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Gedichtvergleich: "Das Herz von Douglas" interpretiert und "Archibald Douglas"

Inhaltsverzeichnis

Es folgt eine richtig gute Gedichtinterpretation "Das Herz von Douglas" sowie eine Gedichtanalyse "Archibald Douglas" von  Theodor von Moritz Graf Strachwitz. Fontane schrieb das Herz von Duoglas  und beide Gedichte werden in einem Gedichtsvergleich interpretiert.  Also Analyse und Interpretation der beiden Gedichte, aufdecken der Stilmittel und der epochentypischen Ausstaffierungen). Los gehts:

In der Zeit des Realismus schrieb Theodor Fontane (1819-1889) die Ballade "Archibald Douglas". Diese wurde maßgeblich vom Werk "Das Herz von Douglas" von Moritz Graf Strachwitz (1822-1847) geprägt.

Die beiden Heldenballaden werden hier verglichen, da sie mehrere inhaltliche Parallelen aufweisen. Beide spielen im späten Mittelalter circa um 1550 in England. Die Hauptpersonen stammen aus den Königshäusern Schottlands und Englands und Mitgliedern des schottischen Adelsgeschlechts "Douglas".
Die Ballade von Fontane beruht auf einer wahren historischen Begebenheit. Der in der Ballade erwähnte Archibald Douglas lebte von 1498 bis 1557. Er war Vormund des schottisches Thronfolgers Jacob V. und gleichzeitig Führer der englischen Partei am Hof. Dessen Verwandte verrieten den König und seine Familie. Trotzdem er selbst unschuldig war, musste er ins Exil nach Frankreich. Douglas konnte den Verlust der Heimat nicht mehr Ertragen - er kehrte nach sieben Jahren zurück und bat den König um Vergebung. Anders als in der Ballade, wies Jacob V. ihn jedoch ab. Der englische König Heinrich VIII. missbilligte das Verhalten seines Neffens. Fontane verfasste den Ausgang der Geschichte so, wie ihn Heinrich VIII. sich gewünscht hätte. Graf Douglas stellt ihn vor die Wahl, ihn entweder in der Heimat zurückkehren zu lassen oder sein Schwert zu ziehen und ihn zu töten. Daraufhin zieht König Jakob sein Schwert, lässt es aber, weil er von der Entschlossenheit seines Kindheitsgefährten übermannt ist, wieder fallen und erhebt Douglas in seine alter Stellung am Hof.

Strachwitz, der vorrangig Werke über mittelalterliche und nordische Themen mit patriotischen, phantasievollen bildreichen Elementen schreibt, liefert mit seiner Ballade "Das Herz vom Douglas" ein Stück, dass Autoren wie Fontane, Detlev von Liliencrons und Borries von Münchhausen in ihren Dichtungen maßgebliche beeinflusste. In "Das Herz vom Douglas" geht es um die ergebene Treue, die Graf Douglas seinem König Robert entgegenbringt. Er erfüllt dem König seinen letzten Wunsch, sein Herz in dem heiligen Land zu begraben. Der Douglas macht sich auf den Weg und gerät in die Schlacht. Das Herz wird - wie es im Testament gefordert - in die Mitte des Schlachtfeldes geworfen. Graf Douglas erobert es zurück und ist trotz des eigenem Todes der Held.

In beiden Stücken fällt eine schwer wirkende, aggressive und teilweise, meist bei den erzählten Versen trübe, Wortwahl auf. Mit Substantiven wie "schärfstes Sporenpaar", "Totenwurm" und "schneidende Schwerter" wird dieser Eindruck in Strachwitzs Werk unterstützt. Die durch die Lexik und Inhalt bedingte, heroische (Strachwitz: "nehmen sollst du tausend Pferd...", Fontane: "König Jakob saß auf hohem Ross"), fanatische (Fontane: "So komme, was da kommen soll", "Und komme, was da mag..."), kriegerische (Fontane: "Und zieh dein Schwert und triff mich gut", Strachwitz: "Aus jeder berstenden Wolke quoll sperrwerfendes Reitervolk"), entschlossene (Strachwitz: "Und als sie kamen vor Königs Palast, da blutete Sporn und Tier") und stolze (Strachwitz: "Und der Stolz des Ostens, er war gefällt") Grundstimmung wird in Fontanes Werk zusätzlich durch den Chevy-Chase, der eine straffe, kraftvolle und einprägsame Form verursacht, und die vielen Parallelismen und Wiederholungen die in den Redestrophen des Douglas verstärkt. Mit "ich hab es getragen, ich kann es nicht mehr tragen", "Denk nicht..., Denk lieber..., Denk lieber..., denk lieber..., oh denk an alles" und dem oft verwendetem Bindewort "und" wird die Entschlossenheit und Willensstärke des Douglas in Fontanes Werk zusätzlich deutlich gemacht. 

Die 23 Quartette von Fontane gliedern sich in drei Ebenen: die erzählten Strophen und die Reden vom König Jakob und Graf Douglas. In der von Strachwitz geschrieben Ballade liegen hingegen keine klar gegliederten Ebenen oder Bildbereiche vor. Es ist ein Wechsel zwischen direkter Rede von dem König Robert, dem Graf Douglas und einer Erzählung.

