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Die schöne Frau - Inhaltsangabe & Charakterisierung (Judith Kuckart)

Inhaltsverzeichnis

Folgend eine Inhaltsangabe & Zusammenfassung zum Werk "Die schöne Frau" sowie einer  Charakterisierung & kurzen Interpretation - die schöne frau wurde geschrieben von Judith Kuckart.

1. Allgemeines zum Roman „Die schöne Frau“

Der Roman „Die schöne Frau“ erschien 1994. Autorin ist Judith Kuckart, die 1959 in Schwelm (Westfalen) geboren ist. Diese lebt als Autorin, Dramatikerin und Regisseurin in Zürich und Berlin. Neben Theaterstücken erschienen von ihr die Romane Wahl der Waffen (1990), Die schöne Frau (1994) und Der Bibliothekar (1998). Judith Kuckart wurde u.a. mit dem Rauriser Literaturpreis sowie einem Stipendium der Villa Massimo in Rom ausgezeichnet.

Lebensborn e.V.:

Der eingetragene SS-Verein war nicht als Anstalt für Züchtungsversuche und auch nicht als eine karitative Einrichtung gedacht, sondern diente als Institut für „Rassenpolitik“. SS-Angehörige wurden zu Kinderreichtum animiert, uneheliche Kinder unterstützt und häufig in kinderlosen Familien untergebracht. Ziel war es, perfekte arische Nachkömmlinge zu schaffen. Auf diese Weise sind ca. 8.000 Lebensborn-Kinder gezeugt worden. Vieles davon geschah unter Geheimhaltung und gilt heutzutage teilweise als Mythos oder Hetze.

2. Inhaltsangabe und Zusammenfassung

Es geht in dem Roman um Bertha, 31 Jahre, die Schauspielerin ist, aber an einem Theater in Baden-Baden nur einen Vertrag als Dramaturgin erhält, die aufgeweckt durch Briefe ihrer Mutter Vergangenheitsbewältigung betreibt und sich auf die Suche nach dem eigenen Ich begibt.
Bertha hat an sich keinerlei Bindung zu ihrer Mutter. Da Bertha ihre ersten Lebensjahre in einem Heim verbracht hat, kam es nie zu einer wirklichen, vertrauten Mutter-Kind-Beziehung zwischen Bertha und ihrer Mutter Irene. Als jedoch die Mutter anfängt Bertha fast täglich Briefe zu schreiben, in denen sie versucht ihre eigene und auch die Vergangen-heit Berthas zu erklären, weist sie die Mutter zunächst mit den Worten „Laß mich in Ruhe. […] Ich bin bisher auch ohne deine Wahrheiten und deine Frühgeschichte ausgekommen.“ ab. Animiert durch die Briefe durchforscht Bertha ihr eigenes Verhalten und Denken, wobei ihr auffällt, dass sie nicht nur die Schönheit in Form von blonden Haaren und blauen Au-gen geerbt hat, sondern auch die Leidenschaft für anonyme sexuelle Begegnungen. Schon die Großmutter hatte eine Schwäche für Männer in Uniform, wie auch später die eigene Mutter.
„Wenn ich es so erzähle, fällt mir auf, dass ich es längst hätte wissen müssen. Dieser Geruch nach Leder. Nach Männern, nach Staub. Ich glaube, ich war süchtig danach, Bertha.“ S.84
„» […] Ich habe es von dir geerbt, du musst es auch von jemandem haben. « »Von der, der schönen Frau. Die Mutter nickte der eigenen Aussage aufmunternd zu. «“ S. 152
Eine untergeordnete Rolle in dem Roman spielen Berthas Nachbarin und Freundin Kata, der sie manchmal die Briefe ihrer Mutter vorliest und später Jacob, mit dem sie eine Affäre beginnt. Von beiden fühlt sie sich unverstanden.
Angetrieben durch die Suche nach sich selbst beschließt sie „Ödipus“ zu inszenieren, worin sie sich völlig verliert und ihre Arbeit als Dramaturgin in Gefahr ist.

Ödipus:

Thebanischer König Ödipus, Sohn des Laius und der Jocaste, von seinem Vater, eines Ora-kels wegen, ausgesetzt und von Periböa, der Gattin des Königs Polybus von Korinth, erzo-gen. Zum Jüngling erwachsen, zeigte Ödipus Eigenschaften, welche seine Pflegemutter doppelt begierig machten, das Geheimnis seiner Geburt zu durchdringen, weshalb er nach Delphi geschickt wurde, doch dort nur die Antwort erhielt, er möge sich hüten, in sein Va-terland zurückzukehren, weil er sonst in Gefahr komme, seinen Vater zu ermorden und seine Mutter zu heiraten, was letztlich auch geschieht. ( http://www.duerrholz.de/latein-welt/mythologie/oedipus/oedipus.htm)

Der Roman endet mit dem plötzlichen Verschwinden Berthas aus dem Leben ihres Freun-des Jacobs nach einem gemeinsamen Urlaub mit diesem.

3. Charakterisierung & Interpretation der Personen

Die Interpretation von Teilen aus "die schöne frau" kann von der personencharakteristika hergeleitet werden.

