Schulzeux.de > Deutsch

Interpretation "Vorurteil" von Thomas Bernhard

Inhaltsverzeichnis

Bernhard, Thomas: Vorurteil interpretiert (kurzgeschichte).

Interpretation „Vorurteil“ Von Thomas Bernhard 

Aus der Kurzgeschichte „Vorurteil“ von Thomas Bernhard geht nicht eindeutig hervor, ob der Erzähler männlich oder weiblich ist, aber aus der Tatsache, dass der Schriftsteller männlich ist, lässt sich schließen, dass es sich um einen Mann handelt, welcher sich an eine Kindheit zurückerinnert. 

Das vorherrschende Personalpronomen „wir“ deutet darauf hin, dass der Erzähler dieses Ereignis in starkem Zusammenhang mit sowohl seiner Familie als auch der Gesellschaft bringt. Er erzählt neben der eigentlichen Geschichte auch von familiären Besitztümern und gleichzeitig von der Mentalität der Gesellschaft um ihn herum. So schreibt er zum Beispiel sowohl von der Jagdhütte, in der sein schwerkranker Onkel haust, als auch die Geschichte, die zum Kauf der besagten Jagdhütte geführt hat. Zum anderen lässt er auch die Einstellung gegenüber gewissen Leuten durchscheinen, welche nur durch Aussehen und andere oberflächliche Dinge beeinflusst wurden. 

Durch eben dieses Vorurteil, das, wie er meinte, ja jeder hat, denn in der Gegend befindet sich eine Strafanstalt (woraus sich automatisch schließen lässt, dass jeder, der sich hilfesuchend am Straßenrand aufhält, ein gefährlicher Schwerverbrecher ist, der offensichtlich nicht mehr als Mensch behandelt werden muss), wird das Verhalten seiner Familie gerechfertigt, die ohne Rücksicht auf Verluste einfach einen Mann überfährt, der versucht die Aufmerksamkeit der Familie auf sich zu lenken. Jedoch stellt sich einige Zeit später heraus, dass besagter Mann (Er wurde am darauffolgenden Tag erfroren und mit schweren Verletzungen aufgefunden.), keineswegs ein Schwerverbrecher ist, sondern der beste und treueste Angestellte des Onkels, welche die Familie gerade zu besuchen unterwegs war. Doch nicht einmal, als die Familie des Erzählers die wahre Identität der Mannes kennen lernt zeigt sie wirklich Reue und sieht ihren Fehler ein. Die Familie besitzt nicht einmal den „Anstand“ zuzugeben, was in der Nacht davor passiert war. Unschuldig bedauern sie lediglich die Witwe, „deren Mann auf so tragische Weise ums Leben gekommen war“. 

Um genauer auf den Titel dieser Geschichte einzugehen, bietet sich die Annahme an, dass Thomas Bernhard auf das Vorurteil gegenüber Leuten mit einem gewissen Aussehen anspielt. Denn nur weil der Mann, der in dieser Geschichte ums Leben kommt, ein Mann Mitte vierzig ist und wahrscheinlich einem gewissen Feindbild entspricht (rein äußerlich), nimmt die Familie keine Rücksicht auf ihn und geht schlicht und einfach davon aus, dass der Mann ein entflohener Sträfling aus einer nahe gelegenen Strafanstalt ist und sieht ihn dadurch gleich nicht mehr als einen Menschen, sonder als minderwertig. Das Leben dieser Leute wird scheinbar so von diesem Vorurteil bestimmt, dass kein einziges Mal während dieses Vorfalles auch nur einem Mitglied der Familie Zweifel kommen, ob ihr Handeln gerechtfertigt ist oder nicht. Die Mitglieder der Familie sind sich immer einig, dass sie unter keinen Umständen stehen bleiben würden, nicht einmal, wenn das bedeutete, dass jemand anderer sein Leben dafür geben müsste. 
An einer Stelle der Geschichte wechselt der Erzähler kurzfristig in die Ich-Form, und zwar um zu beschreiben, was mit dem Mann passiert, als er von dem vorüberfahrenden Gefährt getroffen wird. Dies scheint für ihn der einschneidendste Teil dieses Erlebnisses gewesen zu sein, denn er erlebt diesen Vorfall „alleine“ und nicht im Kreis seiner Familie. Daraus ließe sich schließen, dass er eventuell doch Einwände gehabt hätte, diese aber nie auch nur vor sich selbst zugeben würde, geschweige denn laut ausgesprochen hätte.

Eine sehr auffällige stilistische Besonderheit dieser Erzählung ist die Länge der Sätze. In der ganzen Geschichte lassen sich nur sechs Sätze zähle, was sehr wenig ist. Er erzählt in vielen von seinen Sätzen Geschichten. 
Die Geschichte „Vorurteil ist ein Werk, das das Verhalten von Menschen in gewissen Situationen sehr deutlich werden lässt. Es zeigt, wie sehr sich Menschen in ihren Handlungen von dem gesellschaftlichen Druck um sie herum beeinflussen lassen. Thomas Bernhard wollte mit dieser Kurzgeschichte eindeutig seine Leser zum Nachdenken veranlassen. Jeder sollte versuchen diese Geschichte auf sein eigenes Leben umzulegen und in gewissen Weise aus den Fehlern dieser Familie lernen.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4 / 5 Sternen (11 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2006
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 18.09.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 6 / 3? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+