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"Der junge Gelehrte" Inhaltsangabe und Interpretation

Inhaltsverzeichnis

Dieses Referat über Lessings Werk "Der junge Gelehrte" beinhaltet neben dem Einfluss auf die Entstehung des Lustspiels durch die Epoche der Aufklärung, auch eine Interpretation von "Der junge Gelehrte" in Form einer Charakterisierung inkl. Inhaltsangabe der Akteure sowie stilistischen Besonderheiten. Ebenso findet der Lebenslauf Lessings Einzug und Erläuterung. Auch ist eine Zusammenfassung des Inhalts anhand einer Inhaltsangabe grob gekennzeichnet.

Die Aufklärung – 1730 - 1785

Neues Weltbild:

o Glaube an die Vernunft
o Rationalismus
o Pietismus
o Empfindsamkeit
o Literarische Regeln
o Emanzipation des Menschen
o Überwindung des Nationalismus
o Anleitung zum selbstständigen Denken
o Kritisches Denken
o Toleranz Wichtigste Ideen:
o Kraft des Menschenverstandes
o Kunst wird einfacher, menschlicher, zugänglicher und anspruchsvoller
o Toleranz
o Weltbürgertum
o Frömmigkeit
o Gefühl / Empfindsamkeit
o Brüderlichkeit
o Optimismus
o Eröffnung neuer Ausdrücke in nahezu allen politischen Gattungen
o Moralisches Leben
o Hinwendung zum Bürgertum
o Vernunft

Formen in der Literatur die sich durchsetzen:

=> Literarische Werke werden witziger, phantasiereicher, erzieherischer, aufklärerischer
o Lehrgedicht / Verserzählung
o Bürgerliches Trauerspiel
o Fabeln
o Drama / Erziehungsdrama
o Romane Hauptvertreter der Aufklärung:
o Albrecht von Haller (schweizerischer Dichter 1708 – 1777)
o Salomon Geßner (schweizerischer Landschaftsmaler 1730 – 1788)
o Friedrich Gottlieb Klopstock (deutscher Dichter 1724- 1803)
o Johann Christoph Gottschede (deutscher Dichter und Literaturtheoretiker 1700 – 1766)
o Gotthold Ephraim Lessing (deutscher Kritiker und Dichter 1729 – 1781)
o Sophie von La Roche (deutsche Schriftstellerin 1731 – 1807)
o Christoph Martin Wieland (deutscher Schriftsteller 1733 – 1813)
o Matthias Claudius (deutscher Dichter 1740 –1815)
o Heinrich Jung- Stilling (deutscher Schriftsteller, Augenarzt, Professor für Finanz- und Staatswissenschaften, Erzähler, pietistischer Lieddichter)
Die Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit“
(Unmündigkeit: Unvermögen, sich seines Verstandes ohne die Leitung eines anderen zu bedienen => sein denken nicht mehr von der Kirche leiten zu lassen)
o Selbstverschuldet: Ursache der Unmündigkeit ist der Mangel an Entschließung und Mut, sich ohne Leitung eines anderen seines Verstandes zu bedienen. „
Leitspruch der Aufklärung: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
o Ursachen für die Unmündigkeit: fehlender Verstand, Schicksalsgläubigkeit, Faulheit, Feigheit, Angst vor Krieg und Bequemlichkeit der Unmündigkeit.
o Erforderlichkeit: Freiheit, sich seines Verstandes in aller Öffentlichkeit zu bedienen

Forderungen und Ziele:

o Freiheit anstatt Absolutismus
o Gleichheit statt Stände
o Erfahrung und wissenschaftliche Erkenntnisse statt Vorurteile und Aberglaube
o Toleranz statt Dogmatismus (ursprünglich jede Philosophie, die eine bestimmte Lehrmeinung vertritt)
o Erziehung zu Vernunft, Rationalität, Objektivität, Offenheit für neues
o Religiöse Überlieferungen, sittliche Vorschriften, Gesetze und politische Einrichtungen nicht weiter hingenommen (in Frage gestellt, bezweifelt und kritisiert)
o Man wollte die Menschen über ihre politische, geistige und soziale Unterdrückung aufklären

Der junge Gelehrte von Gotthold Ephraim Lessing (1747)

Es handelt sich um ein Lustspiel in 3 Aufzügen. Auf dem neuberischen Schauplatz in Leipzig im Januar 1748 zum erstenmal aufgeführt

1. Aufzug => 8 Auftritte
2. Aufzug => 15 Auftritte (Wie in der Reclamausgabe 2002, die sich über
3. Aufzug => 19 Auftritte 115 Seiten + 10 Seiten Nachwort von Alfred Anger
+ 2 Seiten bibliographische Notizen)

Das Lustspiel „Der junge Gelehrte“ ist ein für damals zeitübliches Typenlustspiel, in dem ein lächerliches Verhalten wie der Gelehrtendünkel (=Hochmut, Eingebildetheit auf Grund einer Überlegenheit durch gelerntes Wissen) bloßgestellt wird.

