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Interpretation "Das siebte Kreuz" von Anna Seghers

Inhaltsverzeichnis

Anna Seghers "Das siebte Kreuz"  - Das 7.Kreuz-ein Aufsatz als Interpretation

Zur Autorin Anna Seghers:

Anna Seghers, eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen von Antikriegsliteratur, wird als Netty Reiling am 19.11.1900 in das jüdische Bürgertum hineingeboren. Nach der Reifeprüfung widmet sie ihr Studium, an den Universitäten Köln und Heidelberg, der Geschichte und Kunstgeschichte sowie der Sinologie. Seit dieser Zeit ist ihr Engagement für sozial Deklassierte und Unterdrückte kaum mehr zu übersehen. So kommt es auch, dass sie in die KPD und später in den "Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller", eintritt. 1928 erhält Sie den Kleist-Preis. Zu Beginn der nationalsozialistichen Ära 1933 wird Seghers in einer "Nacht- und Nebelaktion" für kurze Zeit inhaftiert. Sie erkennt die drohende Gefahr die mit "braunen Sohlen" über Deutschland "wandert", und flieht nach Mexiko. Dort im Exil entstehen auch die meisten ihrer Romane die, zitiert man Carl Zuckmayer, "ein menschlich glaubhaftes Bild des verfinsterten Deutschlands" wiedergeben.
1952 kehrt sie in ihre Heimat zurück und leitet bis 1978 den "Schriftstellerverband der DDR".
Anna Seghers stirbt am 1.6.83 in (Ost) -Berlin, ihr Leben galt dem Antifaschismus, ihr Kampf der Ignoranz und Verdrängung.

Inhaltsangabe "das 7. Kreuz":

Im Vordergrund des Romans steht die Flucht von sieben Häftlingen die in einer kalten Herbstnacht aus dem KZ Westhofen ausbrechen. Im Besonderen wird die Aufmerksamkeit Georg Heisler gewidmet, dem siebten Flüchtling. Der Lagerkommandant Fahrenberg lässt umgehend die sieben Platanenbäume auf dem Vorplatz des KZs zu Folterkreuzen für die Entkommenen kappen um jedem weiteren potentiellen Ausbrecher die Sinnlosigkeit eines solchen Unterfangens deutlich zu machen. Schon einige Kilometer vom KZ entfernt wird der Erste gefasst und ans Kreuz gebunden, man ist sich völlig sicher auch die Anderen früh oder später zu kriegen. Georg Heisler (er bekommt die Dezimierung seiner Kumpanen mit) schleppt sich verletzt und mit mehr Glück als Verstand nach Mainz, zu seinem "Ziel": Elli, die große Liebe, mit der er vor seiner Inhaftierung doch so nahe dran war eine Familie zu gründen. Als es zur Begegnung kommt reagiert Elli fast panisch, sie hat sich inzwischen eine heile Welt aufgebaut, einen Mann und Kinder zu versorgen, sie möchte sich von nichts und niemandem das alles zerstören lassen, schon gar nicht von Georg. Sie droht ihm mit der SS wenn er sie nicht in Ruhe ließe und macht damit Heislers letzte Hoffnung, einen Neuanfang, zu Nichte. Vollkommen entäuscht und entkräftet findet Gorg Unterschlupf bei einem entfernten Jugendfreund, Röder, der ihn aufs Herzlichste umsorgt, obwohl jener blauäugig in die NSDAP eintrat. Über Röder gelangt Heisler an alte Kontakte und Freunde die ihm unter Einsatz ihres Lebens falsche Papiere beschaffen und die Flucht auf einem Schiff nach Holland ermöglichen. Fahrenberg ist gescheitert, er hat es nicht vermocht, trotz gröstmöglicher Staatsgewalt im Rücken, den siebten Ausbrecher zu fassen. Er wird aus seinem Amt entlassen und nimmt sich kurz darauf das Leben!?

Die Hauptpersonen in einer Kurzcharakteristik als Personenbeschreibung:

 

Georg Heisler

Heisler ist ein Anführertyp der als Kopf des Ganzen den Fluchtplan schmiedet. Seine starke Persönlichkeit ist durch den KZ-Aufentalt verarmt. Während seiner Flucht ist er streckenweise am Rande der Verzweiflung und seiner Kräfte, ist sogar kurze Zeit nahe daran Kindsmord zu begehen. Heisler reagiert für den Leser oft vorschnell und falsch sowie unnötig verdächtig, entkommt den "SS-Banden" aber immer wieder. Er profitiert ständig von alten Beziehungen, ist oft auch einfach hilf-und machtlos, muß sich auf Gedeih und Verderb den Helfern ausliefern, was ihm widerstrebt da er bemerken muß, dass sein Einzelkämpfertrieb hier fehl am Platz ist.

