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"Der Vorleser" Zusammenfassung & Interpretation (Bernhard Schlink)

Inhaltsverzeichnis

Es folgt eine Komplettanalyse "Bernhard Schlink: Der Vorleser" samt kompletter Inhaltsangabe, Interpretation, Figurenanalyse, etc. Somit auch wunderbar als Referat zum Vorleser brauchbar!

1. Der Autor: Bernhard Schlink (kurzes Referat)

Bernhard Schlink wurde 1944 als Sohn eines Theologieprofessors bei Bielefeld geboren und wuchs in Heidelberg auf. Nach seinem Jurastudium in Heidelberg und Berlin war er zunächst wissenschaftlicher Assistent in Heidelberg, Darmstadt, Bielefeld und Freiburg. Seine erste Professur für Verfassungs- und Verwaltungsrecht führte ihn nach Bonn. Danach war er in Frankfurt tätig. 1988 wurde er Richter des Verfassungsgerichtshofs für das Land Nordrhein-Westfalen. Nach der Wende 1989 zog es ihn nach Berlin. Dort hatte er auch an der Ausarbeitung einer Übergangsverfassung für die DDR vor der Wiedervereinigung mitgearbeitet. Heute ist er neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit Professor für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an der Humboldt-Universität in Berlin und Landesverfassungsrichter in Münster.

Zunächst als Fachbuch-Autor tätig, schrieb er 1987 seinen ersten Roman "Selbs Justiz" in Zusammenarbeit mit seinem Kollegen Walter Popp während eines Freisemester in Aix-en-Provence. 1991 wurde der Roman unter dem Titel "Der Tod kam als Freund" vom ZDF verfilmt.

Für seinen zweiten Roman, "Die gordische Schleife", erhielt er 1989 den Glauser, Autorenpreis für deutschsprachige Kriminalliteratur, für "Selbs Betrug" den Deutschen Krimi-Preis 1992.

Für seinen Roman "Der Vorleser" 1997 erhielt Schlink den Hans-Fallada-Preis der Stadt Münster, den italienischen Literaturpreis Grinzane Cavour, den Prix Laure Bataillon (bestdotierter französischer Preis für übersetzte Literatur), 1999 den erstmals verliehenen Welt-Literaturpreis sowie im Februar 2000 die Ehrengabe der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Gesellschaft.

Der Vorleser erreichte erstmals als deutsches Buch Platz eins der New-York-Times Bestsellerliste und wurde in 25 Sprachen übersetzt.
Werke von Bernhard Schlink:
o Selbst Justiz
o Selbst Betrug (Deutscher Krimi Preis 1993, 1.Platz)
o Selbst Mord
o Der Vorleser

2. Zusammenfassung der Themen und Absichten:

Der von Bernhard Schlink verfasste Roman „Der Vorleser“ beschreibt die tragische Geschichte der Beziehung von Hanna Schmitz zu dem 21 Jahre jüngeren Michael Berg. Schlink stellt zwei sehr unterschiedliche Charaktere gegenüber. Einerseits Michael, der doch sehr schüchtern wirkt und Hanna absolut unterlegen ist, jedoch auch fasziniert von ihr und seinem Alter entsprechend neugierig ist, was seinen Körper und seine Sexualität betrifft, andererseits Hanna, eine reife und erfahrene Frau, deren Charakter sehr zwiespältig ist; denn einerseits scheint sie keinerlei Gefühle für Michael zu hegen, andererseits ist er während ihrer Zeit im Gefängnis die einzige Bezugsperson, sie ist brutal und zärtlich zugleich, und scheint Michael für sein Können zu bewundern. Michael bleibt sein Leben lang von Hanna abhängig und es scheint sich niemand mit ihr messen zu können, obwohl sie ihn sehr verletzt und abgewiesen hat. Schlinks Werk wird aus der Sichtweise des Michael erzählt und lässt sich in drei Teile teilen:

Im ersten Abschnitt ist Michael noch ein minderjähriger Junge, sensibel und leicht verletzlich, im zweiten Teil dagegen ist er der Studierende und gewinnt an Reife und Gelassenheit, während er im dritten Abschnitt ein erwachsener Mann ist, der es nie geschafft hat, über seine Liebe hinwegzukommen. Allerdings stellt er sich diesem Problem auch nie zur Genüge, denn er wagt es in all den Haftjahren nicht, Hanna in die Augen zu sehen, und eine Entscheidung zu treffen: sich entweder für immer zu lösen, oder doch noch einmal mit ihr über seine Gefühle zu sprechen. Vier Themen prägen das Werk „Der Vorleser“ insbesondere. Die Beziehung zwischen Jung und Alt ist eines dieser zentralen Themen. Schlink zeigt die Probleme auf die sich daraus entwickeln, aber auch, dass solche Bindungen durchaus existieren, jedoch eine gesellschaftliche Barriere diese Lieben nicht sehen will und kann. Ich denke, Michael aber auch Hanna wären viele Leiden erspart geblieben, hätte er es gewagt sich in aller Öffentlichkeit zu seiner Liebe zu bekennen.

