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"Die Falle" Inhaltsangabe (Wolfdietrich Schnurre)

Inhaltsverzeichnis

Es folgt eine Zusammenfassung von DIE FALLE von wolfdietrich Schnurre als ausformuliertes Referat zur Kurzgeschichte "Die Falle" von W. Schnurre - Zur Gliederung ist zu sagen, dass erst was zum Autor und dann die Inhaltsangabe kommt. Unten dann gibt es eine umfangreiche Interpretation der Falle.

1. Wolfdietrich Schnurre Kurzbiografie

1.1. Kurzbiographie/Tätigkeitsfeld
- Geb. 22.8.1920 in Frankfurt a.M., Mitbegründer der "Gruppe 47"
- Befaßt sich mit Gewalt und Tod in der Kriegs- und Nachkriegszeit,
Kindheit und Trümmerwelt, Außenseitern, aber auch Tierwelt
- Legt dem Leser die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschich-
te nahe
- Hörspiel- und Fernsehautor, Erzähler, Lyriker, Kritiker, Kinderbuch-
autor, Illustrator
- Träger des Büchnerpreises (1983)
- + 9.6.1989
1.2. Werke
1.2.1. Lyrik: Kassiber, Abendländer, Kassiber und neue Gedichte
1.2.2. Romane: Als Vaters Bart noch rot war, Das Los unserer Stadt
1.2.3. Erzählungen: Die Rohrdommel ruft jeden Tag, Protest im
Parterre (Fabeln)

2. Die Falle

2.1. Inhalt
2.1.1. Zusammenfassung/Handlungsverlauf
Zwei Brüder und deren Freund vermeiden jeden Kontakt zu einem jüdischen
Nachbarjungen. Sie werden zu dessen Geburtstagsfeier eingeladen, lernen
seine Familie und Wohnung kennen und ändern ihre Einstellung
2.1.2. Aufbau (nach Ort und Zeit)
- Beschreibung und Bewertung Veitels - Begegnung auf dem Buddelplatz -
Der unterlassene Krankenbesuch (wenige Wochen später) - Einladung und
Bewaffnung (am nächsten Tag) - Die Geburtstagsfeier
(wiederum einen Tag später)
2.2. Erzählerische Mittel und Sprache
2.2.1. Wechsel des Erzählverhaltens, der Perspektive
- wenig neutrales, über weite Strecken personales Erzählverhalten
- Erzählperspektive ist hauptsächlich die Außensicht; entscheidend für
den Sinn, die Aussage der Kurzgeschichte ist jedoch die Innensicht:
1. Teil der Kurzgeschichte: negative Gefühle und Einstellungen
(Abneigung, Neid, Angst, Scham, Rache)
2. Teil: Wende in den Gefühlen, Steigerung bis Begeisterung, ja
Verehrung
2.2.2. Stil:
Kahlschlag-Prosa: einfache Sprache
Im 1. Teil sehr viel direkte Reden, Aneinanderreihungen Aufzählungen,
Anaphern, Epiphern, Inversionen, Wortverkürzungen, Ausdrücke aus dem
Dialekt und der Jugend- und Umgangssprache, Grammatikfehler, Ellipsen,
Hyperbeln, Synonyme, z.T. ironische Erzählhaltung
Im 2. Teil: Sprache wird feiner, Metaphern
2.3. Aussage
- Einerseits: Menschen erst beurteilen wenn wir sie näher kennengelernt
haben.
- Andererseits: Falle! Äußerlichkeiten reichen in der Kurzgeschichte
aus, um Einstellungen zu verändern

