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Textinterpretation "das siebte Kreuz" zum Frauenbild Anna Seghers

Inhaltsverzeichnis

Hausaufsatz - Anna Seghers - Das siebte Kreuz - Texterschließung zum Thema Frauenbild in „Das siebte Kreuz“
von Anna Seghers

A Wenn man etwas über Anna Seghers hört oder etwas über sie liest, wird einem meist näher gebracht, was für eine tolle Frau sie wahr, so sagt auch Christa Wolf, eine Schriftstellerkollegin, über sie: „Ihr Leben hat einen vollen Klang, es ist ‚dicht besetzt‘, ein Ausdruck, den sie immer liebte.“. Anna Seghers hat in ihrem Leben sehr viel bewirkt und gearbeitet, deshalb kann man wirklich von einem „dicht bestzten“ Leben sprechen. Auch Marcel Reich-Ranicki sagte 1990: „Was immer wir in Zukunft über Anna Seghers erfahren sollten, unsere Dankbarkeit für ihre besten Bücher hat davon unberührt zu bleiben.“1 Doch im folgenden möchte ich ihre eigene Biographie mit dem Frauenbild in ihrem Roman „Das siebte Kreuz“ gegenüberstellen.

B Bevor wir uns jedoch der Biographie Anna Seghers widmen, wollen wir uns erst einen kurzen Überblick über das Buch machen: Anna Seghers beschreibt in „Das siebte Kreuz“ die Flucht von sieben Häftlingen. Im Besonderen wird die Aufmerksamkeit Georg Heisler gewidmet, dem siebten Flüchtling. Der Lagerkommandant Fahrenberg läßt Bäume zu Kreuzen kuppen, an denen nacheinander die ersten 5 Wiedereingefangenen aufgehängt werden. Übrig bleiben Heisler und Aldinger, dieser stirbt jedoch an Erschöpfung. Heisler versucht durch Kontaktaufnahme zu alten Freunden Hilfe zu bekommen. Doch keiner kennt ihn mehr. Letztendlich hilft ihm Paul Röder und Dr. Kress und er schafft es aus Deutschland zu fliehen. Fahrenberg erschießt sich und der neue Kommandant läßt die Kreuze verbrennen.

I. 1. „Die Erlebnisse und die Anschauungen eines Schriftstellers werden glaube ich, am allerklarsten aus seinem Werk, auch ohne [] Biographie“. Dies sagte einmal Anna Seghers. Aber wir gehen trotzdem auf ihre Biographie ein, da uns nicht ihr gesamtes Werk vorliegt; Angefangen bei ihrer Jugend- und Studentenzeit. Nach einer unspektakulären Jugend und erst dem Besuch einer Volksschule und danach einer Mädchenschule beginnt sie 1919 in Heidelberg zu studieren. Zu dieser Zeit ist sie noch sehr unschlüssig und weiß noch nicht, wo ihre wahren Interessen liegen. Das sieht man sehr gut an ihrer Fächerwahl an der Universität in Heidelberg: sie belegte Philologie, allgemeine Geschichte, Kunstgeschichte, Sozialtheorie des Marxismus und Sinologie. Was einen verwundern kann, dass sie als Frau in dieser Zeit studierte. Das war eher ungewöhnlich, da noch sehr viele Menschen konservativ dachten und meinten, dass „die Frau hinter den Herd gehöre“ und dass „der Mann das Sagen habe“. Daran sieht man, dass sie selbstbewusst ist, ihre eigenen Wege geht und nicht auf lang bestehende, aber ungeschriebene Regeln achtet. In ihrer Studentenzeit lernt sie einen ungarischen Immigranten kennen, den sie später auch heiratet. Sie war also auch offen gegenüber Nichtdeutschen. Das liegt wahrscheinlich auch an ihrer Religion, dem Judentum, die sie nicht verhehlt, sondern publik macht, indem sie ihre Dissertation zu dem Thema „Juden und Judentum im Werk Rembrandts“ schreibt und damit ihr Studium 1924 erfolgreich abschließt.

