Schulzeux.de > Deutsch

Ester Golan Referat & Biographie

Inhaltsverzeichnis

Biographie und Referat von Ester Golan - ihr Lebenslauf und Schaffen wie das Gedicht "Der Andere" nun folgend erläutert als Vortrag.

Inhaltsverzeichnis:

o Warum diese Frau?

o Was wusste ich?

o Wie habe ich mich an Informationen bereichert?

o Gedicht „Der Andere“ (Ester Golan)

o Biographie

o Das Interview


Warum diese Frau?

Auf die Frage meiner Deutschlehrerin, über wen ich meine Biografie denn schreibe, konnte ich noch nichts sagen, da ich mich noch nicht entschieden hatte, so dass ich den Tipp von ihr dankend annahm, über eine alte Jüdische Frau zu schreiben, die regelmäßig an unserer Schule Vorträge über ihr Leben hält.
Ich war sehr gespannt darauf, was diese Frau, Ester Golan; zu berichten hatte.
Ein besonderer Reiz, über sie zu schreiben, lag darin einiges über die Zeit der Ns- Diktatur aus der Sicht einer Vertriebenen zu hören.
Ich versprach mir einiges davon mit ihr zu reden, da ich mir erhoffte, dass sie verstand jemandem diese Geschichten Näherzubringen, indem sie sich ein bisschen öffnen würde.
Mir war klar, dass ich über den Rest ihres Lebens viel weniger erfahren konnte, wenn überhaupt etwas.
Eine solche Chance, über so eine Persönlichkeit zu schreiben, ließ ich mir natürlich nicht entgehen.
Ich war unheimlich gespannt auf ihr auftreten und auf ihr Verhalten uns, und speziell mir, gegenüber.
Ich nahm den Vorschlag als eine Art Herausforderung an, da ich sehr neugierig darauf war, wie sich meine Arbeit entwickeln würde und unter welchen Umständen.

Was wusste ich?

Als ich das Angebot entgegennahm wusste ich nichts über diese Frau, außer, dass sie die Zeit des NS- Regimes durchgemacht hatte, und dass sie eine Jüdin ist.
Von Frau Schlichting- Seidel erfuhr ich, dass Ester Golan einmal im Jahr von Jerusalem, ihrem Wohnort, nach Deutschland kommt, um an verschiedenen Schulen, wie auch an unserer, Vorträge zu halten.
In den Vorträgen erzählt sie, was sie in den Jahren der Vertreibung durchgemacht hat und wie sie es als Kind erlebte.

Wie habe ich mich an Informationen Bereichert?

Schon bevor Ester Golan an unsere Schule kam, hatte ich ihr Buch („Auf Wiedersehen in unserem Land“) gelesen, das mir sehr geholfen hat.
Dort erfuhr ich zwar sehr wenig über ihr gesamtes Leben, dafür aber mehr über ihre Kindheit, die sie größtenteils während des 2. Weltkrieges in Schottland verbracht hat.
Doch das, was sie in den Vorträgen berichtet hatte, war geradezu identisch mit dem Buch, das sie geschrieben hat.
Auch das ich die gesamten Vorträge aufgezeichnet habe, erbrachte mir keinen sonderlichen Vorteil, die Biographie zu schreiben, da ich ja nur aus dem Buch Sachen erfahren habe, die nicht einmal über ihr gesamtes Leben berichten.
Auch die beiden Zeitungsartikel von Frau Schlichting- Seidel, gaben nur die emotionskräftige Frau wieder, die ich selbst erlebt hatte.
So blieb mir noch die letzte Chance, die ich hatte etwas mehr über sie zu erfahren, in dem Interview.
Ich hatte mir einige Fragen schon vorher aufgeschrieben, so dass ich gezielt Informationen sammeln konnte.
Leider erbrachten mir die Antworten kaum Fakten, sondern ausschließlich Eindrücke über ihr Denken.
Die 45 Minuten gingen leider auch viel zu schnell um, so dass ich zwar sehr viel von ihren Emotionen mitbekommen hatte, dafür aber leider wieder keine Fakten.
Sie gab mir freundlicherweise 3 ihrer Gedichte, die ihr Leben und ihre Probleme wiederspiegeln, wovon ich eines gerne vorstellen möchte.
Nachdem ich das Gedicht gelesen hatte, konnte ich mir einiges über ihr Denken verdeutlichen und tiefer in diesen Menschen hineinschauen.

