Schulzeux.de > Deutsch

"Das Fenstertheater" Inhaltsangabe & Interpretation (Ilse Aichinger)

Inhaltsverzeichnis

Ilse Aichinger: "Das Fenster-Theater" - Inhaltsangabe und Interpretation mit Personenbeschreibung respektive Charakterisierung. Interpretation einer Kurzgeschichte: Ilse Aichinger „Das Fenster-theater“

Inhaltsangabe "Das Fenstertheater"

Schon beim ersten Lesen der Kurzgeschichte „Das Fenstertheater“ von Ilse Aichinger fiel mir auf, dass sie bei den zwei handelnden Figuren sehr unterschiedliche Charaktere verwendete.
Durch die Darstellung dieser lässt sich für mich auch die Strukturierung erkennen. Die Geschichte beginnt unvermittelt und expostitionslos mit der Beschreibung einer Frau, die mit einem starren Blick auf eine Sensation wartend in ihrer Hochhauswohnung sitzt. Dieser erste Abschnitt von Z.1-9 beschäftigt sich nur mit der Charakterbeschreibung der einsamen Frau und ihrer Umgebung. Er endet mit der Bemerkung der Frau, dass ein alter Mann gegenüber Licht am Helligen Tage anmacht. Im zweiten Abschnitt (Z.11-52) wird nun der Mann charakterisiert und seine Handlungen beschrieben. Er ist zwar auch einsam in seiner Wohnung, aber anscheinend versucht er mit der Frau ihm gegenüber Kontakt aufzunehmen, indem er durch Faxen versucht, sie zum Lachen zu bringen. Die Frau die das aber nur anfangs erfreut und dann eher schockiert, ruft daraufhin die Polizei. Hier zeigt sich ganz klar der Kontrast zwischen den Charakteren der beiden Personen, außerdem kann man mit dem Rufen der Polizei einen ersten Wendepunkt der Kurzgeschichte feststellen.
Im dritten und letzten Abschnitt findet sich der Höhepunkt der Geschichte, hier wird das Handeln der Polizei bis zum Eindringen in die Wohnung beschrieben. Dort treffen sie in Begleitung der Frau auf den Mann, der auf den ersten Blick scheinbar wirklich verrückt geworden ist, denn nun steht er mit einem Teppich um den Schultern bekleidet und einem Kissen auf dem Kopf da. In Zeile 101 ist die Pointe der Geschichte auszumachen. Hier liegt die Auflösung, die Erkenntnis der Frau, dass sie sich geirrt hat und der Mann nicht sie meinte, sondern einen kleinen Jungen der über ihr wohnt. Der Junge macht voller Freude den Unsinn des Mannes nach. An dieser Stelle endet die Geschichte und es entsteht somit ein offenes Ende.
Durch den überraschenden und geistreichen Höhepunkt im letzten Abschnitt, lässt sich eine einfache Spannungskurve erkennen, die stetig ansteigt und in der Pointe am Ende ihren Höhepunkt erreicht und dann abfällt.
Dieser offene überraschend pointierte Schluss ist ein typisches Merkmal der Kurzgeschichte, auch die dreiteilige Strukturierung und der expositionslose Beginn deuten auf die epische Gattung der Kurzgeschichte hin.
Außerdem hat die Geschichte, wie in der kurzen Inhaltsangabe gezeigt, einen linearen Ablauf und die Anzahl der Figuren wurde auf zwei begrenzt. Diese sind namenlos und handeln in der dritten Person.
Es entsteht hierbei eine gewisse Distanz zu den Figuren, die durch die geringe Verwendung von Darbietungsformen wie innerer Monolog verstärkt wird. So kann der Leser die Charaktereigenschaften nur aus der Handlungen der Personen und ihrer Beschreibung erkennen.
Des Weiteren werde ich versuchen die Figuren zu charakterisieren um im Anschluss das Thema der Geschichte zu formulieren.

