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Ringsum ruhet die Stadt - Gedichtinterpretation

Inhaltsverzeichnis

Diese Gedichtanalyse von "Ringsum ruhet die Stadt" von Hölderlin gibt den Inhalt in Form einer Inhaltsangabe und Zusammenfassung wieder und schildert neben den Hintergründen, die zur Entstehung führten, auch die verwendeten Stilmittel samt Interpretation und Bedeutung. Also zum Poem "Ringsum ruhet die Stadt" eine  interpretation mit Stilmittel- sowie Inhaltsangabe.

Das Gedicht „Rings um ruhet die Stadt“ wurde 1807, also noch zu Lebzeiten Hölderlins erstmals unter dem Titel „Die Nacht“ veröffentlicht. Es ist nur ein Teil der Elegie „Brot und Wein“ und der erste Teil des ersten von drei Trias. Die gesamte Elegie ist erst nach Hölderlins Tod 1894 veröffentlicht worden. Sie entstand zwischen 1800 und 1801. Dies war kurz nach der Zeit, als Hölderlin die Reimstrophen aufgab, was auch an diesem Gedicht deutlich wird. Jede der 18 Zeilen zählt aber nie mehr als 18 und weniger als 12 Silben. Die 18 Zeilen sind in 9 Distichen aufgeteilt. Vom Inhaltlichen lassen sich drei in je drei Distichen gegliederte Abschnitte erkennen, auf die ich später noch eingehe. Es weist aber trotz fehlender Reimstrophe auf einen komplexen und überlegten Aufbau hin. In dem Gedicht wird eine abendliche Stadt beschrieben. Der Erzähler beschreibt verschiedene Situationen, die als Geräusche, Gerüche und Bilder wahrgenommen werden. Am Ende wird auf den Himmel und den Mond eingegangen.

Die erste Zeile beschreibt einleitend das Gesamtbild des Gedichtes und vermittelt durch die ruhende Stadt und die beschriebene Stille schon das Gefühl der Ruhe und harmonischen Gelassenheit. Es wird gleich zu Anfang das Bild einer „still (...) erleuchtete (n) Gasse“ und der „ruhenden Stadt“ genannt, von dessen Ausgangspunkt nun abendliche Situationen zu beobachten sind, zum Beispiel mit Fackeln geschmückte Wagen. Bis zur sechsten Zeile spricht der Erzähler von Menschen, die „satt“, „von Freuden des Tages“ (Z.3) „wohlzufrieden“ (Z.5) nach getaner Arbeit („von Werken der Hand ruht der geschäftige Markt“ (Z.6)) nach Hause gehen. Dies geschieht in äußerst bildhafter, aber auch idyllisch sehr überzogener Form, die bei näherer Betrachtung subjektiv und realitätsfern wirkt. Ein Beispiel gibt die zweite Zeile: „Und mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg“. Die Fackeln werden nicht als notwendig angesehen, weil es dunkel wird, sondern als Schmuck betrachtet. Die Wagen ‚rauschen’ hinweg, wo man eigentlich an holpern und rappeln denkt, wenn man sich einen Pferdewagen auf den Straßen des 18. Jahrhunderts vorstellt. Das einzige was rauschen könnte, wären die Fackeln im Fahrtwind. Vergleichend mit dem Rauschen der Wagen wird, wenn man es mit dem rauschenden Brunnen in Zeile 9 und 10 vergleicht, die Idyllisierung klar.

