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"Die Ermittlung" Inhaltsangabe & Interpretation (Peter Weiss)

Inhaltsverzeichnis

Peter Weiss - Die Ermittlung - ausführlicher VOrtrag zum Inhalt und Textanalyse.

Referat "Die Ermittlung" von Peter Weiss mit Inhaltsangabe und Interpretation der Stilmittel etc.


Gliederung:
1. Inhalt
2. der Autor
3. äußere Form und Stilmerkmale
4. "Strafsache gegen Mulka und andere"
5. Diskussion: a) Worin unterscheidet sich "Die Ermittlung" von den realistischen Aussagen der Zeugen?
b) Ist es legitim, solches "wörtliches Grauen" zu stilisieren?
6. persönliche Meinung
7. Bibliographische Angaben und Quellennachweis

1. Inhaltsangabe & Zusammenfassung "Die Ermittlung"

"Die Ermittlung" ist eine kalte und nüchterne Konfrontation der Leser mit Worten der Täter und Erinnerungen der Opfer. Durch eine Zusammenfassung verschiedener Teile des Frankfurter Auschwitz- Prozess von 1963- 65 erhält der Leser einen objektiven und sehr intensiven Einblick in die Vergangenheit. In insgesamt 33 Sequenzen wird in äußerster Präzision der Leidensweg der Juden von ihrer Ankunft in Auschwitz bis zum Tod in der Gaskammer dokumentiert. Grausam genau werden die Schauplätze wie z. B. das Lager, der Bunkerblock, die Feueröfen und die schwarze Wand beschrieben. Mit erschreckend exakten Details werden die unvorstellbaren Grausamkeiten z. B. durch Phenol und Zyklon B absolut realistisch dargestellt. Auch beklemmende Einzelschicksale, wie z. B. das eines jungen Mädchens, das bei dem Versuch einem Häftling einen Brief zu zuschmuggeln ertappt und schließlich unter unmenschlichen Bedingungen hingerichtet wurde.
Es wird nichts verschwiegen.
In Form von Anklageschriften, Zeugenaussagen, Gegendarstellungen und Verteidigungen erfährt der Leser alles über das Leben einzelner Personen im KZ, aber auch über das Schicksal der breiten Masse.

2. der Autor PETER WEISS

Peter Weiss ist am 8. November 1916 in Nowawes (heute Neubabelsberg) geboren. Er wächst unter christlicher Erziehung auf. 1935- 1938 erfolgen Umzüge in verschiedene Länder, wobei er 1939 nach Stockholm zieht, wo er schließlich auch bis zum Tod wohnen bleibt. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich unter anderem als Textilmusterzeichner und an privaten Malschulen. 1943 heiratet er die Malerin und Bildhauerin Helga Henschen. Als Korrespondent der Stockholms- Tidningen geht Weiss 1947 nach Berlin und schreibt dort mehrere Reportagen und einen Prosatext. 1949 heiratet er Carlota Dethorey und schreibt zu dieser Zeit das Hörspiel "Rotundan" (dt. Der Turm). 1952 wird der Mikroroman "Der Schatten des Körpers des Kutschers" veröffentlich. Weiss unterrichtet an einer Stockholmer Hochschule Malerei, später auch Filmtheorie und- Praxis sowie Theorie des Bauhauses. 1961 erscheint sein autobiographischer Roman "Abschied von den Eltern". Im Januar 1964 heiratet er Gunilla Palmstierna und im April erfolgt die Uraufführung des Stückes "Die Verfolgung und Ermordung Jean-Paul Marats". Am 19. Oktober 1965 wird "Die Ermittlung" in 18 Städten gleichzeitig uraufgeführt. Weiss erhält hierfür den Lessing-Preises der Freien und Hansestadt Hamburg. Ein Jahr später (1966) wird er mit dem Heinrich-Mann-Preis der Deutschen Akademie der Künste, Ost-Berlin ausgezeichnet. 1974 reist Weiss in die Sowjetunion zum Schriftstellerkongress nach Moskau und nach Wolgograd. Nach einer Publikationspause von vier Jahren veröffentlicht er 1975- 1981 die Trilogie "Die Ästhetik des Widerstands". Bei der Uraufführung seines letzten Theaterstücks "Der neue Prozess" in Stockholm (1982), führt er selbst Regie. Am 10. Mai dieses Jahres stirbt Peter Weiss im Alter von 65 Jahren in Stockholm. Posthum wird er mit dem Georg- Büchner- Preis ausgezeichnet.

3. äußere Form und Stilmerkmale (Stilmittel Analyse)

