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Gedichtinterpretation "Im Winter" von Georg Trakl

Inhaltsverzeichnis

Folgend eine Gedichtanalyse von Georg Trakls Gedicht "Im Winter". Wer dieses Gedicht als Hausaufgabe interpretieren muss, erhält hiermit eine wunderbare Grundlage und Orientierung dafü!

Gedichtinterpretation: Georg Trakl „Im Winter“

Georg Trakl beschreibt in seinem 1911 geschriebenen Gedicht „Im Winter“ eine Abendsituation in der winterlichen Natur. Doch es ist kein traditionelles Naturgedicht. Vielmehr wirkt es geradezu bedrohlich und beängstigend kalt. Das überschauende lyrische Ich ist weniger an der Schönheit der Natur interessiert als am Thema des Todes und der Einsamkeit.
Das Gedicht hat drei Strophen mit je vier Versen. Jedes dieser drei Quartette ist im Reimschema abba aufgebaut (umarmender Reim).
Die Sprache ist teils veraltet (Archaismus). „Hain“ [Zeile 12], „Gossen“ [Zeile 10], „Rain“ [Zeile 9] Eine Auffälligkeit ist der einfache Satzbau. Es treten nur Hauptsätze auf, die sich teils auch über zwei Zeilen hinziehen. Am Anfang der Sätze stehen meist die Subjekte. So werden die Handlungsträger besonders betont. Dem Leser wird die Situation der Einsamkeit und Angst vergegenwärtigt, da die Verbformen im Präsens stehen. Das Wortfeld unterstützt durch Worte wie „kalt,“ „ungeheuer“, „Schweigen“, „verblutet“ den Eindruck von Tod und Stille.


Die vorkommenden Oxymorone „leuchtet...kalt“ [Zeile 1], „graue Mond“ [Zeile 8], „verblutet sanft“ [Zeile 9] sind bedeutend für die Aussage des Gedichtes. Sie pointieren die Antithese zwischen der vollkommen wirkenden Natur und dem gefürchteten Tod. Auch durch Euphemismen wird die düstere Situation noch grausamer. Die Beschönigung des Schlimmsten, dem Tod, weckt eine Art Ekel und wirkt abstoßend und beängstigend. „sanft verblutet“ [Zeile 9], „plätschern in blutigen Gossen“ [Zeile 10]. Einerseits lässt das sanfte Verbluten hoffen, dass der Tod nicht schmerzhaft ist. Andererseits scheint es unmöglich, sanft zu sterben, wenn man langsam verblutet. Besonders die letzte Strophe des Gedichtes ist durch Metaphern gekennzeichnet. Das verblutende Wild steht für einen Menschen, der in Einsamkeit seine letzten Stunden durchlebt. Aber keinen natürlichen Tod. Durch das Verschulden anderer muss er sterben. Die plätschernden Raben sind ignorante, kaltherzige Menschen, die unbeteiligt ihren Spass im Blut des Sterbenden treiben. Das Blut wiederum ist keine wirkliche Blutlache, sondern stellt nur ein sichtbares Zeichen des Todes dar. Doch die Raben helfen nicht. Sie vergnügen sich ohne Anteilnahme. Der „einsame, ungeheure Himmel“ [Zeile 2] steht symbolisch für Gott, der dem Tod nichts entgegensetzt. Er lässt das Tier beziehungsweise den Menschen leiden. Es symbolisiert eine Gottverlassenheit oder das Verlorene Vertrauen in Gott, weil im „einsamen Himmel“ niemand ist. Der Vers „Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt“ [Zeile 5] lässt wieder die Ruhe und Stille deutlich werden. Die Wipfel könnten die Herzen derer sein, die nichts für den offensichtlich Sterbenden tun. Schwarz steht für die schlechten Eigenschaften dieser Personen, dass sie sich nicht um die Probleme anderer kümmern. Doch in zwei Versen des Textes scheint eine Art Hoffnungsschimmer aufzutauchen. Der „aus den Hütten huschende Feuerschein“ [Zeile 6] deutet doch eine kleine Geste von Wärme und Menschlichkeit, Geborgenheit und Heimat an. Der Abschluss des Gedichtes ist ein „Schritt im leeren Hain“ [Zeile 12]. Dies lässt auf eine Wendung des Geschehens hoffen.

Schlussteil der Gedichtanalyse von Georg Trakls Gedicht "Im Winter":
Die Endzeitstimmung steigert sich stetig weiter im Gedicht. Ihren Höhepunkt erreicht sie mit dem Vers „Und Raben plätschern in blutigen Gossen“. Doch die letzte Zeile wirkt wie die Aufforderung, doch einen Schritt zu tun: Die Augen zu öffnen, zu helfen, etwas zu verändern. Der 1887 geborene Österreicher Georg Trakl erlebte eine Reihe von Schicksalsschlägen in seinem Leben. Er war drogenabhängig und starb 1914 an einer Überdosis Kokain. Bereits 3 Jahre vor seinem Tod spiegelt sich seine depressive Endzeitstimmung eindeutig in diesem Gedicht. Es scheint, als wäre er der leidende Mensch, dem niemand hilft.

Zur Interpretationshilfe hier das Gedicht von Trakl:

Georg Trakl "Im Winter"

Georg Trakl „Im Winter“
Der Acker leuchtet weiß und kalt.
Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
Dohlen kreisen über dem Weiher
Und Jäger steigen nieder vom Wald.

Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
Und langsam steigt der graue Mond.

Ein Wild verblutet sanft am Rain
Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.

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4.1 / 5 Sternen (10 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 22.11.16

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