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"Sind Klassiker etwa nicht antiquiert?" Aufsatz

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Hans-Joachim Grünwaldt fragt in der Überschrift: "Sind Klassiker etwa nicht antiquiert?" und provoziert damit sogleich den Leser zur Stellungnahme bzw. zur Selbstreflexion. Doch der Kommentar enthält nicht die Meinung des Autors, sondern setzt sich lediglich mit der Aktualität von klassischer Literatur auseinander. Er beschreibt, wie schwer es den Schülern fällt, die Klassiker zu verstehen und setzt sich für ihre Abschaffung ein. Obwohl die Argumentation schon 1970 erschienen ist, bleibt die Frage nach der Verbannung der Klassiker aus dem Deutschunterricht immer noch aktuell. Für Schüler steht fest, dass sie viel zu alt und realitätsfern sind und Grünwaldt nennt die Gründe dafür eindeutig. Bevor ich mich jedoch damit auseinandersetze, will ich zuerst den Text analysieren.

Die provokative Überschrift kann schon als Behauptung angesehen werden, aber die rhetorische Frage soll wohl doch eher nur dem "Einfangen" des Lesers dienen.

Im ersten Absatz stellt Grünwaldt seine Thesen dann richtig vor. Er beginnt mit dem Bild eines unter der Bettdecke lesenden Schülers, das nur ein Wunschtraum der Lehrer ist (Z. 1ff). Grünwaldt will mit seinem Artikel demzufolge die Lehrer kritisieren und zum Nachdenken anregen. Es folgt seine Hauptthese, dass junge Menschen mit klassischen Werken der Literatur wenig anzufangen wissen (Z.3ff). Mit Beispielen erläutert er den Gegenstand seines Kommentars. So beschreibt er zum Beispiel die spontane Ablehnung von Dichtungen, die vor der Jahrhundertwende geschrieben wurden (Z.8f). Mit dem Gebrauch von Anführungszeichen erzeugt Grünwaldt eine gewisse Ironie und zeigt damit Verständnis für die Schüler (Z. 4 „klassisch“, Z. 5 „wertvoll“, Z. 7 „Gebildete“).

Die folgenden Absätze dienen der Begründung der Thesen, die mit Beispielen die Nachvollziehbarkeit selbiger deutlich machen soll. Der zweite Absatz beschreibt, dass Jugendliche die alte Sprache nicht verstehen, weil sie ihnen zu kompliziert ist (Z.11ff). Die sprachliche Form ist dem Inhalt angepasst, sie enthält Inversionen und Fremdwörter (Z.13ff). Durch Inversionen werden die jeweiligen Aussagen betont (zb. „Häufig muss er“ Z. 12, anstelle von „Er muss häufig“). Die Konstruktion „das rhetorische Pathos“ (Z. 16) macht dem Leser klar, wie sich ein Schüler beim Lesen von Klassikern fühlt, nämlich hilflos. Mit der Antithese zwischen "kunstvoll" und "gekünstelt" (Z. 15) wird die klassische Literatur abgewertet und der Autor stellt sich scheinbar auf die Seite der Jugendlichen.

Im dritten Absatz wird Vergangenheit und Gegenwart gegenübergestellt (vgl. Z. 18-34) und somit gezeigt, dass sich ein Schüler nicht in die Zeit der Handlung des Buches hineinversetzen kann. Grünwaldt zählt auf, was vom Schüler erwartet wird und es wird klar, dass ein dermaßen umfassendes Wissen schwer zu erreichen ist („Er merkt, daß diese Literatur nicht für ihn geschrieben wurde" Z.18). Die Beispiele fasst der Autor ebenfalls in eine Aufzählung und verdeutlicht so ihre große Anzahl. Ein Schüler müsse sich als „freie[r] Grieche des 5. Jahrhunderts vor der Zeitrechnung“, „Ritter“, „bürgerliche[r] Staatsdiener" oder „kleinbürgerliche[r] Gebildete[r] des 19. Jahrhunderts" (Z. 29 - Z. 32) fühlen können. Das ist natürlich für die Allgemeinheit der Schüler in der Form nicht möglich, wodurch das Verständnis klassischer Texte weiter dezimiert wird.