Eigentlich ist die Bezeichnung "Oratorium" ein Widerspruch zum dem Inhalt dieses Dramas, da ein Oratorium die Vertonung eines, auf mehrere Sänger verteilten, meist geistlichen Textes für eine nichtinszenierte Aufführung im außerkirchlichen Rahmen ist. "Die Ermittlung" jedoch ist dokumentarisch aufgebaut, es wird nicht unterhalten, wie es bei der Aufführung eines Oratoriums ansonsten üblich ist. "Die Ermittlung" ist in 11 Akte, die sogenannten Gesänge, eingeteilt (z. B. 1. Gesang von der Rampe, 2. Gesang vom Lager, 4.Gesang von der Möglichkeit des Überlebens, 11. Gesang von den Feueröfen"). Jeder dieser Gesänge beschreibt eine andere Station in dem Leidensweg der Juden in dem KZ: von der Rampe über das Lager zu den Möglichkeiten des Überlebens bis hin zur Todeskammer. Teilweise sind allerdings auch erschütternde Einzelschicksale herausgegriffen, wie zum Beispiel der "Gesang vom Ende der Lili Tofler".
Die Zeugen und die Angeklagten haben keine Namen. Die 18 Angeklagten stellen zwar authentische Personen dar, werden aber als Angeklagter 1- 18 beschrieben. Lediglich wenn einer der Angeklagten direkt angesprochen oder von einem der Zeugen wiedererkannt wird, fällt ein Name. In diesen Angeklagten findet man verschiedene Gesellschaftsschichten wieder: den Arzt, den Lehrer, den Beamten. Sie verkörpern jeden, der sich zu dieser Zeit in den KZs schuldig gemacht hat.
Die Zeugen 1- 9 stellen verschiedene anonyme Zeugen dar, die alle Überlebenden der KZs repräsentieren.
Auffällig ist, dass Peter Weiss keinerlei Satzzeichen verwendet. Auch findet man im dem gesamten Werk nur wörtliche Rede, vereinzelt gibt Peter Weiss in einem kurzen Satz die Reaktionen der Angeklagten, bzw. der Zeugen wieder. Dadurch distanziert sich der Leser von jedem der dargestellten Charaktere, Emotionen kommen von selbst, ohne sie manipulativ durch detaillierte Beschreibungen hervorzurufen.
"Die Ermittlung" ist in einer sehr einfachen und nüchternen Sprache geschrieben. Dies, und die Tatsache, dass Peter Weiss originale Wortlaute verwendet hat, macht das ganze Werk sehr realistisch.
Peter Weiss bezeichnet sein Werk als Dokumentartheater. Seine Definition lautet: "Das dokumentarische Theater übernimmt wahrheitsgetreues Material und gibt es inhalts- unverändert und in der Form bearbeitet wieder."

4. "Strafsache gegen Mulka und andere"

Die Grundlage des Werkes "Die Ermittlung" bildet der Auschwitz- Prozess, der vom Dezember 1963 bis August 1965 in Frankfurt stattfand. Bei diesem Prozess, dessen offizielle Bezeichnung "Strafsache gegen Mulka und andere" lautet, wurden 22 Menschen angeklagt, 359 sagten als Zeugen aus. Peter Weiss, der sich zeitweise unter den Zuschauern befand, schreibt aufgrund seiner persönlichen Beobachtungen und den täglichen Zeitungsberichten "Die Ermittlung".
Die Angeklagten Kaduk und Klehr wurden des Mordes und der Beihilfe zum Mord für schuldig befunden und erhielten Freiheitsstrafen. Beide starben jedoch in Freiheit, da sie 1988 und 1989 aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen wurden. Peter Weiss jedoch lässt das Ende von "Die Ermittlung" offen und schließt mit einer Verteidigungsrede des Angeklagten 1.

5. Interpretation

Diskussionen: a) Worin unterscheidet sich "Die Ermittlung" von den realistischen Aussagen der Zeugen?
Wenn man den originalen Prozessverlauf mit dem Buch "Die Ermittlung" vergleicht, fällt direkt bei der Strukturierung ein wesentlicher Unterschied auf: in "Die Ermittlung" ist chronologisch aufgebaut, man verfolgt den Weg der Juden von Anfang bis Ende, das Original hingegen wurde anders angelegt. Außerdem hat sich Peter Weiss einige Prozessteile heraus gesucht, er beschränkt sich auf das "Konzentrat", demenstprechend findet man im Buch nicht den vollständigen Bericht wieder. Als drittes Merkmal fällt noch die Form auf: dadurch, dass Weiss Zeilenumbrüche nutzt, die sehr stark an freie Rhythmen erinnern erfolgt eine starke Stilisierung der Aussagen.

b) Ist es legitim, solches "wörtliches Grauen" zu stilisieren?
Bei solch einem ernsten Thema wirft sich natürlich die Frage auf, ob es angemessen ist, die originalen Zeugenaussagen zu stilisieren und damit- natürlich auch- zu verändern.

Contra:
- Verfälschung der Realität/ zu "ästhetisch- fiktiv" dargestellt
- zu große Entschärfung der grausamen Tatsachen
- Konzentration mehr auf die äußeren Formen, als auf den Inhalt

Pro:
- durch die Vereinfachung der Aussagen sind diese für Jeden nachvollziehbar und gut verständlich
- keine grundlegende Veränderung der Aussagen
- nicht so umfangreich, die Kürzung ist zum Vorteil des Lesers

Abschließend kann man sagen, dass es Peter Weiss gelungen ist aus diesem tragischen Dokument der Geschichte eine "reale, unverstellte Wirklichkeit" in Form von "Die Ermittlung" zu erstellen.

6. persönliche Meinung als Analyse

Ich denke, dass, Peter Weiss' s Werk "Die Ermittlung" ein erschütterndes Dokument über die schreckliche Vergangenheit Deutschlands ist. Eine Vergangenheit die nie vergessen werden darf. Durch das Wissen, dass dies einst grausame Realität war, empfindet man beim Lesen Wut und Trauer, Unverständnis und Mitleid. Dieses Buch regt zum Nachdenken an, wirft Fragen auf: wo liegen die Gründe in dem Verhalten der Angeklagten? Warum zeigen die Angeklagten keine Reue? Wie können die Opfer mit so schrecklichen Erfahrungen weiterleben?
"Die Ermittlung" ist ein Werk das alle schrecklichen Einzelheiten des Holocausts zeigt und vielleicht hilft gegen noch bestehendes Unrecht zu kämpfen.

7. Bibliographische Angaben

Peter Weiss, "Die Ermittlung"
Frankfurt am Main, 1965
Suhrkamp Verlag, 232 Seiten (davon 27 Seiten Kommentare von Walter Jens und Ernst Schumacher)
€ 9
ISBN 3- 518- 10616- 3

Quellennachweis :
Internet
Kindlers Lexikon

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4.3 / 5 Sternen (6 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2007
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 08.11.16

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