Schulzeux.de > Deutsch

Interpretation "Bleib doch, Giraffe" von Wolfgang Borchert

Inhaltsverzeichnis

Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte "Bleib doch, Giraffe" wird hierin analysiert und teilweise ist dadurch auch der Inhalt entnehmbar, sprich, eine kurze Inhaltsangabe gegeben.
Falls ihr jedoch gar keine Ahnung habt, wie ihr hierbei vorzugehen hättet, so empehle ich unseren sehr beliebten Leitfaden zum Aufbau der Interpretation einer Kurzgeschichte.

Interpretation "Bleib doch, Giraffe" von Wolfgang Borchert

In der vorliegenden Kurzgeschichte "Bleib doch, Giraffe" von Wolfgang Borchert geht es um die Begegnung eines jungen Soldaten der unter seiner traumatischen Vergangenheit leidet mit einer Prostituierten.

Im ersten Sinnabschnitt (Z.1- 23) steht der junge Soldat einsam an einem Bahnhof und der Leser erfährt von seinen Gefühlen und seinen Erfahrungen im Krieg.
Im nächste Abschnitt (Z.24- 45) wird der junge Mann von einer Prostituierten angesprochen, die ihm anbietet für ein paar Zigaretten Gesellschaft zu leisten. Nachdem er sich anfangs abweisend verhält willigt der Soldat schließlich doch ein und geht mit dem Mädchen.
Der dritte Sinnabschnitt (Z.46- 68) handelt von der kurzen gemeinsamen Zeit der Beiden und man kann erkennen, dass der Soldat selbst während der Zeit mit der Prostituierten von Kriegserinnerungen geplagt wird.
Im letzten Abschnitt (Z.67- Ende) erkennt der Soldat, dass er nicht bleiben kann, verlässt das Mädchen und beide kehren in ihre Isolation zurück.

Die Kurzgeschichte "Bleib doch, Giraffe" von Wolfgang Borchert beginnt mit einem jungen Soldaten der nachts an einem verlassen Bahnhof steht. Er ist allein und der Autor beschreibt den Bahnhof, wobei diese Schilderung auch auf das Seelenleben des Mannes übertragbar ist (Z.3 "Nachts sind die Bahnhöfe das Ende der Welt, ausgestorben, sinnlos geworden. Und leer. Leer, leer, leer."). In Zeile 6 findet man eine Personifikation ("Denn die Finsternis hat eine furchtbare Stimme."), die die Verzweiflung des jungen Soldaten ausdrückt. Die Finsternis steht für seine Erinnerungen und traumatischen Erlebnisse während dem Krieg, denen er nie entkommen kann. Diese Stimme der Angst und der Erinnerung ist in seinem Kopf und wird ihn immer an seine schrecklichen Geschehnisse im Krieg erinnern (Z.8- 10 "Mit Erinnerung fällt sie über sich her- an den Mord den du gestern begingst. Und mit Ahnung fällt sie dich an- an den Mord, den du morgen begehst."). Diese Angst ergreift Besitz von ihm und er droht von ihr überwältigt zu werden.

In Zeile 11 findet man ein Oxymoron ("Fischschrei"), der die Ausweglosigkeit der Lage des Soldaten wiederspiegelt. Das "einsame Tier", das "das eigene Meer überwältigt" (Z.11) steht für den jungen Mann, der von seinen eigenen Gefühlen, Gedanken und Emotionen überwältigt wird. Auffällig ist, dass Wolfgang Borchert ein Tier (in diesem Fall der Fisch) wählt, welches gar nicht in der Lage ist Töne von sich zu geben, geschweige denn zu schreien. So zeigt der Autor, dass der Soldat keine Wahl hat: er ist gefangen in seinen Erinnerungen, für ihn gibt es kein Entkommen. Es folgt ein weiteres Oxymoron in Zeile 15 ("So stumm ist der furchtbare Finsternisschrei des einsamen Tieres im eigenen Meer."), welches verdeutlicht, wie hoffnungslos die Situation des Mannes ist. Diesem Meer an Erinnerungen ist er völlig ausgeliefert, es "steigt an wie Flut und rauscht dunkelschwingig gedroht wie eine Brandung" (Z. 16, 17) über ihn hinweg. In Zeile 42 findet man eine weiter Personifikation ("Der Güterzug johlte durch die Halle"), die in Verbindung zu den Gefühlen des Soldaten steht.

