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"Das Fliegenpapier" Interpretation & Inhaltsangabe - Robert Musil

Inhaltsverzeichnis

Der Prosatext „Das Fliegenpapier“ von Robert Musil konfrontiert den Leser mit der Unausweichlichkeit des Todes und thematisiert sie gleichzeitig. Beschrieben wird der Todeskampf von Fliegen, die auf einen präparierten Papier festkleben., sich mehrfach gegen ihr sterben aufbäumen und sich gerade deswegne mehr in ihr schicksal verstricken.

Der Text fesselt schnell die Aufmerksamkeit der Leser/innen.Der Text ist zeitraffend und wird von einem auktorialen Erzähler erzählt deswegen wirkt er verstörend und kalt, weil er einen emotionslosen Versuchsbeschreibung, beispielsweise „Wie wechselt man einen Fahradreifen“, ähnelt, obwohl es doch um das langsame Sterben von Lebewesen geht, dass zeit, dass der Text eine Ironie hat. Um dieses langsame Sterben noch mehr zu verdeutlichen, benutzt der Autor hypataktische Sätze (Z.1-5; z.10 bis 18 usw.)

Für die heutigen Leserinnen und Leser ist der Text auf den ersten Blick zwar gut verständlich und wirkt auch aktuell, aber die historische Distanz von fast einem Jahrhundert macht sich doch bemerkbar.

So ist die Aussage an einigen Stellen für heutige Leser sprachlich bereits unzugänglich oder schwierig.Der Ausdruck „Aeroplane“ (Z.83) für „Flugzeuge“ z.B. ist heute nicht mehr gebräuchlich, Aber noch vom englischen her erschließbar. Andere Wörter würde man heute nicht mehr so verwenden, wie der Autor es tut.

Die Bezeichnung „Neger“ jedoch ein abwertender Ausdruck und man verwendet ihn kaum noch, da man sonst des Rassismus verdächtigt werden könnte. Auch ein „Idol“ (Z.32f) bedeutet im alltäglichen Sprachgebrauch heute etwas ganz anderes als in musils Text.Der Autor meint damit wohl ein afrikanisches Götterbildnis; in der heutigen Mediengesellschaft steht das Wort „Idol“ für ein Vorbild, an dem sich oft Millionen Menschen orientieren. (…)

Auch zumn Thema des Textes hatten Leserinnen und Leser in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wohl einen ganz anderen Zugang als heute.Damals war z.B. die Sterberate infolge von Schwindsucht (vgl. Tabiker Z.20) erheblich höher als heute. Zugleich waren die Leiden des Ersten Weltkrieges, besonders die Giftgasangriffe auf Soldaten (vgl. die Formulierung „von unten steigen verwirrende Dünste“ Z.32f) noch stark im Bewusstsein der Leute. Heute ist der Tod dagegen vielfach tabuisiert.Man redet nicht mehr so darüber wie beispielsweise damals, als das Sterben noch zum „normalen Alltag“ gehörte. Tote Verwandte werden ganz schnell aus unserer Umgebung entfernt und nach einer Langen Friedensphase in Mitteleuropa kennen wir das qualvolle sterben im Krieg nur noch aus dem Fernseher. Man nimmt es nicht mehr so zu Herzen wie das Sterben eines jungen Soldates im eigenen Bekanntenkreis. (…) 

Musil lässt in seinem Text einen auktorialen Erzähler zu Wort kommen, der (…)

Zunächst sieht es so aus als ob der Autor sich dem gegenüber neutral verhällt aber sieht man genau hin merkt man, dass es Musil in seinem Text sicherlich nicht nur um das langsame Sterben einer Fliege.
Wie in einer Parabel kann man analoge Aussagen zu menchlichen Erfahrungen in dem Text vermuten. Der Autor legt solche Deutungen Nahe; denn er zieht immer wieder Vergleiche mit menschlichen Zuständen und Empfindungen (vgl. Z11 ff, 16 ff, 20 ff).Das zeigt, dass Musil von dem Thema selber betroffen ist. Durch diese Vergleiche versteht der Leser die Gefühle der Fliege, wenn sie denn welche hat, bzw. die Todesangst die jedes Lebewesen in einer Todessituation verspührt. Folgende Deutungsansätze erscheinen mir wichtig:

Musil zeigt, dass das Leben unausweichlich auf den Tod zuläuft (…)

Der Text schildert das Zusammenspiel von Körper und Geist in einen Resignationsprozess. (…)

Mit seiner betont nüchternen und quälend genauen Darstellung des Sterbens entmythogolisiert der Autor den Tod und setzt sich kritisch mit der Vorstellung von „Heldentod“ auseinander, die in der militarisierten Gesellschaft der ersten Jahrhunderthälfte eine große Rolle spielt. (…)

Musil knüpft mit diesem Text an seine Erfahrungen mit dem Militär an. (…)

Der Text lässt deutlich erkennen, das Musil eine naturwissenschaftlich – technische Ausbildung hatte. (…)

Inhalt und Form des textes stehen in einem Spannungsverhältnis und das macht den Text interessant. Inhaltlich geht es um etwas grausamisches und dramatisches, die Darstellungsweise ist aber distanziert, rational, emotionslos und strahlt fast Gleichgültig aus dennoch kann man sich damit identifizieren. Dadurch wird der Tod viel eindringlicher dargestellt als in Texten voller Pathos.

Die Thematik dieses Textes ist auch heute noch von Bedeutung. Wenn man ihn gelesen hat, kommt man zum Beispiel ins Grübeln über die Todesurteile, die es in vielen Ländern immer noch gibt. Für die Verurteilten ist der Tod ebenso unausweichlich wie für die Fliege in Musils Text. Viele kritiesiren die Emotionslosigkeit, mit der Richter Todesurteile verhängen oder 'mit der sich Zuschauer die Vollstreckung der Uretile ansehen. Musil spiegelt diese Emotionlosigkeit; insofern hat der Text für mich noch eine besondere Gegenwartsbedeutung.

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4.2 / 5 Sternen (31 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2012
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 13.07.16

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