2. Vier Jahre nach diesem Abschluss, 1928, tritt sie in die KPD ein und macht so deutlich, auf welcher Seite sie politisch steht. Wieder ein Zeichen für ihr Selbstbewusstsein, ja eigentlich fast ein Andersseinwollen als andere Frauen, nämlich ihren eigenen zu Weg gehen und nicht an gesellschaftliche Regeln gebunden zu sein. Zu dieser Zeit hat Anna Seghers schon einiges geschrieben. Dabei beschäftigte sie sich fast ausschließlich mit Themen der unmittelbaren Gegenwart, dabei schwang immer leicht leise Kritik am System mit in ihren Werken, die sie so anbrachte, dass sie nicht sehr gefährdet war, eingesperrt zu werden. Ihr politisches Denken und Handeln hat also nicht vor ihrer Arbeit, dem Schreiben halt gemacht. Dies änderte sich langsam, als sie 1941, auf Grund ihrer jüdischen Abstammung, aber auch ihrer politischen Gesinnung, nach Mexiko ins Exil ging. Dort und ab 1947 in Berlin verlegte sie sich immer mehr auf ferne Orte, Zeiten oder Mythen. In der DDR, wo sie ab 1947 wohnte, ist sie bald eine hochgelobte Schriftstellerin. Dort steht sie voll und ganz hinter dem System, was aber angeblich unter dem Einfluss ihres linientreuen Mann Johann-Lorenz Schmidt gestanden haben soll, was aber nicht bewiesen worden ist. Künstlerisch verteidigt sie aber ihre Autonomie und wendet sich nach ihrem Roman „Die Überfahrt“, 1968 erschienen, wendet sie sich literarisch vollkommen von der DDR ab. Sie nimmt also nicht alles so hin, wie es kommt, sondern überlegt erst, ob es ihren Idealen auch entspricht. Äußerlich sah man, dass sie hinter dem System stand, aber wie war es innerlich? Da sie selbst sagt, dass „Die Erlebnisse und Anschauungen eines Schriftstellers [...] am allerklarsten an seinem Werk [klar werden] “, weiß man nur, dass sie weltoffener war als andere Bürger der DDR. Trotzdem stand sie politisch eindeutig im Osten, da sie sah, wie in Westdeutschland wieder Nazis aufstiegen. Eine resolute Frau, die weiß, was sie will. 

3. Auch ein augenscheinliches Stück ihres Charakters sind ihre Reisen. Sie reist gerne und viel, unter anderem nach England, Österreich... und des öfteren in die ehemaligen Sowjetunion, dies insbesondere in ihrer Zeit in der DDR nach dem zweiten Weltkrieg. Dies soll als Ausdruck ihrer Weltoffenheit und ihres Strebens nach der Erfahrung durch das Kennenlernen anderer Kulturen stehen. Zu der Stadt Paris fühlt sie sich besonders hingezogen, nicht nur, weil sie dort lebte und schrieb, sondern auch Freunde gefunden hatte. Nach dem Krieg, 1948, schreibt sie an Hannelore Wolf:
„[...] ich war jetzt in so vielen Ländern und Städten, [...] Paris ist für mich die einzige Stadt, die so geblieben ist, wie sie war. [...] Warum das so ist weiß ich nicht. Wir haben ja eigentlich dort alle Schweres erlebt.“2
Seghers hat doch noch Stücke einer alten Moral und Gefühle in sich. Sie ist zwar in Hinsicht auf einen festen Wohnsitz in der Heimat nicht gerade traditionell veranlagt, zeigt sich aber doch einigen, bestimmten Orten, mit denen sie etwas verbindet, gewogen, hat also nicht alle „alten Werte“ verloren. Sie reist nicht nur zu ihrem Vergnügen und zur Erkenntnisgewinnung, sondern auch sehr oft zu Schriftsteller- und anderen Kongressen. Dort informiert sie sich über das aktuelle Geschehen und kommt in Kontakt mit anderen Autoren, außerdem hat sie dort die Gelegenheit, ihre Bücher vorzustellen und so indirekt ihre Meinung kundzutun. Was ihr dann unter Hitler auch Probleme bereitet und sie gezwungener Maßen „reisen“ muss. Das missfällt ihr nur in politischer Hinsicht, da sie ja gerne neue Länder sieht.

