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Deborah Charakterisierung aus "Hiob"

Inhaltsverzeichnis

Lieber User, folgend wird die Figur Deborah aus dem WErk "Hiob" von Joseph Roth zusammengefasst und interpretiert, es findet also eine Charakterisierung statt. Dabei  wünschen wir viel Lesespaß und vor allem dass eure Fragen beantwortet werden - theoretisch kann das auch als Grundlage für eine Hiob Erörterung genutzt werden - nur Mut zur Inspiration.


Deborahs Frömmigkeit
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• Deborahs - gegen die religiöse Grundüberzeugung ihres Mannes gerichtete
• am Sabbat ihre traditionellen Rechte und Pflichten als jüdische Ehefrau und Mutter wahrnimmt (H 9 f.)
• im übrigen nicht zu erkennen ist, dass sie sich um die religiöse Haltung bemüht, die den gesetzestreuen und frommen Juden ausmacht
• Frömmigkeit tritt bei den "besonderen Ereignissen" zutage
• Deborah fehlt "bewußte Nähe zu Gott" von Anfang an
• Zunächst kann sie zwar noch zum Gott ihrer Väter beten
• in diesem Gebet liegt nicht der "heimliche, traute Glanz" wie bei Mendel, sondern, im Gegenteil, nur "Finsternis":
• Es ist, "als schüfe sie sich eigene Nächte, die Furcht in ihnen zu vergraben, und eigene Finsternisse, um zugleich die Gnade in ihnen zu finden. Denn sie glaubte, wie es geschrieben stand, dass Gottes Licht in den Dämmernissen aufleuchtete und seine Güte das Schwarze erhelle."
• So "steht es" an mehreren Stellen der Hebräischen Bibel "geschrieben"
• Aber was Deborah erhofft, ist nicht die Allgegenwart Gottes, sondern der mystische, augenblickliche und paradoxe Umschlag von absoluter Finsternis in absolutes Licht.
• Dieses erwartete plötzliche und radikal verändernde göttliche Wirken würde alle menschliche Eigentätigkeit ausschließen
• z.B. nach der Prophezeiung des Rabbi "der Schmerz" in einem längeren Prozeß in "Weisheit" schöpferisch umgewandelt wird (s.o.)  Nun gehts weiter in unserer Zusammenfassung des Hiobs von Roth mit dem Satze;
• Als sich die Hoffnung auf das unmittelbare Eingreifen Gottes nicht erfüllt, steigert sich Deborahs verzweifelte Gottesferne:
• "Sie wagte nicht mehr Gott anzurufen, er schien ihr zu hoch, zu groß, zu weit, unendlich hinter unendlichen Himmeln, eine Leiter aus Millionen Gebeten hätte sie haben müssen, um einen Zipfel von Gott zu erreichen." (H 17)
• "gegen den Willen des Himmels nur Gewalt hilft"
• Magie - als altmodische Praxis des moderneren Prinzips "Hilf dir selbst, so hilft dir Gott"
• handelt nach 'Du mußt so mächtig sein, dass du sogar Gott zwingen kannst'.
• in äußerster Verzweiflung einen Wunderrabbi aufsucht, im Vertrauen auf Magie
• Nicht mehr vom unendlich fernen Gott, sondern von etwas Näherem, Irdischem erwartet sie nun Hilfe
• unmittelbaren mystischen Umschlag von Tod in Leben, von "Gräbern" in "Türen des Paradieses"
• Rabbi von Kluczysk erweist sich nicht als der Wunderrabbi früherer Jahrhunderte, höchstens als "Prophet"
- keine Wunder, sondern Entwicklung und 'Entwicklungsarbeit' erwartet
• seit Jahrtausenden "tote Gönner", die "Erzväter" und "Erzmütter" und "die Gebeine Mosis" scheinen ihr näher zu sein als Gott (H 17)
• Versuche enden letztlich, durch ihre Vergeblichkeit, mit dem völligen Verlust der jahrtausendealten religiösen Tradition
• so endet Deborahs Frömmigkeit schon zu einem relativ frühen Zeitpunkt

Deborahs soziale Umstände
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• fest auf dem Boden der traditionsgeleiteten Gesellschaft des ostjüdischen
• patriarchalische - von "Vaterwort" und "Mutterlaut" (!) regierte - Familie (H 39)
• elenden und engen Lebensumständen
• Verführung durch die Aussicht, "in die Welt gehen" und "das Leben sehn" (H 37/
• 'Interesse an ganz großen Sachen', am "Besitz Wohlhabender" und am "Gewinn" der "Kaufleute" (H 9).
• nachdem nämlich die Sorge um die Zukunft der Söhne Schemarjah und Jonas als zaristische Soldaten aufgekommen ist
• Haltung, die für einen traditionsgebundenen Juden nur als Gottlosigkeit zu verstehen
• Mendel davon überzeugt ist, dass es "gegen den Willen des Himmels [...] keine Gewalt [gibt] " (H 44)
• magische Frömmigkeit, die Deborah aus ihrer ostjüdischen, extrem-chassidischen Tradition übernommen hat