Gotthold Ephraim Lessing - Lebenslauf in kurz:

22. Januar 1729 in Kamenz geboren
1738 - 1741 Besuch der protestantischen Lateinschule Kamenz
1741 - 1746 Besuch der Fürstenschule St. Afra in Meißen wird ein Jahr früher entlassen, weil er so gut ist
1746 - 1748 Studium in Leipzig
1747 "Der junge Gelehrte" (Uraufführung 1748 in Leipzig) im Neuberischen Theater in Leipzig
1780 "Die Erziehung des Menschengeschlechts" (100 Thesen, die mit der Aufklärung eng verbunden sind)
15. Februar 1781 in Braunschweig gestorben

Formen des Lustspiels:

Definitionen:

• Comèdie larmoyante (weinerliches/rührendes Lustspiel)
• Unterhaltungslustspiel (ähnelt der Unterhaltungsliteratur im epischen Raum, dem Trivialroman und wird im allgemeinen künstlerischen Maßstäben nicht gerecht; zeichnet sich durch vordergründige Stofflichkeit und Problemarmut aus)
• Romantisches Lustspiel (führt ein individuelles Dasein, Aufnahme theatralischer Elemente der italienischen Commedia => Pantomime, Improvisation, Spiel auf mehreren Ebenen: „Bühne auf der Bühne“)
• Konversationslustspiel (Boulevard – Komödie) (Das gehobene Konversationslustspiel fand zu Beginn des 20.Jahrhunderts den ihm eigenen Boden in der österreichischen Neuromantik, z.B. mit Werken von Schnitzler und Hoffmansthal. Diesem gelang die Wiederbelebung der Wiener Lustspieltradition.)
• Dramatischer Schwank (Lustspielart mit übertriebener, vordergründiger Situations- und Typenkomik.
Einziges Ziel ist Unterhaltung; Unwahrscheinlichkeit der Posse Farce Handlung werden dafür in Kauf genommen. Trotzdem sind erforderlich: sorgfältiger Aufbau, spritziger Dialog, witzige und treffsichere Situationen um jeden Preis, Verbleiben im Bereich des verhältnismäßig Harmlosen, da durch Gesellschaftskritik und individuelle Problematik die Behaglichkeit des Zuschauers gestört werden würde. Lebte im 20.Jahrhundert weiter in der Mundartdichtung => besonders in der norddeutschen und bairischen.)

Posse:

derbkomische Abart mit größerer Freiheit zum Extempore (aus dem Stehgreif). In der weiteren Entwicklung Übergang in die reine Mundart- und Lokalposse (=> Volksstück).

Farce (Füllsel von lat. farcire füllen):

oft gleichbedeutend mit Posse. Seit dem 14.Jahrhundert in Frankreich als komisches Intermezzo (Zwischenspiel im Drama) zu ernsten Schauspielen belegt, später eigenständige dramatische Form mit absurden, grotesk überdrehten und zuweilen auch satirischen (Satire = Kunstgattung in der Literatur, Karikatur und Film, die durch Übertreibung, Ironie und Spott an Personen oder Zuständen Kritik übt, sie der Lächerlichkeit Preis gibt und mit scharfem Witz geißelt) Elementen.

Die Komödie:

