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Gedichtinterpretation "Städter" (Alfred Wolfenstein)

Inhaltsverzeichnis

Alfred Wolfenstein mit dem Gedicht "Städter" interpretiert. Zuerst folgt die erste Analyse, dann unten eine zweite eines anderen Users.

Gedichtinterpretation "Städter"

In dem Gedicht „Städter“ von Alfred Wolfenstein (1888-1945) geht es um das nur oberflächlich bestehende Interesse gegenüber Mitmenschen in einer Großstadtwohnsiedlung.

Das Gedicht „Städter ist zweigeteilt, es ist auch deutlich eine Einkerbung und Änderung des Blickwinkels nach der 2. Strophe erkennbar. Durch die Sonette Form wird dies noch verstärkt. Spricht das lyrische Ich in der ersten Hälfte (Strophe 1 und 2) eher von der architektonischen Gegebenheiten so bezieht es in den letzen beiden Strophen die gegebene Situation auf den einzelnen Bewohner. Inhaltlich arbeitet das ganze Gedicht auf das letzte Wort „alleine“ hin.

In Vers 1 wird eine riesige Wohnsiedlung wie sie in einer Großstadt stehen könnte beschrieben. Die Siedlung wird gleich in der ersten Zeile durch einen Vergleich mit der dichten Anordnung von Löchern in einem Sieb verglichen wodurch man einen negativen gedrängten Eindruck erhält. Personifikationen der Fenster, Häuser und der Straße verstärken diese Wirkung und lassen die Siedlung in einem Licht des gedrängten, unangenehmen Leben erscheinen. Durch Enjambements (Z.2 und 3) wird dies noch zusätzlich betont.
Eine Alliteration in Zeile 4 weckt einen Eindruck der Eintönigkeit verstärkt durch die Farbe grau.

Geradewegs weitergeführt wird dieser Eindruck im zweiten Vers. Es wird das Bild einer Straßenbahn in der die Menschen einander an- dennoch aber vorbeischauen verwendet um erneut die Wirkung der Gedrängtheit zu erwecken. Ein Enjambement (Z.7) hebt besonderst „baden“ eines Blickes in einem anderen Menschen hervor.

In Vers 3 wird auf das durch die Enge nur spärlich Vorhandensein der Privatsphäre näher eingegangen. Wände werden mit der Dünne der Haut verglichen was einen unangenehmen Eindruckt erweckt.
Besonderst hervorgehoben durch mehrere Punkte und eine etwas versetzte Schreibweise wird in diesem Vers das „wird Gegröle“ womit das Tratschen der Hausbewohner über ein Ereignis gemeint ist.

Vers 4 – welcher durch einen Spiegelstrich besonderst hervorgehoben ist- steht im Gegensatz zu den vorangegangenen drei Versen. Ein Vergleich des Lebens mit einem Leben in einer geschlossenen Höhle veranschaulicht die Einsamkeit.
Das besonderst durch eine Abweichung des Metrums in Zeile 13 hervorgehobene „ganz unangerührt und unangeschaut“ erweckt den Eindruck der Einsamkeit steht im totalen Gegensatz zum „ein jeder nimmt teil“ aus Zeile 10. Das durch einen Doppelpunkt alleinstehende „alleine“ am Ende des Gedichtes zeigt das eigentliche Vorbeischauen der Anwohner.

Das Gedicht besteht aus 4 Versen wobei es sich um eine Sonette Form handelt (2 Quartette, 2 Terzette). In den einzelnen Versen folgen betonte und unbetonte Silben regelmässig aufeinander. Es handelt sich beim Versmass um einen 5-hebigen männlichen Trochäus, wobei es eine Abweichung des Metrums in Zeile 13 gibt (4 hebiger Dactylus mit Auftakt).
In den beiden Vierteiligen Versen handelt es sich um einen Kreuzreim mit teilweise unreinen Reimen, in Vers 3 und 4 ist kein Reimschema mehr erkennbar.

Diese Gedicht beschreibt den Zustand des Alleinseins in einer Großstadt. Das erste und das letzte Wort – Dicht und alleine – stehen im kompletten Gegensatz zueinander.

Nun folgt eine zweite Gedichtanalyse "Städter" eines anderen Schülers

2. Gedichtanalyse "Städter"

Das Gedicht, „Städter“ von Alfred Wolfenstein, aus dem Jahre 1919, beschreibt eine beklemmende Wirklichkeit des Stadtlebens, die im genauen Gegensatz zum menschlichen Wunschdenken steht. Das Gedicht beschreibt einen Ort in einer Großstadt, zunächst ein Haus, später eine Straßenbahn, der vor allem durch Enge und Leere gekennzeichnet wird.