Deborahs Mutterliebe - Verhältnis zu ihren Kindern
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• "Verlaß deinen Sohn nicht, auch wenn er dir eine große Last ist, gib ihn nicht weg von dir, er kommt aus dir", hört die Mutter des Krüppels vom Wunderrabbi (H 20)
• heißt nicht nur: Laß deinen kranken Sohn nicht im Stich, sondern auch:
• "Er kommt aus dir" und ist dir als Aufgabe gegeben, steh zu dir selber und deinem Leidens-Schicksal, zu deiner Leidens-Identität
• Sie will sich - trotz der scheinbaren übergroßen Mutterliebe, die besonders in ihrem Aufbruch zum Wunderrabbi deutlich wird (H 15 - 19)
• letztlich wirklich wohl nur selber helfen, d.h. sich und die anderen Gesunden der Familie aus ihrem durch den krüppelhaften Sohn verursachten Elend befreien,
• Deborahs Selbstverständnis und Selbstwertgefühl ist von Anfang an völlig auf das Glück ihrer Kinder fixiert
• Dafür setzt sie sich mit allen Mitteln ein, bis zu wilden Versuchen
• ein "Wunder" herbeizuzwingen, wo "Glück" sich nicht einstellt
• In dem Augenblick, in dem festzustehen scheint, dass nichts geschehen wird, sie von dem "Unglück" zu befreien hört sie auf, sie selbst zu sein
• Zweimal stellt der Erzähler einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Ausbleiben der ersehnten Rettung aus Not und wachsenden Selbstentfremdung Deborahs her:
• Nachdem erzählt worden ist, wie die drei Geschwister ihren Bruder Menuchim so brutal in die Regentonne hineinzutauchen versuchen, dass sein Überleben völlig ausgeschlossen ist, heißt es
• "Aber Menuchim lebte. [...] Nichts geschah ihm. [...] Aber gar nichts geschah. [...] Menuchim starb nicht. - Menuchim starb nicht, er blieb am Leben."
• Und dann: "Von nun an war der Schoß Deborahs trocken und fruchtlos. [...] es war, als weigerte sich ihr Schoß, noch mehr Unglück hervorzubringen." (H 23)
• Nicht nur die drei mordbereiten Geschwister haben den "Wink" von "Gottes kleinem Finger" (H 24) verstanden
• sondern offensichtlich auch Deborah
• Zwar nicht ihr Bewußtsein, aber ihr Körper reagiert darauf, dass die mit dem Mordversuch verbundene Hoffnung auf ein Ende der Leiden Menuchims
• Die Weigerung ihres Körpers, in Zukunft Kinder zu empfangen und zu gebären
• führt zum Verlust der körperlichen Beziehung zu Mendel:
• "Eine Wand aus kaltem Glas trennte sie von ihrem Mann." (H 24)
• In jedem Fall ist das "Genommensein" der Söhne für sie unerträglich
• Deborah als Mutter empfindet: "Leichen sah sie, lauter Leichen. Hoch und schimmernd, die gespornten Füße im roten Blut, saß der Zar und wartete auf das Opfer ihrer Söhne." (H 32)