"Das Fenstertheater" Charakterisierung:

Zwischen den zwei handelnden Personen besteht kaum eine Beziehung. Sie kennen sich wahrscheinlich nur vom Sehen. Höchstwahrscheinlich kennt die Frau nur den Mann. Das zeigt sich, als die Frau den Mann als „der Alte“ bezeichnet, woran man, sieht dass sie weiß, dass er da wohnt und ihn da schon öfters gesehen hat, aber das sie ihn nur durch sein Alter identifizieren kann.
Ich halte es deshalb für sinnvoll, die Personen einzeln zu charakterisieren, was den Kontrast zwischen ihren Charakteren sehr gut erkennen lässt.

Die Frau wird als eine sehr unangenehme Person beschrieben. Obwohl nichts über ihr Alter gesagt wird, würde ich dieses schon auf Mitte sechzig schätzen. Sie wohnt vermutlich allein. Der Satz „ihr hat noch niemand den Gefallen getan vor ihrem Haus niedergefahren zu werden“ zeigt ihre Boshaftigkeit. Es ist ihr egal, auf welche Weise Abwechslung in ihr Leben kommt bzw. eine Sensation stattfindet, auch wenn dabei vielleicht ein Mensch sterben muss. Für mich zeigt sich bei diesem Satz auch, dass es ihr selbst nicht mehr gelingt, ihr Leben unterhaltsam zu gestalten, statt dessen setzt sie sich ans Fenster und versucht in das Leben anderer Menschen einen Zutritt zu bekommen, indem sie sie beobachtet. Dies drückt ihre Einsamkeit aus, denn durch das Beobachten kennt sie andere Menschen, diese kennen sie aber nicht und wissen gar nicht dass sie existiert. Das schlussfolgere ich aus ihrer Bemerkung „der Alte hat gegenüber Licht angedreht“. Sie kennt den Alten, aber hat er jemals einen Gedanken an sie verschwendet? Meine Vermutung über ihre Einsamkeit lässt sich aber auch aus der Textstelle „Die Straße lag zu tief unten. Der Lärm rauschte nur mehr leicht herauf.“ herleiten. Sie ist weit von dem pulsierenden, aufregenden, hektischen und lebhaften Geschehen auf der Straße unter ihr weg. Die vielen Menschen und der Lärm sind weit entfernt. In ihrer Wohnung findet man das Gegenstück, hier ist es ruhig, keine anderen Menschen, irgendwie isoliert von der Welt vor ihrer Tür. Somit lauert sie auf eine Gelegenheit aus der Wohnung raus zu kommen, unter Menschen. So ruft sie, nachdem sie eine Zeit lang das Handeln des alten Mannes verfolgt hat die Polizei, in der Hoffnung es könnte etwas passieren. Meine Meinung nach geht es ihr nicht um den Mann, sondern nur um eine Sensation.

An einer anderen Textstelle kann man ihre negativen Charakterzüge auch erkennen: „Die Frau schlich hinter der Polizei her“. Sie traut sich nicht selbst die Führung der Gruppe zu übernehmen, ist aber dennoch so neugierig, dass sie im Schutz der Polizisten ganz nah am Geschehen sein möchte. Daran kann man die Feigheit und Sensationsgier erkennen. Die Benutzung des Wortes „schlich“ zeigt zudem dass sie ein hinterhältiger Mensch ist.
Diesem Charakter stellt Ilse Aichinger den Charakter des Mannes als Kontrast gegenüber. Der Kontrast wird zudem noch verstärkt durch die unterschiedlichen Wohnungen der Figuren. Diese sind wie die Charaktere gegenüberliegend, außerdem ist ihre dunkel, die des Mannes zusätzlich zum Tageslicht erhellt.
Der Mann wirkt auch deswegen auf mich freundlich und aufgeschlossen. Obwohl er hier als der Alte bezeichnet wird, scheint er durch sein Handeln („Er begann zu Winken“; „Er lächelte“; „Er lachte“) gar nicht alt, sondern viel jünger als die Frau. Mit ihrer unfreundlichen und verschlossenen Art wirkt sie vielmehr wie ein alter Mensch. Er hingegen ist in seiner Art eher dem kleinen Jungen ähnlich. Dieser besitzt dieselben Gesten wie der alte Mann „Er lachte, strich sich mit der Hand über das Gesicht, wurde ernst und schien das Lachen eine Sekunde lang in der hohlen Hand zu halten“.
Der Mann hat keine Probleme Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen. Er versucht somit sein Leben etwas abwechslungsreicher zu gestalten, indem er selbst etwas dazu beiträgt und nicht wie dir Frau darauf wartet das etwas passiert. Sie verhält sich eher passiv, wohingegen er aktiv versucht Kontakt aufzunehmen, obwohl er dabei sicher etwas durch seine Behinderung eingeschränkt ist.