Er hatte sich mit der Prostituierten unterhalten, die ihn dazu bewegen wollte mit ihr zu gehen. Durch en Zug, der durch die Bahnhofhalle fährt, werden wieder bruchstückhafte Erinnerungen an sein Kriegserlebnis wach und er entschließt sich seiner Isolation zu entfliehen und mir ihr zu kommen. Die Akkumulation (Z.44 "Stoßend, ächzend, kreischend, rumpelnd") zeigt die Erinnerungen die bei ihm wie einzelne Bilder auftauchen. Durch den anschließenden Gedankenstrich und das abschließende "vorbei" (Z.45) zeigt Wolfgang Borchert, dass der junge Mann diese Erinnerungen wieder in sein Unterbewusstsein verbannt hat und nun wieder voll und ganz in der Realität ist. Der Autor greift in Zeile 63 wieder das Motiv des Tierschreis auf. Was eben noch ein "Fischschrei" war, zeigt sich nun als "Fischschrei, Fledermausschrei, Mistkäferschrei" (Z.63, 64). Diese Akkumulation zeigt, dass nun, nach dem zwischenmenschlichen Kontakt zu dem Mädchen eine Fülle von weiteren, alten und neuen Emotionen auf den Soldaten einbricht. Auch hier sieht man wieder deutlich, dass Wolfgang Borchert sich nur der Tiere bedient, die nicht schreien bzw. keine Laute von sich geben können. Der Soldat erkennt, dass er mit dieser Flut von Eindrücken nicht umgehen kann und er flüchtet sich wieder in seine Isolation und lässt die Prostituierte in der Einsamkeit zurück.

Durch die gesamte Kurzgeschichte zieht sich des Aspekt der roten Lippen des Mädchens. Ihre rot geschminkten Lippen assoziiert der junge Mann direkt mit Blut und Kriegserinnerungen tauchen wieder auf. In Beziehung dazu stehen die flashbackartigen Erinnerungen des Soldaten an seine grauenhaften Erlebnisse im Krieg. Als er in Zeile 48, 49 die Prostituierte berührt, hat er direkt Bilder vom Krieggeschehen im Kopf (Z.46- 48 "Dann waren Hände, Gesichter und Lippen. Aber die Gesichter bluten alle, dachte er, sie bluten aus dem Mund und die Hände halten Handgranaten.". Doch dann realisiert er, dass das Rot ihrer Lippen kein Blut ist (Z.48 "Aber da schmeckte er die Schminke...") und dass ihre Hände keine Handgranaten halten, da "ihre Hand seinen mageren Arm umgriff" (Z.49).
Als weiteren Bezug zu der Tierwelt stellt Wolfgang Borchert dadurch her, dass er den Soldaten an Giraffe bezeichnet. Der Autor zeigt, dass der junge Mann wie eine Giraffe lang, schlaksig, unbeholfen und dazu noch interessant und selten, außerdem "lieb" (Z.36) ist, Eigenschaften die nicht gerade einen guten Soldaten auszeichnen.
Auffällig ist auch, dass Wolfgang Borchert sehr viele verschiedene und außergewöhnliche Adjektive einsetzt (z. B. "windüberheult", "nachtleer", "mondeinsam", "hohlhallend", "mondgrau", "reptiläugig", "schlafschwer") Diese charakterisieren die normale Welt und die Gefühlswelt des Soldaten sehr genau und bringen dem Leser die düstere und bedrückenden Stimmung, die sich durch die ganze Geschichte zieht, näher.

Diese Kurzgeschichte von Wolfgang Borchert ist weist die verschiedensten stilistischen Mittel auf und ist dadurch sehr vielfältig interpretier- und sehr vielschichtig verstehbar.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4.3 / 5 Sternen (6 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2013
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 22.07.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 10 - 9? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+