Drama mit heiterer Lösung des Konflikts; Sammelbegriff für verschiedene Arten des heiteren Bühnenspiels; Lustspiel mit durch Zufall entstandenen Verwicklungen.
Die Komödie entstand wie die Tragödie aus dem großen kultischen Feiern zu Ehren des Fruchtbarkeitsgottes Dionysos (MYTHOLOGIE (lateinisch: Bacchus) antiker Gott der Griechen; die Sterbliche Semele will ihren göttlichen Liebhaber Zeus in seiner wahren Gestalt sehen und verbrennt bei der Ankunft des Gottes. Zeus rettet daraufhin Dionysos aus der Asche der Semele und trägt ihn in seinem Oberschenkel aus.
Dionysos ist der Gott des seligsten Rausches, der Fruchtbarkeit, der verzückten Liebe, der Schaffer des Weinstocks. Er ist Lebensspender, aber auch Vernichter, Leben und Tod. Oft wird er mit Aulos, Maske und Weintrauben dargestellt. Er verkörpert die Gegensätze, Widersprüche, Zwiespältigkeiten des Seienden. Dionysisches Wesen will die Nähe, die Auflösung der Individuation, die Versöhnung des Menschen mit der Natur und dem Leben.. Aus den Festen zu seinen Ehren (Dionysien) entstand die Tragödie des alten Griechenlands. Im heiligen Bezirk des Theatergottes fanden die dramatischen Wettbewerbe (Agone) statt, die zur Entstehung des antiken Theaters führten. (Dichter führten ihre Werke die extra für den Dichterwettbewerb geschrieben wurden auf) Zunächst gelangten nur Tragödien zur Aufführung, für das Jahr 486 vor Christus ist dann jedoch die erste Komödienaufführung in Athen.

Lustspiel:

Erwächst aus der Haltung des Humors (im Gegensatz zu der aus der Komik entstammenden Komödie); zwar wird die ganze Tiefe der Entzweiung von Idee und Wirklichkeit aufgenommen, jedoch von einer höheren Warte gesehen, mit dem einzigen Bestreben, heiter zu vereinigen, was feindlich sich flieht.

1.Lustspiel in der deutschen Dichtung:

Johann Elias Schlegels Verseinakter „Die stumme Schönheit“, 1747. Das Lustspiel ist also ein heiteres Theaterstück mit glücklichem Ausgang. Die Komik entsteht durch eine übertreibende Darstellung menschlicher Eigenarten und/oder gesellschaftlicher Untugenden, die den Zuschauer nicht nur unterhalten, sondern auch eines Besseren belehren will. Die Typenkomödie entlarvt mit ihren feststehenden Rollen die Unarten gesellschaftlicher Gruppen und Stände. Die Charakterkomödie übertreibt Schwächen des Einzelnen ins Unvernünftige, ohne sie nur zu verspotten. Die Situationskomödie zeigt den Menschen in Verhältnissen, deren Beherrschung ihm entgleitet, und seine lächerlichen Versuche, diese zu seinem Vorteil zu ordnen. Der Witz der Satire richtet sich auf Gesellschaftskritik, die Groteske zeigt eine gänzlich aus den Fugen geratene Welt. Die moderne Boulevardkomödie verzichtet auf das Belehrende und zielt nur noch auf das Amüsement des Zuschauers. Die derberen Unterarten Burleske, Schwank und Posse leben im Volksstück und im Laientheater weiter.

Akteure aus "der Junge Gelehrte":

o Chrysander, Vater von Damis und ein alter Kaufmann
o Damis, Sohn des Chrysander und die Titelfigur des Lustspieles
o Valer, Geliebter von Juliane
o Juliane, Ziehtochter von Chrysander, Geliebte von Valer
o Anton, Diener von Damis (Name stammt aus dem lateinischen)
o Lisette, Dienerin von Juliane (französischer Vorname) iKernthemen des Buches:
o Weltfremdheit der Gelehrten (Damis) / Weltläufigkeit des ausgelernten Geliebten (Valer)
o Kupplerei aus Berechnung (Chrysander)
o Komik und Durchtriebenheit der Bediensteten
o Übertriebene Darstellung menschlicher Eigenarten
o Übertriebene Darstellung gesellschaftlicher Untugenden
o Vorbildliche, tugendhafte Figuren (Juliane und ihr Vater)
o Freie Liebe
o Differenzierte Charaktere

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Über Lessing und seine Vorgehensweise bei der Verfassung von „Der junge Gelehrte“ (Hintergründe der Entstehung)

Lessing ging mit 17 von der Fürstenschule St. Afra in Meißen ab und besucht ab September 1746 in Leipzig die Hochschule um, wie der geistliche Vater wünschte, Theologie zu studieren.

