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"Die Küchenuhr" Interpretation & Inhaltsangabe (Wolfgang Borchert)

Inhaltsverzeichnis

Borchert: Interpretationsaufsätze und Inhaltsangaben zu "Die Küchenuhr" in Form von 6 Ansätzen - über Inhaltsangabe und Textanalyse bis hin zu tieferen Interpretation dieser Kurzgeschichte. Falls Du zunächst wissen willst, wie man eine Kurzgeschichte aufbaut + Beispiel schreibt, dann klicke hier. Unten unter 4. gibt es eine kurze Inhaltsangabe für alle, die nur eine solche suchen (also scrollen).

1. Interpretation zu der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“

In der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert geht es um einen Mann, der im zweiten Weltkrieg alles verloren hat, außer eine Küchenuhr.

Wolfgang Borchert erwähnt die Metapher „altes Gesicht“ (z. 2, 38,?), dies könnte für all das stehen, was der erst 20 Jahre alte Mann im zweiten Weltkrieg miterlebt hat. Er erwähnt auch die „Küchenuhr“ (z. 6, 9), dieses Bild soll eventuell mit der letzten Erinnerung an sein zu Hause und seine Mitmenschen verbunden werden. Sie ist kaputt, aber sie bedeutet ihm immer noch im Moment sehr viel.
Es wird von dem Symbol „Bank“ (z. 4, 21) erzählt, es steht möglicherweise für einen öffentlichen Ort, wo man sich zum unterhalten hinbegibt oder um nur andere Menschen und ihre Nähe zu suchen. In der Kurzgeschichte handelt es auch von „nur“ einer Uhrzeit, „halb drei“ (z. 34, 36, 45,...), damit verbindet der Schriftsteller vielleicht, das seine Mutter ihm immer sein Essen warm gemacht hat, wenn er immer um halb drei nach Hause kommt.
Dann wird auch noch „Paradies“ (z. 27, 40,...) dieses Symbol lautet möglicherweise, wie schon alles war, vor dem Krieg.

Der Man ist alleine und hat alles durch den Krieg verloren, seine Familie, sein ganzes Hab und Gut. Daher geht er evtl. zu der Bank, um andere zu treffen, denen es auch so geht, wie ihm. Oder einfach, weil er nicht weiß, wohin er jetzt gehen soll, da seine Familie tot ist.
Es gibt eine Auffälligkeit in dem Schreibstil, das der Schriftsteller die Fassungslosigkeit des Mannes damit darstellen möchte, das er seine Erinnerungen immer wider wiederholt.
Der Autor möchte uns möglicherweise mit der Kurzgeschichte, die Küchenuhr sagen,
das man manchmal immer mehr haben möchte, das aber manchmal vor Habgier ganz das Gegenteil geschieht, dann wird einem erst bewusst, wie gut man es doch hat/te.
Das Schicksal des Mannes hatten zu Kriegszeiten sehr viele Menschen, vor allem in Großstädten, da dort besonders viel bomberdiert wurde.

Ich finde die Geschichte sehr gut, da sie der Wirklichkeit entspricht, das alles sich von einem Tag auf den anderen schlagartig ändern kann. Uns auch darauf aufmerksam macht, wie gut wir es doch alle haben, auch wenn wir es manchmal nicht glauben wollen.

2. "Die Küchenuhr" - Merkmale einer Kurzgeschichte (Analyse)


„Die Küchenuhr“ Inhaltsangabe wird in diesem Artikel durch den Umfang locker vorgenommen.

Aufgabe: Weise an der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ die Gattungsmerkmale nach.

„Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert enthält viele Gattungsmerkmale einer Kurzge-schichte. So bemerkt man gleich, dass es keine Einleitung gibt, also ein offener Anfang vor-liegt und wichtige Informationen erst allmählich in den Text eingefügt werden, wie z.B. dass der Protagonist seine Familie sowie alles andere abgesehen von der Küchenuhr verloren hat. Auch hat die Geschichte ein offenes Ende, bei dem Fragen, wie das weitere Leben des jungen Mannes fortfahre, offen bleiben. Ein weiteres Merkmal der Kurzgeschichte ist ein relativ kur-zer Text, der hier auch vorliegt. Es gibt keine Spannungslinie, die zu einem Höhepunkt führt, der gleichzeitig Wendepunkt sein kann, aber nicht sein muss. Trotzdem weckt sie das Interes-se des Lesers bzw. eine gewisse Neugier. So empfindet man Mitleid und Bedauern für den jungen Mann, der bereits alles verloren hat und psychisch labil seinen Verstand an eine Kü-chenuhr klammert. Auch wird der Protagonist in einer scheinbaren Alltagssituation gezeigt, die jedoch eine soziale Situation thematisiert, die Nachkriegszeit, die kritik- und verbesse-rungswürdig ist. Außerdem ist sie für ihn insofern bedeutsam, dass er seine seelischen Qualen anderen Menschen mitteilt und die Uhr der Schlüssel für seine ehemals glückliche Zeit ist, da sie alles ist, was er noch hat. So steht, wie so oft in Kurzgeschichten, ein Außenseiter der Ge-sellschaft im Zentrum des Geschehens. Denn er befindet sich in einer trostlosen Welt ohne Hoffnung auf Besserung, da alle seine Angehörigen durch einen Bombenabwurf gestorben sind, was er jedoch weitestgehend verdrängt (Z.36,37). Dies will zum kritischen Nachdenken anregen, welche Auswirkungen der Krieg auf die Menschen, auch lange Zeit später, noch hat. Unser soziales Bewusstsein wird dadurch stimuliert. Die Umwelt des Protagonisten wird nur umrissen, ihr wird nur sparsam Kontur verliehen. Man erfährt nichts über die Geschichten der anderen Menschen auf der Bank, was den Blick des Lesers noch mehr auf das Schicksal des jungen Mannes lenkt. Dies soll außerdem den eingeschränkten Betrachtungswinkel der Men-schen aus der Nachkriegszeit verdeutlichen, die wegen ihres persönlichen Verlustes zu sehr mitgenommen sind, um sich noch um ihre Umwelt zu kümmern. So erfährt der Leser nur ei-nen Bruchteil dessen, was damals wirklich passiert ist. Schließlich ist dies auch nicht die Auf-gabe einer Kurzgeschichte. Die möchte vielmehr zum kritischen Nachdenken anregen und zeigt ein Stück herausgerissenem Leben. Ein weiteres Merkmal ist die Besonderheit der Spra-che. So gibt es viel wörtliche Rede, in der häufig Umgangssprache verwendet wird (Bsp: Z.12 „..., so mit weißem Lack“). Damit will der Autor vielleicht verdeutlichen, dass jeder in eine derartig schlimme Lage kommen kann. Außerdem ist der Text so für den Leser leicht ver-ständlich. Der parataktische Satzbau unterstreicht die noch. Manchmal stehen auch keine rich-tigen Sätze da sondern nur Satzteile, die mit Punkten abgetrennt sind, was zur Hervorhebung dient (Bsp: Z.42 „Fast immer um halb drei“). Auch findet man viele Wiederholungen (Bsp: Z.30,31 „um halb drei“; Z.60,62 „das war ganz selbstverständlich“), die zur Dramatisierung und Betonung der Lage, in der sich der Mann befindet, dient. Er ist psychisch so labil, dass er sich immer wiederholt und nicht mehr weiß, was er eigentlich sagt. So versucht er, seinen Gedanken und Gefühlen freien Lauf zu lassen. Als letztes ist nicht die Symbolfunktion der Überschrift zu erwähnen. Schließlich ist die Küchenuhr der Schlüssel zu der Geschichte, da sich der Geist und der Verstand des jungen Mannes an sie klammert. Sein persönliches Paradies – eine Erinnerung an eine bessere Zeit – sind fest mit der Uhr verbunden.