Begegnungen mit dem
Anderen

Wem begegne ich, wenn nicht dem Anderen?
Der Andere ist anders als ich.
Er denkt anders. Er spricht anders.
Er glaubt anders. Er handelt anders.

Ich handele anders als er. Ich spreche anders als er.
Ich meine es anders als er es vermeint zu verstehen.
Ich denke anders und kann mich schwer in seine Denkart hinein denken.
Ich glaube. Ich bin anders als er. Ich bin ich.
Ich möchte als anders wahrgenommen werden.
Ich möchte nicht verglichen werden.
Ich versuche darzustellen wer ich bin.
Ich und er sind unterschiedlich.

Er und ich, ich und er, wir können uns nicht miteinander vergleichen.
Er muss seinen Weg gehen so wie ich den meinen gehen muss.
Wir begegnen uns. Aber wir begegnen uns in unserem anders sein.
Er begegnet vielen, ich begegne vielen.
Ich kann mich nicht vielen angleichen,
Auch er kann sich nicht vielen angleichen, sonst bleibt er nicht er.
So wie ich doch ich bleiben möchte, möchte er gerne er bleiben.
Ich kann nicht er werden, so wie er nicht ich werden kann.

Ich brauche ihn um mich zu sehen.
Wenn ich meine Hand vor meine Augen halte, sehe ich meine Hand.
Aber ich sehe nicht mich. Er sieht mich, der Andere.
Ich brauche den Anderen, um gesehen zu werden, um mich sehen.
Ich hoffe der Andere braucht mich, damit er gesehen wird und so sich sieht.
Wir brauchen einander, um uns gegenseitig wahrzunehmen.
Ein jeder muss sein eigenes selbst bewahren.
Wer bin ich wenn ich nicht ich bin.
Ester Golan
Jerusalem November 1996