Fahrenberg, der Lagerkommandant

Fahrenberg ist ein Mitläufer wie er im Buche steht. Welchen Beruf dieser Mann ausübte ist gleichgültig, er hat ihn um der Machtwillen aufgegeben. Mit der Zeit ist aus ihm äußerlich ein eiskalter Befehlshaber geworden, doch die innere Seite zeigt sich wenn er schläft oder es zumindestens versucht. Diese Seite steckt voll von Zweifeln, nicht etwa über seine "Arbeit" sondern über die Perfektion in ihr die er diesem diktatorischen System schuldig ist. In den Tagen der Flucht findet er nämlich keine ruhige Minute mehr, ständig unter Erfolgszwang, ständig mit der Angst im Nacken vom Täter zum Opfer zu werden.

Interpretation des Buches "das 7. kreuz":

Schon im Titel-"Das siebte Kreuz"- findet sich das erste Symbol; dasKreuz. Es steht für Leid und Qual. Neben dem Kreuz ist auch die Zahl sieben ein christliches Bil. Gott benötigte sieben Tage, um die Welt zu erschaffen. Georg Heisler wird sieben Tage brauchen bis er seine Flucht vollendet haben wird. Das soll jetzt keinesfalls heißen das sich Seghers in diesem Roman nur auf die christliche Mythologie beschränkt, auch andere Religionen sind im siebten Kreuz vertreten. So representiert Ernst, ein Schäfer, der immer wieder auftaucht, den jüdischen Glauben. Aber vor allem auch ein historischer Rückblick am Anfang des Romans zeigt die konfessionelle Vielfalt des Romans auf. "...Hier lagerten die Legionen und mit ihnen alle Götter der Welt, städtische und bäuerliche, Judengott und Christengott, Astarte und Isis, Mithras und Orpheus..." Damit möchte die Seghers aufzeigen, dass es nicht auf die Religion ankommt, es ist die Sache, die zählt. Die Namen der Götter ändern sich und auch die Religionen halten nicht ewig, was jedoch unveränderlich bleibt/bleiben sollte, ist die Aufgabe der Religionen, nämlich Verfolgten, Geschändeten und Geknechteten Schutz anzubieten.