2.1. Inhalt

2.1.1. Zusammenfassung (inhaltsangabe)

In der Kurzgeschichte "Die Falle" zeigt Wolfdietrich Schnurre am
Beispiel von Nachbarjungen die Verfemung der Juden im Dritten Reich.
Die Erzählung handelt von zwei Brüdern und ihrem Freund, die jeden
Kontakt zu Veitel, einem Jungen aus der Nachbarschaft, ablehnen, weil er
ein "Itzig", ein Jude, ist. Als er erfährt, dass Veitel an beiden Beinen
gelähmt ist, beauftragt ihr Vater sie, dem Kranken einen Besuch
abzustatten. Sie unterlassen den Besuch, geben dies jedoch zuhause nicht
zu. Trotzdem werden die drei zu Veitels Geburtstagsfeier eingeladen. Sie
schöpfen den Verdacht, dass sich Veitel wegen ihrer Ablehnung an ihnen
rächen will. Um nicht als Angsthasen dazustehen, gehen sie zur Feier -
zu ihrem Schutz, wie sie meinen, mit Platzpatronenpistolen bewaffnet. Zu
Beginn des Festes fühlen sich die Jungen äußerst unwohl. Ihre
Zurückhaltung gegenüber Veitel ist noch deutlich zu spüren. Doch
beeindrucken Wohnung, Bewirtung und Veitels Eltern die Jungen enorm.
Gesellschaftsspiele entspannen die Situation. Schließlich, bei einem
Lampionzug und einem gemeinsamen Lied zu Ehren Veitels, sehen die
Geburtstagsgäste den anfangs Verfemten unter einem ganz anderen Licht.

2.1.2 Aufbau: Typisch für die Kurzgeschichte: Keine Einleitung,

Hinführung zur Handlung, sondern stattdessen 1. eine Beschreibung und
Bewertung Veitels - 2. Begegnung auf dem Buddelplatz - 3. Der
unterlassene Krankenbesuch (wenige Wochen später) - 4. Einladung und
Bewaffnung (am nächsten Tag) - 5. Die Geburtstagsfeier
(wiederum einen Tag später)
Wiederum charakteristisch für die Kurzgeschichte: der offene Schluß, der
wie L. ROHNER (Theorie der Kurzgeschichte) feststellt, eine Bewegung,
eine Geste enthält: "Ich wartete, bis sie heran waren, dann drängte ich
mich zwischen sie und sang mit." Der Leser erfährt nicht, wie sich die
Beziehung zwischen den Hauptpersonen weiter entwickelt.

2.2. Interpretation: Erzählerische Mittel und Sprache

2.2.1. Wechsel des Erzählverhaltens
wenig neutrales, über weite Strecken personales Erzählverhalten:
Erzähler bringt kaum Distanz zum Geschehen, sondern ist beinahe
identisch mit dem Jüngeren der Brüder (das Alter läßt sich aus der
Führungsrolle Heinis schließen); Erzählperspektive ist hauptsächlich die
Außensicht, die Beschreibung der Personen und ihres Verhaltens, die
Darstellung äußerer Vorgänge; entscheidend für den Sinn, die Aussage der
Kurzgeschichte ist jedoch die Innensicht, die Gefühle und Gedanken, die
zum Vorschein kommen:

Den ersten Teil der Kurzgeschichte beherrschen durchwegs negative
Gefühle und Einstellungen: Abneigung, Neid, Angst, Scham und Rache.
Der Ich-Erzähler, sein Bruder Heini und ihr gemeinsamer Freund Bruno
lehnen den jüdischen Jungen als Spielkameraden ab: "Niemand mochte ihn
leiden". Als Grund reicht ihnen dessen Äußeres. "Er hatte... abstehende
Ohren, dicke Brauen und Beine, die aussahen wie Häkelhaken, so dünn
waren sie."
Neid erfüllt den Erzähler, als er auf dem Spielplatz Veitels Schaufel
sieht: "...; und unterm Arm trug er eine funkelnagelneue Schippe, die
leuchtete in der Sonne und hatte einen langen gelben Stiel, auf dem noch
das Fabrikzeichen klebte."
Angst in verschiedener Form wird in der ersten Hälfte der Erzählung
deutlich:
Angst vor dem Unbekannten: "Ich wußte nicht, was ein Itzig war, aber
Heini sagte, was Schlimmes, und darum paßte ich gut auf, damit ich ihm
nicht doch mal in den Weg liefe."
Angst vor den anderen: "...; ich hatte Angst, Bruno und Heini könnten
zurückkommen und sehn, wie ich mich mit ihm abgab."
Angst, die eigenen Gefühle zu zeigen: "Ich hätte gern gewußt, was er
hatte, aber ich traute mich nicht, danach zu fragen, ich hatte Angst,
Heini, der könnt' noch glauben, ich hätt' Mitleid mit dem Veitel,..."
Angst vor Veitels Meinung, als es darum geht, ob die Brüder den
Krankenbesuch abstatten sollten oder nicht: "Warum nicht -? Na, Mensch,
weil er dann denkt, wir woll'n uns anschmiern bei ihm."
Angst vor einer möglichen Rache Veitels wegen ihrer Ablehnung ihm
gegenüber. "Heini war der Meinung, es handele sich um eine Falle. Veitel
wollte sich bloß an uns rächen, das wär' alles."
Der Erzähler schämt sich davor, mit dem jüdischen Jungen zusammen
gesehen zu werden: "Jetzt erkannte er mich und kam 'rüber. Ich sah
schnell weg, aber zum Glück waren die andern Kinder alle nicht aus
unserer Straße und kannten Veitel nicht."
Scham und schlechtes Gewissen beschleicht die Brüder auch, als sie von
den Eltern für den unterlassenen Krankenbesuch gelobt werden: "Da nickte
ich auch, aber ich merkte, ich war rot geworden, und ich hatte auch auf
einmal gar keinen Hunger mehr, dabei hatt' ich noch gar nichts gegesen
an diesem Abend."
Ja sogar Rachegefühle kommen bei ihnen auf, als sie sich für die
Geburtstagsfeier schick machen mußten und sich nicht mehr schmutzig
machen durften: "Heini knirschte mit den Zähnen, er tat die erste
Zündplättchenrolle in den Revolver und sagte, na das soll er uns aber
büßen, der Itzig."

Die Wende in den Gefühlen zeigt sich, als die drei zur Geburtstagsfeier
in das Haus kommen, in dem Veitel wohnt: Eine geräumige Villa mit großem
Garten, ein Dienstmädchen, das sie in ein Zimmer mit brennenden Kerzen
und einem mächtigen, gedeckten Tisch führt. Plötzlich sehen sie die
äußere Erscheinung Veitels ganz anders: "Wir bekamen einen großen
Schreck, als wir ihn sahen. Alles Häßliche aus seinem Gesicht war weg,
seine Stirn leuchtete, und er sah ganz zart und zerbrechlich aus und war
richtig schön." Zwar ist das unwohle Gefühl in der Nähe Veitels bei den
Jungen immer noch vorhanden: ""Ich saß links von Veitel, Heini saß
rechts von ihm, Bruno saß weiter unten am Tisch, er hatte Glück gehabt
..." und Fröhlichkeit will sich nicht einstellen, aber die Spannung löst
sich, als Veitels Vater Spiele organisiert, die den Gästen großen Spaß
bereiten.
Den Höhepunkt der Gefühle, Begeisterung, ja Verehrung, stellt der Schluß
der Kurzgeschichte dar: "Es sah wunderbar aus, die Lampions so
heranschweben zu sehen, auf die Veranda und auf Veitel und seine Eltern
fiel dabei immer ein anderes Licht."