Biographie

Ester Golan, geborene Ursula Dobkowsky, wurde im Jahre 1923 in Glogau/ Schlesien geboren.
Sie lebte mit ihrer Großmutter, ihrem älteren Bruder Peter, den Eltern und ihrer Tante und ihrem Onkel in einer 9- Zimmerwohnung am Rand der Stadt Glogau.
Da beide Eltern arbeiteten, der Vater als Schuhhandelsvertreter und die Mutter als Schuhgeschäftsbesitzerin, konnten sie sich sogar den Luxus leisten eine Köchin und ein Dienstmädchen einzustellen.
Als jedoch aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise, im Jahr 1929, der Vater seinen Job und die Mutter ihr Geschäft verlor, mussten sie sich ein neues Heim suchen, da sie ihr altes aus finanziellen Gründen nicht behalten konnten.
Sie zogen somit zwangsweise in eine kleinere Wohnung.
Zu dieser verhältnismäßig schwierigen Zeit kam ihre Schwester Marianne zur Welt.
Im Jahre 1930 ging Ester Golan dann zur Pestalozzi Schule, in der sie sich als äußerst gute Schülerin erwies.
Sie unternahm sehr viel mit ihren Eltern, wie z.B. Ausflüge, Picknick, und wandte sich, wenn sie Probleme hatte, oft an ihre Großmutter, die immer noch bei ihnen wohnte, wie es zu dieser Zeit üblich war.
1931 findet der Vater dann endlich, nach monatelangem Bemühen, wieder Arbeit, so dass die Familie wieder eine größere Wohnung beziehen kann.
3 Jahre lang sollte es der Familie Golan dann besser gehen.
1934 wird der Vater, aufgrund der Nazi- Propaganda, erneut arbeitslos, und hat es nun noch schwerer einen Job zu finden, da niemand einen Juden einstellen wollte.
Kurze Zeit später durfte er dann gar nicht mehr arbeiten, da nun ein allgemeines Arbeitsverbot für Juden herrschte, was einen weiteren Umzug für die Familie bedeutete.
Auch an Ester Golan ging diese Zeit nicht ohne Probleme vorüber.
Aufgrund ihres Glaubens, musste sie das Gymnasium verlassen und von dem einen auf den anderen Tag wollte niemand mehr etwas mit ihr und den anderen Juden zu tun haben.
Doch sie gab nicht ohne weiteres auf und besuchte eine katholische Volksschule, auf der sie sehr gut zurechtkam und auch ihre schulischen Leistungen in den Vordergrund stellen konnte, da sie immer noch eine sehr gute Schülerin war.
Da fast alle deutschen Mädchen dem BDM, und die deutschen Jungs der HJ, beitraten entschied sich die Mutter, die selbst überzeugte Zionistin war, Ester und ihren Bruder in die zionistische Jugendbewegung einzuweisen.
Anstatt doch noch ein kleines bisschen Spaß in dieser schweren Zeit zu haben, wurden sie rund um die Uhr von einem Beamten der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) überwacht, da zionistische Bewegungen, wie diese, keinerlei Freude für Hitler und seine Partei waren.
Zu dieser Zeit dachten die Eltern erstmals über eine Auswanderung nach Palästina nach, da sie ein drohendes Unheil auf sich zukommen sahen.
Ester verstand damals noch nicht warum sie nicht ganz einfach hätten auswandern können, da die Bemühungen der Eltern eine Ausreiseerlaubnis zu bekommen stets fehlschlugen.
Es kam hinzu, dass ihnen nicht nur die nötigen Quellen fehlten, sondern, dass sie die Ausreise noch kaum hätten bezahlen können.
Ihr Bruder verließ mit 14 Jahren das Elternhaus, da er bei der Jugend- Alijah (eine zionistische Bewegung die Aufstieg bedeutet) einen Platz bekam und sich von nun an auf die Ausreise nach Palästina vorbereiten konnte.
Diese Möglichkeit von Ausreise rettete vielen Jugendlichen das Leben.
Mit dem Umzug, im Dezember 1937 nach Berlin, erhofften sich die Eltern wieder Arbeit zu finden, obgleich es für Juden immer noch verboten war.
Kurz nach dem Umzug stand die Ausreise ihres Bruders fest, der sie sich gerne angeschlossen hätte, aber noch zu jung dafür war.
Auch in Berlin besuchte Ester wieder die Schule, in der sie aber nicht so gut zurechtkam wie in den vorigen. Ihr Vater bemerkte ihre durch den Stress ausgerufenen Defizite, und bemühte sich sie zu beheben, in dem er versuchte sie kulturell zu fördern. Besonders zu diesem Zeitpunkt steckte die Familie in höchster Not, doch ihr Vater scheute sich nicht mit ihr Museen zu besuchen oder sie sogar in die Oper zu schicken.
Als die Lage für die Juden immer gefährlicher wurde, wollten die Eltern sie nach Amerika schicken, wo sie bei einer Adoptionsfamilie untergekommen wäre.
Doch alle Bemühungen sie im Ausland unterzubringen schlugen fehl, so dass sie kaum noch geglaubt hätten sie retten zu können.
Kurz nachdem ihre Großmutter zu ihrem Sohn nach Porto auswanderte, und Ester 1938 ihren Volksschulabschluss machte, bekamen die Eltern einen Platz in der Alijah- Jugend für Ester.
Als sie es erfuhr war sie überglücklich sich ihren Eltern nun beweisen zu können.
Die Wochen der Vorbereitung für die Auswanderung in der Jugend verliefen reibungslos, so dass sie davon ausging schon in der nächsten Woche in Palästina zu sein.
Doch aufgrund ihrer Körpergröße (1.45m, 15 Jahre) wurde ihr die Ausreise verweigert, da sie als arbeitsunfähig abgestempelt wurde.
Als sie wieder nach Berlin zurückkehrte, schämte sie sich sehr vor ihren Eltern es nicht geschafft zu haben, die jedoch waren nur etwas betrübt und nicht etwa sauer.
Am 10. November 1938 deportierten die Nazis alle Jüdischen Männer in die KZ’s. Nur durch Zufall kamen die Soldaten nicht bei ihnen vorbei, was ihm ersteimal sein Leben rettete.
Erst recht zu diesem Zeitpunkt, bemühten sich die Eltern wieder um eine Ausreisemöglichkeit, die schon längst zur Ausnahme geworden war, da über ein drittel der Juden Deutschland verlassen konnte.
Doch Ester und ihre Schwester hatten viel Glück, da sie noch vor Kriegsausbruch nach Großbritannien auswandern konnten.
Der Abschied fiel den Eltern, wie den Kindern sehr schwer, obgleich sie auch sehr erleichtert darüber waren wenigstens die Kinder in Sicherheit zu wissen.
Die gesamte Familie verließ sich auf ein baldiges „Auf Wiedersehen in unserem Land“ (Titel ihres Buches), Palästina.
Die Zeit, die sie in Schottland und ihre Schwester in England, verbrachte, war eine sehr schwere Zeit für sie, da sie niemanden dort kannte, und eiserne Disziplin herrschte.
Sie pflegte einen regelmäßigen Briefkontakt zu ihren Eltern, der ihr den einzigen Halt über die ersten Jahre gab.
Nachdem sie 5 Jahre in Schottland verweilte, kam endlich der langersehnte Augenblick, an dem die Gruppe nach Palästina emigrieren durfte, da der Krieg nun vorüber war.
Sie hoffte dort ihre Familienmitglieder anzutreffen, doch sie wurde enttäuscht. Sie fand erst Jahre später heraus, dass ihre Eltern in deutschen KZ’ s (Auschwitz, Theresienstadt) ums Leben kamen.
Seitdem lebt sie in Palästina, wo sie noch zweimal geheiratet hat.
Ihre nun insgesamt 13 Enkel sind hauptsächlich Soldaten, um die sie sich tagtäglich von neuem Sorgen machen muss, obwohl sie das zurückliegende noch kaum verarbeitet hat.