Mit einem Selbstgespräch des Douglas (Strophe 1-3) beginnt die Ballade "Archibald von Douglas". Er ist sich seines Anliegens sicher, was aus mehren Zitaten hervorgeht, zum Beispiel "Ich hab getragen sieben Jahr, nun kann ich nicht mehr tragen mehr" und der Chiasmus "so komme, was da kommen soll, und komme was da mag." Das "was", "wer" und "warum" des Besuches lässt der Dichter nur anklingen durch "es" und "er". Strachwitz leitet sein Gedicht ebenfalls mit einer direkten Rede einer Person ein. Hier geht allerdings nicht eindeutig hervor, wer die ersten beiden Quartette der 30 erzählt.
Das in beiden Balladen auftretende 3- und 4-hebig abwechselnder Jambus bringt eine hektische, schnelle und rastlose Stimmung mit sich.
In der Ballade "Das Herz von Douglas" wird besonders Eindruck durch Verben in der Imperativform wie "Graf Douglas, presse dein Helm ins Haar..., Gürt um..., Schnall an dein schärfstes Sporenpaar, Und sattle dein schnellstes Pferd". Das Verb "pressen" verleiht dem Vorhaben Dringlichkeit und Hast. Die hyperbolischen Wendungen "schnellstes Sporenpaar" und "schnellstes Pferd" gleichen mit den oben genannten Wirkungsweisen. In der zweiten Strophe verdeutlichen die sprachlichen Bilder "Der Totenwurm pickt in Scones Saal" und " [König Robert] Sieht nimmer mehr den Morgen dämmern", dass der König im Sterben liegt. Im Gegensatz zu Fontane, arbeitet Strachwitz auffallend viel mit Hyperbeln und sprachlichen Bildern.

In den folgenden vier Strophen erzählt der Autor (Fontane) und beschreibt wie es zu dem plötzlichen und noch unerwarteten Treffen des Königs und dem Douglas kommt. Durch die parataktischen Satzkonstruktionen und die Alliteration "Her jagte Meut und Mann,... Waren Ross und Reiter" wird die hektische Stimmung verstärkt und außerdem mit Spannung durch den Ausruf in Zeile 19 "Da horch!..." versehen. Die Diskrepanzen der beiden Männer als sie zusammen treffen, werden durch einen Antithetik "König Jakob saß auf hohem Roß, Graf Douglas grüßte tief" dargestellt. "Dem König das Blut in die Wange schoss" ist eine Metapher und drückt das Entsetzen des Königs aus.

Graf Douglas kommt nach einem seinem Ritt, der als sehr schnell beschrieben wird ("sie ritten vierzig Meilen fast...") auch bei seinem König Robert an. Der König liegt im Sterben und spricht ihm sein letzten Willen aus: "Und du sollst hören mein letztes Wort, Und schreiben mein Testament:... Sollst schneiden aus meine Brust alsbald, mein schlachtenmüdes Herz,... Und geleiten mein Herz in des Heilands Erd, Damit es ruhig sei." Der König spricht in den Strophen vier bis elf bildhaft ("Schottland bändigen", "mein Herz geleiten") und hyperbolisch ("tausend Pferd..., tausend Helden") seine letzten Worte. Durch Anaphern in der zehnten und elften Strophe ("Und schließen", "Und es sei", "Und nehmen sollst du tausend Pferd", "Und tausend Helden") und Parataxen, wie "Der Schwur wird falsch" und "mein Herz bleibt stehen" geht auch in der direkten Rede des Königs die hektische und stürmische Grundstimmung nicht verloren. Durch Wörter wie "pilgern", "Heilands Erd" und "das Kreuz entrollen" deutet der Autor den Grund des Konfliktes, der später noch deutlicher gemacht wird, bereits erkennen. Damit wird das historisches Ereigniss - die Kreuzritterzüge - eingebracht, das im Gegensatz "Archibald Douglas" existiert.

In Strophe acht bis zwölf rechtfertigt sich Archibald Douglas und preist die alten, schönen Zeiten an mit "Denk nicht", "denk lieber" und Erinnerungen wie "wo ich Spielzeug dir geschnitzt" und "dich gehoben auf dein Vaters Ross". In den nächsten drei Strophen spricht König Jakob. Er schwankt zwischen Ablehnung und Zuneigung, was in der folgenden Textstelle deutlich wird: "Mir klingt das Rauschen [das Reden des Douglas] süß und traut,..., dazwischen aber klingt es laut: Es ist ein Douglas doch." Es scheint aber, als könne die Erinnerungen an die Kindheit seinen Entschluss gegen ihn, der in folgenden Worten klar wird, "Ein Douglas vor meinem Angesicht wär' ein verlorener Mann", nicht ändern. In den Strophen 16 und 17 erzählt der Dichter, dass er sich trotz der Strapazen nicht abweisen lässt - "und hielt mit dem König Schritt".