3. Interpretation von Borcherts "Küchenuhr"

Die Küchenuhr Interpretation als dritter Ansatz erfolgt:

Krieg ist wohl eine der schlimmsten Situationen, die man als Mensch erleben kann. Die Kriegsschiksale der Menschen, die völlige Zerstörung und die Hoffnungslosigkeit, all das spiegelt Borchert in seinen Kurzgeschichten wieder. Er erlebte selbst diese schweren Jahre. Borcherts Eltern förderten seine Schreibkunst, obwohl er vor allem mit seinem Vater wegen dieser öfters Streit bekam. Sein Vater war Lehrer und bestand auf grammatikalisch richtigen Sätzen. Borchert hingegen schrieb in kurzen, grammatikalisch falschen Sätzen, die die kaputte Situation verstärken und verdeutlichen sollen. Seine Mutter verstand ihn in der Hinsicht besser. Sie war eine gefühlvolle Heimatdichterin. In der Kurzgeschichte "Die Küchenuhr" beschreibt er wieder ein typisches Kriegsschicksal.

Die Kurzgeschichte "Die Küchenuhr" handelt von einem jungen Mann, der alles verloren hat, außer seiner Küchenuhr. Er trifft auf eine Gruppe von Menschen, die auf einer Bank in der Sonne sitzen. Er zeigt ihnen die Küchenuhr und erzählt ihnen, was für eine besondere Uhr das wäre. Sie sei zwar kaputt, aber äußerlich noch genauso wie immer; außerdem sei sie genau um halb drei stehen geblieben. Normalerweise sei er nämlich immer um halb drei nach Hause gekommen. Die Leute merken wohl, dass der junge Mann innerlich genauso kaputt ist, wie die Küchenuhr, aber sie sagen nichts. Ihnen ist es peinlich. Als der junge Mann aber anfängt vom Paradies zu erzählen, werden sie alle doch etwas nachdenklich. Das Paradies steht im direkten Gegensatz zum Krieg. Borchert schreibt, wie in fast allen seinen Kurzgeschichten, parataxtisch gebaute Sätze. Damit verdeutlicht er die kaputte Situation der Menschen. Die Küchenuhr ist in dieser Kurzgeschichte eine Art Symbol, sie spiegelt den Zustand des jungen Mann wider und steht auch sonst für die Menschen im Krieg, die allesamt irgendwie einen seelischen Knacks haben. Durch Gegensätze will er den Kontrast verstärken. So steht auf der einen Seite der Krieg und auf der anderen Seite das Paradies. Das Paradies steht hier auch für den kleinen Funken Hoffnung, den die Menschen vielleicht noch haben. Für sie wäre das Paradies schon, wenn der Krieg zu Ende wäre. Durch seine Wiederholungen "Aber er fand sie nicht" will er etwas mitteilen. Er sagt uns, dass die Menschen auf der Bank selbst so betroffen sind, dass sie dem jungen Mann nicht helfen können. Sie schauen ihn während des Redens nicht an, weil sie selbst in solch einer Hoffnungslosigkeit leben, dass die ihm nicht das geringste Fünkchen Hoffnung geben können.

ÜBRIGENS: wer Probleme mit den Stilmittel hat, kann sie hier als Liste nachsehen und super ausdrucken. Weiter:

Borcherts Texte finde ich sehr real geschrieben. Bei im fließen wahrscheinlich auch eigene Erlebnisse ein. Er hat keine Scheu so zu schreiben, wie die Personen denken. Normalerweise wäre es so, dass man denken könnte, Borchert wäre ein schlechter Schreiber, weil er grammatisch falsche Sätze und wörtliche Reden ohne Anführungszeichen bringt. Aber gerade das finde ich gut an ihm. Er hält sich nicht mit so Nebensächlichkeiten auf, sondern sagt klar und deutlich wie es damals war. Er sagt auch immer, was er denkt. Das war für ihn in dem beschissenen System Hitlers sicherlich nicht gerade einfach. In dieser Geschichte bringt er meiner Meinung nach ganz klar die seelischen Wunden der am Krieg Beteiligt rüber. Ihnen sieht man es nicht an, so wie etwa den zerbombten Häusern, aber innerlich sind sie genauso kaputt. Solche Situationen gab es im Krieg sicher viele, Borchert hat sicherlich auch einige davon erlebt, die er dann alle in eine Geschichte gepackt hat und dadurch seine ganze Wut und Verzweiflung wegen des total unnötigen Krieges freigesetzt hat. Man kann in heutigen Friedenszeiten sicher nicht nachvollziehen, wie es damals war. Deshalb können wir nur alle hoffen, dass es niemals mehr jemand wie Hitler und keinen 3. Weltkrieg geben wird. Wenn wir alle anfangen uns im Kleinen zu vertragen und jede Form von Intoleranz und Rassismus im Keim ersticken, dann könnte es vielleicht sein, dass unsere Enkel und Urenkel so etwas nicht noch einmal erleben müssen. 