Das Interview

Nach dem Vortrag von Ester Golan begab ich mich in das Lehrerzimmer, wo sie mich bereits erwartete.
Ich setzte mich zu ihr und wir fingen an ein bisschen zu plaudern.
Schon vorher hatte ich mich auf das Interview vorbereitet, indem ich mir ein paar kleine Fragen notiert hatte, die mir weiterhelfen sollten.
Als wir dann anfingen und ich ihr die erste Frage stellte, antwortete sie mir sehr umfangreich.
Das Gespräch mit ihr war sehr gut, um sie besser einschätzen zu können und kennenzulernen.
Erst im Nachhinein merkte ich, dass mir viele Fakten über ihr Leben fehlten, obwohl ich ein tolles Gespräch mit ihr hatte.
Ich habe mit ihr über einige Sachen diskutiert, habe mich“ belehren lassen“ und vieles über ihr Denken erfahren, was man nicht mit ein paar lächerlichen Fakten aufwiegen kann.
Dafür bin ich ihr sehr dankbar, dass sie so offen mit mir reden konnte.
Obgleich der eigentliche Sinn des Interviews verfehlt wurde, habe ich sehr viel Spaß dabei gehabt.
Biographie: Ester Golan

Biographie:

Ester Golan

Inhaltsverzeichnis

o Warum diese Frau?

o Was wusste ich?

o Wie habe ich mich an Informationen bereichert?

o Gedicht „Der Andere“ (Ester Golan)

o Biographie

o Das Interview

Warum diese Frau?

Auf die Frage meiner Deutschlehrerin, über wen ich meine Biografie denn schreibe, konnte ich noch nichts sagen, da ich mich noch nicht entschieden hatte, so dass ich den Tipp von ihr dankend annahm, über eine alte Jüdische Frau zu schreiben, die regelmäßig an unserer Schule Vorträge über ihr Leben hält.
Ich war sehr gespannt darauf, was diese Frau, Ester Golan; zu berichten hatte.
Ein besonderer Reiz, über sie zu schreiben, lag darin einiges über die Zeit der Ns- Diktatur aus der Sicht einer Vertriebenen zu hören.
Ich versprach mir einiges davon mit ihr zu reden, da ich mir erhoffte, dass sie verstand jemandem diese Geschichten Näherzubringen, indem sie sich ein bisschen öffnen würde.
Mir war klar, dass ich über den Rest ihres Lebens viel weniger erfahren konnte, wenn überhaupt etwas.
Eine solche Chance, über so eine Persönlichkeit zu schreiben, ließ ich mir natürlich nicht entgehen.
Ich war unheimlich gespannt auf ihr auftreten und auf ihr Verhalten uns, und speziell mir, gegenüber.
Ich nahm den Vorschlag als eine Art Herausforderung an, da ich sehr neugierig darauf war, wie sich meine Arbeit entwickeln würde und unter welchen Umständen.

Was wusste ich?

Als ich das Angebot entgegennahm wusste ich nichts über diese Frau, außer, dass sie die Zeit des NS- Regimes durchgemacht hatte, und dass sie eine Jüdin ist.
Von Frau Schlichting- Seidel erfuhr ich, dass Ester Golan einmal im Jahr von Jerusalem, ihrem Wohnort, nach Deutschland kommt, um an verschiedenen Schulen, wie auch an unserer, Vorträge zu halten.
In den Vorträgen erzählt sie, was sie in den Jahren der Vertreibung durchgemacht hat und wie sie es als Kind erlebte.