Vorlesungen im Fach Theologie besuchte er aber eher selten sondern frönte eher seiner Leidenschaft für die Epigrammatik. (= literarische Kurzform die von den Griechen entwickelt wurde)

In Leipzig bekam er nicht nur seinen gesellschaftlichen Schliff, sondern befand sich zu seinem Glück im damaligen Zentrum des Journalismus, außerdem in der Hochburg des deutschen Büchermarktes und dort, wo eines der modernsten, besten und rührigsten Theater, dass der Karoline Neuber, stand.
Es war die Zeit in der regelmäßig bürgerliche Charakterlustspiele nach französischem Muster aufgeführt wurden.
Das Leipziger Publikum war also Theaterstücke gewohnt, die lasterhafte Eigenschaften und Schwäche zu eigener Belehrung und Erbauung auf der Bühne witzig entlarvte, anprangerte und derb oder fein verspottete, als Lessing sein Stück uraufführen lies. (Januar 1748)
Die personifizierte, lasterhafte Eigenschaft des Protagonisten war in der Regel schon im Titel genannt oder wenigstens angedeutet und somit entsprach „Der junge Gelehrte“ einer alten Tradition.

Im Vorwort des „jungen Gelehrten“ (1754) schrieb Lessing:“ Ein junger Gelehrter war die einzige Art von Narren, die mir schon damals unmöglich unbekannt sein konnte. Unter diesem Ungeziefer aufgewachsen, war es ein Wunder, dass ich meine ersten satirischen Waffen wieder dasselbe wandte?“
Bedeutungstragend war aber vor allem, das Lessing seine Waffe der Satire im gleichen Maße auch gegen sich selber richtete, da er schließlich auch ein junger Gelehrter war und nicht unbedeutend für den Charakter von Valer und Damis war.
Der Damis trug scharfe Züge des jungen gelehrten Lessing, damals als er noch Fürstenschüler in Meißen war.
Der Valer, der „die Bücher beiseite gelegt“ hat und „durch Umgang und durch die Kenntnis der Weltgeschickt“, „dem Staat nützliche Dienste“ erweist, entspricht dem neuen Ideal des Leipziger Studenten.
Dieses Lustspiel ist somit eine persönliche Konfession (= Bekenntnis) Lessings.
Chrysander, der den Charakter des bramarbasierenden (Bramarbas, Prahlhans, großsprecherischer Mensch, nach dem Helden eines anonymen Lustspiels 1710 benannt) Pedant (Mensch mit übertriebenem Hang zu Genauigkeit und Ordnung; Kleinigkeitskrämer), der mit polyhistorischen Quisqulien (Belanglosigkeiten) und polyglotten (ein Buch, das den gleichen Text in verschiedenen Sprachen neben- oder nacheinander bringt), meist in griechischen oder lateinischen, Zitaten und Sprüchen tiefgründiges Wissen und reiche Kenntnisse vorzutäuschen sucht, war bereits in der italienischen, französischen und englischen Komödie bekannt.
Lessing wendete sich gegen die von Damis erstrebte Art der Gelehrsamkeit, die er nur von leblosen Büchern bekam. Damis hat nur Probleme akademischer Natur und vom echten Leben keine Ahnung.
Anton und Lisette dagegen besitzen Lebenserfahrung, auch wenn sie als schlaudumm gelten.
Der ungebildete Anton, also der Diener von Damis, hebt sich durch seinen Mutterwitz ab (macht derbe Späße wie der in der italienischen Komödie oft auftretende Harlekin).
Lisette dagegen ist verschmitzt was in jeder Szene in der sie auftritt bewusst wird (stellt den französischen Typus dar).
Das Dienerpaar hintergeht mit einer listreichen Intrige den selbstsüchtigen alten Chrysander und führt somit zum Happy End.
o Stereotype Figuren des europäischen bürgerlichen Charakterlustspiel mit abgebrauchten Namen, die Lessing schamlos kopierte und beibehielt.
Die empfindsame und tugendhafte Juliane verweist auf die „Comèdie larmoyante“, also dem „rührenden Lustspiel“.
Sämtliche Figuren in Lessings Stück waren aus anderen Stücken geplündert sowie die thematische Grundlage auch.

Abstammung der Charaktere in „Der junge Gelehrte“:

o Philippe Nèricault Destouches, französischer Dramatiker, Verfasser moralisierender Sittenkomödien (1680 – 1754)
o Jean Baptiste Moliere, französischer Komödiendichter (1622 – 1673)
o Pierre Carlet de Chamblain de Marivaux, französischer Dichter, berühmt für seine Dialoge (1688 – 1763)
o Du Frèny
o Ludvig Holberg (Pseudonym Hans Mikkelsen), dänischer Schriftsteller (1684 – 1754)
o Titus Maccius Plautus, römischer Dichter (250 v.Chr. – 184 v.Chr.)
o Luise Adelgunde Victorie „Gottschedin“ Gottsched (geb. Kulm), deutsche Schriftstellerin (1713 – 1762)
o Johannes Elias Schlegel, deutscher Dramatiker und Kritiker (1719 – 1749)

Er kopierte Einzelheiten der Handlung und des szenischen Aufbaus, Stücke einzelner Dialogpartien, sowie witzige Redensarten.