Wie in der Inhaltsangabe schon einmal erwähnt, sieht man beim Rufen der Polizei ihr Unverständnis dem Handeln des Mannes gegenüber, sie würde vermutlich auch gerne Kontakt mir jemanden aufnehmen („Meint er mich?“), aber sie kann nicht, im Gegensatz zu ihm, auf andere Menschen eingehen. Das erschreckt sie vielleicht und sie ruft daraufhin die Polizei.
Die Polizei steht auch auf der Seite der Frau, die das Handeln des Mannes nicht verstehen und ohne einen ernsthaften Grund die Wohnungstür aufbrechen. Die negativen Eigenschaften der Polizei kommen vor allem in dem Satz „Mit einer Sicherheit von der jeder Einbrecher lernen konnte“ zum Vorschein.
So stehen sich statt zwei einzelnen Charakteren zwei Gruppen von Charakteren gegenüber. Auf der einen Seite die Frau und die Polizei, die ich hier als Antiheld sehen würde, auf der anderen Seite der alte Mann und der kleine Junge, die für mich ganz klar die Sympathien tragen und die Rolle der Helden einnehmen.
Zunächst möchte ich auf die Perspektivisierung der Kurzgeschichte auseinandersetzen.
Ilse Aichinger verwendet hier die Form des personalen Erzählers, der Unmittelbarkeit erzeugt und neutral das Geschehen wiedergibt. Dieser personale Erzähler berichtet aus Sicht der Frau das Ereignis. Dabei kommentiert er aber nicht das Geschehen sondern, berichtet (Erzählerbericht) und beschreibt (Z. 12-18) es. Im Gesamten würde ich die Sicht des Erzählers als Außensicht bezeichnen, da diese nur an einer Stelle durch einen inneren Monolog (Z. 21/22) der Frau verlassen wird.


Indirekte sowie direkte Figurenreden finden ebenfalls keine Verwendung. So kann der Leser die handelnden Personen nur mit Hilfe des Erzählerberichts und den Beschreibungen charakterisieren. Dies fällt aber relativ leicht da die Figuren vom Erzähler zwar indirekt, aber sehr vielschichtig charakterisiert werden.
Bevor ich das Thema des Textes formulieren werde, möchte ich zunächst eine kurze Textbeschreibung einfügen.
Hierzu wäre zu sagen, dass der Satzbau sich entsprechend der Spannungskurve verändert. Am Anfang der Erzählung verwendet die Autorin einen parataktischen Satzbau. Hier steht die Spannungskurve auf dem Ausgangspunkt. Beim Steigen der Kurve wird der Satzbau nun zunehmend hypotaktisch, was eine gewisse Aufregung bewirkt. Nach der Pointe ist dies umgekehrt, nun werden wieder einfach konstruierte Sätze verwendet.