Die Hauptgeschichte handelt von sieben Männern unterschiedlichsten Alters, Bildung und sozialer Stellung, welche aus dem KZ Westhofen, in welchem sie aufgrund ihres politischen Widerstandes inhaftiert waren, ausgebrochen sind. Die Flucht bildet den Anfang dieses spannenden und zugleich bedrückenden Romans. Parallel zur eigentlichen Geschichte, dem weiteren Schicksal der Flüchtlinge, blendet die Autorin immer wieder kurze Szenen ein, welche über die Untergrundtätigkeit oder einfach über das Alltagsleben der noch nicht verhafteten Regimegegner informieren. Der Leser wird so einerseits in den Fortverlauf der Flucht, andererseits auch in die Maßnahmen der Fluchthelfer miteinbezogen. Denn die Folgen des Ausbruches sind verheerend: Der nationalsozialistische Staat setzt alles daran, die Sträflinge so schnell wie nur irgend möglich wieder hinter Stacheldrähte und Elektrozäune zu bringen und mit Zwangsarbeit und Folter mundtot zu machen. Es wirkt beinah lächerlich wieviel Aufhebens wegen der sieben Häftlinge gemacht wird. Doch das lässt sich bestimmt leicht denken: Kein diktatorisches System darf sich Fehler wie diesen erlauben. Der Kommandant des Lagers, ein fast exemplarische für alle KZ-Kommandanten stehender, von Macht besessener Wahnsinniger, läßt, wie oben schon berichtet 7 Kreuze errichten. Damit beginnt ein furchtbar unfairer Kampf zwischen den sieben die sich unmittelbar nach dem Entkommen getrennt und aus den Augen verloren haben und ihrem Feind, dem Staat, Hitler. Sechs der sieben werden innerhalb der vom Kommandanten gesetzten Frist zur Strecke gebracht. Einige früher, andere später, einige tot, andere lebendig, wieder andere mehr tot als lebendig - sie alle bezahlen mit ihrem Leben. Zu gut funktioniert die Staatsmaschinerie, der Terror, die Angst des Normalbürgers und der Idealismus einer herangezüchteten, manipulierten Hitlerjugend. Nur der siebte- Heisler- scheint mehr Glück zu haben, falls man in solchen Fällen dieses Wort überhaupt verwenden darf. Den alltäglichen Schlägen, Verhören, Folterungen, ist er zwar vorübergehend entronnen, doch was ausserhalb der Gitterstäbe auf ihn wartet, hat mit der ersehnten Freiheit wenig gemein.
Anna Seghers versteht es, ohne detaillierte Schilderung von Gewalt, diese an allen Stellen sichtbar zu machen. Sie verzichtet dabei weitgehend auf physische Brutalität und blutrünstige Szenen und ersetzt diese durch psychischen Terror, Angst und Marter. Als Leser spürt man dank dieser minutiösen Schilderung die ständige Bedrohung, welcher Georg Heisler ausgesetzt ist. Man indentifiziert sich mit dem "Helden", in Anführungszeichen weil eigentlich nichts Heldenhaftes an Heisler ist. Er ist vor seiner Haft ein Held gewesen, ein Kommunist der im Untergrund gearbeitet hat und aufgeflogen ist. Doch zu jenem Zeitpunkt, an welchem die Erzählung einsetzt, ist er nur noch ein verzweifelter Flüchtling mit dem Mut eines Todgeweihten. Die Präzision, mit welcher die Autorin seine Verfassung schildert gehört m.E., und meinem heutigen Kenntnisstand von Büchern, zu dem beeindruckendsten der ganzen deutschen Literatur in Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg.
"...Und wenn er auch nur noch Kraft für eine winzig kleine Bewegung hatte, auf die Freiheit hin, wie sinnlos und nutzlos diese Bewegung auch sein mochte, er wollte sie doch noch gemacht haben...". Das ist Heislers Kampf gegen einen übermächtigen Staat, das einzige was er noch tun kann, nämlich, keinen Schritt breit dem verhassten Feind entgegenzukommen, nur nicht klein beigeben, solange noch Hoffnung besteht, nur nichts dem Staat schenken, ihm nichts in die Finger spielen.

Seghers enthält sich jeglicher politischer Kommentare, sie kritisiert nicht, wertet nicht, verdammt niemanden, sie überlässt dem Leser, der Georg begleitet, begleiten muß, Wut zu empfinden, Partei zu ergreifen, mit der Machtlosigkeit fertigzuwerden, wie ein geprügelter Hund an Folter, Überwachung, Faschismus teilzunehmen. Dies ist vielleicht das besondere, welches das Buch für mich und andere so auszeichnet: Die Abrechnung mit Hitler und seinen Greueltaten findet nicht wie bei den meisten Büchern der Nachkriegszeit, die ich las oder sah, in der Geschichte selber, sondern in unseren Köpfen statt. Möglicherweise liegt der Grund darin, dass Anna Seghers den Roman schon 1942, im Exil in Mexiko verfasste, wie aus erstseitiger Vita zu entnehmen. Woran ihr wohl wirklich, ist das Unterstreichen der Wichtigkeit der Solidarität aller, welche sich mit Misständen nicht abfinden können. Zudem zeigt sie die absolute Notwendigkeit einer gemeinsamen Untergrundbewegung im eigenen Land. Dieser Widerstandsbewegung gehören Menschen verschiedenster Berufsstände, politischen Engagements und beiderlei Geschlechts an. Frauen spielen eine große Rolle, ihr Mut steht demjenigen der Männer nicht nach. Einfache Leute werden ebenso gezeigt wie gescheite jüdische Ärzte, deren Patente als ungültig erklärt, die jedoch im Untergrund weiter konsultiert wurden. Menschen, welche aus Mitleid oder Freundschaft ihr Leben aufs Spiel setzen, ohne einer eigentlichen Resistance anzugehören.
Seghers hegt die Hoffnung auf eine " Erleuchtung der Menschheit und dies ist warscheinlich auch der Grund ihres literarischen Wirkens, denn ihr Ziel scheint es zu sein nicht die Geschichte festzuhalten, sie schreibt um zu verändern. Sie will Mitläufern des nationalsozialistischen Regimes die Augen öffnen, indem sie die Begebenheiten ohne Beschönigung festhält. Es ist einfach...

... ein Appell an das Gute, im Sumpf des Bösen.

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4.5 / 5 Sternen (2 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2006
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 08.12.16

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  • Nathan Neifer schrieb am 09.06.2015:

    Danke super Interpretation :D

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