Schulzeux.de > Deutsch

"Der Name der Rose" Interpretation & Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

"Der Name der Rose" (felix steeb) Zusammenfassung & Interpretation des geschichtlichen Hintergrundes. Steeb, Felix: Der Name der Rose ....

Religion: Der Name der Rose, 1. Tag - von Felix Steeb

Aufgabe:
1. Stellt in groben Zügen die rivalisierenden Glaubensrichtungen einschließlich kurzer politisch - historischer Zuordnungen dar.

1. Im 11. Jh. wurde in den Städten sehr viel Reichtum angehäuft, was einige der Reichen in einen Konflikt mit ihrem Drang nach einem christlichen Lebenswandel stürzte, da seit einiger Zeit gepredigt wurde, dass Armut und Askese Inbegriff dafür sind. In den Städten kamen sich die Gegensätze Reich und Arm täglich nahe und tauschten so Ansichten aus. Die Kirche konnte dieses Bedürfnis nach Armut nicht abdecken; die Mönchsorden waren sehr Reich, da sie ihre Ländereien schon über lange Zeit sehr erfolgreich bewirtschafteten. Deshalb fielen die Ideen der Kartharer (="Ketzer"), durch Handelskara-wanen, Pilger und die Kreuzzüge von Kleinasien auf den Balkan und nach Südeuropa gebracht, auf fruchtbaren Boden; es bildete sich eine Geheimkirche, die vom südfranzösische Adel besonderen Schutz gewährt bekam. Das führte 1209-1229 zum Kreuzzug gegen die "Albigenser" (=Katharer von Albi) und erst ab dann wieder zur Vorherrschaft der kath. Kirche in Südfrankreich (aus diesem Feldzug entstand die Inquisition). Die Katharer glaubten an strenge Askese des Einzelnen, um eindeutig zu Beweisen, dass man auf der Seite des Guten stand. Sie lehnten Ehe, Sakramente, Reliquien, Heilige, Altäre, Kreuze und Bilder ab und stellten so eine Gefahr für die Kirche dar.
Die zweite große Geheimkirche des 12. Jahrhunderts waren die Waldenser. Sie entstand aus dem Chris-tentum, als der Lyoner Kaufmann Petrus Waldes einen Laienpredigerverein gründete, der in apostolischer Armut lebende Prediger in Zweiergruppen auf Wanderschaft schickte. Sie predigten, indem sie große Tei-le der Bibel auswendig in der Volkssprache verwendeten (Biblizismus), Buße und lehnten auch wichtige katholische Einrichtungen (Seelenmessen, Almosen, Gebete für die Toten, Fegefeuer, Ablaß) und Eid, Krieg, Blutsgerichtsbarkeit durch den Einfluß der Kartharer ab - deshalb sahen Staat und Kirche gleicher-maßen eine Gefahr in dieser Bewegung: Sie wurde verfolgt und 1184 exkommuniziert; die Waldenser breiteten sich trotzdem schnell aus. In Italien entstand durch Vereinigung mit den Humiliaten (=Demüti-ge) ein asketischer Laienverband, der sich - wie in Südfrankreich die Albigenser - als Pauperes Lombardi (=Arme Lombarden) verselbständigte und sogar bis nach Süddeutschland, genauso wie die Albigenser bis nach Flandern und Nordspanien, Anhänger fand.

Es bildeten sich auch zwei kirchliche Bettelorden, die sich durch das Wohlwollen der Päpste und die Gunst der städtischen Bevölkerung sehr schnell verbreiteten und so den Beitritt zu Sekten überflüssig machten:


Im Jahre 1208 begann Franz von Assisi, als Wanderprediger in völliger Armut zu leben und scharte bald fratres minores (=Minderbrüder) um sich, denen er bald die erste "Regel" (Regelwerk) des Franziskaner-ordens gab; die dritte, endgültige Regel stammt aus dem Jahr 1223. Zunächst stand Arbeit und Wander-predigt im Vordergrund. Dies wurde später durch Bettel (=erbitten milder Gaben für den eigenen Unter-halt und den der Ordensbrüder), die nur in den Städten möglich war, und (deshalb) Predigt an festen Or-ten ersetzt. Nun wurden auch Konventshäuser errichtet. Die großen Scholastiker des Mittelalters (Bona-ventura, usw.) waren Franziskaner, da dieser Orden sich im Allgemeinen mit den Wissenschaften beschäf-tigte (NdR: "Der Orden zog die besten Männer in seinen Bann"). Noch zu Lebzeiten Franz von Assisi's zeigten sich schon Ansätze eines weniger strengen Umgangs mit den Ordensregeln; daraus entstand die Bewegung der Spiritualen, vereinzelte, asketisch und in Armut lebende Franziskanermönche, nach dem Namen der Rose gegründet von Angelo Clareno, Petrus Johannes Olivi und Ubertin. Spiritualen wurde von den Gegnern später als Sammelbegriff für alle radikal Armen benutzt. Es war niemals eine geschlos-sene Gruppe. Einige Spiritualen übernahmen die Prophezeihungen des Joachim von Fiore, eines Zister-ziensermönches, und sahen in sich den "Orden der Gerechten", der nach der Weissagung nach 1260 herr-schen werde. Im Buch ist es so dargestellt, dass einige Franziskanermönche unter Fra Gerhadino von San Donnino diese Prophezeihung verbreiteten, dafür mit Klosterhaft bestraft wurden und nach der Befreiung erst die Spiritualen entstanden. Unter Papst Coelestin V. konnte der Orden sogar von einigen römischen Kardinälen offiziell unterstützt werden und dieser Papst gründete mit einigen Spiritualen den Coelestiner-orden.