Deborahs Verhältnis zu Mendel
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• Roth verhehlt nicht seine kritische Einstellung ihrer Verachtung alles "Geringen" und "Niedrigen" gegenüber:
• "Viel zu gering war Mendel Singer in ihren Augen. Die Kinder warf sie ihm vor, die Schwangerschaft, die Teuerung, die niedrigen Honorare und oft sogar das schlechte Wetter." (H 9)
• Im ersten Satz der direkten Charakteristik Deborahs formuliert der Erzähler aus der Perspektive des angeklagten Ehemanns
• Ablehnung ihrer Geld- und Glücks-Gier sogar aggressiv-"'sexistisch'
• "Sie war ein Weib, manchmal ritt sie der Teufel." (H 9)
• Nachdem Deborah nachts vor einem "blinden Spiegel" ihren gealterten Körper, vor allem ihren "hohlen und dennoch gewölbten Leib" angeschaut
• unbewußt im "kalten", "harten" Ausreißen eines weißen Haares ihr späteres Sterben (H 151) andeutend vorweggenommen hat (Haare-ausreißen vor Gram und Schmerz)
• läßt sie sich magisch bannen von dem Blick, den "das geöffnete Aug'" ihres schlafenden Mannes auf sie wirft (H 25 f.)
• Mit "allen ihren Sinnen" und "ein paar unbekannten, neuen Sinnen" dazu "tausendfach fühlend", "ohne Zweck, ohne Not, ohne Neugier, ohne Lust" dastehend, erlebt sie einen mystischen Augen-Blick, in dem sich ihr allerdings nicht Gott, sondern das Nichts offenbart; soweit so gut, denn in unserer "Hiob" Joseph Roth - Zusammenfassung (Interpretation) erfolgt nun die Fortsetzung:
• "Und gar nichts geschah. [...] Gar nichts geschah." Mit dem "Besonderen", auf das sie "nichtwartend wartet"
• ("Sie wartete auf gar nichts. Aber es schien ihr, dass sie auf etwas Besonderes warten müsste)
• biblische Sara-Erlebnis gemeint: auf göttliche Veranlassung trotz Unfruchtbarkeit ein Kind zu empfangen und zu gebären
• Deborahs "Offenbarungs"-Szene wird später zu mystisch verstehende - "Erkenntnis"-Szene (H 45)
• "Erkenntnis" offensichtlich, entsprechend biblischem Sprachgebrauch auch sexuelle Konnotationen hervorrufen soll
• Mendels "Erkenntnis" der endgültigen Entfremdung zwischen seiner Frau und ihm - heißt es - "war wie eine zweite, eine wiederholte Ehe [schließung] ",
• mystische Rücknahme des ersten Zusammenseins der beiden wird als Vorgang der "Einverleibung" Deborahs in Mendel dargestellt
• "untrennbar und auf ewig", in Form von "Häßlichkeit" und "Bitterkeit" (nicht auch "Schmerz"!), die zusammen die "Krankheit" ausmachen, "an deren treuer Feindschaft man zugrunde geht" (H 45)
• kurz nach der "Erkenntnis"-Szene, hat er sich ja bereits intensiv gefragt: "Wo ist die Sünde? Wo steckt die Sünde?" "Und er durchforschte sein Gehirn nach irgendeiner Sünde und fand keine schwere" (H 48)
• An Sitten vor allem denkt Mendel, wenn er den Militärdienst seiner Söhne fürchtet (H 33)
• "Verlaß deinen Sohn nicht", hat schon der Wunderrabbi zu Deborah gesagt (H 20)
• Deborahs Bedenken schiebt Mendel Singer mit fragwürdiger Logik beiseite: "Menuchim ist so krank, dass ihm nur ein Wunder helfen kann. Hilft ihm aber ein Wunder, so kann er uns folgen." (H 95)
• Als die Familie Singer nach Amerika geht - Mendel, Deborah und Mirjam mit Schemarjah/Sam, existiert sie als Familie nicht mehr.
• "Was gehn mich diese Leute an? dachte Mendel. [...] Mein Sohn, meine Frau, meine Tochter, dieser Mac?" (H 119)
• Keine einzige der ursprünglichen, von der Tradition festgelegten Beziehungen besteht noch
• neue Beziehungen können nicht entstehen, da dafür keine geistige Basis vorhanden ist
• "Mendel ist ganz ruhig", als Mirjam mit der Hiobs-Botschaft von Sams Tod kommt
• "als hätte sich der Schmerz schon vor Jahren in eine Trauer verwandelt"
• "Er hat diese Szene [bereits früher] geträumt. Er weiß auch, was jetzt folgen wird" (H 150)
• es folgt der dramatische Tod von Deborah, als sie vor Gram und Schmerzen zu Grunde geht

Mendel Charakterisierung (nach Deborahs Tod)
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• Ebenfalls in den "sieben runden Tagen" der Trauer um Deborah bleibt Mendel ruhig
• Er interpretiert die Szene mit den traditionellen Mitteln Dämonenglaubens
• wenn er meint, im Kontakt mit dem Kosaken sei "der Teufel" in Mirjam "gefahren"
• bittet dann die tote Deborah, dafür zu beten, dass der Teufel die Tochter wieder verlassen möge (H 177)
• Diese Art der an Tote als "Mittler" gerichteten Bitte erinnert an Deborahs frühere Gebete, die Mendel damals abgelehnt hat.
• Vielleicht war das unsere Sünde", dass "nicht die Wärme der Liebe in uns war" - so beginnt er den Gedankengang
• "Weil nicht die Wärme der Liebe in uns war, sondern zwischen uns der Frost der Gewohnheit, starb alles rings um uns, verkümmerte alles und wurde verdorben." (H 154)
• "Mit mir hat Er kein Mitleid. Denn ich bin ein Toter und lebe. Er ist der Herr. Er weiß, was Er tut. Wenn du [tote Deborah] kannst, bete für mich, dass man mich auslösche aus dem Buch der Lebendigen."
• Es geht Mendel so wie früher Deborah
• sein Gott ist mittlerweile so weit von ihm entfernt, dass er eine Gebets-Mittlerin braucht.
• Deborah "hat es gut" (H 153), meint Mendel, sie muß den Schmerz über die Katastrophe nicht mehr aushalten, nicht mehr "eine Tote sein und leben"

Das wars mit "Hiob" von  Joseph Roth und der Inhaltsangabe bzw. Erörterung der Figur Deborah. Gerne sehen wir Ergänzungen dazu in den kommentarspalten!

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4.1 / 5 Sternen (14 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2012
  • Note: 2+
  • Aktualisiert: 29.06.16

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  • schlumpf schrieb am 09.02.2014:

    haste jut jemacht

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