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4. reine Inhaltsangabe "Die Küchenuhr"

"Die Küchenuhr" ist eine Kurzerzählung und wurde etwa 1945/46 von Wolfgang Borchert geschrieben. Sie handelt von einem Mann, der durch eine Bombe im 2. Weltkrieg seine Eltern und sein Haus verliert. Alles, was ihm geblieben ist seine Küchenuhr, mit der er viele Erinnerungen verbindet. Er setzt sich mit seiner Küchenuhr zu anderen Menschen auf eine Bank und erzählt ihnen, dass sie um halb drei stehen geblieben ist. Nämlich genau dann, als er immer nachts nach Hause kam und ihm seine Mutter jedes Mal Essen machte. Aber durch einen Bombenabwurf über ihrem Haus ist es zerstört worden und die Mutter starb. Das ihm seine Mutter immer Essen macht, wenn er so spät nach Hause kam, war ihm selbstverständlich. Er fühlte sich geborgen und umsorgt. Erst jetzt wird ihm diese Selbstverständlichkeit bewusst, nach dem er alles verloren hatte. Das bekräftigt er mit der Aussage, dass es doch immer so gewesen sei. Erst jetzt wird ihm bewusst, dass es damals das Paradies war. Es wird verdeutlicht, dass jeder neue Tag und seine Gewohnheiten doch etwas besonderes sein können. Allerdings erkennt man es meistens erst, wenn es einem fehlt. Er hebt das hervor indem er noch hinzufügt, dass es das richtige Paradies war. Er freut sich, dass ihn die Uhr an sein Paradies erinnert, in dieser trostlosen Gegenwart. Vor dem Krieg war sein Leben unbeschwert und jetzt, wo er allein ist, wünscht er sich dieses paradiesische Leben zurück.

5. Interpretieren Sie die Kurzgeschichte "Die Küchenuhr" von Wolfgang Borchert


Aufgabe war: Interpretieren Sie die Kurzgeschichte "Die Küchenuhr" von Wolfgang Borchert. (Zeit: 90 min)

In der Kurzgeschichte ‘Die Küchenuhr’ von 1947 thematisiert der Autor Wolfgang Borchert die seelische Verfassung der Überlebenden des Zweiten Weltkrieges und umreißt eindrucksvoll deren physischen, psychischen und materiellen Verluste. Die Kurzgeschichte lebt aus der Spannung zwischen dem bewußten Verhalten, der Rede der Personen einerseits und ihrer seelischen Verfassung, wie sie sich in der Gestik ausdrückt andererseits.

Anfangs wird eine Szene beschrieben, wie sie sich alltäglich überall ereignen könnte: ein Mann um die zwanzig Jahre setzt sie zu ein paar anderen Personen auf eine Bank und beginnt ein Gespräch. Borchert verzichtet auf konkrete Orts- und Zeitangaben. Jedoch läßt sich die Erzählung aufgrund der darauffolgende Szenerie auf kurz nach dem Ende des Krieges datieren.

Der Mann hält eine Küchenuhr in der Hand, die ganz offensichtlich stehengeblieben ist und versucht auf der Basis dieser Uhr ein Gespräch zu beginnen. "Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach an [...] Sie ist übriggeblieben." Auf diesen Satz hin, der sich im Verlaufe der Kurzgeschichte noch dreimal wiederholen wird, wartet er vergeblich auf eine Reaktion seiner "Banknachbarn". Ob dieses bewußte Schweigen Desinteresse oder betroffene Anteilnahme bekundet läßt sich erst im Verlaufe der Geschichte fundiert vermuten.