Es bildeten sich Fratizellen (=Laienprediger), die bettelnd und unkontrolliert die Lehre der Spiritualen verbreiteten, die französischen Beginen, Frauen, die keinen Platz mehr in Frauenklöstern gefunden hatten, die sich an den Lehren des Petrus Johannes Olivi orientierten, und die Tertiarier, ein weiterer, bettelordenähnlicher Verband frommer Laien. Der nächste Papst, Bonifaz VIII. ging so unnachsichtig wie möglich gegen Spiritualen, Fratizellen, Tertiarier und umherschweifende Franziskanerbettelmönche vor  (z. B. mit der Bulle Firma cautela). Die Spiritualen versuchten, die wechselnden Päpste dazu zu überreden, dass sie sich friedlich vom Franziskanerorden abspalten durften, doch es gelang nicht. Johannes XXII. geht ebenfalls gegen die Spiritualen vor; Ubertin (zu den Benediktinern) und Angelo Clareno (zu den Coelesti-nern) dürfen den Franziskanerorden verlassen; diejenigen, die ihr freies Leben fortsetzen wollten, wurden von der Inquisition verbrannt. Außerdem verurteilte der Papst die Lehre der Fratizellen als ketzerisch, dass Jesus kein Eigentum besaß, und verurteilte somit auch den Franziskanerorden, da dessen Generalkapitel in Perugia zuvor diese Lehre vertrat. Der Franziskanerorden war dem Papst bei der Auseinandersetzung mit dem Kaiser im Weg: "So mußten denn zahlreiche schlichte Brüder, die weder vom Kaiser noch von Perugia viel wußten, elendiglich in den Flammen sterben."


Während Franz von Assisi aus Überzeugung Armut predigte und lebte, war der Spanier Dominikus nur der Überzeugung, dass er die katharischen Albigenser nur bekehren konnte, wenn er ebenfalls das Armuts-ideal übernimmt. Deshalb gründete er 1215 eine besitzlose Predigergemeinschaft, die der Augustinerregel folgte, es aber mit der Armutsregel nicht so genau nahm. So gab es von Anfang an Eigenkirchen und Kon-ventshäuser. Domenikus erkannte bald den Wert theologischer Bildung bei der Bekehrung von Ketzern, deshalb errichtete jede Ordensprovinz eine theologische Schule. Durchschlagenden Erfolg hatten diese Maßnahmen nicht, und viele der Ketzer ließen sich nicht bekehren. Nun griff die Kirche zur Gewalt und führte, zusammen mit dem französischen König, einen Kreuzzug gegen die Albigenser (1209 - 1229), der die Bevölkerung von Südfrankreich teilweise ausrottete und die Kultur der Provence völlig zerstörte. Die Reste wurden wieder der kath. Kirche und der Krone unterworfen. Um das Ergebnis zu sichern, richtete die Kirche die Inquisition (=Ketzergerichte) ein. Anfangs sollten die Verurteilten nur mit kirchlichen Stra-fen, z. B. Bann oder Klosterhaft, belegt werden; bald wurden die Verurteilten (das waren im Allgemeinen alle Angeklagten, da die Folter zum Verhör benutzt wurde), die nicht widerriefen, aber der weltlichen Ge-walt zur Vollstreckung übergeben, die den aufgekommenen Volksbrauch des Scheiterhaufens übernahm. Bei Widerruf gab es lebenslängliche Kerkerhaft (das waren damals nicht maximal 25 Jahre, aber trotzdem wohl meistens weniger). Die Dominikaner glaubten, dass den Ketzern ewiges Verderben bevorsteht, wenn sie nicht geständig sind, und das die Kirche verantwortlich ist, das zu verhindern; deshalb waren sie zu allem bereit. Papst Gregor IX. machte die Inquisition 1232 zu einer festen kirchlichen Einrichtung, die fast ausschließlich mit dominikanischen Inquisitoren besetzt wurde.
Auch nach Abschluß der Ketzerverfolgungen blieben die Bettelorden als Möglichkeit, asketisch zu leben, bestehen und predigten in der Landessprache.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

- Noch keine Bewertung -
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2002
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 23.06.16

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 3 plus 1? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+