muss den historischen Hintergrund der damaligen Zeit beachten, denn der Tod hatte einen anderen Stellenwert als heute. Er wurde als etwas Selbstverständliches, für die scheinbar egoistisch und uncouragierten Menschen des 18. Jahrhunderts hingenommen. So nimmt die Pflegemutter auch den Tod ihres Mannes, der sie mehrmals schlug, weder mit Erleichterung noch mit Trauer hin. Grenouille gegenüber wird sie mit der Zeit immer misstrauischer, trotz dem nicht vorhandenen Geruchssinn, merkt sie, dass etwas mit dem Jungen nicht stimmt. Sie möchte ihn so schnell wie möglich los
werden, dass unterstreicht die These, dass sie sich auch in gewisser Weise fürchtet, vielleicht sogar Angst verspürt. Ein Anhaltspunkt der belegt, dass sie durchaus Gefühlsregungen verspürt.

Doch sie hat in ihrem Leben nur noch eins vor Augen, sie möchte nicht wie ihr Gemahl im Hôtel-Dieu unter Hunderten von anderen Sterbenden ihr Lebensende verbringen, sondern zu Hause, in ihren eigenen vier Wänden. Dies ist ihr einziger Wunsch in ihrem erbärmlichen Leben. Es ist verwunderlich, mit welcher Kohnsequenz sie auf dieses Ziel hinspart, sie legt jeden Monat den gleichen Betrag auf die Seite, egal ob die Zeiten schwer oder einfach sind, um sich im geeigneten Alter eine Rente zu kaufen um allein und einsam, auf den Tod zu warten. Diese Einstellung steht symbolisch für ihre Gefühlswelt, die ebenfalls darauf ausgerichtet ist einsam und allein zu sein. Es zeugt von Ironie das sie, Madame Gaillard, die Lebenserwartung des 18. Jahrhundert um fast das dreifache überschreitet. Sie hat im Laufe ihres Lebens wenig Glück gehabt, das erklärt auch ihre Einstellung zum Leben. Diese Glück verlässt sie auch bei ihrem Tod, den sie Widerwillen im von ihr so verabscheuten Hôtel-Dieu erleidet, da die Revolution ihr gesamtes Hab und Gut zunichte gemacht hat. Als Folge ihrer langwierigen Geschwulstkrankheit, verliert sie auch noch ihre Stimme, so dass sie sich nicht gegen die Einlieferung, in das überfüllte Krankenhaus wehren kann. Sie hat weder die Gabe zu reden noch die Umgebung olfaktorisch zu erfassen. Sie stirbt in einem sogar in der heutigen Zeit sehr hohem Alter von 90 Jahren. Ihr konsequenter Lebenswandel war angesichts der Tatsachen vergebens.

Charakterisierung der Madame Gaillard im Schlusssatz: sie ist eine Frau die unter körperlichen und seelischen Verletzungen, versucht mit eiserner Beharrlichkeit ihr trauriges Lebensziel zu erreichen. Im damaligen Zeitalter war solch eine Lebenshaltung nicht ungewöhnlich angesichts der gesellschaftlichen Unterschiede.

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4.1 / 5 Sternen (15 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2005
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 23.06.16

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