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Kurzgeschichte "Kleine Begebenheit" Interpretation & Inhaltsangabe (Tucholsky)

Inhaltsverzeichnis

Kurt Tucholsky (1850 - 1935) "Kleine Begebenheit" , Kurzgeschichte analysiert.

Interpretation eines erzählenden Textes

Kurt Tucholsky (1850 - 1935) 
Kleine Begebenheit

Die Kurzgeschichte "Kleine Begebenheit" von Kurt Tucholsky (1850 - 1935) handelt von einem Strumpfwirker und einem Bauernsohn, die ohne ersichtlichen Grund gefangen genommen werden, mit Gewalt verhört und schließlich von einem Erschießungskommando hingerichtet werden. 

Die Kurzgeschichte ist in vier Abschnitte unterteilt. Der erste Abschnitt beschreibt die Gefangennahme der beiden, die auf Befehl von höher gebildeten Herren eine Art Fluchtversuch unternommen haben. Sie sind sich dessen jedoch nicht bewusst. Der Strumpfwirker und der Bauernsohn werden anschließend mit Gewaltanwendung von einem Advokaten verhört und sie bekommen ihr Todesurteil mitgeteilt. Es wird deutlich, dass die Kurzgeschichte in einer Ausnahmesituation spielt. Das Verhör, das an einem für diesen Zweck ungewöhnlichen Ort stattfindet, wird von Personengeführt, die im normalen Leben nichts mit Dingen dieser Art zu tun haben. Der Gastwirt bestraft die zu Verhörenden mit Gewalt, der Anwalt, der eigentlich Rechtsbeistand für ungerecht behandelte Personen gibt, leitet das Verhör. Die Wächter der Angeklagten sind ebenfalls Menschen mit bürgerlichem Beruf. Der Steinklopfer und der junge Mensch werden auch ihrer eigentlichen Tätigkeit "zweckentfremdet". 

Die zweite Strophe hat zum Inhalt, wie das Erschießungskommando zusammengestellt wird. Auch hier wird deutlich, dass nicht der Normalzustand herrscht, da man sich im Krieg befindet. Hervorgehoben wird das allein schon durch die Tatsache, dass ein Erschießungskommando benötigt wird. Für diese unzumutbare Aufgabe finden sich mehr als dreimal soviel Mitglieder wie benötigt. Auch unter ihnen befinden sich wie beim Verhör auch nur Menschen, die im normalen Leben rechtschaffende und friedlebende Bürger sind. Als Grund für die hohe Mordbereitschaft wird die Neugier angegeben, das Gefühl des Tötens zu erleben. Die genannte Ausnahmesituation scheint den Bürgern also allen Respekt und alle Hemmungen gegenüber einem anderen Menschenleben zu nehmen. 

Der dritte Abschnitt wird eingeleitet durch: "Am Morgen dieses Tages..." (Z.18), was deutlich macht, dass ein neuer Tag angefangen hat. Die Hinrichtung des Strumpfwirkers und des Bauernsohns steht bevor. 
Es wird beschrieben, wie die zwei Angeklagten zum Ort ihrer Hinrichtung geführt werden. Der Gruppe hat sich ein Arzt angeschlossen, der wie die anderen daran interessiert ist, die Übeltäter sterben zu sehen. Bei der Hinrichtung befehligt der Kohlehändler die Henker. Er fühle sich wie ein Held, als er die Befehle gibt, und wünscht sich von seiner Frau gesehen zu werden, wie er Leute erschießen lässt. Der Kohlehändler setzt seinen bürgerlichen Beruf gleich mit seinem "neuen". Er sieht den Wechsel als hohen Karrieresprung an, da er in dieser Situation als Befehlshaber auftreten kann. Jedoch übersieht er dabei die Schrecklichkeit der Tat und ist sich dieser nicht bewusst.
Die Neugier, die die Hanker in Bezug auch das Erschießen empfinden, wird dadurch verstärkt, dass der Arzt aus der Stadt sich die Leichen genau betrachtet. Zum Schluss der Exekution werden die Erschossenen verscharrt. Man erkennt an dieser unwürdigen Bestattungsweise, dass sie nur zu Versuchszwecken verwendet wurden, und deshalb nur als Versuchsobjekte behandelt wurden. Die ungerechtfertigte Exekution war also auch ein Zweck zur Befriedigung der Neugier.

Der vierte und letzte Abschnitt ist äußerlich der unscheinbarste. Inhaltlich ist er jedoch von größter Bedeutung. Alle Beteiligten tragen Uniformen: die Gerichteten waren serbische und die Henker deutsche Soldaten. 
Dadurch, dass der Autor den Nachtrag am Schluss bringt, werden die Dorfbürger in ihrer normalen Person beispielsweise als Arzt, Gastwirt oder Kohlehändler dargestellt. Die Uniformen machen alle Personen gleich, jedoch ohne sie ist jeder Mensch eine eigene Persönlichkeit.

Besonders auffällig ist die Überschrift, die der Autor für seine Kurzgeschichte wählte: "Kleine Begebenheit" dieser Ausdruck ist äußerst unpassend für das geschilderte Ereignis. Beim Lesen der Überschrift erwartet der Leser die Beschreibung einer Nebensache, einer unwichtigen Tatsache, allerdings nicht die Erzählung einer Hinrichtung. Die Überschrift stellt also einen totalen Gegensatz zur folgenden Geschichte dar. Zur Sprache ist zu sagen, dass sie keine Beschreibung von Gefühlen aufweist, was den Schrecken der Geschichte mit der Überschrift zusammen noch weiter in den Hintergrund rückt. 

Die Kurzgeschichte "Kleine Begebenheit" hat zum Thema die Darstellung normaler friedebebender Bürger, die in einer Ausnahmesituation, dem Krieg, ihren Respekt und jegliche Hemmungen verlieren, einen Menschen zu töten. 
Der Autor zeigt, dass viele Menschen in der Anonymität total verändern. Diese Anonymität entsteht in diesem Fall durch das Tragen von Uniformen und den Krieg.
Viele glauben die Anonymität als Gelegenheit nutzen zu können, ihren Wünschen und Trieben freien Lauf zu lassen, wozu sie im normalen Leben niemals die Chance haben.

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4.1 / 5 Sternen (10 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2010
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 30.10.16

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