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"Die Entdeckung der Langsamkeit" Zusammenfassung & Interpretation

Inhaltsverzeichnis

Der folgende Text umfasst eine ausführliche Zusammenfassung / Inhaltsangabe des Werkes "Die Entdeckung der Langsamkeit" von Sten Nadolny. Durch die Ausführlichkeit ist auch eine einfachere Charaktersierung möglich, ebenso ist unten Kritik und eine persönliche Interpretation enthalten.

Basierend auf konkreten historischen Personen und Ereignissen stellt uns Sten Nadolny einen Roman oder besser eine Biographie vor, die uns die Probleme und Aspekte der damaligen Zeit, eingepackt in die Hauptperson John Franklin, ein Mensch, der langsamer ist als die anderen, erkennen läßt. Die Entdeckung der Langsamkeit ist zunächst ein Roman, der uns tiefe Einblicke in die Zeit der damaligen Seefahrt, das Abenteuer und die Leidenschaft gewährt, mit der wir als Leser John Franklin im Laufe seiner Entwicklung vom frühen Kindesalter bis zum abrupten Tod begleiten. Der Titel läßt jedoch schon die Intention des Autors erahnen. Sten Nadolny hat in diesem Buch eines unserer ureigensten Gefühle, nämlich das Zeitgefühl aus der Sicht eines Menschen dargestellt, für den die subjektive individuelle Zeit langsamer verstreicht als für seine Mitmenschen, da er in seinen Reaktionen, seinem Denken und Sprechen in Bezug auf die Schnelligkeit seiner Umwelt behindert oder einfach gehandikapt ist. Nadolny läßt den Leser den Rhythmus der Langsamkeit, die Bedächtigkeit, mit der John Franklin jede seiner Handlungen ausführt, fühlen, indem er oft direkt aus der Sicht Johns erzählt. So wird ein eigentlich trivialer Seefahrerroman zum Ausgangspunkt einer ausführlichen Reise in das eigene Bewußtsein, in der die Auseinandersetzung mit der Zeit die eigentliche Rolle spielt.

John Franklin wächst in Spilsby (Lincolnshire, England) auf, einem Dorf nahe der Küste, in dem er auch seine Träume und seine Sehnsucht zum Meer und zur Schiffahrt entwickelt. Seine Spielgenossen hänseln ihn oft wegen seiner Langsamkeit beim Spielen oder Raufen. John träumt davon die Schnelligkeit zu erlernen, auszureißen und als schneller Mann zurückzukehren. Mit einem gewissen Ehrgeiz verschlingt er Bücher über die Seefahrt und bemüht sich das Seehandwerk auf diese Weise zu lernen. Dr. Orme, sein Lehrer, verhilft ihm zu seiner ersten Schiffsreise, auf der er beschließt die Seemanöver " wie einen Baum von unten" auswendig zu lernen. John schafft es seinen Vater dazu zu bringen ihm eine Arbeit als Midshipman auf der "Polyphemus" zu verschaffen, einem Kriegsschiff. Sein erstes Seegefecht sowie den Kampf Mann gegen Mann, bei dem John einen gegnerischen Seemann erwürgt, da er zu einer anderen Kampfesart aufgrund seiner Langsamkeit nicht fähig ist, beeinflußt ihn tief.

Die "Investigator" ist Johns nächstes Schiff, die ihn zunächst nach Portsmouth führt. Dort macht John, der so sein will wie alle Männer, initiiert durch einen Kameraden, seine erste Begegnung mit einer jungen Prostituierten Mary Rose, die in einem Seemannsbordell arbeitet. Bald muß er jedoch Portsmouth wieder verlassen, da die "Investigator", ein Kriegsschiff mit Forschungsauftrag, in die Südsee aufbricht. Auf dieser Reise beschäftigt sich John intensiv mit allen verfügbaren Geräten auf dem Schiff, die der Zeitmessung dienen. Als sie Australien erreichen, treffen sie auf mehrere Eingeborene, die ihnen als Forschungsobjekt dienen. Einige seiner Freunde kommen jedoch bei dieser Reise tragisch ums Leben, so dass John anfängt über die Willkür des Todes nachzudenken. Als das Schiff auf der Rückfahrt auf ein Riff aufläuft, ist John maßgeblich am Überleben der Seeleute beteiligt, da er als einziger auf die Idee kommt die Nahrungsmittel vor Überschwemmungen zu schützen. Ein Schiff nimmt die Schiffbrüchigen auf und bringt sie zur nächsten englischen Station. Dort wird John auf der Earl Camden zu Signalfähnrich ernannt.