Sein Schweigen hat ihm vielleicht viele Probleme erspart, jedoch Hanna wahrscheinlich verletzt. Weiters stellt sich die Abhängigkeit als wichtiger Punkt dar. Sowohl Hanna wie Michael sind voneinander abhängig. Michael erholt sich nie von der Beziehung mit Hanna und prägt sein späteres Leben erheblich. Es ist nicht die finanzielle Abhängigkeit die im Vordergrund steht, sondern die seelische. Aber auch Hanna braucht Michael. Sie braucht ihn um sich selbst zu bestätigen, das zeigt ihr dominantes Verhalten. Er ist die einzige Person die für sie innerhalb der Gefängniswände noch sorgt, und zu der sie Kontakt hat.
Schlink behandelt auch das Thema des Analphabetismus, und zeigt an der Figur Hanna dessen Probleme und typische Verhaltensweisen auf. Menschen wie Hanna schämen sich zutiefst für ihre Unkenntnis und nur wenige sind dazu bereit, sich zu stellen. Hanna ist sogar so beschämt, dass sie es lieber in Kauf nimmt ins Gefängnis zu gehen, als ihren Analphabetismus zuzugeben.

Das Thema der Schuld jedoch, scheint mir das wichtigste zu sein, denn es zieht sich durch die gesamte Handlung. Michael empfindet Schuldgefühle dafür, dass Hanna ihn verlassen hat, und später für Hannas Schicksal. Auch Hanna bereut ihre Taten und Verbrechen und fühlt sich schuldig. Später im Gefängnis arbeitet sie diese jedoch auf. Ob sich Hanna auch wegen ihrer Schuldgefühle umbringt, konnte ich aus dem Text nicht erkennen, es wäre jedoch denkbar.

3. Inhaltsangabe "Der Vorleser":

Michael Berg ist ein fünfzehnjähriger Schüler, der das Gymnasium in einer kleinen Stadt besucht. Als er eines Tages von der Schule nach Hause geht, erleidet der von Gelbsucht geplagte Junge einen Schwächeanfall. Eine Passantin, Hanna Schmitz hilft ihm und begleitet ihn nach Hause. Dort bleibt allerdings nicht die Zeit sich für ihre Hilfe zu bedanken, und so sucht er sie nach seiner Genesung auf um sich mit einem Blumenstrauß zu revanchieren. Als er nun an ihrer Wohnung angelangt, bietet sich ihm die Gelegenheit Hanna beim Umziehen zu beobachten. Doch seine Blicke bleiben nicht unbemerkt.

Peinlich berührt stiehlt sich Michael davon, taucht aber einige Tage später wieder bei Hanna auf, denn er hatte sich bereits in sie verliebt. Er bietet sich an einige Arbeiten für sie zu verrichten. Hanna nimmt das Angebot an, woraufhin Michael den ganzen Nachmittag bei ihr verbringt und Kohlen schleppt, wobei sich eine dicke Schicht Kohlenstaub auf dessen Haut ablagert. Widerwillig lässt er sich von Hanna überreden ein Bad zu nehmen. Nachdem er sich abgetrocknet hat und nackt im Badezimmer steht tritt Hanna von hinten an ihn heran und verleitet den noch Minderjährigen zum Geschlechtsakt. Von diesem Augenblick beginnt eine leidenschaftliche Beziehung zwischen den beiden, die anfänglich nur auf Sex beruht, später aber durch das Ritual des Duschens, dem Vorlesens von Michael für Hanna und dem anschließenden Sex bestimmt wird. Obwohl sie eine sehr innige Beziehung führen, kann Michael von Hanna nicht viel erfahren, sein Wissen beschränkt sich im Wesentlichen auf ihre Arbeit als Straßenbahnschaffnerin.

Die Abhängigkeit von Hanna steigert sich immer mehr, und Michael ist mittlerweile bereit fast alles für sie und ihre Liebe zu tun. Umso schlimmer ist es für Michael, als er erfahren muss, dass seine Geliebte, nach Hamburg gezogen ist, ohne ihn vorher zu benachrichtigen. Anfänglich macht er sich schwere Vorwürfe, da er glaubt, Hanna hätte ihn verlassen, weil er sie verleumdet hätte. Bald jedoch, hat er sich wieder an ein Leben ohne sie gewöhnt, und widmet sich voll und ganz seinen schulischen Leistungen. Nach Beendigung seiner Schule, trifft er Hanna während seines Jurastudiums bei einer Verhandlung, der er beiwohnt wieder. Ihr wird vorgeworfen, Hilfestellung unterlassen zu haben und mehrfache Beihilfe zum Mord als eine Aufseherin in einem KZ in Auschwitz und später in Krakau begangen zu haben. Zu diesem Zeitpunkt begreift Michael, dass Hanna Analphabetin.