Der Begriff des literarischen Eigentums war damals noch nicht sehr weit verbreitet und auf dichterische Originalitäten wurde bei weitem so viel Wert gelegt wie zu späteren Zeitpunkten.
Lessing hält sich an die Einheit der Zeit und des Ortes, wie Gottsched es gefordert hatte von den deutschen Literaten, die sich mit Lustspielen abmühten. Dies hat dem Dichter aber offensichtlich Mühe bereitet.
Die Argumente, warum sich die einzelnen Personen im Studierzimmer von Damis einfinden sind recht fadenscheinig. Die dramatische Handlung geht von Chrysander aus, hat aber nichts mit dem Titelgeber Damis zu tun, Chrysanders Gegenspieler sind die Bediensteten und Valer, die nicht so wollen wie er es gerne hätte. (keine Verbindung zum Protagonisten)
Die satirischen Absichten werden nicht durch Taten oder Aktionen im Stück verwirklicht sondern durch die Sprache, die Lessing verwendet (Monologe und Dialoge).
Den Vorteil den Lessing besaß war seine dialogische Sprachbegabung und seine enge Verbindung mit der Theatertruppe, die im behilflich sind die stockende Geschichte Gewandter zu gestalten.
Der weiter Lebensweg Lessings als Kritiker ist schon zu erkennen an der treffsicheren Pointe, den scharfen Dialogen, den Akzelerationen (Beschleunigung) des Dialogtempos (durch kürzere Repliken =Gegeneinrede, jemanden ins Wort fallen) und durch Wiederholungen witziger kleiner Zwischensätze (z.B. „Und Sie sind erst zwanzig Jahre alt!“).

Interpretation von "Der junge Gelehrte" und Auffälligkeiten:

o Vertraute Lustspielmotive und -figuren

Ein altes Motiv ist der Philosoph, der nicht heiratet oder sich durch Verliebtheit lächerlich macht. Dieses Motiv wird inszeniert, um daran die Weltfremdheit von Damis zu zeigen; indem er darauf besteht, eine ungeliebte Frau zu heiraten (II, 11), gerät er zudem in Gegensatz zu seinem Vater, der ihn von der Ehe mit Juliane wieder abbringen will (III, 4).
Der komische und durchtriebene Diener, wie die Figuren Anton und Lisette kommen aus der Commedia dell’arte. Die Dienerhandlung ist deutlich von der Handlung um die Herrschaft geschieden, die Dienerfiguren haben größeres Gewicht (Chrysander vertraut Anton, vgl. I, 6; Lisette beginnt eine Intrige auf eigene Faust, vgl. II, 2; plant die Heirat mit Anton; dieser verdächtigt sie, mit Damis in einem Liebesverhältnis zu stehen, II, 3 und 5).
Neben der Situationskomik (Lisette wird zweimal in das Kabinett geschoben, I, 4; II, 4; dort ‚befreit‘ sie Damis, II, 4) findet sich eine breite Palette von Sprachkomik:
o Lisettes Dialog mit der stereotypen Antwort „Und Sie sind erst zwanzig Jahre alt!“ (III, 3) mit Damis wie auch der Wortwechsel zwischen Damis, Anton und Lisette („Kleinigkeit!“ „Lügen!“, II, 11) haben ihr Vorbild in Molières Tartuffe.
o Im Dialog zwischen Chrysander und Damis (I, 2) dienen die lateinischen Einschübe und Zitate dazu, den ersteren als halbgebildet und eitel, den zweiten als borniert und engstirnig vorzustellen. Daraus ergibt sich auch die Verwechslung am Ende der Szene, deren Komik auf der Häufung ähnlich klingender Namen beruht.
o In einem weiteren Dialog (I, 5) beziehen sich Damis und Chrysander auf jeweils andere Gegenstände; Anton erklärt dieses Verhalten unmittelbar darauf (I, 6) als Spiel im Spiel; auch Anton beginnt ein derartiges Spiel im Spiel (II, 4).

