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"Der Einsiedler" Interpretation (Joseph von Eichendorff)

Inhaltsverzeichnis

Hausaufsatz zu Eichendorffs "Einsiedler" als umfangreiche Facharbeit, die über den Umfang einer normalen Gedichtinterpretation bzw Gedichtanalyse weit hinaus geht.

Gliederung:

A. Biographischer und Schriftstellerischer Hintergrund zu J.F. von Eichendorff

B. Erschließung des Gedichts „Der Einsiedler“ von J.F. Eichendorff
I. Überblick über Thematik und äußere Form

II. Inhaltliche Struktur des Gedichts
1. Gedanklicher Aufbau
2. Analyse der Sprechsituation

III. Untersuchung der äußeren Form

IV. Sprachliche und rhetorische Besonderheiten
1. Sprachlicher Aufbau
2. Stilmittel

V. Die Aussageintention

C. Das Gedicht „Der Einsiedler“ im Kontext seiner Epoche

A: Joseph Freiherr von Eichendorff wurde am 10.März 1788 auf Schloss Lubowitz in Oberschlesien geboren. Er begann 1805 mit dem Jura-Studium, das er 1810 in Wien abschloss. Von 1813 bis 1814 war er Soldat in den Befreiungskriegen. Eichendorff veröffentlichte 1837 seine erste umfassende Gedichtsammlung, in der auch das Gedicht „Der Einsiedler“, ein für die Romantik typisches Gedicht, enthalten ist. Joseph von Eichendorff beschäftigt sich in seiner Lyrik meist mit der dunklen Tagezeit, der Nacht. Er sah die Nacht als eine Zeit, in der sich die „Wesenheit“ der Dinge enthüllt. Sie offenbart, was uns bei Tag verborgen bleibt. Das durch sie in uns Ausgelöste verfestigt sich zu einer ganz eigenen Welt und „all die Torheit, die der Tag gelogen“ (1/S.115) muss vor ihr weichen. Das romantische Bild der Nacht ist bei Eichendorff entscheidend geprägt von jenen mythischen Vorstellungen. Die Nacht als personifiziertes Wesen steigt aus höheren Sphären herab, um ihr Geheimnis in verrätselter Sprache mitzuteilen. Immer wieder spricht Eichendorff von der wunderbaren, phantastischen Nacht. Die Nacht spielt auch in diesem Stück eine entscheidende Rolle. Zunächst gehe ich aber im folgenden näher auf den Aufbau des Gedichts ein. (3 und 4)

B: I. Joseph Freiherr von Eichendorff fleht in seinem Gedicht „Der Einsiedler“ die Nacht um Erlösung an. Sie soll ihm Ruhe und Trost bringen, denn „Der Tag hat mich so müd gemacht“. (Vers 14). Eichendorff gliederte sein Gedicht in drei Strophen, mit je sechs Versen.

II. In der ersten Strophe beschreibt das lyrische Ich den bloßen Zustand der Natur, wie es ihn selbst wahrnimmt. Er stellt dar, wie aus der Folge, dass sich der Tag dem Ende neigt und die Nacht über die Berge gestiegen kommt, sich alle auf dem Heimweg begeben. Die Schiffe kehren in den Hafen zurück, und auch der Wind legt sich.
In der zweiten Strophe schildert das lyrische Ich das Vorbeiziehen der Wolken, welche den Lauf der Jahre symbolisieren sollen. Das lyrische Ich fühlt sich offensichtlich einsam und von Gott verlassen. Dies bringt Vers Neun deutlich zum Ausdruck: „Und lassen mich hier einsam stehn“.
In der dritten Strophe berichtet das lyrische Ich darüber, das es die Nacht brauche, um sich auszuruhen und dann beim „ew’ge Morgenroth“ (Vers 17), welches den Wald „durchfunkelt“ (Vers 18), wieder mit frischer Kraft ans Werk zu gehen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich das lyrische ich von den Anstrengungen des Tages ausruhen möchte. Aber bei diesem Ausruhen kann es sich nicht nur um ein körperliches handeln, vielmehr ersehnt sich das Ich eine Möglichkeit, seinen eigenen Gedanken, der „Lust und Not“ der Welt zu entfliehen. Diesen Fluchtpunkt bietet ihm die göttliche Nacht, die Geborgenheit schenkt und ewig währt, „Bis dass das ew’ge Morgenrot / Den stillen Wald durchfunkelt.“

III. J.F. von Eichendorff behält in allen drei Strophen einen ausgeglichen Bewegungsablauf bei, was nicht zuletzt vom Versmaß evoziert wird. Zunächst scheint es so als wäre das Gedicht durchgehend mit einem vierhebigen Jambus versehen, doch bei näherer Betrachtung fällt auf, dass dies nur auf Vers eins und zwei sowie auf Vers vier und fünf zutrifft. Vers drei und sechs stechen durch einen dreihebigen Rhythmus heraus. Ferner sind die Kadenzen der Verse eins und zwei, sowie vier und fünf immer männlich, während drei und sechs eine weibliche Endung haben. Diese Gliederung der einzelnen Verse durch den Rhythmus wird auch im Reimschema beibehalten. Denn in den ersten beiden Versen liegt ein Paarreim vor und in den Versen vier und fünf ebenfalls. Vers drei und sechs reimen sich ebenfalls aufeinander. Somit haben wir hier einen sogenannten Schweifreim vorliegen. Woraus sich folgendes Schema ergibt: aa b cc b.
Der leichte, fließende Ton des Gedichtes wird vom jambischen Versmaß
aufgegriffen und verstärkt. Somit entsteht der Eindruck heiterer Gelassenheit. Das Bild des einsamen Wanderers wird dadurch verstärkt und besser dargestellt.