Da Hanna diese Unzulänglichkeit jedoch keinesfalls zugeben will, verzichtet sie darauf, sich eine ihr schriftlich vorgelegte Verteidigungsschrift vorlesen zu lassen und findet sich lieber mit einer lebenslangen Haftstrafe ab, während die Mitangeklagten mit einer viel geringeren Strafe davonkommen. Nach Beendigung seines Studiums heiratet Michael die Juristin Gertrud. Sie bekommen zusammen ein Kind, Julia. Doch nach einigen Jahren lassen sie sich wieder scheiden und Julia bleibt bei ihrer Mutter. Viele Beziehungen enden ähnlich, denn Michael scheint nicht mehr in der Lage zu sein, nach Hanna eine intakte Beziehung zu führen.
Er wird das Schuldgefühl nicht los, für Hannas Schicksal mitverantwortlich zu sein. Er nimmt seine alte Gepflogenheit wieder auf und liest für Hanna vor, nimmt dies auf Kassette auf, und schickt sie ihr. Ohne sein Wissen lernt Hanna in vier Jahren lesen und schreiben, umso überraschter ist er, als er einen Brief von ihr aus dem Gefängnis erhält.

Fünf Jahre später wird Hannas Entlassung angekündigt, und die Gefängnisdirektorin bittet ihn, sich nach ihrer Entlassung um sie zu kümmern. Nach anfänglichem Zögern besucht er Hanna, die er seit 18 Jahren nicht mehr gesehen hatte, um sie auf die Zeit nach der Haft vorzubereiten. Er besorgt ihr eine Wohnung und Arbeit. Einen Tag vor ihrer Entlassung bringt sich Hanna jedoch um und hinterlässt ihm eine Nachricht, in der sie ihn darum bittet, ihr gespartes Geld, rund 7000 Mark der überlebenden Tochter des Todeszuges aus Krakau nach New York zu überbringen, was er daraufhin auch tut.

4. Interpretation und persönliche Wertung

Schlinks Werk „Der Vorleser“ beinhaltet viele Themen, die durchaus aktuell sind, und auch zum Denken anregen. Besonders beeindruckt hat mich die Beziehung zwischen Hanna und Michael, die einerseits nicht existent scheint, da Hanna keinerlei Gefühle zu hegen scheint, andererseits doch derer beider Leben zu prägen scheint. Ich denke, dass Beziehungen zwischen Jung und Alt immer mehr Einzug in die Gesellschaft finden, und zwar in extremer als das zwischen Hanna und Michael der Fall ist. So scheint es gar nicht mehr ungewöhnlich zu sein, wenn ein 90jähriger und eine gerade volljährige Frau eine Beziehung miteinander führen. Ob dieses Extrem jedoch mit Liebe zu tun hat wage ich zu bezweifeln. Ich sehe in solch einer Beziehung an sich nichts Schlimmes und kann das auch durchaus akzeptieren.

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Vielmehr beeindruckt mich die Figur Hanna, denn einerseits scheint sie sehr kalt und andererseits auch sehr warmherzig zu sein. Sie verkörpert so viele verschiedene Eigenschaften und Charakterzüge, dass ich mir bis jetzt noch nicht sicher bin, wie ich sie sehen bzw. einschätzen kann. Irgendwie tut sie mir leid, da sie sich in keiner Weise öffnen kann. Michael gegenüber nicht und sich selbst gegenüber auch nicht. Sie ist nicht in der Lage ihre Gefühle klar zu definieren, weder für sich selbst noch für jemand anderen. Das sie nicht weis was sie will, zeigt ihr Selbstmord am Schluss sehr deutlich.

Weiters bin ich überzeugt, dass die Schuldfrage in jedem Menschen vorhanden ist, denn jeder kommt einmal in die Situation, in der man von Gewissensbissen geplagt wird, und sich fragt, ob Entscheidungen oder Handlungen wirklich angebracht und richtig waren.
Mir hat „Der Vorleser“ sehr gut gefallen, und ich habe ihn innerhalb von einigen Stunden gelesen, da mich die Handlung gepackt und nicht mehr losgelassen

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4.1 / 5 Sternen (15 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2012
  • Note: 2+
  • Aktualisiert: 09.11.16

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