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"Die Küchenuhr" Interpretation mit Inhaltsangabe (Wolfgang Borchert)

Inhaltsverzeichnis

Es folgt zuerst eine umfagnreiche Interpretation von Wolfgang Borcherts "Die Küchenuhr" und danach weiter unten eine zweite, kleinere Textanalyse mit kurzer Zusammenfassung,

Aufgabe: Interpretieren Sie die Kurzgeschichte "Die Küchenuhr" von Wolfgang Borchert. (Zeit: 90 min)

"Die Küchenuhr" Interpretation mit Inhaltsangabe (Wolfgang Borchert)


In der Kurzgeschichte ‘Die Küchenuhr’ von 1947 thematisiert der Autor Wolfgang Borchert die seelische Verfassung der Überlebenden des Zweiten Weltkrieges und umreißt eindrucksvoll deren physischen, psychischen und materiellen Verluste. Die Kurzgeschichte lebt aus der Spannung zwischen dem bewußten Verhalten, der Rede der Personen einerseits und ihrer seelischen Verfassung, wie sie sich in der Gestik ausdrückt andererseits.

Anfangs wird eine Szene beschrieben, wie sie sich alltäglich überall ereignen könnte: ein Mann um die zwanzig Jahre setzt sie zu ein paar anderen Personen auf eine Bank und beginnt ein Gespräch. Borchert verzichtet auf konkrete Orts- und Zeitangaben. Jedoch läßt sich die Erzählung aufgrund der darauffolgende Szenerie auf kurz nach dem Ende des Krieges datieren.

Der Mann hält eine Küchenuhr in der Hand, die ganz offensichtlich stehengeblieben ist und versucht auf der Basis dieser Uhr ein Gespräch zu beginnen. "Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach an [...] Sie ist übriggeblieben." Auf diesen Satz hin, der sich im Verlaufe der Kurzgeschichte noch dreimal wiederholen wird, wartet er vergeblich auf eine Reaktion seiner "Banknachbarn". Ob dieses bewußte Schweigen Desinteresse oder betroffene Anteilnahme bekundet läßt sich erst im Verlaufe der Geschichte fundiert vermuten.

Er ist sich der Wertlosigkeit der Uhr durchaus bewußt ("Sie hat keinen Wert, meinte er entschuldigend, das weiß ich auch. Und sie ist auch nicht besonders schön. [...] "), scheint aber dennoch emotional von ihr abhängig zu sein.
"Nein, innerlich ist sie kaputt, das steht fest." Aufgrund der starken Identifizierung (partielle Identität) des Hauptcharakters mit eben dieser Uhr, läßt sich diese Aussage auf den Mann übertragen. Nicht nur die Uhr, die mechanisch gesehen "kaputt" ist, sondern er als Person scheint seelisch gebrochen zu sein, ist also im übertragenen Sinne auch "kaputt". Nicht zuletzt die Beschreibung seiner Person: "Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging, daran sah man, dass er erst zwanzig war" läßt ein gestörtes Verhältnis zur Realität vermuten. Seine äußere Erscheinung wirkt definitiv wie die eines Wahnsinnigen.

Verstärkt wird dieser Eindruck, als er, unbeachtet von seinen Banknachbarn, sich an seine Küchenuhr wendet und mit ihr ein Gespräch (ein sehr einseitiges) führt. ("Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen. Er fand sie nicht. Da nickte er seiner Uhr zu: Dann hatte ich natürlich Hunger, nicht war?".
Der Moment, in dem die Uhr stehengeblieben ist, erhält für ihn eine weitere Bedeutung. Denn sie wurde um halb 3 zerstört, eben dieselbe Uhrzeit, in der er Tag für Tag bzw. Nacht für Nacht nach hause kam und etwas aß bevor er sich schlafen legte. Jeden Tag leistete ihm sein Mutter Gesellschaft und räumte schließlich auf. Daß die Küchenuhr nun um genau diese Zeit stehenblieb ist der Grund dafür, das dieses Objekt ihm als Personifizierung (Ziffernblatt wird auch als "weißblaues, rundes Gesicht" bezeichnet) seines vorherigen Lebens erscheint. Was er seinerzeit als selbstverständlich erachtete, empfindet er, nachdem er sowohl Haus und Familie verloren hat, nun als "Paradies", das er verloren hat. ("Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war. Das richtige Paradies". (ebenfalls in Richtung Küchenuhr)