IV. Das Gedicht „Der Einsiedler“ hat die Nacht als leitmotivischen Inhalt. In diesem Gedicht baut das lyrische Ich außerdem einen Rahmen zwischen „Komm’ Trost der Welt, du stille Nacht“ (Vers 1) und „O Trost der Welt, du stille Nacht“ (Vers 13). Dadurch möchte das lyrische Ich noch mal auf seine Bitte um Trost aufmerksam machen, sowie den Leser noch mal an sein Leid erinnern. Innerhalb dieser beiden Strophen schildert das lyrische Ich die Natur und wie sich die Umgebung im Laufe der Zeit verändert und der Nacht zum Opfer fällt, doch er wird „einsam stehn“ (Vers 8) gelassen. Was besonders auffällig ist, dass das Abendlied vom Schiffer der einzig wahrnehmbare Ton in diesem Stück ist. Die übrigen Eindrücke, die in dem Gedicht vermittelt werden, sind rein optisch. Alles was in dem Gedicht beschrieben wird, wird von dem lyrischen Ich optisch erfasst und wiedergegeben.

Das wahrscheinlich auffälligste Stilmittel dieses Stückes ist die Personifikation der Nacht, die über die Berge steigt. Dies ist für die Epoche der Romantik typisch. Doch werde ich hierauf im weiteren Verlauf des Textes noch mal zurückkommen. Zu erwähnen wäre auch das Paradoxon in Vers vier „Ein Schiffer nur noch, wandermüd,“ Da ein Schifffahrer nicht wandermüde sein kann, will das lyrische Ich hier noch mal seine ermüdende Situation verdeutlichen. Weiterhin ist das Gedicht durch zwei Exclamatio in einen Rahmen gebunden, wie ich es oben schon erläutert habe. Diese zwei Ausrufe sollen sein Bedürfnis und sein Verlangen nach dieser lang ersehnten Ruhepause noch untermalen. Diesem will das lyrische Ich außerdem noch Nachdruck, durch die Hyperbel „Die Welt hat mich vergessen“, verleihen. Es fällt auf, dass sich durch das ganze Gedicht Hyperbeln ziehen. Wie man auch an der sehr starken Übertreibung in Vers 7 sieht, bei der die vorbeiziehenden Wolken die Jahre symbolisieren. Denn Jahre vergehen nicht so schnell wie die Wolken vorbeiziehen. Doch kommt es dem lyrischen Ich so vor, als würden die Jahre nur so vorbei rasen, doch ihn betreffen sie nicht. Denn er wird von keinem beachtet und bleibt einsam und allein zurück (vgl. Vers 8/9).

V. Insgesamt kann man sagen, dass das lyrische Ich alle diese sprachlichen Besonderheiten einsetzt, um seine Suche nach Trost zu verdeutlichen. Doch wo findet es den Trost? Es findet ihn in der Nacht. Die Nacht als solches kann aber auch als Symbol für den Tod gesehen werden. Denn nach all den Mühen, die es in seinem Leben durchlebt hat, findet es nur im Tod seine lang ersehnte Ruhe. Doch das ist ein Abschnitt des Lebens, den ein Mensch allein begehen muss, deswegen fühlt sich das lyrische Ich auch von der ganzen Welt allein gelassen (Vers 8/9). Es sieht in dem „Morgenroth“ (Vers 17) die Ewigkeit, in der das lyrische Ich seine Ruhe finden möchte, doch erreicht es diese ersehnte Ewigkeit nicht.

C: Das Gedicht „Der Einsiedler“ ist, wie schon oben gesagt, ein für seine Epoche der Romantik typisches Gedicht. Die Schriftsteller der Romantik hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die „aufgeklärte“ Welt des 18. Jahrhunderts zu verändern. Dazu gehörte auch die eigene Umwelt nicht mehr bloß zu betrachten und zu beschreiben, sondern sie mit allen Sinnen zu erleben. Die empirische Naturwissenschaft der Aufklärung trat in den Hintergrund; es ging nicht mehr um ein rein wissenschaftliches Erleben der Natur. In diesem Sinne wurde sie personifiziert und so zu einem eigenständigen Wesen umgedeutet. Die Nacht als wohl geheimnisvollstes Naturerlebnis war es, welche die Schriftsteller der Romantik besonders faszinierte; jene Zaubernacht, die den Schauenden die alltägliche Dingwelt in einem buchstäblich anderen Licht sehen lässt. Das sinnliche Erfassen der Nacht war aber nur der Einstieg, hauptsächlich ging es um eine Darstellung der geistigen und seelischen Erfahrungen, der fremden Wirklichkeit, die eine Mondnacht darstellt. (4) „Die Nacht wird zu einem geistigen Prinzip und zum Raum, in dem sich das Unbewußte offenbaren kann.“ (2/S.43).

Zitatverzeichnis:
1. Faßbinder, Fritz:
Eichendorffs Lyrik. Eine Studie zur Analyse ihrer Stoff- und Motivkreise. Köln:
J.P. Bachem, 1911

2. Leopoldseder, Hannes:
Groteske Welt. Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte des Nachtstücks in der Romantik. Bonn: Bouvier, 1973

3. Computer Software Microsoft Encarta
Stichwortsuche zu Eichendorff. Biographischer Hintergrund
Ausgabe 1998

4. Der Neue Brockhaus
Erster Band A- EIC; F.A Brockhaus Wiesbaden 1973 – V. Nr. W 1062
ISBN 3-76530025

5. Neunzig, Hans A.:
Lebensläufe der deutschen Romantik. Schriftsteller. München: Knaur, 1988

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4.3 / 5 Sternen (3 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2002
  • Note: 2+
  • Aktualisiert: 07.08.16

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