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Erörterung: Warum muss Emilia Galotti sterben?

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Erörterung: Warum stirbt Emilia? Wer hat Schuld an ihrem Tod? (gemeint ist natürlich Emilia Galotti von  Lessing, dessen Referat hier zu finden ist).

Emilias Tod war für Lessings Absichten unausweichlich. Zwar deutet er einen weiteren Lösungsvorschlag an, Odoardo soll von Orsina angestichelt den Prinzen erstechen, jedoch würde das nicht den erwünschten Effekt haben. Würde Odoardo den Prinzen umbringen, wäre der Zuschauer von seiner großen Opferbereitschaft beeindruckt gewesen. Er beschützt seine Tochter und nimmt seine Rolle als pater familia so ernst, dass ihm sein eigenes Schicksal und seine Ehre völlig gleichgültig sind. Odoardo wäre somit ein Vorbild für jeden Familienvater der damaligen Zeit.

Durch Emilias Tod wird diese Vorbildfunktion jedoch vermieden. Emilias Angst vor ihrer eigenen Sinnlichkeit könnte man als Grund für den von ihr gewählten Tod sehen. Sie sieht diese Sinnlichkeit als nicht tugendhaft an, ja sogar als verwerflich. Ihre letzen Signale sind Verderben, Schuld, Schande und Sünde. Durch den Vergleich mit den Heiligen, den Emilia in V7 bringt, wird die Schuld für ihr Denken auch auf die falsch gelehrte Religion gelenkt. Die weitere Schuld für ihren Tod tragen keinesfalls die Intrigen des Hofes, sondern Emilias Erziehung, in der Leiden und Dulden als eine Tugend angesehen werden. Emilia hat Angst vor dem Haus der Grimaldi, vor dem Haus der Freude, da sie hier ihre Sinnlichkeit, ihren Trieb ausleben könnte und sie somit ihre Tugend verloren hätte. Sie sieht ihr „warmes Blut“ hierbei als Verrat an ihrer eigenen Person.

Durch Emilias Tod, wird zum Nachdenken angeregt. Hätte er nicht auch vermieden werden können? Warum hat ein Vater seine eigene Familie zerstört? Odoardos Antrieb war seine Pflicht, die Familie zu schützen und er sah den einzigen Ausweg in ihrer Zerstörung. Seine strenge Tugend trieb ihn dazu, denn ansonsten hätte er und seine Familie an Ehre verlieren können. Am Ende der Tragödie hat niemand sein Ziel erreicht. Emilia ist tot, Mutter und Vater verlieren ihre Tochter, der Prinz verliert seine Geliebte und wälzt die ganze Schuld auf Marinelli ab und Orsina bekam ihre Rache nicht. Allein dieser Fakt kann als Tragödie bezeichnet werden, denn ein richtiges Ende hat das Spiel nicht. Der Schluss bleibt offen und das sonst zu erwartende Ende, wo die schuldlos schuldigen Helden ihr Leben opfern und die Schurken bestraft werden, bleibt aus. „Sie erwarten vielleicht, dass ich den Stahl wider mich selbst kehren werde, um meine Tat wie eine schale Tragödie zu beschließen? - Sie irren sich.“ (V8)

Mit dieser Aussage spricht Odoardo nicht nur den Prinzen an, sondern auch Lessing den Zuschauer. Das wäre das Ende gewesen, welches viele erwartet hätten, jedoch wäre die Tragödie damit beendet und der Zuschauer könnte nach Aristoteles beruhigt nach Hause gehen. Durch das offene Ende wird der Zuschauer über das Spiel hinaus jedoch zum Nachdenken angeregt. Warum wurde niemand für diese Taten bestraft? Da es nach Lessing keinen Schuldigen gibt. Es ist ein tragisches Zusammenspiel unglücklicher Schicksale, die durch Emilias strenge Erziehung allein den Tod übrig lassen. Das Nichtvorhandensein eines Schuldigen wird durch das Bild des Richters, der letztendlich seinem eigenen Richter vorgeführt wird, bestätigt. Erst durch diese Erkenntnis wird Lessings Zeitkritik deutlich: Wie kann man in dieser Situation gut sein und doch leben.

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 08.07.16

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