Während er seinen Zuhörern dies alles berichtet, scheinen diese permanent versucht zu sein, seinen Blicken auszuweichen ("Die auf der Bank saßen, sahen ihn nicht an. Einer sah auf seine Schuhe und die Frau sah in ihren Kinderwagen"). Dieses Motiv wiederholt sich 3mal. Der vom Hauptdarsteller geführte Monolog wird nur äußerst sporadisch und durch extrem kurze Einwürfe unterbrochen ("Sie haben wohl alles verloren", "Aber sie geht doch nicht mehr, sagte die Frau"). Es kommt weniger eine echte Unterhaltung als eher eine geistige Verbundenheit zum Tragen. Denn Betroffenheit scheint es zu sein, die den anderen Personen die Sprache verschlägt. Ein Desinteresse läßt sich schon aufgrund der tiefen Bestürzung (sonst gäbe es keinen Grund, warum der Mann der neben ihm saß seine Schuhe nicht sieht) der Personen ausschließen ("Und der Mann der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort 'Paradies'".) Die Schwere der Situation, in die sie sich alle befinden, macht eine Konversation, auch darüber, unmöglich.

Obgleich die Erzählweise der Kurzgeschichte extrem monologisch seitens des Küchenuhrbesitzers ist, fällt dessen karger Sprach- und Wortschatz ins Auge.
Der Erzählstil ist von ungewöhnlich vielen Wiederholungen geprägt, die nicht nur rein inhaltlich dasselbe aussagen, sondern auf der selben Satz- und Wortkonstruktionen basieren.

"Sie (die Küchenuhr) ist übriggeblieben" = Satz wird 4mal wiederholt
"Die auf der Bank [...] saßen, sahen ihn nicht an." = Motiv wird 4mal wiederholt
Selbstgespräch mit der Uhr = wird 2mal erwähnt
Uhr ist um halb 3 stehengeblieben = Motiv wird sehr oft wiederholt
Dies könnte die Unfähigkeit der Betroffenen über das Erlebte zu sprechen und die Unmöglichkeit das Erlebte zu verarbeiten symbolisieren. Betroffenheit und die eigene Erfahrung jedes Einzelnen macht eine Erläuterung der seelischen Verfassung des Mannes unnötig. Das Volk scheint gelähmt zu sein. Borchert nutzt hierfür eine Erzählhaltung, die den Erzähler unbeteiligt erscheinen läßt. Er ist dem Geschehen gegenüber neutral und objektiv und bringt sich in keinem Moment in das Geschehen ein. Das Geschehen ist von der Außensicht beschrieben, so dass der Leser nur erfährt, was ein neutraler Außenstehender beobachten könnte. Es bleibt dem Leser vorenthalten, ob die handelnden Figuren sich verstellen, lügen, sich täuschen oder irren. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Gestik keine Schlüsse auf die seelische Verfassung der Akteure zuläßt.

Zur zeitlichen Gestaltung ließe sich noch sagen, dass die erzählte Zeit und die Erzählzeit identisch sind, dass heißt: der Ablauf des Gespräches ließe sich in etwa mit der Zeit vergleichen, die der Leser braucht um die Szene zu lesen. (Zeitdeckung)

"Der Mann der neben ihm saß sah auf seine Schuhe - aber er sah seine Schuhe nicht..." Dieser Abschlußsatz drückt tiefe Betroffenheit des in Gedanken versunkenen Mannes aus und läßt dem Leser keine Hoffnung auf eine mögliche Verbesserung dieser Situation. Die Zeit scheint in dieser aussichtslosen Lage stehenzubleiben.

Die Uhr als Symbol dieses verlorenen "Paradieses" und als einziges Überbleibsel dieses einst glücklichen Lebens ist für ihn nun das höchste Gut, obwohl es (die Uhr) rein materiell nichts wert ist. Das Sichtrennen von der Uhr würde für ihn eine Lossagung von seinem alten Dasein, eine Verneinung seiner früheren Existenz, eine Mißachtung seiner toten Familie und das Wegwerfen der Erinnerung an sein "Paradies" bedeuten - er würde sich selbst wegwerfen.

Der Wahnsinn ist in Borcherts 'Die Küchenuhr' ein Symbol für die seelischen Schmerzen, die der Krieg und seine Folgen neben den körperlichen und materiellen Qualen hervorruft. Ein Plädoyer gegen den Krieg in jedweder Form.

Wolfgang Borchert "Die Küchenuhr" 2. Analyse und kurze Zusammenfassung


Die Küchenuhr

Die Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ wurde von Wolfgang Borchert geschrieben. Wolfgang Borchert wurde im Jahre 1921 geboren und starb im November 1947. Er wurde deswegen nicht alt, weil er im Krieg war. Er hat den Krieg aber nicht verkraften können und ist an den Folgen gestorben. Diese Kurzgeschichte stammt aus dem Buch: „Wolfgang Borchert – das Gesamtwerk“.

