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Charakterisierung des Patriarchen (Nathan der Weise)

Inhaltsverzeichnis

Aufgabe: Charakterisieren Sie den Patriarchen (I/5 und IV/2) und begründen Sie, warum Gespräche mit ihm missglücken! (Also eine Dialoganalyse und Dramenanalyse im Mix)

I/5 Tempelherr und Klosterbruder im Gespräch über die Pläne des Patriarchen
Ort: Jerusalem; Ein Platz mit Palmen
IV/2 Der Tempelherr fragt den Patriarchen um Rat
Ort: Jerusalem; In den Kreuzgängen des Klosters

Das dramatische Gedicht in 5 Aufzügen „Nathan der Weise“ wurde 1779 von Gotthold Ephraim Lessing (1729-1782) verfasst und beschreibt den Juden Nathan in seiner Position als Vermittler zwischen den verschiedenen Religionen.
Nathan, der in dem Werk Lessings einerseits als Philanthrop beschrieben und andererseits als sehr gesellschaftsnahe Person dargestellt wird, ist als Ausnahmeperson einzuschätzen. Denn er ist ein Kaufmann, der Zinsen eintreibt und eine nüchterne Haltung höher als die hehre Schwärmerei einschätzt. Was nicht nur zu seinem Nachteil ist: Denn auch diesen Reichen dürfte nicht allein die Barmherzigkeit zum Wohlstand geführt haben, sondern wohl eher eine unumstößliche Rechtschaffenheit
Nathan - reich, klug, demütig, witzig - macht die Außenseiterrolle seines Volkes sichtbar. Das Elend einer Minorität, die stellvertretend für die Unterdrückung aller Minderheiten steht.
Jedoch tut er dies in einer charmanten Art und Weise, da er belehrt und nicht bestraft oder tadelt, wie zum Beispiel an der Ringparabel im dritten Aufzug/siebter Auftritt deutlich abzuleiten ist.

Ein gesamter Handlungsstrang im Werke Lessings ist mit der Teilüberschrift „Versuche des Patriarchen den Tempelherrn mittels des Klosterbruders als eine Art Werkzeug zu gewinnen“ zu bezeichnen.
Der Bischof von Jerusalem ist als dogmatischer Fanatiker anzusehen und ist - im bildlichen Sinne - bereit jeden Preis zu zahlen, der notwendig ist um den christlichen Glauben vollständig in Jerusalem zu etablieren.
So ist er letztlich als Gegenfigur zum Nathan, der bereit ist jede Religion zu akzeptieren, anzusehen.

Der Klosterbruder Bonafides ist von dem engstirnigen Patriarchen beauftragt den Templer davon zu überzeugen, Saladin - der ihn nach seiner Gefangennahme bei einem Angriff auf Tebnin als einzigen Ritter begnadigt hatte, zu ermorden. Voraussetzung dafür jedoch, ist die Tatsache, dass sich der Tempelherr frei innerhalb der Stadt bewegen und so die Befestigungsanlagen auskundschaften kann. Der Templer jedoch lehnt den Auftrag des Meuchelmords mit der Begründung, dass er selbst Saladin sein Leben verdanke, ab.
Der Klosterbruder, steht hier als Sinnbild der Einfältigkeit und der Unmündigkeit, da er seine Mündigkeit an den Patriarchen abgegeben hat und agiert so gegen die Grundsätze der Aufklärung.
Deutlich wird dies in den Zeilen: „Gehorcht ihr denn auch ohne zu klügeln?“
„Wär' s sonst gehorchen?“,
in denen auch der Hochmut des Templers erstmals zum Ausdruck kommt.

Bonafides, in Dienerschaft und Auftrag des Bischofs, nun versucht an den jungen Templer zu appellieren, indem er fast beiläufig erwähnt, das sich bereits die Sekte der Maroniten bereitwillig angeboten hätte den Auftrag des Geistlichen zu übernehmen. Er deklariert die Aufgabenstellung dadurch als absolut erstrebenswert, Ansehen einbringend und dennoch gänzlich im Sinne der Christenheit.
Er vertritt somit die Interessen und auch Ansichten des Patriarchen von Jerusalem, nämlich die der absoluten Vorherrschaft der Christenheit innerhalb der verschiedenen Religionen.
Der Templer jedoch beharrt auf den christlichen Grundsätzen der Gerechtigkeit und verweigert sich den Mord an Saladin zu praktizieren, da nicht völlig geklärt sei, ob und inwiefern der Sultan ihn um seinetwillen oder lediglich aufgrund der Ähnlichkeit mit seinem Bruder begnadigt hatte.
Jedoch distanziert sich der junge Mann eindeutig von einer ihm vorgehaltenen Freundschaft mit dem Andersgläubigen.