2.2.2. Stil:

Sprachlich gesehen entspricht "Die Falle" den Vorstellungen der Gruppe
47. Sprache sollte nach der Nazizeit gereinigt werden von der
wortreichen, z.T. unklaren und unverständlichen Literatur jener Zeit:
Kahlschlag-Prosa, wie sie genannt wurde, zeichnet sich durch einfache
Sprache aus. Schnurre baut in den ersten Teil sehr viel direkte Reden
ein, die jedoch als solche nicht durch Anführungszei-chen gekennzeichnet
sind. Er reiht Sätze mit "und" aneinander, trennt sie häufig nur durch
Kommas, wo eigentlich Punkte notwendig wären: "Am nächsten Tag mußten
wir erst mal in die Badewanne, dann schickte Mama uns zum Friseur, und
dann mußten wir unsere Matrosenanzüge anziehen, bekamen saubere Kragen
um und durften nichts anfassen und mit nichts spielen und uns nicht
hinsetzen draußen und gar nichts." Die Aufzählungen (5x "und"!), die
Anaphern mit "dann" zu Beginn der Teilsätze, die Epiphern "nichts
anfassen", "mit nichts spielen", "nicht hinsetzen", "gar nichts", die
Inversion "und uns nicht hinsetzen draußen" weisen schon in diesem
Beispiel auf einen schlichten Satzbau, auf Alltagssprache, hin. Viele
Sätze sind so geschrieben, wie sie von Kindern gesprochen werden, die
wörtlichen Reden sehr oft mit "sagte er" abgeschlossen. Wortverkürzungen
wie z.B. "Aber's geht nicht", " 'ne schicke Burg", "Biste verrückt!" -
auch bei den Erwachsenen - verstärken den Eindruck einer lebensnahen
Sprache, die bei Schnurre oft aus dem Berliner Arbeitermilieu stammt.
Daher finden sich Ausdrücke aus dem Dialekt und der Jugendsprache:
"Schippe" für Schaufel, "Buddelplatz" für die Sandgrube auf dem
Spielplatz, "als wir uns 'reinschoben zu ihm" für "als wir zu ihm ins
Zimmer kamen" oder "Heini zog gleich einen Flunsch" für "Heini verzog
das Gesicht". Grammatikfehler wie ""Bruno saß auf dem Rand vom
Buddelkasten", Ellipsen wie "Das beste, sagte Bruno, man geht erst gar
nicht hin.", Repetitionen "Besser ist besser, sagte Heini", Vergleiche
wie "Beine, die aussahen wie Häkelhaken", Hyperbeln wie "wahnsinnig
gefreut" und "Ich freu mich kaputt, dass ihr da seid!" oder der synonyme
Gebrauch des abwertenden "Itzig" für "Deutsche jüdischen Glaubens"
deuten ebenso auf Umgangssprache hin. Ironisch wirken inmitten dieser
Trivialsprache die philosophischen Einwürfe der Mutter: "Das Schlimmste
wär' Hochmut und das Zweitschlimmste Unachtsamkeit" oder, als die für
die Jungen unangenehme Einladung zur Geburtstagsfeier kommt: "Na, seht
ihr, alles trägt seinen Lohn."
Mit dem Schluß, dem Umschwung der Gefühle Veitel gegenüber, ändert sich
auch die Sprache: sie wird feiner, gefühlvoller. Der Erzähler vermeidet
weitgehend umgangssprachliche Strukturen und Wortschatz; auch die
wörtlichen Reden werden selten. Es werden Metaphern verwendet: "Er (der
Lampion) sah aus wie ein Mond und hatte lachende Augen und einen
lachenden Mund..."; "Es sah wunderbar aus, die Lampions so
heranschweben zu sehen,...". Farben und Helligkeit werden beschrieben
und erinnern an ein Symbol, das dreimal fast unverändert in der
Erzählung vorkommt: "die neue Schippe, in der sich die Sonne spiegelte".

2.4. Aussage

Meiner Meinung nach will W.D. Schnurre mit dieser Kurzgeschichte
einerseits ausdrücken, dass wir einen Menschen erst beurteilen sollen,
wenn wir dessen Umfeld und Lebensweise näher kennengelernt haben: Aus
der von den Nazis geschürten, nicht wirklich begründbaren Ablehnung des
Juden Veitel wird schließlich Respekt, beinahe Verehrung.
Andererseits laufen die Jungen in der Geschichte tatsächlich in eine
Falle: Schon wenige Äußerlichkeiten wie z.B. ein schönes Haus, nette
Eltern oder ein tolles Fest verändert ihre Einstellungen - zu wenig,
meine ich, um einen Menschen richtig beurteilen zu können!

3. Quellenangaben:
3.1. Erzählungen der Gegenwart, Hirschgraben-Verlag, Frankfurt a.M.
3.2. Erlebnis Literatur, Manz-Verlag, München
3.3. Arbeitsmaterialien des Literaturordners

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4 / 5 Sternen (12 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2010
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 10.11.16

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