Wieder brechen sie zusammen mit anderen Handelsschiffen nach Portsmouth auf. Während dieser Fahrt legt sich John eine Liste mit Zielen an, die er verwirklichen will, wobei es sein größtes Ziel ist Kapitän zu werden. In Portsmouth trifft John die Prostituierte Mary Rose wieder, bei der er eine Nacht verbringt. Er bricht nach Hause auf, um seinen Eltern und Dr. Orme einen Besuch abzustatten. Unerwartet schlägt ihm Respekt entgegen, doch schon bald muß er wieder auf ein Kriegsschiff. Mitten im Gefecht mit den Franzosen ruft er sich die Signalflaggen in das Gedächtnis, um sich so konzentrieren zu können. Er erschießt einen französischen Scharfschützen und rettet damit seine angeschossenen Kameraden vor dem Tod. Mit schweren Verlusten kommt die Flotte wieder in Portsmouth an, wo John verzweifelt nach Mary Rose sucht, sie jedoch nicht mehr finden kann. Wieder bricht er nun für 10 Jahre auf um auf Kriegsschiffen Dienst zu tun, bei einem Landangriff wird er von einer Kugel am Kopf getroffen und überlebt wie durch ein Wunder. Der Krieg ist kurze Zeit später zu Ende, wie viele Seeleute hat auch John keine Arbeit mehr und muß sich mit dem halben Sold zufrieden geben. Auf dem Land lernt er bei einer Vorlesung Eleanor kennen, von der sich jedoch schon nach kurzer Zeit bedrängt fühlt. Er erfährt vom Tod seines ehemaligen Förderers Dr. Orme. Orme hat ihm eine Schrift zur Erfindung eines sog. Bilderwälzers dagelassen, mit der er sich die nächste Zeit beschäftigt. John schreibt eine Abhandlung über die Ablenkungen von Kompassen und bittet um ein Schiffskommando. Hier wird er allerdings zunächst auf bessere Zeiten vertröstet.

Kurze Zeit später tritt John einer Lesegemeinschaft bei. Hier lernt er Flora Reed kennen. John hat Glück und bekommt die Leitung über ein Schiff übertragen, das eine Forschungsreise zum Nordpol unternehmen soll. Auf dieser Reise wird John bewußt, das nicht das Ziel, der Nordpol, sondern die Reise an sich, der Weg seine Erfüllung ist, die ihn mit Glück erfüllt. Unter seiner Führung wendet die Besatzung seines Schiffes die drohende Gefahr eines Schiffbruchs durch die drohenden Packeismassen ab. John gelingt es, bestückt mit Karten von dem erforschten Gebiet mit halbwegs heilem Schiff, wieder zurückzukommen.

Die nächste Expedition, diesmal unter Johns eigenem Kommando, wartet jedoch schon. Ziel ist nun die Erreichung des Nordrands, sowie das Finden der Nordwestpassage. Dazu sollen sie entlang der neuen Küste auf dem Landweg vordringen. Die Unterstützung durch englische Gesellschaften entspricht nicht den Erwartungen, so dass zur Deckung des Nahrungsmittelbedarfs die Unterstützung durch dort lebende Indianer notwendig ist. Die Expedition soll auch so fast an der mangelnden Nahrungsversorgung scheitern, John schafft es dennoch, trotz zahlreicher Toter, Entbehrungen, sowie Situationen, in denen auch er kurz vor dem Aufgeben steht, den Rest der Mannschaft zurück nach England zu führen. In London schreibt John einen Bericht in Buchform, mit der er eine große Aufmerksamkeit in England erzielt. Die zunehmende Berühmtheit ist John jedoch zuwider, er heiratet Eleanor und bekommt mit ihr eine Tochter. Eleanor erkrankt kurze Zeit später. Dies hält John nicht davon ab wieder Richtung Norden aufzubrechen, die Reise wird ein Erfolg, obwohl man wieder die Nordwestpassage nicht finden konnte. Dafür gelingt es John umfassende Gebiete zu kartographieren und zu erforschen. Bei der Rückkehr erfährt er von Eleanors Tod. Sein zweites Buch erntet nur mäßigen Erfolg. Wieder muß John einige Zeit warten, bevor er seinen nächsten Auftrag erhält. Mit seiner neuen Frau Jane Griffin und seiner Tochter übernimmt er das Gouverneursamt auf einer Insel in der Südsee. Dort schafft es John nach anfänglichen Problemen immer mehr seine eigenen Vorstellungen durchzusetzen, gegen die jedoch zunehmend durch eine ehemalige Anhängerschaft des damaligen Gouverneurs opponiert wird. Durch fortlaufende Interventionen in London gelingt es seinen Gegnern die Abkommandierung Johns zurück nach London zu erreichen. Zurück in London macht sich John binnen einiger Wochen wieder auf, um nun endlich die Nordwestpassage zu finden. Diese Expedition im Alter von 62 Jahren ist jedoch seine letzte, nach zwei Schlaganfällen stirbt John Franklin im Jahre 1847.

Kritik und eigene Interpretation

Die erste Frage, ob eine Buchempfehlung für die MSS ausgesprochen werden kann, liegt darin, ob das Buch den Anforderungen, die an die Schüler gestellt werden, gerecht wird. Bücher greifen in unterschiedlichstem Maße intellektuelle Fragen und Themenhorizonte auf, deren Inhalt dann im Unterricht erschlossen und interpretiert werden kann.