Der Klosterbruder als Sprachorgan des Patriarchen also verdeutlicht im 1. Aufzug/5. Auftritt vor allem mit dem Ausspruch „Doch bliebe, - meint / der Patriarch, - noch immer
Saladin / Ein Feind der Christenheit...“
die Gesinnung und Ansichten, des nach stetig größer werdender Macht strebenden Bischofs sollen dem Leser des didaktischen Textes so vermittelt werden.
Dieses nach Macht streben des Geistlichen, wird unter anderem deutlich an der Tatsache, dass er stets mit allem geistlichem Pomp behängt ist, selbst wenn er lediglich einen Krankenbesuch vollzieht.

Der Patriarch selbst im zweiten Auftritt des 4. Aufzugs scheint sehr erfreut über den Besuch des Templers zu sein, vermutlich hegt er die Annahme, dass sich dieser doch zur Unterstützung der erwünschten Gräueltat bereit erklärt.
Er nutzt die Metapher: „Ich wünsche wenigstens, / Dass so ein frommer Ritter lange
noch / Der lieben Christenheit, der Sache Gottes / Zu Ehr' und Frommen blühn und grünen möge!“
um den Tempelherrn zu beschreiben, womit sich die Assoziation aufdrängt, dass er diesen jungen, kräftigen Menschen als vorbildlichen Christen ansieht.

Des weiteren wird mit dem Sinnbild einer erblühenden Wiese, im Sinne dieser Metapher abermals der Wunsch es Patriarchen verdeutlicht, den geliebten Glauben endgültig zu etablieren im Jerusalem des Jahres 1192 (Zeit des Waffenstillstands zwischen den Kreuzzügen).
Zusätzlich zu diesem wahnähnlichen Glauben sieht er Ratschläge seinerseits als irdischer Vertreter Gottes als unumstößlich, wie er es in dem Vers „Nur ist der Rat auch anzunehmen“ bezeugt.
Dieser Rat, welcher die Frage des jungen Templers betrifft, ob ein Jude ein christliches Mädchen erziehen darf, ist eine eindeutige Verneinung die Antwort des Bischofs. Er fordert die Todesstrafe für diesen Juden, da er das Mädchen zum Abfall von Gott verleitet habe. Der Tempelherr wendet ein, dass das Mädchen ohne diesen Juden eventuell gestorben wäre und Gott das Fräulein noch immer selig machen könne, da sie ohne jegliche religiöse Bindungen erzogen worden war. Aber auch das ändert die Meinung des Patriarchen nicht.
Die Aussage „Der Jude muss verbrannt werden“, ist eine ständige Wiederholung des Bischofs und bedeutet einen eindeutigen Bezug auf die Diskriminierung und Verfolgung der Juden in der Realität.

Letztlich also ist der Patriarch die Versinnbildlichung der gesamten Kirche, speziell jedoch den in den Fragmentenstreit (mit Lessing) verwickelten Hauptpastor Goetze, zur Zeit der Aufklärung, welche bekanntlich die Entfaltung der Vernunft, das Ablegen der Unmündigkeit und somit auch der Forderung einer Vernunft- und nicht nur einer Offenbarungsreligion beinhaltet.
Das bis dato beinahe unangefochtene Staatsfundament wurde in dieser Epoche maßgeblich gefährdet und wird in Lessings didaktischem Gedicht durch den als engstirnigen, ängstlichen (er hat Angst vor einer Machtübernahme oder -konzentration der anderen Religionen bzw. vor einem Durchsetzen der Ratio und der Vernunft), verbitterten und machthungrigen zu charakterisierenden Patriarchen versinnbildlicht.

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 23.06.16

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