Er ist sich der Wertlosigkeit der Uhr durchaus bewußt ("Sie hat keinen Wert, meinte er entschuldigend, das weiß ich auch. Und sie ist auch nicht besonders schön. [...] "), scheint aber dennoch emotional von ihr abhängig zu sein.
"Nein, innerlich ist sie kaputt, das steht fest." Aufgrund der starken Identifizierung (partielle Identität) des Hauptcharakters mit eben dieser Uhr, läßt sich diese Aussage auf den Mann übertragen. Nicht nur die Uhr, die mechanisch gesehen "kaputt" ist, sondern er als Person scheint seelisch gebrochen zu sein, ist also im übertragenen Sinne auch "kaputt". Nicht zuletzt die Beschreibung seiner Person: "Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging, daran sah man, dass er erst zwanzig war" läßt ein gestörtes Verhältnis zur Realität vermuten. Seine äußere Erscheinung wirkt definitiv wie die eines Wahnsinnigen.

Verstärkt wird dieser Eindruck, als er, unbeachtet von seinen Banknachbarn, sich an seine Küchenuhr wendet und mit ihr ein Gespräch (ein sehr einseitiges) führt. ("Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen. Er fand sie nicht. Da nickte er seiner Uhr zu: Dann hatte ich natürlich Hunger, nicht war?".
Der Moment, in dem die Uhr stehengeblieben ist, erhält für ihn eine weitere Bedeutung. Denn sie wurde um halb 3 zerstört, eben dieselbe Uhrzeit, in der er Tag für Tag bzw. Nacht für Nacht nach hause kam und etwas aß bevor er sich schlafen legte. Jeden Tag leistete ihm sein Mutter Gesellschaft und räumte schließlich auf. Daß die Küchenuhr nun um genau diese Zeit stehenblieb ist der Grund dafür, das dieses Objekt ihm als Personifizierung (Ziffernblatt wird auch als "weißblaues, rundes Gesicht" bezeichnet) seines vorherigen Lebens erscheint. Was er seinerzeit als selbstverständlich erachtete, empfindet er, nachdem er sowohl Haus und Familie verloren hat, nun als "Paradies", das er verloren hat. ("Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war. Das richtige Paradies". (ebenfalls in Richtung Küchenuhr)

Während er seinen Zuhörern dies alles berichtet, scheinen diese permanent versucht zu sein, seinen Blicken auszuweichen ("Die auf der Bank saßen, sahen ihn nicht an. Einer sah auf seine Schuhe und die Frau sah in ihren Kinderwagen"). Dieses Motiv wiederholt sich 3mal. Der vom Hauptdarsteller geführte Monolog wird nur äußerst sporadisch und durch extrem kurze Einwürfe unterbrochen ("Sie haben wohl alles verloren", "Aber sie geht doch nicht mehr, sagte die Frau"). Es kommt weniger eine echte Unterhaltung als eher eine geistige Verbundenheit zum Tragen. Denn Betroffenheit scheint es zu sein, die den anderen Personen die Sprache verschlägt. Ein Desinteresse läßt sich schon aufgrund der tiefen Bestürzung (sonst gäbe es keinen Grund, warum der Mann der neben ihm saß seine Schuhe nicht sieht) der Personen ausschließen ("Und der Mann der neben ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort 'Paradies'".) Die Schwere der Situation, in die sie sich alle befinden, macht eine Konversation, auch darüber, unmöglich.

Obgleich die Erzählweise der Kurzgeschichte extrem monologisch seitens des Küchenuhrbesitzers ist, fällt dessen karger Sprach- und Wortschatz ins Auge.
Der Erzählstil ist von ungewöhnlich vielen Wiederholungen geprägt, die nicht nur rein inhaltlich dasselbe aussagen, sondern auf der selben Satz- und Wortkonstruktionen basieren.