An der Wortwahl fällt auf, dass sehr viele Verben gebraucht werden. Durch den Einsatz von verschiedenen bzw. gegensätzlichen Verben, kann man sehr gut die Eigenschaften der Personen erfassen. Der Mann wird somit durch viele positive Verben dargestellt z.B. er lachte, er begann zu winken, er lächelte. Der Frau hingegen werden eher Verben mit negativer Bedeutung, wie „sie schlich hinter ihnen her“ zugeordnet. Die Wortwahl wird zudem von einer einfachen Sprache geprägt. Auf schmückende rhetorische Mittel verzichtet die Autorin größtenteils. Sei verwendet zwar einige Personifikationen („Der Wind brachte nichts neues“; „der Lärm rauschte“;) und auch ein Correctio („Schal um den Hals-einen großen bunten Schal“, des Weiteren aber nur das Symbol der Räume als rhetorisches Mittel, das die Charaktere widerspiegelt.

Interpretation "Das Fenstertheater"

Mein erster Eindruck bezüglich des Kontrasts der zwei Charaktere zeigt sich also nicht nur in der Strukturierung, sondern auch durch die Räume und das unterschiedliche Handeln der Personen.
Hier glaube ich auch das Thema des Textes zu sehen. Die Frau, die nicht selbst fähig ist Abwechslung in ihr Leben zu bringen, da sie total Kommunikationsunfähig ist. Ihr gegenüber wird der Mann gestellt der trotz seiner Behinderung und seines Alters der Frau in der Kommunikationsfähigkeit um vieles voraus ist. Er schafft es sich durch seine Phantasie sich auf eine Art „Bühne“ zu stellen und aktiv an einem Theaterstück mitzuwirken, das er selbst inszeniert. Die Frau hingegen die total passiv, wartet nur darauf das etwas passiert und nimmt so den Platz des Zuschauers ein. Sie sieht eine Chance sich selbst ins Rampenlicht zu setzen indem sie die Polizei ruft. Vielleicht will die Autorin so auf die Unfähigkeit des Menschen ihr Leben selbst zu gestallten und die Kontaktunfähigkeit vieler Menschen aufmerksam machen.

ANZEIGE Klassenfahrt
Jugendreise.de organisiert erlebnisreiche Schüler Klassenfahrten und fast jede Form von anderen Gruppenreisen.

Die Kurzgeschichte lässt sich aber auch von einer anderen Seite her betrachten, denn schaut man auf die Entstehungszeit so sieht man das die Geschichte im zweiten Weltkrieg also zur Zeit des Nationalsozialismus entstand. Damit wäre zu erklären warum die Frau die Polizei ruft, aus Angst vor dem Ungewöhnlichen. Sie kann den Mann in seiner Art nicht akzeptieren, dazu ist sie zu untolerant. Und auch in der Zeit des Nationalsozialismus war dies der Fall, alle mussten gleich sein. Individualisten sollte es nicht geben, so durfte es keine andres denkenden Menschen geben. Und wenn es doch welche gab, wurden sie eingesperrt oder getötet. Ob der Mann eingesperrt wird, verrät die Autorin aber dem Leser nicht, da sie das Ende offen gestaltet. So könnte das Thema auch die Untoleranz anderen gegenüber sein.

Mir gefällt diese Kurzgeschichte sehr gut. Das liegt sicher daran, dass die Personen sich so deutlich unterscheiden. Und das am Ende der „gewinnt“, der die meisten Sympathien trägt. Vor allem ist die Lehre der Geschichte für mich sehr sinnvoll. Jeder muss etwas anders sein, denn das macht erst das Leben interessant. Und jeder kann etwas ungewöhnlich wenn er nur will und auf andere Menschen zugeht und sich nicht verschließt.

Wörter: ca. 1910

PS: wer noch nicht weiß wie man Kurzgeschichten analysiert, der klickt einfach hier.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4.1 / 5 Sternen (38 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2011
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 06.11.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 10 - 7? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+