o Die Präsentation von Laster und Tugend

Der lasterhafte, verlachbare Fehler von Damis besteht in Ruhmsucht, Kälte, Borniertheit, Lebensfremdheit; während des ganzen Stückes wartet er auf den Brief der Akademie in Berlin, die seinen Schrift über die Monaden auszeichnen sollte (III, 15); allerdings wurde die Schrift nicht eingereicht. Die Meinung des Freundes soll ihn zur Einsicht bringen, aber statt Besserung zu zeigen, verlässt er lediglich den Schauplatz freiwillig. Auch der reiche Vater, dessen Verhalten Berechnung zugrunde liegt, erlebt keinen Anstoß zu Strafe bzw. zur Besserung.
Juliane und ihr Vater hingegen sind für das Publikum die vorbildlichen Figuren. Juliane beweist ihrem Ziehvater Dankbarkeit für seine Sorge um sie als Waise (I, 8; II, 1); sie entdeckt ihm die Intrige Lisettes (III, 10); ihr Vater war ehrlich und hat nach seinem Bankrott alle Forderungen erfüllt, wie Chrysander selbst eingesteht (I, 5).

o Empfindsame Liebende: Juliane, Valer

Valer vertritt die Gegenposition (Antagonist) zu Damis, den titelgebenden Protagonisten, aber seine Weltläufigkeit wird eher behauptet denn vorgeführt oder in der Bühnenhandlung glaubhaft gemacht.
Damis sagt über ihn: „Er hat seit einigen Jahren die Bücher bei Seite gelegt; er hat sich das Vorurteil in den Kopf setzen lassen, dass man sich vollends durch den Umgang, und durch die Kenntnis der Welt, geschickt machen müsse, dem Staate nützliche Dienste zu leisten. Was kann ich mehr tun als ihn betrauern?“ (II, 12)

Valer und Juliane sprechen über ihre Liebe, die frei ist von materiellen Erwägungen, und den drohenden Verlust (II, 1) durch die geplante Verheiratung Julianes mit Damis.
Schlüsselvorstellungen sind, den anderen durch Tugend zu gewinnen und an sich zu binden, der Stimme des Herzens, also der Neigung zu folgen, und feines Empfinden für die eigenen Gefühlsregungen zu haben, sich aber auch in die des anderen einzufühlen. Diese ausführliche Gefühlsaussprache war ein wichtiger Teil der Wirkung der rührenden Komödie, die sich in diesem Anspruch, die Empfindungen des Publikums zu modellieren, mit dem bürgerlichen Trauerspiel berührte.
In diesem Konzept der ‚zärtlichen‘ und ‚empfindsamen‘ Liebe liegt der große Kontrast zu der grobschlächtigen Vorstellung, die Damis ausspricht, der damit als wenig differenzierter Charakter vorgestellt wird (vgl. I, 2).

Konzept für das Handout:

Der junge Gelehrte von Gotthold Ephraim Lessing

Akteure:

o Chrysander, Vater von Damis und ein alter Kaufmann
o Damis, Sohn des Chrysander und die Titelfigur des Lustspieles
o Valer, Geliebter von Juliane
o Juliane, Ziehtochter von Chrysander, Geliebte von Valer
o Anton, Diener von Damis
o Lisette, Dienerin von Juliane Schauplatz des Geschehens:
o Die Studierstube des Damis

Kernthemen des Buches:

o Weltfremdheit der Gelehrten (Damis) / Weltläufigkeit des ausgelernten Geliebten (Valer)
o Kupplerei aus Berechnung (Chrysander)
o Komik und Durchtriebenheit der Bediensteten
o Übertriebene Darstellung menschlicher Eigenarten
o Übertriebene Darstellung gesellschaftlicher Untugenden
o Vorbildliche, tugendhafte Figuren (Juliane und ihr Vater)
o Freie Liebe
o Differenzierte Charaktere

Was ist ein Lustspiel? (Typenkomödie)

Komödie [griechisch], Lustspiel, heiteres Theaterstück mit glücklichem Ausgang. Die Komik entsteht durch eine übertreibende Darstellung menschlicher Eigenarten und/oder gesellschaftlicher Untugenden, die den Zuschauer nicht nur unterhalten, sondern auch eines Besseren belehren will. Die Typenkomödie entlarvt mit ihren feststehenden Rollen die Unarten gesellschaftlicher Gruppen und Stände.

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4.1 / 5 Sternen (18 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 29.06.16

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  • Edgar Leopold schrieb am 12.03.2014:

    er ist einfach klasse deshalb 5 sterne

  • efry schrieb am 15.05.2013:

    danke, sehr hilfreich

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