Großmutter:

Die Großmutter war eine schöne Frau, die begeistert und fast fanatisch an den Nationalsozialismus glaubte und sich von einem SS-Mann schwängern lies um „rassenreinen“ Nachwuchs für „Onkel Adolf“ zu gebären, wie Adolf Hitler von ihrer Tochter Irene ge-nannt wird.
Nach Kriegsende flieht sie nach England und baut sich dort ein neues Leben mit einem neuen Namen auf.

„Dann, auf liniertem Papier, aus einem Heft gerissen, das Wort Merke, Großbuchstaben, sowie fol-gende Notizen in Mas Handschrift: Sofort den Namen wechseln, jede Ähnlichkeit mit dem früheren Namen vermeiden. Neue Kleidung und vor allem neues Spielzeug kaufen. Eine neue Lebensgeschich-te erfinden und mehrmals am Tag abfragen. Avoid to speak german! Der Satz war zweimal unter-strichen.“ S. 91

Auch in England lebt die Großmutter den arischen Gedanken weiter und trifft sich häufig mit wechselnden Partnern, um ihren sexuellen Bedürfnissen nachzukommen.

Irene, Mutter:

Irene ist die Mutter von Bertha, die die ersten fünf Jahre ihres Lebens im Lebensbornheim verbracht hat und nach Kriegsende wieder zu ihrer leiblichen Mutter zurückkehrt, zu die-ser sie jedoch nie ein gutes Verhältnis aufbaut.
Irene ließ sich von ihrer ersten Männerbekanntschaft, Felix Weintritt, einem Deutschen, mit 22 Jahren schwängern. Jedoch verlief diese Beziehung weniger gut, so dass sich Irene auf der Suche nach einem Sinn in ihrem Leben (sie gab ihr Biologiestudium auf) häufig mit Männern trifft, die Bertha als „Onkel Klaus“, „Onkel Peter“ usw. vorgestellt wurden, um sich sozusagen einen Sinn in ihr Leben zu schlafen.
Sie fängt an ihrer Tochter Bertha Briefe über ihre Vergangenheit und über die ihrer eigenen Mutter zu schreiben; als eine Art Tagebuch.

„Jetzt, wo ich gegenüber von früher wohne, schreibe ich alles auf. […] Niemand hat Verständnis für das, was ich tue. Die im Treppenhaus und auf der Straße sagen, ich schreibe Rechnungen oder Briefe oder Tagebücher. Das letztere, nehme ich wörtlich, […]. Ich schreibe jeden Tag an einem Buch. Denn ich schreibe Briefe an Dich mit Durchschlag. Ich habe mein Leben auswendig gelernt. Auch wenn ich nie davon sprach.“ S. 14

Neben den Briefen schickt Irene ihrer Tochter eine Mappe mit dem Wort „Arisch“ vorne drauf, wo sich verschiedene Zeugnisse der Vergangenheit befinden und Bertha die Briefe ihrer Mutter aufbewahrt.

Bertha:

„Bertha Baumgart. Geboren in Wuppertal. Waisenhaus St. Maria in Neviges. 1972 Aufnahme in die Familie. Ausbildung Arzthelferin, nebenbei beim Film, in Indien, nach Bochum. Schauspielschule. Hörerpost beantworten, Kabelhilfe, Serviererin, Gesellschafterin bei einer behinderten Gräfin in Kettwig. Keine Erbschaft. 1968 Abgang Schauspielschule. Aufenthalt in Rom. 1987 Kauf eines Walkmans. Gastspielverträge in Dortmund, Gießen, Bruchsal, Heidelberg.“ S. 12/13

Aufgrund dieses Lebenslaufs wird Bertha ein Job beim Theater in Baden-Baden als Drama-turgin angeboten, den sie annimmt, weil sie auch nichts Besseres angeboten bekommt.
Durch die Briefe ihrer Mutter gerät ihr Leben ins Schwanken, was ohnehin ohne Leiden-schaft und unausgeglichen ist. Sie geht durch ihr eigenes Leben als ginge es sie nichts an.

„»Ihr Leben interessiert mich. « »Mich nicht«, sagt Bertha. S. 210

Animiert durch die fast täglichen Briefe ihrer Mutter kommen Bertha Selbstzweifel und Schuldgefühle bzgl. ihrer Herkunft. Sie steigert sich in die Idee rein, dass man ihr ansehen würde, dass sie arisch ist. Bertha macht das Wort „arisch“, was auf der Mappe der Mutter steht, Angst und sie versteht es auch nicht wirklich.

