Schulzeux.de > Deutsch

Nathan der Weise Referat & Hintergrund

Inhaltsverzeichnis

Lessings Drama „Nathan der Weise“

LESSING

Gotthold Ephraim Lessing ist im Jahr 1729 in Kamenz (Sachsen) als Sohn eines Pfarrers geboren. Deshalb interessierte er sich schon sehr früh für Literatur und religiöse Fragen. Er studierte Medizin, Theologie und Philosophie.
Während seines Studiums schrieb er nebenbei Theaterstücke.
Er wurde vor allem durch seine Dramen „Minna von Barnhelm“ und „Nathan der Weise“ bekannt. Er war aktiv in der Gesellschaft, denn er arbeitete als Redakteur von Zeitungen. Lessing hatte auch eine große Freude an intellektueller Auseinander- setzung, deshalb nannten ihn seine Zeitgenossen Protagonist (Wortführer).

DER FRAGMENTENSTREIT

Als Lessing beim Fürsten als Bibliothekar tätig war, fand er unveröffentlichte Schriften seines verstorbenen Freundes Hermann Samuel Reimarus der Theologe war. These Reimarus schrieb,
- dass die vier Evangelien in sich widersprüchlich sind
- dass Jesus Lehre, nachträglich von den Jüngern bewusst verfälscht wurde
- dass der Glaube an eine Offenbarung, die echte Religion erstickt
- dass es keine Offenbarung gibt, weil der Mensch alles was er braucht von der Natur bekommt.
Lessing veröffentlichte unter anderem auch diese Thesen als „Fragmente eines unbekannten“.

Hamburger Pastor Johann Melchior Goeze sah dies als Gefahr für die Religion.
Dadurch begann ein heftiger Streit doch Lessing verteidigte seinen Standpunkt und überzeugte das Volk mit seinen Argumenten.
Der Adel fühlte sich daraufhin in seiner Alleinherrschaft bedroht und verbietet Lessing weitere theologische Schriften zu schreiben.
Da ein religiöser Streit nicht mehr in Frage kam, war die Dichtung das einzige Mittel, dem aufklärerischen Gedanken Ausdruck zu verleihen.

NATHAN DER WEISE – EIN DRAMATISCHES GEDICHT

Nathan ist ein jüdischer Geschäftsmann und lebt in Jerusalem (Judentum, Christentum und Islam). Ihm gelingt es, freundschaftliche Beziehungen zu Christen und zu Moslems aufzunehmen und so die Kluft der Feindschaft zu überwinden.
Hauptpersonen
Nathan ist ein reicher, jüdischer Geschäftsmann, dessen Familie von Christen getötet wurde. Recha ist als Christin geboren und wurde von Nathan als eigene Tochter angenommen und erzogen. Daja ist eine Christin und erzieht Recha.
Saladin ist der Sultan von Jerusalem und das Oberhaupt der Moslems.
Der Tempelherr ist ein Christ (Kreuzritter) und wurde wegen der Ähnlichkeit zu Saladins Bruder von einer Strafe begnadigt.

Handlung (Inhaltsangabe und Zusammenfassung) "Nathan der Weise"

Nachdem Nathan von einer längeren Geschäftsreise in seine Heimatstadt Jerusalem zurückkehrt, erfährt er, dass seine Tochter Recha vom Tempelherrn aus seinem brennenden Haus gerettet wurde. Recha glaubt von einem Engel gerettet worden zu sein, da der Tempelherr nach der Rettung aus dem Blickfeld verschwindet. Dieser Tempelherr, Angehöriger eines christlichen Ordens, verdankt selbst sein Leben der unerwarteten Begnadigung durch den Sultan Saladin, der beim Anblick des jungen Mannes dessen Ähnlichkeit mit seinem verstorbenen Bruder Assad bemerkt. Nathan schließt mit dem anfangs judenfeindlichen Tempelherrn Freundschaft und bewegt ihn dazu, seiner Tochter Recha einen Besuch abzustatten und ihren Dank entgegenzunehmen.  Oftmals wird hier auch eine Szenenanalyse / Dramenanalyse verlangt, deren AUFBAU ihr im Link genaustens nachschlagen könnt.

Sultan Saladin, der die Freigiebigkeit und die Klugheit des Juden Nathan auf die Probe stellen will, fragt ihn nach der „wahren Religion“. Nathan antwortet ihm mit der Ringparabel: Ein König besitzt einen Ring, der die Eigenschaft hat, seinen Träger vor Gott und Menschen angenehm zu machen. Der Ring wird immer an den Sohn vererbt, den der Vater am liebsten hat. Da der König seine drei Söhne gleich liebt lässt er zwei Duplikate des Rings bei einem Künstler anfertigen. Diese Ringe sind sich nun so ähnlich, dass selbst der Vater sie nicht mehr auseinanderhalten kann. Vor seinem Tod gibt er jedem Sohn einen Ring.
Nach seinem Tod ziehen die Söhne im Streit welcher der wahre Ring ist vor Gericht. Doch auch der Richter kann die Ringe nicht unterscheiden. Daher fragt er die Söhne, wen sie am liebsten haben. Als alle antworten, dass sie sich selbst am liebsten mögen, stellt der Richter fest, dass keiner der Ringe der Richtige ist. Schließlich sagt er, dass sich ihre Nachfahren in 1000 Jahren wieder treffen sollen und dann wird sich zeigen welcher der Ringe der wahre ist. Er fordert alle drei auf: „Es strebe von euch jeder um die Wette, die Kraft des Steins in seinen Ring an den Tag zu legen…“, also durch praktische Humanität und mitmenschliches Verhalten die dem Ring zugeschriebene Wirkung zu verwirklichen. Nathan bietet auch aus Dankbarkeit für die Begnadigung des Tempelherrn, Saladin Geld an und von seiner Großmütigkeit beeindruckte Sultan trägt dem Nathan seine Freundschaft an.