Obwohl Grünwaldt in seinem Artikel nur Argumente gegen Klassiker bringt, ist es trotzdem nicht sinnvoll, sie aus dem Deutschunterricht zu verbannen. Bei genauer Betrachtung sind die Themen nämlich immer noch aktuell. Zum Beispiel ist die Religionsfrage, die in Lessings "Nathan der Weise" behandelt wird, noch immer nicht geklärt. Der Richter aus der Ringparabel verweist auf die Zukunft, in der sich die wahre Religion durch ihre Beliebtheit und Menschlichkeit zu erkennen geben wird. Allerdings ist das noch nicht geschehen und es werden immer noch Religionskriege geführt, wie zum Beispiel in Irland. Von Menschlichkeit ist dabei keine Spur zu entdecken. Die Menschen verhalten sich also immer noch nicht richtig. Die Lektüre von "Nathan der Weise" würde da vielleicht etwas ändern. Wenn die fanatischen Glaubenskämpfer lesen würden, wie Nathan, der Jude, ein Christenkind aufnehmen kann, nachdem seine Familie durch Christen getötet wurde, würden sie ihre Absichten vielleicht überdenken.

Durch die Lektüre von Klassikern kann man auch etwas über den historischen Hintergrund der Entstehungszeit erfahren. Im "Simplicissimus" von Grimmelshausen lernt man zum Beispiel, dass die Menschen in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges keineswegs gebildet waren. Der damalige Bildungsstandard war ein völlig anderer als heute. Im Geschichtsunterricht wird darauf nicht hingewiesen oder man kann es sich nicht vorstellen. Doch anhand des völlig absurd handelnden Simplicissimus Teutsch erkennt man, warum der Dreißigjährige Krieg nicht schon eher beendet wurde. Den Leuten fehlte einfach das Wissen um die Schrecken des Krieges.

Weiterhin gehören die Klassiker zur Allgemeinbildung. Sie sind ein Teil der Kultur und sollten nicht in Vergessenheit geraten. Sie zählen zum Nationalstolz, der in Deutschland ohnehin gelitten hat. Eine Besinnung auf die großartigen Werke deutscher Künstler könnte da Abhilfe schaffen. Doch dazu muss man sie kennen, also sollte sie zur Allgemeinbildung gehören und nicht aus der Schule verbannt werden, was Grünwaldt ja vorhat.

Man kann daher sagen, dass die Klassiker zwar wichtig und lehrreich sind, doch der Inhalt ist meist schwer zu erschließen. Die Sprache ist, wie von Grünwaldt erklärt, zum Teil unverständlich. Im Sonett von Gryphius "Es ist alles eitel" hat zum Beispiel das Wort "eitel" eine heute kaum bekannte Bedeutung.

Zudem entsteht schon durch das Aufzwingen in der Schule eine spontane Abneigung gegen die Klassiker. Die Schüler sind außerdem voreingenommen. Sie glauben, dass das Thema des Buches nicht mehr aktuell sein kann und versuchen erst gar nicht, den Inhalt zu erschließen, sondern wenden sich genervt ab.

So muss ich schlussfolgern, dass es keine Lösung gibt. Klassiker sind notwendig und gut, aber nicht in den Augen der Schüler. Doch auch wenn sie nur moderne Literatur vorgelegt bekämen, wären sie bestimmt nicht zufrieden. Das Lesen von Büchern gilt bei ihnen als altertümlich und langweilig. Es muss also zuerst das Interesse am Lesen gefördert werden, bevor man überhaupt über die Art der Literatur diskutieren kann. Also sollte der Deutschunterricht in erster Linie die Freude am Lesen vermitteln. Ob dabei Klassiker oder moderne Werke im Vordergrund stehen sollten, ist sekundär…

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4.4 / 5 Sternen (17 Bewertungen)
  • Autor: Tom Zeddies
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2007
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 05.08.16

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  • Max schrieb am 16.02.2014:

    Dankeee du bist ein Schatz <3

  • Moderator schrieb am 21.11.2010:

    Flüchtigkeitsfehler, vielen Dank!

  • herbert schrieb am 20.11.2010:

    bitte überprüfen, wer "Nathan der Weise" wirklich verfasst hat..

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