"Sie (die Küchenuhr) ist übriggeblieben" = Satz wird 4mal wiederholt
"Die auf der Bank [...] saßen, sahen ihn nicht an." = Motiv wird 4mal wiederholt
Selbstgespräch mit der Uhr = wird 2mal erwähnt
Uhr ist um halb 3 stehengeblieben = Motiv wird sehr oft wiederholt
Dies könnte die Unfähigkeit der Betroffenen über das Erlebte zu sprechen und die Unmöglichkeit das Erlebte zu verarbeiten symbolisieren. Betroffenheit und die eigene Erfahrung jedes Einzelnen macht eine Erläuterung der seelischen Verfassung des Mannes unnötig. Das Volk scheint gelähmt zu sein. Borchert nutzt hierfür eine Erzählhaltung, die den Erzähler unbeteiligt erscheinen läßt. Er ist dem Geschehen gegenüber neutral und objektiv und bringt sich in keinem Moment in das Geschehen ein. Das Geschehen ist von der Außensicht beschrieben, so dass der Leser nur erfährt, was ein neutraler Außenstehender beobachten könnte. Es bleibt dem Leser vorenthalten, ob die handelnden Figuren sich verstellen, lügen, sich täuschen oder irren. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Gestik keine Schlüsse auf die seelische Verfassung der Akteure zuläßt.

Zur zeitlichen Gestaltung ließe sich noch sagen, dass die erzählte Zeit und die Erzählzeit identisch sind, dass heißt: der Ablauf des Gespräches ließe sich in etwa mit der Zeit vergleichen, die der Leser braucht um die Szene zu lesen. (Zeitdeckung)

"Der Mann der neben ihm saß sah auf seine Schuhe - aber er sah seine Schuhe nicht..." Dieser Abschlußsatz drückt tiefe Betroffenheit des in Gedanken versunkenen Mannes aus und läßt dem Leser keine Hoffnung auf eine mögliche Verbesserung dieser Situation. Die Zeit scheint in dieser aussichtslosen Lage stehenzubleiben.

Die Uhr als Symbol dieses verlorenen "Paradieses" und als einziges Überbleibsel dieses einst glücklichen Lebens ist für ihn nun das höchste Gut, obwohl es (die Uhr) rein materiell nichts wert ist. Das Sichtrennen von der Uhr würde für ihn eine Lossagung von seinem alten Dasein, eine Verneinung seiner früheren Existenz, eine Mißachtung seiner toten Familie und das Wegwerfen der Erinnerung an sein "Paradies" bedeuten - er würde sich selbst wegwerfen.

Der Wahnsinn ist in Borcherts 'Die Küchenuhr' ein Symbol für die seelischen Schmerzen, die der Krieg und seine Folgen neben den körperlichen und materiellen Qualen hervorruft. Ein Plädoyer gegen den Krieg in jedweder Form.

6. Inhaltsangabe und Interpretation "Die Küchenuhr"

Die Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ wurde von Wolfgang Borchert geschrieben. Wolfgang Borchert wurde im Jahre 1921 geboren und starb im November 1947. Er wurde deswegen nicht alt, weil er im Krieg war. Er hat den Krieg aber nicht verkraften können und ist an den Folgen gestorben. Diese Kurzgeschichte stammt aus dem Buch: „Wolfgang Borchert – das Gesamtwerk“.

6.1. Inhaltsangabe

In der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ geht e um einen jungen Mann, der seine Familie und sein zuhause im Krieg verloren hat. Der Mann erzählt diese Geschichte Leuten, die im Ort auf einer Bank sitzen, in der Hand hat er eine Küchenuhr. Die Uhr, so sagt er, ist das einzige, was ihm noch von seinem zuhause geblieben ist. Und mit der Uhr die Erinnerung. Die Uhr, die nicht mehr funktioniert, steht auf halb drei. Der junge Mann freut sich darüber sehr, dass sie genau um diese Zeit stehen geblieben ist. Er erzählt den Leuten auf der Bank, dass seine Mutter ihm um halb drei nachts immer Essen machte wenn er von der Arbeit nach Hause kam. Er sieht sie genau vor sich und erzählt, dass sie immer so lange bei ihm blieb, bis er fertig war mit essen. Nach dem er fertig ist, davon zu erzählen, schaut er wieder die Uhr an.