„Ich soll im Lexikon nachschauen? Gut. Längst erledigt. Arisch ist der Hauptort des nördlichen Si-nai, an einer Flussmündung gelegen. Dattelpalmen wachsen dort, und in einer Pharaonenzeit war die Stadt als die Stadt der Verbannten bekannt.“ S. 136

„Was diese Mappe solle, die mit dem einen Wort. Arier klingt wie Saurier. Arisch sei etwas, das, ist das Klima günstig, rasch von innen nach außen wachse ähnlich dem Sarg, der jeder in sich trage.“ S. 133

„Arisch, was heißt das schon? Arisch heißt doch nicht jüdisch, und in welchen Zeiten leben wir denn. Das geht zu weit, da will ich nicht hin. […] ich bin ein Produkt, ein Endprodukt dieses Lan-des, eine Spezialität sozusagen, wie in Holland der Käse.“ S. 64

Bertha fühlt sich plötzlich von ihrer Vergangenheit eingeholt, die sie weit weg wähnte und auch nie danach fragte. Die junge Frau verinnerlicht zunehmend die biologischen Vorstel-lungen der „Rassenkundler“. Wichtig werden Abstammung, Größe und Typ, was bei ei-nem Vorsprechen im Theater deutlich wird.

„»Sie sind Deutsche« fragt Bertha mit einem Blick auf den Lebenslauf in ihrer Hand. »Warum?« »Sie haben so was«, sagt Bertha.“ S. 98

„»Sie haben die Männer im Alphabet rückwärts eingeteilt?« fragt leise der Intendant […] »Nein«, sagt Bertha. Sie habe die Leute […] noch einmal neu geordnet, nach Haarfarbe, Größe, Typ. Das sei ihr sinnvoller erschienen. Und rationeller.“ S. 101

„»Ich denke immer an das Wort, […] Heute zum Beispiel habe ich es wie eine Meßlatte angelegt […], habe Kopfhöhe, Stirnbreite, Nasenlänge, Handbreite, Augen- und Haarfarbe gemustert. Richtig gemustert. Sogar über die seelische Farbe habe ich nachgedacht. […] «“ S.111

Manchmal scheint es ihr, als würde sie jemand anderes sein, wenn sie ihrer Leidenschaft nach Männern nachgeht.

„Bisher war sie seltsam und gleichgültig durch das Leben gesegelt gleich einem Boot, das seine Wan-ge dem Wind hinhält. Einziger Aufruhr waren die Männer gewesen, Männer, die sie sich verschaffte, inszenierte, bis sie beide, er und sie, nach Leidenschaft rochen. Doch nicht sie, eine andere war Her-rin ihrer Leidenschaft. Eine andere Bertha?“ S. 169

Mit der Inszenierung von „Ödipus“ findet sie heraus, dass sie selbst Ödipus ist und um mit der Vergangenheit abzuschließen sie dieses Stück aufführen muss.

„»Ich bin Ödipus. «“ S. 258

Die Beziehungen zu ihren Mitmenschen sind ihr nicht sehr wichtig, zudem fühlt sie sich unverstanden von ihrem Freund Jacob, den sie wohl auch nicht wirklich liebt und nicht mit dem Herzen bei der Sache ist. So schien es auch der eigenen Mutter mit ihren Geliebten ergangen zu sein.

„»Hast du ihn geliebt?« fragte Bertha. »Ich habe oft mit ihm geschlafen. Kannst du das immer ausei-nanderhalten? «“ S. 152/153

Zum Ende hin verlässt Bertha Jacob mit den Worten: „»Du bist mir eigentlich zu dumm. «“ S. 265

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4. Reflektion und Interpretation des Werks von anderen Autoren

„Ein politisch-gesellschaftliches Thema, das eigentlich lieber totgeschwiegen wird, in Verbindung mit den Abgründen der weiblichen Psyche.“ Autor unbekannt.

Der Roman zeigt die Orientierungslosigkeit nach dem Nationalsozialismus auch noch in der dritten Generation auf. Geprägt wird diese Orientierungslosigkeit durch Selbstzweifel, der Selbstfindung, der meist klägliche Versuch der Vergangenheitsbewältigung, einer Flucht vor sich selber und der daraus resultierenden sexuellen Auswirkungen auf die Men-schen.
Die Vergangenheitsbewältigung sowie die Flucht vor sich selber spiegelt sich in der Cha-rakteristik Berthas in der Weise wieder, als dass diese Zuflucht in der Schauspielerei und in ihrer sexuellen Befriedigung sucht.

„[…] will wissen, woher gekommen! Wenn schon nicht wissen, wohin gehören!“ S. 219

„»Ein schönes Wort. Kummer. « sagt Bertha und behält für sich, dass sie nicht weiß, wohin sie sich wenden soll. […] Dass sie nicht weiß, wer sie selbst ist, eingeklemmt zwischen dieser strohblonden, welken Mutter, dieser bösen Überraschung Großmutter und diesem fatalen Vater […] “ S. 253

„Auf der Bühne hatte sie manchmal ihre Mutter gespielt, war unwiderstehlich gewesen, mit Katzen-augen und schwerem Kupferhaar.“ S. 63

„»Und was diese Frau auf dem Photo betrifft.« Er murmelt, als wisse er nicht so recht. […] »Die ist unanständig arisch. Die will wissen, wie es ist, mit der Macht. Die ist wie du. Sie spielt die Hingabe. Alle glauben ihr, weil das Äußere stimmt. «“ S. 185

„»Sie haben einen künstlerischen Beruf? « Ja, […] was tut man nicht alles, um ein Leben zwischen sich und seine Herkunft zu schieben. «"

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4.1 / 5 Sternen (12 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 22.11.16

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