II. 1. Die Frauen in Anna Seghers Buch „Das siebte Kreuz“ haben zu Reisen und fernen Ländern eine andere Einstellung. Sie leben alle eher in ihrer Heimat. Doch greifen wir uns einzelne Personen als Beispiele heraus. Anfangen möchte ich mit der Büroangestellten Elli Mettenheimer, Lieblingstochter eines Tapezierers und aus gehobenen Verhältnissen. Sie ist außerdem mit dem Flüchtling Georg Heisler liiert. Die Heirat war vor der Festnahme von diesem. Sie haben ein Kind, doch hält das Georg nicht ab, seine Frau zu verlassen und sich selbst zu überlassen. Doch sie entschließt sich nicht zur Scheidung, da ihr, wie vielen anderen damals, die Ehe sehr viel bedeutet. Sie hat auch schon Ansätze der Emanzipierung; sie heiratet gegen den Willen ihrer Eltern (vgl. „Das siebte Kreuz“ S. 95), hat überhaupt eine Arbeit und geht auch mal abends aus, obwohl sie noch verheiratet ist (S. 127). Außerdem beeindruckt sie durch ihr Aussehen, nicht nur das natürliche, sondern auch bewusst durch Schmuck betont, um zu beeindrucken: „Sie trug Korallenohrringe. [...] Die Korallen waren ja schön in ihrem Haar.“ (S. 71; auch S. 126). Auch wenn sie sich nicht immer nach den Regeln der Familie, in die sie als erwachsene Frau immer noch integriert ist, lebt, wird sie nicht ausgeschlossen und auch wieder ins Haus aufgenommen, wenn sie Probleme hat (S. 95). Diese Regeln wurden in der damaligen Zeit oft sehr ernst genommen. Eine dieser Regeln ist die, dass die Eltern über und ihre Kinder, insbesondere Töchter, alles bestimmen dürfen. So sagt einmal ein Kommissar zu Herrn Mettenheimer: „Sie haben es zugelassen, dass ihre Tochter diesen Heisler heiratet.“ (S. 95). Zu ihrer politischen Einstellung kann man nicht sehr viel sagen, nur dass sie stark hin und her überlegt, als sie erfährt, dass Georg geflohen ist, ob sie ihm helfen oder verraten soll. Sie ist also nicht vollständig vom System überzeugt.

2. Katharina Grabber ist ebenfalls berufstätig, sie „hat ein Fuhrunternehmen, ein Riesengeschäft, drei, vier Wagen“ (S.309). Also ist sie finanziell nicht am Boden und kann sich auch den Luxus leisten, ihre Arbeitnehmer auswählen. Sie sagt zu Paul, als dieser den Georg bei ihr unterbringen will: „Nimm ihn nur gleich wieder heim! [...] Mein Geschäft ist kein Siechenheim, [...] “ (S. 311). An dieser und anderen abfälligen Bemerkungen (z.B. „Der da?“; „Wird’s bald?“ (S.310); „Von mir aus kann er ganz wegbleiben! [...] Untersteh dich noch mal, mir ein solches Miststück [Georg] zu empfehlen!“ (S. 402) ) sieht man, wie selbstbewusst und herrisch sie ist, und dass sie sehr voreingenommen ist. Sie benimmt sich in ihrem Unternehmen so, wie sich damals und manchmal auch heute noch Männer in ihren Familien verhalten haben. Wenn man einen ihrer Befehle nicht befolgt, wird sie sauer: „[...] ‚hopp – hopp - hopp, zieh dich um.’ [...] Da fängt die Frau zu schimpfen an, dass es dampfte - minutenlang“ (S. 311). Dieses Gefühl der Unterwürfigkeit unter ihr bekommt man auch durch das Fenster ihres Büros, durch das man den ganzen Hof überblicken kann (vgl. S. 311f) und durch das sie ihre Befehle ruft. Wenn Georg „So en Weibsbild.“ (S. 312) sagt, kann da nur etwas wahres dran sein. Über ihre politische Gesinnung wird nichts ausgesagt, doch sieht man in ihrem Verhalten Parallelen zu dem eines typischen SS-Mannes, woraus man schließen kann, dass sie nicht gegen das System ist.