6.2 Interpretation

Der Text ist in einer einfachen, verständlichen Sprache geschrieben. Ein Merkmal dieser Geschichte ist, dass sie aus vielen, kurzen Sätzen besteht. Die Erzählweise der Geschichte wechselt mal von einem Erzähler zur direkten Rede des jungen Mannes. Eigentlich beinhaltet die Geschichte nicht viele Umschreibungen, aber als er von seiner Mutter erzählt, beschreibt er sehr ausführlich wie das gewesen ist. (Zeile 42: Dann stand sie da, in ihrer Wolljacke und mit einem roten Schal...) Fremdwörter sind in der Geschichte keine enthalten. Ich habe in der Kurzgeschichte fünf Erzählschritte gefunden:

Erzählschritt 1, Zeile 1- 4:
Der junge Mann kommt zu den Leuten auf der Bank. In der Hand eine Küchenuhr. Er setzt sich zu ihnen auf die Bank.

Erzählschritt 2, Zeile 5- 22
Der junge Mann zeigt den Leuten auf der Bank seine Uhr und erzählt, dass die Uhr das Einzige ist, was er noch hat.

Erzählschritt 3, Zeile 23- 49:
Hier ist eigentlich die Haupthandlung. Der junge Mann erzählt den Leuten auf der Bank, was besonderes an der Uhr ist und warum es für ihn so wichtig und besonders ist, dass sie u halb drei stehen geblieben ist. Er erzählt ihnen von seiner Mutter und was nachts um diese Zeit immer war.

Erzählschritt 4. Zeile 50- 60:
In diesem Abschnitt denkt er daran, wie schön es war, und wie es jetzt doch ist. Jetzt erzählt er den anderen auf der Bank, dass er seine Familie verloren hat.

Erzählschritt 5, Zeile 61- 67_
Er schaut sich wieder die Uhr an und er freut sich erneut, dass sie um halb drei stehen geblieben ist.

Der Ort der Handlung ist eine Bank in einem Ort. Die Geschichte spielt vermutlich in Deutschland. Zu der Dauer des ganzen kann man nichts genaues sagen. Der junge Mann setzt sich auf die Bank und erzählt den Leuten seine Geschichte. Es ist somit ein Ausschnitt, ein Moment aus einem Tag in dem Leben des jungen Mannes. Vielleicht dauert das ganze eine halbe Stunde, vielleicht aber auch mehr oder weniger.

Die Personen in der Geschichte sind der junge Mann, die Frau mit dem Kinderwagen, der ältere Mann und die Mutter des jungen Mannes. Von ihr erfährt man aber lediglich aus den Erzählungen des jungen Mannes.

Wolfgang Borchert zeigt mit diesem Text, dass selbstverständliches schnell zu Ende sein kann und dass man viele Dinge einfach bewußter leben sollte. Der junge Mann hat alles verloren bis auf die Uhr. In ihr steckt für den jungen Mann die ganze Erinnerung an das, was er mal hatte.

Die Geschichte ist schon fast 50 Jahre alt und doch immer noch sehr aktuell. Denn jeder kann sich mit den Gefühlen des jungen Mannes identifizieren, Jeder kann sich vorstellen wie schlimm es für ihn sein muss, und jeder kann sich mit dieser Geschichte bewußt machen, wie schnell alles zu Ende und / oder verändert sein kann.

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4.2 / 5 Sternen (32 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2013
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 22.06.16

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  • Aline schrieb am 24.09.2015:

    Ich Stimme dir voll zu.

  • Gymnasiastin schrieb am 13.10.2013:

    Ich finde es gut, das es so viele Beispiele stehen, jedoch verwirrt das den einen oder den anderen.
    Es gibt auch einige Tippfehler, obwohl man dies vermeiden sollte, hat man Verständnis dafür, da man selbst bei so vielen Text keinen Überblick mehr hat .. Jedoch weis man nicht mehr genau was der Unterschied zwischen einer Inhaltsangabe und einer Interpretation ist.. Finde ist leider sehr schade .. und die Merkmale stehen bei beiden, sollte das nicht bei einer der Texten stehen ? Ich kenne mich darin nicht sehr gut aus aber was hat das dann für einen Zweck wenn man die Merkmale bei beiden schreibt ?

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