Wie habe ich mich an Informationen Bereichert?

Schon bevor Ester Golan an unsere Schule kam, hatte ich ihr Buch („Auf Wiedersehen in unserem Land“) gelesen, das mir sehr geholfen hat.
Dort erfuhr ich zwar sehr wenig über ihr gesamtes Leben, dafür aber mehr über ihre Kindheit, die sie größtenteils während des 2. Weltkrieges in Schottland verbracht hat.
Doch das, was sie in den Vorträgen berichtet hatte, war geradezu identisch mit dem Buch, das sie geschrieben hat.
Auch das ich die gesamten Vorträge aufgezeichnet habe, erbrachte mir keinen sonderlichen Vorteil, die Biographie zu schreiben, da ich ja nur aus dem Buch Sachen erfahren habe, die nicht einmal über ihr gesamtes Leben berichten.
Auch die beiden Zeitungsartikel von Frau Schlichting- Seidel, gaben nur die emotionskräftige Frau wieder, die ich selbst erlebt hatte.
So blieb mir noch die letzte Chance, die ich hatte etwas mehr über sie zu erfahren, in dem Interview.
Ich hatte mir einige Fragen schon vorher aufgeschrieben, so dass ich gezielt Informationen sammeln konnte.
Leider erbrachten mir die Antworten kaum Fakten, sondern ausschließlich Eindrücke über ihr Denken.
Die 45 Minuten gingen leider auch viel zu schnell um, so dass ich zwar sehr viel von ihren Emotionen mitbekommen hatte, dafür aber leider wieder keine Fakten.
Sie gab mir freundlicherweise 3 ihrer Gedichte, die ihr Leben und ihre Probleme wiederspiegeln, wovon ich eines gerne vorstellen möchte.
Nachdem ich das Gedicht gelesen hatte, konnte ich mir einiges über ihr Denken verdeutlichen und tiefer in diesen Menschen hineinschauen.

Begegnungen mit dem
Anderen

Wem begegne ich, wenn nicht dem Anderen?
Der Andere ist anders als ich.
Er denkt anders. Er spricht anders.
Er glaubt anders. Er handelt anders.

Ich handele anders als er. Ich spreche anders als er.
Ich meine es anders als er es vermeint zu verstehen.
Ich denke anders und kann mich schwer in seine Denkart hinein denken.
Ich glaube. Ich bin anders als er. Ich bin ich.
Ich möchte als anders wahrgenommen werden.
Ich möchte nicht verglichen werden.
Ich versuche darzustellen wer ich bin.
Ich und er sind unterschiedlich.

Er und ich, ich und er, wir können uns nicht miteinander vergleichen.
Er muss seinen Weg gehen so wie ich den meinen gehen muss.
Wir begegnen uns. Aber wir begegnen uns in unserem anders sein.
Er begegnet vielen, ich begegne vielen.
Ich kann mich nicht vielen angleichen,
Auch er kann sich nicht vielen angleichen, sonst bleibt er nicht er.
So wie ich doch ich bleiben möchte, möchte er gerne er bleiben.
Ich kann nicht er werden, so wie er nicht ich werden kann.

Ich brauche ihn um mich zu sehen.
Wenn ich meine Hand vor meine Augen halte, sehe ich meine Hand.
Aber ich sehe nicht mich. Er sieht mich, der Andere.
Ich brauche den Anderen, um gesehen zu werden, um mich sehen.
Ich hoffe der Andere braucht mich, damit er gesehen wird und so sich sieht.
Wir brauchen einander, um uns gegenseitig wahrzunehmen.
Ein jeder muss sein eigenes selbst bewahren.
Wer bin ich wenn ich nicht ich bin.
Ester Golan
Jerusalem November 1996

