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"Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" Interpretation

Inhaltsverzeichnis

Degenhardt, Franz Josef: "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" Interpretation und Analyse, sehr umfangreich!

Übungsaufsatz Texterschließung: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, entählt partiell auch eine Inhaltsangabe (es wird klar und ersichtlich, worum es geht).

Gliederung:

A: Verspottung der bestehenden Gesellschaft
B: 1. Textimmanente Analyse
a) Inhalt
b) Lyrisches Ich / Zeitstruktur
c) Sprache
d) Metrik
e) Bildlichkeit

2. Literaturgeschichtliche Bedeutung

3. Interpretationsansatz
a) Biographischer Kontext
b) Geistesgeschichtlicher Kontext

C: Für heutige Jugend oft unverständlich

Gemäß dem Sprichwort "Laß das Vergangene vergangen sein" von Goethe, ruft der Liedermacher Franz Josef Degenhardt in seinem Lied "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" dazu auf, der traditionellen, konservativen Einstellung des Volkes zu widersprechen. Er spricht aber hierbei das Problem nicht direkt an, sondern verspottet nur die bestehenden Verhältnisse indem er alle negativen Seiten dieser Politik andeutet.

Das Lied "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" beginnt mit dem Refrain, der im folgenden Verlauf des Liedes am Ende jeder Strophe wiederholt wird. Der Refrain ist die ständig wiederholte übertriebene Aufforderung von Mutter, Vater und Pastor (vgl.5) an ihren Sohn. Der Angesprochene wird belehrt es wie die anderen zu machen und keine Ausnahme zu bilden (1ff).
In der ersten Strophe wird beschrieben, wie der Sohn sich nicht an das Verbot seiner Eltern hält, und deren wiederholte Moralpredigt (Refrain) nicht beachtet (5ff).
Die zweite Strophe handelt davon, dass der Sohn "doch in die Oberstadt" (3) zu seinen "Brüder [n] " (8) " [ge] trieben" (23) wird. Diese Behandlung zeigt ihre Wirkung und der Sohn verändert sich Stück für Stück zu dem Ideal seiner Eltern hin.
Der veränderte Zögling, nun schon selbst Vater, erzieht, in der dritten Strophe, seinem eigenen Sohn genauso, wie es seine Eltern seinerseits mit ihm getan haben (vgl. 38ff).
Nach einem schweren Autounfall, so wird in der vierten Strophe erzählt, ändert sich der Lebensstil des inzwischen alten Mannes drastisch. Nun versucht er die Kinder vor einem Leben in der Oberstadt abzuhalten (vgl. 60). Er bricht sogar bestehende Gesetzte (vgl. 63f); doch immer noch nicht wird er akzeptiert, denn nun verbieten ihm die "Schmuddelkinder" (66) selbst den Umgang mit Ihnen (vgl. 66ff).

Das Lyrische Ich des Liedes ist eindeutig erkennbar. Wird das Lied vorgetragen, dann wird die vollständige Lebensgeschichte eines Mannes von der frühen Kindheit an bis zum Tod erzählt. Der Zeitablauf ist dabei streng chronologisch, in jeder Strophe wird ein Lebensstadium des Mannes erzählt und abgeschlossen.
Die Sprache des Liedes ist sowohl einfach als auch verständlich, paßt sich aber ebenfalls weitestgehend an den Inhalt der jeweiligen Textstelle an. So kommen umgangssprachliche Redeweisen vor, als von den "Schmuddelkindern" (1) erzählt wird; wendet sich der Erzähler jedoch der "Oberstadt" (23) zu, sind keine umgangssprachlichen Ausdrücke mehr zu finden. In der ersten Strophe, in der das Leben in den Kaninchenställen beschrieben wird (vgl. 8ff.) wird von "Rattenfängerlieder [n] " (16) gesprochen. In der zweiten Strophe, als von der Oberstadt die Rede ist (vgl. 23ff), wird dieser Ausdruck durch das "bessere" Wort "Rattenfängerweisen" (26) ersetzt. Ebenso werden in der zweiten Strophe Fremdwörter, wie z.B. "par coer" (30) verwendet.

Das Lied besteht aus vier Strophen zu je 18 Versen. Obwohl die Strophen liedartig gestaltet sind, weisen die Verse innerhalb einer Strophe nicht immer die gleiche Länge auf. Der Versfuß ist durchgehend trochäisch mit bis zu sieben Hebungen pro Vers. Vorherrschend ist der Paarreim, jedoch sind Abweichungen vorhanden, z.B. "Kaninchenställe - spielten - Rattenfelle - schielten" (7ff.).

Auf Grund der einfachen Sprache sind Metaphern oder ähnliche bildliche Ausdrücke, die man erst deuten müßte, in dem Lied nicht vorhanden. Dennoch kann man sich als Hörer oder Leser des Liedes die einzelnen Begebenheiten sehr gut vorstellen. So hat man ein deutliches Bild bei "schnelle [n] Wagen und Musik" (48) oder wenn die "Katzen in der Sonne dösten" (12) vor Augen.

Die Form des Liedes ist der der Ballade sehr ähnlich. Auch hier handelt es sich um ein erzählendes, gereimtes Strophengedicht, das die Handlung in gedrängter Form wiedergibt. Das Lied zeigt aber auch deutliche Merkmale der politischen Lyrik der deutschen Nachkriegszeit. Franz Josef Degenhardt übt Kritik an der älteren Generation, die darauf besteht, dass alles so gemacht werden solle wie sie und die "Brüder" (4) es einst getan haben. Typisch an der deutschen Nachkriegsliteratur in Deutschland ist ja die Auflehnung gegen die ältere Generation, die unter anderem auch den zweiten Weltkrieg zugelassen hat.

In dem Lied sind mehrere Übereinstimmungen mit Franz Josef Degenhardts eigener Biographie zu finden. Degenhardt wuchs in einer "militant katholischen" Familie auf, und auch das Lyrische Ich des Liedes wird vom Pastor belehrt (vgl.5) und muß vor dem Essen beten (vgl.17). In der zweiten Strophe des Liedes geht es um das Studium des Mannes in der "Oberstadt" und auch Degenhardt absolviert ein ordentliches Studium in der berühmten Studentenstadt Freiburg. Ebenfalls ist Degenhardt Familienvater (vgl.Strophe III des Liedes) und lehnt sich schließlich gegen die althergebrachten Traditionen auf (vgl. IV).

Wie in der Einleitung schon angedeutet, ist das Lied dazu geschrieben, dass man nicht so handeln soll, wie die vorherigen Generationen. Man soll vielmehr die Lebensverhältnisse vollkommen verändern und sich von dem Ideal der Kirche und des Staates abwenden. Es soll nichts mehr vorgeschrieben werden und der Gegensatz zwischen Arm und Reich soll nicht noch vergrößert werden ("Spiel nicht mit den Schmuddelkindern...").

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4.4 / 5 Sternen (7 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2014
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 02.07.16

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