Es ist also die Frage zu stellen, wird das Buch dem Anspruch eines MSS-Schülers/in gerecht, bzw. ist im Buch ein Thema enthalten, über das es sich lohnt mehrere Unterrichtsstunden zu verwenden. Nach der Beschäftigung mit dem Buch von Nadolny kann ich eine derartige Empfehlung nicht aussprechen. Das Schreibniveau von Nadolny ist nur von durchschnittlichem Wert. Der Autor verzichtet fast ganz darauf die Gedanken seiner Leser anzuregen, ihn an die Buchwelt zu fesseln. Die Entdeckung der Langsamkeit ist eine Abenteuererzählung, eine Geschichte gespickt mit einigen intellektuellen Happen, der Langsamkeit, auf die der Autor jedoch nicht differenziert genug eingeht. Der Titel wird ausnahmslos zur Wahrheit, wenn man das Buch gelesen hat. Es besteht natürlich die berechtigte Frage, ob nicht gerade das die Intention des Autors ist. Der Schreibstil Nadolnys ist eben von einer ausgeprägten Langsamkeit geprägt, die den Leser, der mehr Anspruch, sei es nach rasch abwechselnden Spannungszuständen, einer phantasiereichen neuen Welt oder nach tiefergehenden Problemstellungen fordert, ermüden läßt. Diese Langsamkeit könnte nun durchaus durch eine ideenreichere Stellungsnahme zum damaligen Zeitumbruch wettgemacht werden. Durch die starke Anlehnung an die Biographie Sir John Franklins ist der Versuch des Autors eine Darstellung vom Leben Franklins unter Einbeziehung von damaligen Problemen, der schnellen Umbruchszeit durchaus erfolgreich, nur hätte ich mir eine genauere Betrachtung der Langsamkeit gewünscht, die Nadolny in der Person Franklin deutlicher hätte zum Vorschein treten lassen müssen. John Franklins Gedanken, sein Erleben der Langsamkeit, der Prozeß der Anpassung an seine Mitmenschen, die eventuelle Auseinandersetzung mit dem Anders sein ist zu kurz geraten. Hier wäre mehr möglich gewesen als ein Roman, den ich im Alter ab 10 Jahren empfehlen würde.

Wer den Wunsch nach einer anspruchsvollen Lektüre hat, die den Leser miteinbezieht, ihn zu Fragen Stellung nehmen läßt, und ihn mitunter auch vor Schwierigkeiten stellt, Perspektivenwechsel oder Gedanken des Autors nachzuvollziehen, wird mit diesem Buch keine Freude haben. Wer hingegen eine seichte Unterhaltungslektüre sucht, die zugegebenermaßen auch einige, oder um genau zu sein nur einen Aspekt enthält, nämlich den sich einmal in das Leben eines "langsamen" Menschen hineinzuversetzen, ist mit diesem Buch gut bedient. Eine Linie läßt sich mit Sicherheit zur Gegenwart ziehen, die Frage, inwieweit wir auch heute wieder von einem Sprung in ein neues Zeitalter, ein neues Jahrtausend sprechen müssen und welche Probleme heute nur kurzfristig und mit dem Verzicht auf Einzelheiten, dem feinen Unterschied, behandelt werden, ist sicherlich interessant. Dem ist sicherlich auch ein gebührender Raum einzuordnen, jedoch sollten in der begrenzten Zeit, die uns während unserer Schulzeit zur Verfügung steht, intellektuellere Bücher zur Diskussion stehen.

Ein anderer Aspekt, der gegen das Buch spricht, ist sein Umfang, der den eher ungeübten Leser im Grundkurs vor ein Zeitproblem stellt, da das Lesen dieses Buches mit knapp 360 Seiten einen gewissen Zeitumfang abfordert, den der/die Schüler/in eher ungern aufbringt, zumal er, wie schon gesagt, nicht gerade von der Romanhandlung gefesselt ist. Sicherlich werden viele das Buch grundsätzlich nicht ablehnen, da derartige Bücher im gewohnten Deutsch-Alltag, der randvoll mit der Behandlung von Dramen, Epen, Gedichten, sowie anspruchsvoller Lektüre ist, eher die Ausnahme sind und so die Möglichkeit besteht sich einem gemütlicheren Buch zuzuwenden.
Ich möchte dieses Buch nicht prinzipiell abwerten, ich muß nur noch einmal feststellen, dass ich mir beim Lesen des Titels mehr versprochen habe. "Mehr" in Bezug auf Probleme, mit denen ich mich auch auseinandersetzen kann, die mich auch in meiner Umwelt beschäftigen, bzw. Denkanstöße zu Problemen, von denen ich bis dato nichts wußte. Zum Abschluß unserer Schulzeit recht entspannend, doch ein Klassiker von z.B. Kafka oder auch von Günter Grass hätte dem Einzelnen sicher mehr gebracht als dieser Abenteuerroman.

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4.2 / 5 Sternen (6 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2008
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 10.08.16

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