Biographie und Lebenslauf Ester Golan

Ester Golan, geborene Ursula Dobkowsky, wurde im Jahre 1923 in Glogau/ Schlesien geboren.
Sie lebte mit ihrer Großmutter, ihrem älteren Bruder Peter, den Eltern und ihrer Tante und ihrem Onkel in einer 9- Zimmerwohnung am Rand der Stadt Glogau.
Da beide Eltern arbeiteten, der Vater als Schuhhandelsvertreter und die Mutter als Schuhgeschäftsbesitzerin, konnten sie sich sogar den Luxus leisten eine Köchin und ein Dienstmädchen einzustellen.
Als jedoch aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise, im Jahr 1929, der Vater seinen Job und die Mutter ihr Geschäft verlor, mussten sie sich ein neues Heim suchen, da sie ihr altes aus finanziellen Gründen nicht behalten konnten.
Sie zogen somit zwangsweise in eine kleinere Wohnung.
Zu dieser verhältnismäßig schwierigen Zeit kam ihre Schwester Marianne zur Welt.
Im Jahre 1930 ging Ester Golan dann zur Pestalozzi Schule, in der sie sich als äußerst gute Schülerin erwies.
Sie unternahm sehr viel mit ihren Eltern, wie z.B. Ausflüge, Picknick, und wandte sich, wenn sie Probleme hatte, oft an ihre Großmutter, die immer noch bei ihnen wohnte, wie es zu dieser Zeit üblich war.
1931 findet der Vater dann endlich, nach monatelangem Bemühen, wieder Arbeit, so dass die Familie wieder eine größere Wohnung beziehen kann.
3 Jahre lang sollte es der Familie Golan dann besser gehen.
1934 wird der Vater, aufgrund der Nazi- Propaganda, erneut arbeitslos, und hat es nun noch schwerer einen Job zu finden, da niemand einen Juden einstellen wollte.
Kurze Zeit später durfte er dann gar nicht mehr arbeiten, da nun ein allgemeines Arbeitsverbot für Juden herrschte, was einen weiteren Umzug für die Familie bedeutete.
Auch an Ester Golan ging diese Zeit nicht ohne Probleme vorüber.
Aufgrund ihres Glaubens, musste sie das Gymnasium verlassen und von dem einen auf den anderen Tag wollte niemand mehr etwas mit ihr und den anderen Juden zu tun haben.
Doch sie gab nicht ohne weiteres auf und besuchte eine katholische Volksschule, auf der sie sehr gut zurechtkam und auch ihre schulischen Leistungen in den Vordergrund stellen konnte, da sie immer noch eine sehr gute Schülerin war.
Da fast alle deutschen Mädchen dem BDM, und die deutschen Jungs der HJ, beitraten entschied sich die Mutter, die selbst überzeugte Zionistin war, Ester und ihren Bruder in die zionistische Jugendbewegung einzuweisen.
Anstatt doch noch ein kleines bisschen Spaß in dieser schweren Zeit zu haben, wurden sie rund um die Uhr von einem Beamten der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) überwacht, da zionistische Bewegungen, wie diese, keinerlei Freude für Hitler und seine Partei waren.
Zu dieser Zeit dachten die Eltern erstmals über eine Auswanderung nach Palästina nach, da sie ein drohendes Unheil auf sich zukommen sahen.
Ester verstand damals noch nicht warum sie nicht ganz einfach hätten auswandern können, da die Bemühungen der Eltern eine Ausreiseerlaubnis zu bekommen stets fehlschlugen.
Es kam hinzu, dass ihnen nicht nur die nötigen Quellen fehlten, sondern, dass sie die Ausreise noch kaum hätten bezahlen können.
Ihr Bruder verließ mit 14 Jahren das Elternhaus, da er bei der Jugend- Alijah (eine zionistische Bewegung die Aufstieg bedeutet) einen Platz bekam und sich von nun an auf die Ausreise nach Palästina vorbereiten konnte.
Diese Möglichkeit von Ausreise rettete vielen Jugendlichen das Leben.
Mit dem Umzug, im Dezember 1937 nach Berlin, erhofften sich die Eltern wieder Arbeit zu finden, obgleich es für Juden immer noch verboten war.
Kurz nach dem Umzug stand die Ausreise ihres Bruders fest, der sie sich gerne angeschlossen hätte, aber noch zu jung dafür war.
Auch in Berlin besuchte Ester wieder die Schule, in der sie aber nicht so gut zurechtkam wie in den vorigen. Ihr Vater bemerkte ihre durch den Stress ausgerufenen Defizite, und bemühte sich sie zu beheben, in dem er versuchte sie kulturell zu fördern. Besonders zu diesem Zeitpunkt steckte die Familie in höchster Not, doch ihr Vater scheute sich nicht mit ihr Museen zu besuchen oder sie sogar in die Oper zu schicken.
Als die Lage für die Juden immer gefährlicher wurde, wollten die Eltern sie nach Amerika schicken, wo sie bei einer Adoptionsfamilie untergekommen wäre.
Doch alle Bemühungen sie im Ausland unterzubringen schlugen fehl, so dass sie kaum noch geglaubt hätten sie retten zu können.