Der Tempelherr verliebt sich unterdessen in Nathans Tochter Recha und hält um ihre Hand an, doch Nathan lehnt vorerst ab weil er vermutet die beiden könnten verwandt sein. Daja verrät das bisherige Geheimnis, dass Recha eine Christin ist. Nathan stellt Nachforschungen über Verwandtschaftsverhältnisse an und macht sensationelle Entdeckung: Recha und der Tempelherr sind Geschwister, Saladin ist ihr Onkel da sie die Kinder seines verstorbenen Bruders Assad sind. Nathan, der nicht zur Familie gehört, wird von Recha und dem Tempelherrn als Vater im Sinne einer Seelenverwandtschaft anerkannt. Am Ende des Stücks liegen sich alle glücklich in den Armen.

Kernaussage der Ringparabel aus "Nathan der Weise"

Die drei Ringe stehen für Religionen – Judentum, Christentum und den Islam, also die drei Weltreligionen. Dass der Richter die Ringe nicht unterscheiden kann soll zeigen, dass die Religionen nicht das wichtigste im Leben sind. Nathan sagt damit auch dass Gott (Vater) seine „Söhne“ oder allgemeiner seine Kinder und die Art ihren Glauben auszudrücken gleich liebt. Gott kann sich nicht entscheiden welche Gruppe er bevorzugen möchte.

Zur Verdeutlichung der Gedanken der Aufklärung

1. Rechas Wunderglaube, sie sei von einem Engel gerettet worden, widerspricht der menschlichen Vernunft. Aber Recha erkennt ihren Irrtum und akzeptiert, dass sie von einem Sterblichen gerettet wurde.
2. Der Glaube an das Gute im Menschen trotz Vorurteile (Arroganz des Tempelherrn) Zitat: “Ich weiß wie gute Menschen denken, weiß, dass alle Länder gute Menschen tragen.“- Aufruf, dass jeder Mensch in erster Linie zu Mitmenschlichkeit verpflichtet ist. Dazu gehört auch die Toleranz Andersgläubigen gegenüber.
3. Zum Schluss bilden Christen, Mohammedaner und ein Jude eine große Familie mit den drei Religionen - Toleranz und Vernunft

Schreibweise und Stil

Nathan der Weise ist in Blankversen geschrieben (engl. blank=ungereimt). Reimlose Verszeilen mit alternierendem Jambus (fünfhebig jambisch: v-v-v-v-v). Jambus ist ein Versfuß der aus einer Senkung und einer Hebung besteht. Lessing verbindet die Versetzung von Satz- und Versrhythmus, durch die häufige Verteilung des Verses auf Redepartien mehrerer Personen und die Unterbrechung des Verses durch Auftritte oder Pausen.

Vorgeschichte

Saladin will sich von Nathan Geld leihen, was ihm jedoch sehr unangenehm ist, weil Nathan Jude ist, deshalb stellt er ihm eine Falle. Er stellt ihm die Glaubensfrage welches die beste Religion sei. Saladin hofft daraufhin, dass Nathan mit dem Judentum antwortet, denn so könnte er mit der Begründung, dass die beste Religion Großzügigkeit zeigen muss Geld fordern. Nathan durchschaut ihn und antwortet mit der Ringparabel.

Eigentliche Bedeutung

- alle drei Religionen (3 Ringe) sind gleichwertig
- Lessing lehnt den christlichen Wunderglauben ab (Wunderring)
- Religion darf nicht die Vernunft beeinflussen (Glaubenskriege)
- Man muss den Glauben in Taten umsetzen und nicht in Gerede
- Jede Glaubensgemeinschaft soll ein gutes Handeln zeigen
- Erst wenn sich die Menschen trotz Unterschiede respektieren und tolerieren, kann es Frieden geben.

Toleranz und Großmütigkeit Nathans

? lässt seine Tochter von einer Andersgläubigen erziehen
? schließt Freundschaft zu Andersgläubigen (Tempelherr, Sultan)
? er kann verzeihen, ist großherzig, bietet Saladin Geld an obwohl dieser ihn hintergehen wollte, nimmt ein christliches Kind auf, obwohl seine Familie von Christen umgebracht wurde.

Bedeutung für heute

- Nicht die Religion zählt sondern der Mensch
- Menschenliebe, Humanität, Toleranz, Mildtätigkeit und Erziehung wird von Lessing zum Kern der Aufklärung gemacht
- Ideen der Aufklärung wurden in vielen Verfassungen umgesetzt
- Aufruf Nathans heute noch aktuell da es heute noch Intoleranz, Fanatismus und Vorurteile gibt (z.B. Anerkennung von Behinderten

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4.2 / 5 Sternen (13 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: 2+
  • Aktualisiert: 25.11.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 8 / 2? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+