Schulzeux.de > Deutsch

Federico Tellez Charakterisierung ("Tante Julia und der Kunstschreiber")

Inhaltsverzeichnis

Federico Tellez Unzategui - eine literarische Charakteristik aus Mario Vargas Llosas "Tante Julia und der Kunstschreiber"

Don Federico Tellez Unzategui ist, wie alle Hauptfiguren Camachos, „in der Blüte seiner Jahre; er ist fünfzig, hat eine breite Stirn, Adlernase, einen durchdringenden Blick, Güte und eine aufrechte Gesinnung“ (S.145). Seine hervorstechendste Eigenschaft ist jedoch seine Besessenheit:
Er haßt Ratten und alles was ihn an diese erinnert, z.B. die Farbe Grau, und sein Ziel ist es, „sämtliche Nagetiere auf nationalem Territorium auszurotten“ (S.145).


Der Grund dafür liegt in seiner Kindheit: Vor vierzig Jahren, wurde seine neugeborene Schwester Maria von Ratten aufgefressen. Obwohl es ein Unfall war, gibt er sich die Schuld daran (weil er sie in der Hütte allein gelassen hatte) und schwor, „dass er sich bis zu seinem letzten Atemzug der Vernichtung jener mörderischen Spezies weihen würde“ (S.148). Federico wurde ein „menschenscheuer, wortkarger“ (S.150) Junge, der seine gesamte (Spiel-) Zeit in die Rattenvernichtung investierte. Durch seine Aufopferung wurde mit der Zeit („fünfunddreißig Jahre später“,S.150) aus dem Ein-Mann Unternehmen eine große Firma: die „Nagetier-Vernichtungs-AG“.
Don Federico heiratete auch und gründete eine Familie mit Dona Zoila Saravia Duran. Er hatte keine hohen Ansprüche an seine Frau, da „Frauen nur zwei Fähigkeiten besitzen: Kochen und Beischlaf, der der Fortpflanzung dient“ (S154). Sie sollte nur drei Eigenschaften besitzen: „eine untadelige Gesundheit, Jungfräulichkeit und die Fähigkeit zur Fortpflanzung“ (S.151). Für seine Kinder hatte er größere Pläne: sie sollten seine Privatarmee im Kampf gegen das Ungeziefer werden und seine Mission nach seinem Tod fortsetzen. Statt dessen bekam er zwei „weichliche, faule“ (S.154) Söhne (Ricardo und Federico, jun.), die seine Arbeit ekelerregend finden und sich für ihn schämen (S.154), und zwei Töchter (Laura und Teresa).


Im Umgang mit seiner Familie und vor allem mit seinen Töchtern läßt sich eine weitere kennzeichnende Eigenschaft Federicos erkennen: sein Drang nach totaler Kontrolle. Alle müssen nach seinen Vorstellungen leben, z.B. gönnt er seiner Familie keinerlei Vergnügen, „wie Kino, Tanz, Theater, Radio“, weil er sie für „unmoralisch“ (S.152) hält; er erlaubt ihnen auch keine „Restaurants, Reisen und phantasievolle Kleidung/Möbel“, weil er es zu teuer findet (S.152/3).
Sein Geiz läßt sich durch seine Herkunft erklären: Er kommt aus der unteren Schicht (Dorf im Dschungel) und setzt nach seinem Aufstieg in die Bürgerschicht alles daran nicht wieder in die Unterschicht zu fallen. Außerdem dürfen sie nur mit kaltem Wasser duschen (stärkt die Willenskraft, S.152) und dürfen nicht länger als fünf Stunden schlafen (S.152). Aus Angst, dass seine Töchter, wie 95% der Frauen, zu Dirnen werden, hat er für sie noch mehr Regeln aufgestellt: sie müssen dunkle Strümpfe und lange Ärmel tragen, dürfen keine Ausschnitte, Make Up oder Frisuren tragen und auch Tätigkeiten bei denen Männern anwesend sein könnten sind ihnen verboten (S.154). Auch wenn die totale Kontrolle Tyrannei bedeutet, so möchte Federico das Beste für seine Familie, zumindest was er als das Beste empfindet, denn seinen Drang könnte man auf den Tod seiner Schwester zurückführen: Weil er die Vorfälle, die zum Tod seiner Schwester führten, nicht kontrollieren konnte, versucht er jetzt vollkommene Kontrolle auszuüben.

-4-
Außerdem ist er ein Vernunftsmensch, der nicht nach seinen Instinkten handelt, sondern nach seinen Überzeugungen (S.157). Daran sieht man auch, wie sehr ihn die „Demütigung“ (S.157) seiner Töchter schockiert und erbost, denn er denkt sogar daran, sie zu ermorden (S.158).
Wegen seiner Überzeugungen wendet sich seine Familie aber schließlich gegen ihn und er bleibt als einsamer Tyrann zurück.
Ich glaube die Besessenheit von Federico Tellez Unzategui bestimmt auch seine Funktion im Roman: Er ist das erste Verbindungsglied zwischen Camacho und Camachos Hörspielen. Er hat nur eine Leidenschaft, für die er lebt und für die er sich aufopfert: Das Nagetier-Vernichten.
Außerdem fängt Camacho an, die Realität und die Fiktion zu vermischen: er kauft sich im darauffolgenden Kapitel Rattengift, weil er Opfer einer Mäuseplage ist (S.165).
Die dritte Parallele ist ihr Tod: beide sterben einsam, wobei es nicht ganz klar ist ob Unzategui wirklich gestorben ist und Camacho „nur“ geistig gestorben ist, denn sein Leben bestand aus dem Schreiben.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

- Noch keine Bewertung -
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2004
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 04.07.16

Das könnte dich auch interessieren

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 11 - 6? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+