Kurz nachdem ihre Großmutter zu ihrem Sohn nach Porto auswanderte, und Ester 1938 ihren Volksschulabschluss machte, bekamen die Eltern einen Platz in der Alijah- Jugend für Ester.
Als sie es erfuhr war sie überglücklich sich ihren Eltern nun beweisen zu können.
Die Wochen der Vorbereitung für die Auswanderung in der Jugend verliefen reibungslos, so dass sie davon ausging schon in der nächsten Woche in Palästina zu sein.
Doch aufgrund ihrer Körpergröße (1.45m, 15 Jahre) wurde ihr die Ausreise verweigert, da sie als arbeitsunfähig abgestempelt wurde.
Als sie wieder nach Berlin zurückkehrte, schämte sie sich sehr vor ihren Eltern es nicht geschafft zu haben, die jedoch waren nur etwas betrübt und nicht etwa sauer.
Am 10. November 1938 deportierten die Nazis alle Jüdischen Männer in die KZ’s. Nur durch Zufall kamen die Soldaten nicht bei ihnen vorbei, was ihm ersteimal sein Leben rettete.
Erst recht zu diesem Zeitpunkt, bemühten sich die Eltern wieder um eine Ausreisemöglichkeit, die schon längst zur Ausnahme geworden war, da über ein drittel der Juden Deutschland verlassen konnte.
Doch Ester und ihre Schwester hatten viel Glück, da sie noch vor Kriegsausbruch nach Großbritannien auswandern konnten.
Der Abschied fiel den Eltern, wie den Kindern sehr schwer, obgleich sie auch sehr erleichtert darüber waren wenigstens die Kinder in Sicherheit zu wissen.
Die gesamte Familie verließ sich auf ein baldiges „Auf Wiedersehen in unserem Land“ (Titel ihres Buches), Palästina.
Die Zeit, die sie in Schottland und ihre Schwester in England, verbrachte, war eine sehr schwere Zeit für sie, da sie niemanden dort kannte, und eiserne Disziplin herrschte.
Sie pflegte einen regelmäßigen Briefkontakt zu ihren Eltern, der ihr den einzigen Halt über die ersten Jahre gab.
Nachdem sie 5 Jahre in Schottland verweilte, kam endlich der langersehnte Augenblick, an dem die Gruppe nach Palästina emigrieren durfte, da der Krieg nun vorüber war.
Sie hoffte dort ihre Familienmitglieder anzutreffen, doch sie wurde enttäuscht. Sie fand erst Jahre später heraus, dass ihre Eltern in deutschen KZ’ s (Auschwitz, Theresienstadt) ums Leben kamen.
Seitdem lebt sie in Palästina, wo sie noch zweimal geheiratet hat.
Ihre nun insgesamt 13 Enkel sind hauptsächlich Soldaten, um die sie sich tagtäglich von neuem Sorgen machen muss, obwohl sie das zurückliegende noch kaum verarbeitet hat.

Das Interview

Nach dem Vortrag von Ester Golan begab ich mich in das Lehrerzimmer, wo sie mich bereits erwartete.
Ich setzte mich zu ihr und wir fingen an ein bisschen zu plaudern.
Schon vorher hatte ich mich auf das Interview vorbereitet, indem ich mir ein paar kleine Fragen notiert hatte, die mir weiterhelfen sollten.
Als wir dann anfingen und ich ihr die erste Frage stellte, antwortete sie mir sehr umfangreich.
Das Gespräch mit ihr war sehr gut, um sie besser einschätzen zu können und kennenzulernen.
Erst im Nachhinein merkte ich, dass mir viele Fakten über ihr Leben fehlten, obwohl ich ein tolles Gespräch mit ihr hatte.
Ich habe mit ihr über einige Sachen diskutiert, habe mich“ belehren lassen“ und vieles über ihr Denken erfahren, was man nicht mit ein paar lächerlichen Fakten aufwiegen kann.
Dafür bin ich ihr sehr dankbar, dass sie so offen mit mir reden konnte.
Obgleich der eigentliche Sinn des Interviews verfehlt wurde, habe ich sehr viel Spaß dabei gehabt.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

- Noch keine Bewertung -
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2013
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 08.07.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 2 mal 3? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+