In der ersten Trias herrschten Bilder und Gefühle vor, die Zweite beschreibt vorrangig Geräusche und Gerüche. Sie beginnt mit „Aber“, was einen neuen Abschnitt vermuten lässt, der jedoch nicht als Umbruch in Erscheinung tritt. Ein „Saitenspiel tönt fern aus Gärten“ (Z.7), der Erzähler vermutet hinter der Musik „ein Liebendes“, also ein Liebespaar, „oder ein (en) einsame (n) Mann“ (Z.8), der sich an Freunde oder die Jugendzeit erinnert. Diese Zeilen lassen erstmals leicht melancholische Gedanken zu, die Trauer um das Vergangene. Das wird auch klarer wenn man weiß, dass dieses Gedicht in Griechenland spielt. Das antike Griechenland war eine große Leidenschaft Hölderlins (siehe Lebenslauf auf Seite ). Der letzte Distichen dieses Trias enthält keine idealisierten Szenen mehr, vielmehr wird diese leichte Vergangenheitswehmut weitergeführt, mir der man an das stetige fortschreiten der Zeit erinnert wird: Es dämmert, die Glocken läuten „und der Stunden gedenk ruft ein Wächter die Zahl“ (Z.12). So wird in dieser Trias zwei mal der Zeit gedacht.
Die dritte Trias (Z 13-18) lässt mit dem Anfang „Jetzt“ einen wesentlich deutlicheren Umbruch erkennen: Der Wind fängt an zu wehen und bewegt die Baumwipfel. Es wird Nacht und der Mond geht auf. Die Metapher „Schattenbild der Erde“ (Z.14) wird vom Erzähler selbst in der gleichen Zeile als Mond erklärt. Dass „die Schwärmerische (...) die Nacht“ (Z.15) bedeutet, ist vom Satzbau und der Bedeutung her gleich klar ersichtlich. Aber dass die Nacht hier personifiziert wird als „die Erstaunende (...), die Fremdlingin“ (Z.17), womit wohl kaum der Mond gemeint sein kann und „über Gebirgshöhn traurig und prächtig“ (Z.18) heraufglänzt, ist ein wenig befremdlich. Vielleicht wird hier die Bedeutung von ‚Nacht’ und ‚Mond’ gleichgesetzt oder, da die Nacht „voll mit Sternen“ (Z.16) beschrieben wird, könnte man das auch als Glanz bezeichnen. Sie wird „die Erstaunende“ (Z.17) genannt, weil sie die Menschen erstaunt, sie kennen die Nacht nicht gut, weil sie so dunkel ist.
Im Gegensatz zu den ersten beiden Trias wird ein größerer Themen- und Stimmungswechsel deutlich. Es war Abend, fast plötzlich, sozusagen mit dem Glockenschlag in Zeile 11 bricht die Nacht herein. Möglich wäre auch, dass der Erzähler erst jetzt den Mond erwähnt, der „geheim“ gekommen ist, weil er ihn erst nicht bemerkt hat. Die Nacht ist zwar „wohl wenig bekümmert um uns“ (Z.16) aber doch „traurig“ (Z.18). Hier beginnt das Gedicht, mystisch zu werden. Wo anfangs zwar idyllisierte, aber zu der Zeit, in der das Gedicht geschrieben wurde durchaus realistische Szenen genannt wurden, nimmt es hier schon kosmische Züge an und die Situation wird unwirklich.

Die wenig bekümmerte aber traurige Nacht die so plötzlich in dem Gedicht auftaucht und einen solchen Gegensatz darstellt, wirkt ein wenig wie ein Fremdkörper, sie könnte über den vergangenen Tag trauern. Wenn man dieses Merkmal jedoch mit der Trauer um das Vergangene aus der zweiten Trias verknüpft, ergäbe es mehr Sinn: So würde es heißen, dass die Menschen, die jetzt scheinbar glücklich sind (erste Trias), dies aber nur der erste Eindruck ist (zweite Trias), früher mehr mit dem Himmel, mit dem Göttlichen (also mit Gott oder im griechischen Sinne mit den Göttern) verbunden waren und sich allmählich davon entfernen. Das würde auch zu einer Elegie passen (obwohl es nur ein Teil von ihr ist): Das Adjektiv elegisch bedeutet Trauer über einen unwiederbringlichen Verlust.

Das Gedicht von Friedrich Hölderlin Ringsum ruhet die Stadt

Rings um ruhet die Stadt

still wird die erleuchtete Gasse,

Und, mit Fackeln geschmückt, rauschen die Wagen hinweg.

Satt gehen heim von Freuden des Tages zu ruhen die Menschen,

Und Gewinn und Verlust wäget ein sinniges Haupt

Wohlzufrieden zu Haus; leer steht von Trauben und Blumen,

Und von Werken der Hand ruht der geschäftige Markt.

Aber das Saitenspiel tönt fern aus Gärten; vielleicht, dass

Dort ein Liebendes spielt oder ein einsamer Mann

Ferner Freunde gedenkt und der Jugendzeit; und die Brunnen

Immerquillend und frisch rauschen an duftendem Beet.

Still in dämmriger Luft ertönen geläutete Glocken,

Und der Stunden gedenk ruft ein Wächter die Zahl.

Jetzt auch kommet ein Wehen und regt die Gipfel des Hains auf,

Sieh! Und das Schattenbild unserer Erde, der Mond

Kommet geheim nun auch; die Schwärmerische, die Nacht kommt,

Voll mit Sternen und wohl wenig bekümmert um uns,

Glänzt die Erstaunende dort, die Fremdlingin unter den Menschen

Über Gebirgshöhn traurig und prächtig herauf.

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4.1 / 5 Sternen (14 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2001
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 25.11.16

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