In der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ geht e um einen jungen Mann, der seine Familie und sein zuhause im Krieg verloren hat. Der Mann erzählt diese Geschichte Leuten, die im Ort auf einer Bank sitzen, in der Hand hat er eine Küchenuhr. Die Uhr, so sagt er, ist das einzige, was ihm noch von seinem zuhause geblieben ist. Und mit der Uhr die Erinnerung. Die Uhr, die nicht mehr funktioniert, steht auf halb drei. Der junge Mann freut sich darüber sehr, dass sie genau um diese Zeit stehen geblieben ist. Er erzählt den Leuten auf der Bank, dass seine Mutter ihm um halb drei nachts immer Essen machte wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Er sieht sie genau vor sich und erzählt, dass sie immer so lange bei ihm blieb, bis er fertig war mit essen. Nach dem er fertig ist, davon zu erzählen, schaut er wieder die Uhr an.

Der Text ist in einer einfachen, verständlichen Sprache geschrieben. Ein Merkmal dieser Geschichte ist, dass sie aus vielen, kurzen Sätzen besteht. Die Erzählweise der Geschichte wechselt mal von einem Erzähler zur direkten Rede des jungen Mannes. Eigentlich beinhaltet die Geschichte nicht viele Umschreibungen, aber als er von seiner Mutter erzählt, beschreibt er sehr ausführlich wie das gewesen ist. (Zeile 42: Dann stand sie da, in ihrer Wolljacke und mit einem roten Schal...) Fremdwörter sind in der Geschichte keine enthalten. Ich habe in der Kurzgeschichte fünf Erzählschritte gefunden:

Erzählschritt 1, Zeile 1- 4:
Der junge Mann kommt zu den Leuten auf der Bank. In der Hand eine Küchenuhr. Er setzt sich zu ihnen auf die Bank.

Erzählschritt 2, Zeile 5- 22
Der junge Mann zeigt den Leuten auf der Bank seine Uhr und erzählt, dass die Uhr das Einzige ist, was er noch hat.

Erzählschritt 3, Zeile 23- 49:
Hier ist eigentlich die Haupthandlung. Der junge Mann erzählt den Leuten auf der Bank, was besonderes an der Uhr ist und warum es für ihn so wichtig und besonders ist, dass sie u halb drei stehen geblieben ist. Er erzählt ihnen von seiner Mutter und was nachts um diese Zeit immer war.

Erzählschritt 4. Zeile 50- 60:
In diesem Abschnitt denkt er daran, wie schön es war, und wie es jetzt doch ist. Jetzt erzählt er den anderen auf der Bank, dass er seine Familie verloren hat.

Erzählschritt 5, Zeile 61- 67_
Er schaut sich wieder die Uhr an und er freut sich erneut, dass sie um halb drei stehen geblieben ist.

Der Ort der Handlung ist eine Bank in einem Ort. Die Geschichte spielt vermutlich in Deutschland. Zu der Dauer des ganzen kann man nichts genaues sagen. Der junge Mann setzt sich auf die Bank und erzählt den Leuten seine Geschichte. Es ist somit ein Ausschnitt, ein Moment aus einem Tag in dem Leben des jungen Mannes. Vielleicht dauert das ganze eine halbe Stunde, vielleicht aber auch mehr oder weniger.

Die Personen in der Geschichte sind der junge Mann, die Frau mit dem Kinderwagen, der ältere Mann und die Mutter des jungen Mannes. Von ihr erfährt man aber lediglich aus den Erzählungen des jungen Mannes.

Wolfgang Borchert zeigt mit diesem Text, dass selbstverständliches schnell zu Ende sein kann und dass man viele Dinge einfach bewußter leben sollte. Der junge Mann hat alles verloren bis auf die Uhr. In ihr steckt für den jungen Mann die ganze Erinnerung an das, was er mal hatte.

Die Geschichte ist schon fast 50 Jahre alt und doch immer noch sehr aktuell. Denn jeder kann sich mit den Gefühlen des jungen Mannes identifizieren, Jeder kann sich vorstellen wie schlimm es für ihn sein muss, und jeder kann sich mit dieser Geschichte bewußt machen, wie schnell alles zu Ende und / oder verändert sein kann.

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4.2 / 5 Sternen (5 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2010
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 28.06.16

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