Das Gedicht besteht aus vier Strophen. Die ersten beiden Strophen bestehen aus vier, die letzten beiden jeweils aus drei Zeilen. In den ersten beiden Strophen folgt das Gedicht dem Reimschema „abba“, ab der dritten Strophe liegt dann kein einheitliches Reimschema mehr vor. Auf Grund der Verschachtelung der Sätze, ist ein klares Metrum nicht zu erkennen, man kann jedoch Vermuten, dass einer betonten Silbe in der Regel zwei unbetonte Folgen. Beim vorliegenden Gedicht, handelt es sich um ein Sonett. Das lässt sich daran festmachen, dass es zuerst zwei vierzeilige, danach zwei dreizeilige Strophen gibt, was typisch für diese Art von Gedicht ist.

Durch das Gedicht werden vor allem in der ersten Strophe Gefühle der Einengung ausgedrückt. Um diese Wirkung zu erzielen, bedient sich der Autor Wörtern wie nah, drängend und dicht. Aber auch der Vergleich der Straßen einer Stadt, mit Gewürgten, zeigt, dass der Autor ein ganz und gar nicht positives Bild der Stadt hat. Überhaupt scheint es in dieser Stadt an Raum zu mangeln, Häuser stehen eng beieinander, und ein allgemeiner Eindruck einer grauen Tristesse bleibt zurück, während des Lesens. Auch die Vermenschlichung der Häuser fällt beim Lesen auf, so beschreibt der Autor die Enge der Häuser etwa mit anfassen.

In der zweiten Strophe wird diese Darstellung von Enge fortgeführt, hierbei findet sogar eine Steigerung statt: Nun ist sogar von „hineinhacken“ die Rede, was zusätzlich eine gewisse Beklemmung mit sich bringt. Auch der Vergleich der Menschen, mit Fassaden ist beängstigend, vor allem, weil diese Verdingung des Menschen, im Kontrast zur Vermenschlichung der Häuser steht. Von den mit Fassaden verglichenen Menschen wird im Folgenden der Versuch unternommen, nicht zu kommunizieren. Zwar sieht man sich an, jedoch sind die sich badenden Blicke leer, und ohne Sinn. Dies mag in dem Fall ein weiteres Merkmal des Stadtlebens sein: Eine allgemeine Anonymität der Mitmenschen, die in gegenseitiger Ignoranz mündet.

Die Folgende Strophe beschreibt erneut, wie ähnlich sich Haus und Mensch geworden sind, gleich zu Beginn dieses Abschnittes, werden Wände, mit menschlicher Haut verglichen. Aber auch die Dünne ist hier zu beachten: Dünne steht hierbei wohl für Indiskretion, resultierend aus Enge. Ein jeder kann also teilhaben, wenn man etwa weint. Wände sind dünn, es gibt praktisch kein Privatleben in der Stadt. Und dennoch, wie im vorangegangenen Teil bereits ausgedrückt wurde, diese Indiskretion steht im Widerspruch mit der stetigen Anonymität unseren städtischen Mitmenschen. Dies wird auch im letzten Vers der dritten Strophe deutlich: Das denken eines Menschen wird öffentlich, ja sogar zu Gegröle, aber der Mensch an sich bleibt auf der Strecke

Die letzte Strophe schließlich, wird die Tendenz, die bereits in der vorherigen Strophe ihren Anfang nahm, erneut verstärkt. Der Mensch ist eben doch nicht durch einen Blick durch die dünne Haut der Wände zu beurteilen. Viel eher muss man erst in der Dunkelheit einer Höhle den wahren Wert eines Menschen erkennen. Die Metapher der Höhle steht hierbei wohl für die Tatsache, dass eine zu schnelle Beurteilung des Menschen zu falschen Schlüssen führen kann, so dass eine scheinbares „sich kennen“ schnell zur Anonymität umschwenken kann.
Der in dieser „Höhle Mensch“ verborgene Kern, muss also die eigentliche Bewertungsgrundlage sein, nach welcher beurteilt wird. Er bleibt bis zuletzt unangerührt (Z.13). Gefühle bleiben also im Gegensatz zum nach außen hin gewandten Teil einer Person völlig im Hintergrund, man fühlt alleine.

Bezogen auf das Stadtleben, lässt sich diesem Gedicht eine generelle Gesellschaftskritik entnehmen. Stadtleben bewirkt also vor allem eine Abstumpfung der Persönlichkeit. Man wird vor allem egoistischer, und achtet mehr auf sich selbst, und seinen Fortschritt, statt über sich und andere nachzudenken.

Der Titel ist unter dem Gesichtspunkt passen gewählt, das bloße Wort „Städter“, ist nur die nüchterne Einleitung, zu einer ernüchternden Beschreibung des Stadtlebens. Im Historischen Zusammenhang kann man auch vermuten, dass es eine Entlarvung der allgemeinen Vorstellung der Stadt zum Zeitpunkt der Entstehung des Gedichtes. Die Stadt bietet eben nicht das, was Menschen sich von ihr erhofft haben, viel eher herrschen Trott, Stagnation, und Routine.

Das Gedicht ist dem Expressionismus zuzuordnen. Dies wird vor allem daran deutlich, dass es einen Ausdruck innerer Not und Sehnsucht enthält. Die Sehnsucht Routine, Stagnation und Oberflächlichkeit zu entfliehen.

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4 / 5 Sternen (10 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2010
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 29.11.16

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