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3. Liesel Röder ist dagegen eine gute Hausfrau (S.306: „Liesel hatte [die Hand] ziemlich geschickt verpflastert [...], [den Stoff] hätte man noch Waschen können“) und die Ehegattin von Paul Röder, einem Mann, dem seine Familie über alles geht und der nur für seine Frau und Kinder lebt. Sie blüht in ihrer Familie auf und ebenfalls immer und nur für diese da. Sie holt Bier, wenn es von ihr verlangt ist (S. 307) oder mahlt Malzkaffee für ihre Kinder. Für Politik interessiert sich Liesel dafür nicht und auch nicht für das, was um sie herum passiert, sie will keine Konflikte und verhält sich passiv. Die Röders sind eine „typische“ Familie für die damalige Zeit, sie haben 3 Kinder und erwarten ein viertes. Außer in dem Punkt, als sie dem flüchtigen Georg helfen unterscheiden sie sich von anderen Familien. Als es herauskommt, dass Georg ein Flüchtling ist, gibt es sogar Unstimmigkeiten innerhalb der Familie. Paul würde Georg immer helfen, nimmt alles recht gelassen, doch für Liesel bricht ihre „heile Welt“ der gesetzestreuen Familie zusammen. Sie reagiert panisch und starrsinnig, „Liesel hatte zuerst geschimpft, ja getobt [...]. Dann hat sie begonnen zu jammern [...].“ (S. 317). Als man ihr sagt, dass eventuell auch die Polizei einen besuchen wird, geriet sie in Aufruhr und weinte wieder (S. 318). Dieses Thema des Weinens der Frauen tritt in dem Roman öfter auf, so flennte Liesel auch wieder, nachdem von sie von der Polizei verhört wurde (S. 401). Trotzdem zeigt sie Georg nicht bei der Polizei an, aus Angst um sich und ihre Familie. Sie möchte sich aber nicht viele Gedanken über ihre Angst machen und als sie sich mit Paul ausgeredet hat, ist sie froh ihre Familie wieder beisammen zu haben. Sie erkennt aber, wie schnell ihre "heile Welt" zerbrechen kann, will aber nicht darüber nachdenken und geht wieder zum Tagesalltag über. Auch durch das Verhör durch die Gestapo erleben Paul und Liesel eine schwere Bewährungsprobe ihrer Ehe, etwas, was sie noch nicht durchgemacht haben. Sie sind erschüttert über die Wucht der Ereignisse, aber sie gehen hindurch und bestehen sie - auch Liesel.

III. Wenn man wenige Ausnahmen ausnimmt, kann man sagen, dass Anna Seghers die Familiensituation in der Zeit des Dritten Reiches so sieht, dass ein Ehemann und die damit verbundenen Kinder für eine Frau obligatorisch sind, sogar wenn die Frauen einen Beruf ergreifen, wie es bei ihr selber der Fall war. Obwohl berufstätige Frauen eher eine Seltenheit waren - die meisten kümmerten sich um das Haus, während der Mann arbeitete -, war Anna Seghers berufstätig und dabei auch noch sehr erfolgreich. Auch kommt keine der Frauen in dem Buch so in der Welt herum, wie Anna Seghers, sie sind alle sehr heimatsliebend und müssen auch nicht aufgrund ihrer politischen Gesinnung oder ihrer Religion fliehen, weil keine Frau eine eigene politische Einstellung hat, sondern sich meist dem anschließt, das ihr Mann denkt. Und man so nicht merkt, was die Frauen wirklich denken und diese so als größtenteils systemtreu oder -neutral gelten. Auch hat keine eine solche Ausbildung genossen, wie Anna Seghers, da man nach damaliger Sicht ein Studium nicht benötigt, um Mann, Haus und Kinder zu versorgen. Im großen und ganzen gibt es vieles, aber nicht alles, bei dem sich das Frauenbild in „Das siebte Kreuz“ und die Biographie Anna Seghers unterscheiden.

C Anfangs haben wir schon erfahren, was heutzutage über Anna Seghers gedacht wird. Doch wie war es zu ihren Lebzeiten? Im Dritten Reich war sie zwar anfangs geduldet, aber bei weitem nicht beliebt. Sie gab aber nicht auf und schrieb auch im Exil weiter, so auch „Das siebte Kreuz“, wodurch sie heutzutage so beliebt ist. In der DDR war sie dann eine hoch geachtete Schriftstellerin, weil sie die „richtige“ politische Einstellung hatte und diese auch teilweise in ihre Bücher mit einband. Es war also selbstverständlich, dass sie in Westdeutschland nicht sehr gemocht wurde, aufgrund der damaligen Situation mit dem Kalten Krieg. Ungerechtfertigter Weise wurde diese großartige Schriftstellerin lange bei uns verpönt.

Verwendete Literatur:
1.Primärliteratur:
Seghers, Anna: Das siebte Kreuz, Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin, 1946, 16. Auflage 2001

2. Sekundärliteratur:
Internet:
- http://www.mdr.de:
2:http://www.mdr.de/online/kultur/inhalt_kultur_hintergrund_39466@39480@.html

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2009
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 17.07.16

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