In Strachwitzs "Das Herz vom Douglas" stirbt der König und der Graf und seine Helfer schneiden, wie es von ihm verlangt wurde, sein Herz heraus. Douglas und sein Herr ziehen in ein "grimmiges Gefecht". Der Dichter verwendete beim Erzählen vielzählige Hyperbeln ("Und bei dem hundertsten Morgenschein"), sprachlichen Bilder ("Die Sonne stach durchs Helmgewölb"), Anaphern ("Zehntausend Lanzen funkeln rechts, Zehntausend schimmern links..."), Parataxen ("Und die Wüste ward voll, und die Luft erscholl") und Personifikationen ("wie im Tale blitzte der Fluss"), um dem Inhalt Nachdruck zu verleihen sowie wieder das Hektische und Rasante der Ballade zu unterstreichen. Eine Besonderheit sind die Zitate "Allah, il Allah", "beim heiligen Kreuz" und "gen Jerusalem", die hier relativ eindeutig auf den historischen Hintergrund der Kreuzritterzüge hinweisen.

In den letzten drei Strophen vor dem Höhepunkt der Ballade "Archibald Douglas" kommt das erste Mal das eigentliche Anliegen - "ins Vaterland" zurückkehren zu dürfen - explizit zur Sprache. Die Entschlossenheit und Spannung, die zum Wendepunkt hin steigt, wird durch eine Anapher, die sich durch die komplette 20. Strophe zieht, hervorgehoben ("Und willst", "Und ich will es dir danken", "Und zieh dein Schwert und triff mich gut", "Und lass mich sterben hier"). Douglas lässt dem König todesmutig die Wahl, ihn zu töten oder ihn in der Heimat leben zu lassen. Das 21. Quartett bringt die Spannung zu ihrem Höhepunkt, als der König vom Pferd springt "und aus der Scheide zog (er) sein breites Schwert, Aber fallen ließ er es nicht". Durch seinen neu gefassten Entschluss endet das Werk euphorisch mit einem Neuanfang und Einigung. Dies wird an den genutzten Imperativformen deutlich, wie " Nimm"'s hin, Nimm"'s hin und trag es..." und dem Adjektiv "neu". Erst in den letzten beiden Strophen wird noch einmal deutlich der Grund seiner Rückkehr genannt ("wer die Heimat liebt, wie du").

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Anders als bei Fontanes Ballade ist der Kulminationspunkt in "Das Herz von Douglas" am äußersten Ende. Nachdem die Schlacht beginnt, wirft der Graf das Herz, das in "einer Kapsel an der Kette hing", mitten ins Schlachtfeld ("Du bist mir immer gegangen voran, O Herz! bei Tag und Nacht, Drum sollst du auch heut, wie du stets getan, voran gehn' in die Schlacht."), -da gesagt war, dass, wer das Herz am Ende zur "Heilands Erd geleitet", ist Graf Douglas nach der gewonnen Schlacht zum Herz des Königs gelangt, er starb dabei selbst und wird mit dem Sieg und der Erfüllung des letztes Willens seines Königs zum Helden der Ballade.

Ich denke, dadurch das Strachwitzs Ballade unter anderen den Werdegang der Fontaneballade maßgeblich bestimmt haben, gleichen sich die beiden Weke an ihren "Eckpunkten", wie der Zeit in der sie spielen, die Personen (Königlichen und das Geschlecht Douglas) und deren Beziehungen zueinander. Wenn ich die beiden Handlungen vergleiche, stelle ich fest, dass in Strachwitzs Werk der Held ganz klar zu erkennen ist - Graf Douglas. Es passt das typische Prinzip eines sterbenden Helden auf ihn und die Ballade endet mit einer starken heroischen Konnotation. Fontanes "Archibald Douglas" stellt den Status des heldenhaften Grafen und des schwachen Königs genau im Gegensatz dar.

Hier ist der Douglas der Schwache, der den König um eine Sache bittet. Der König (Jakob) sich aber erst nach einem längeren, erregten Gespräch sich auf die Bitte einlässt, ganz im Gegensatz zu dem Helden in der Strachwitzs Ballade. Hier nimmt der Graf die Aufgabe ihm den letzten Willen zu erfüllen als Ehre entgegen. Ob es nun nur an den verschiedenen Positionen König und Untertanen liegt, ist wohl nur schwer zu ergründen.
Fontane wurde nicht nur von Strachwitzs Werken in seinem Balladenschaffen beeinflusst. Er lass außerdem noch "Reliques of ancient English potery" von Bischof Percys und Ministrelsy of the Scottish border" - zwei Bücher " die auf Jahre hin meine Richtung und Geschmack bestimmten". In einer seiner Biographien stand, dass ihn die Geschichte lange faszinierte und da er ganz der Ansicht Heinrichs VIII. war, wollte er die Geschichte so enden lassen, wie er sie sich gewünscht hätte.

Schluss der Gedichtinterpretation "Das Herz von Douglas" und der Gedichtanalyse "Archibald Douglas" im Vergleich zueinander.

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2007
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 21.07.16

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