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Tod in Venedig von Thomas Mann - Inhaltsangabe

Inhaltsverzeichnis

Der folgende Text behandelt das Werk "Tod in Venedig" anhand einer Inhaltsangabe und Zusammenfassung desselben sowie einige Ansätze zur Interpretation von "Tod in Venedig". Selbstverständlich auch als Referat brauchbar!

Thomas Manns "Tod in Venedig" wird beim Lesen sehr detailliert beziehungsweise zu umfassend aber zugleich auch unterhaltend empfunden. Setzt sich der Leser mit dem Werk auseinander, so stellt er fest, dass Mann in seinem Schreibstil oft Mythologie, Symbole und Schlüsselszenen verwendet. Das 1913 geschrieben Buch umfaßt fünf Kapitel, die Straßenmusikerszene ist im letzten Teil von "Tod in Venedig" zu finden.
Der Straßenmusikerszene ist folgendes vorausgegangen: Aschenbach trat eine Erholungsreise nach Italien an. Mann füllte seine Zeilen zu "Tod in Venedig" mit Todesandeutungen und anderen mysteriösen Erscheinungen. Der alte Aschenbach erlebt einen zweiten Frühling, als er sich in Tadzio verliebt. Ich möchte vorausgreifen, dass der 14jährige Knabe ebenso ein Todeszeichen ist. Aschenbach weiß, das in Venedig die Cholera ausgebrochen ist, doch er kann und will nicht aus Tadzios Nähe weichen.

Eines Abends sitzt der verlebte Aschenbach auf der Terrasse des Hotels das er bewohnt und lauscht den Klängen von Straßenmusikern. Er trinkt ein Glas "rubinrot im Glase funkelnden" Granatapfelsaft. Dieser Saft ist schon das erste Symbol. Der Apfel gilt, durch die feuerroten Blüten seines Baumes als Zeichen für die Liebe. Jedoch spielt für Mann auch Farbsymbolik eine große Rolle. Diese blutrote Farben, die einem sofort ins Auge sticht, steht in der nordischen Mythologie für drohendes Unheil, oder sogar Tod. Aschenbachs Getränk vereint also zwei vollkommene Gegensätze. Doch Aschenbachs Liebe zu Tadzio überragt, und selbst im Tod würde er diesen nicht als schrecklich empfinden. Es folgt eine genaue Beschreibung der Musikanten, sowie Aschenbachs persönliche Eindrücke von diesem. Er empfindet ihre Lieder als vulgär, aber gleichzeitig ist er begierig auf die Melodien des Ensembles. Wieder ist das ein Gegensatz und es spiegelt Aschenbachs Seelenzustand wider: einerseits ist er von sich selbst angeekelt, dass er einen jungen Mann, Tadzio, liebt. Andererseits kann er sich gegen seine Gefühle nicht wehren und verlangt ständig nach dessen jungen Körper. Einer der Straßenmusiker löst sich immer wieder von der Gruppe. Später wird er noch genau beschrieben. Offensichtlich ist, dass dieser eine Gitarre trägt. Im Duden findet man unter "Harfe": "Vorgänger von allen Saiteninstrumenten [...] in der Mythologie wurde der Tod oft durch Harfenklänge begleitet..." Das Instrument des Spielenden ist wieder ein Todesbote. Der Musikant bringt den Rest seines Publikums immer wieder zum Lachen, nur einer lacht nicht. Es ist Aschenbach, denn seine Aufmerksamkeit gilt ausschließlich Tadzio. Dessen Anwesenheit bei dieser Szene ist auch symbolträchtig: er trägt einen weißen Anzug. Weiß steht in der Farbmythologie für ein sich anbahnendes Unheil.

Tadzio begleitet den alten Mann sozusagen in den Tod und "zwingt" den ihn regelrecht, allein durch seine Anwesenheit und Anzugskraft auf Aschenbach, auf der Terrasse zu bleiben. Nach einer kurzen Reflexion der Geschehnisse der letzten Tage, beziehend auf Tadzio, folgt eine ausführliche Beschreibung des seltsamen Tonkünstlers. Aschenbach bezeichnet diesen als "Bariton - Buffo". Ein Bariton - Buffo ist ein Interpret von komischen Melodien und Lieder, der zwischen Baß und Tenor singt. Da dieser Musiker keine feste Stimmlage hat ist er zwiespältig - auch in Bezug auf sein Verhalten. Einerseits versteht er es sein Publikum zu begeistern, andererseits verhöhnt er es ständig. Aschenbach sieht den Sänger als mageren, ausgemergelten und schäbigen Rothaarigen. Die Beschreibung des Aussehens paßt genau auf Charon, den er in seiner Heimat sah, sowie auf den Gondoliere in Venedig. Diese beiden Männer sind Todesboten gewesen, genauso wie jetzt der Musikant. Sein dünnes und klappriges Erscheinungsbild erfüllt die Vorstellung des Todes.

Des Gitarristen schäbige Bekleidung ist vermutlich auf den Zerfall des Körpers zurückzuführen. Es ist möglich, dass die verrotteten Kleidungsstücke eine Warnung an Aschenbach ist, denn paßt dieser nicht auf und hält sich in seiner Zuneigung zu Tadzio nicht zurück, so wird er genauso elend zugrunde gehen. Der Musiker hat rote Haare und rote Augenbrauen. Rot verheißt, wie schon erwähnt, den Tod. Eine Zwiespältigkeit ist der Sprechgesang des Gauklers - einerseits spricht er, anderseits wird es als Gesang empfunden. Ein Sprechgesang, heute auch Rap genannt, wird sehr schnell gesprochen und wirkt daher oft wie eine Beschwörung. In diesem Falle ist es eine Beschwörung des Seltsamen auf seine Zuhörer. Aschenbach empfindet ihn als "brutal und verwegen, gefährlich und unterhaltend [...] schlüpfrig [...] zweideutig [...] anstößig". Er merkt also selbst, dass dieser Mann außergewöhnlich ist. Ob positiv oder negativ kommt jedoch nicht heraus. ".. hagerer Hals [...] bleiches, stumpfnäsiges Gesicht [...] Grinsen [...] Furchen... " so beschreibt Aschenbach den Musikanten beim Zweiten mal. Es fällt auf, das diese Einschätzung viel intensiver ausfällt als beim ersten Mal. Daraus läßt sich schlußfolgern, das ihn der Seltsame in irgend einer Weise beschäftigt. Doch deuten kann er es nicht, das er das Angesicht des Todes vor seinen Augen hat stellt er jedoch nicht fest. Er findet lediglich die Atmosphäre verdächtig. Immer vehementer werdend gaukelt der Seltsame vor seinem Publikum, wobei Aschenbach bemerkt, dass dieser nach Karbol riecht. Er weiß ja, das in Venedig die Cholera ausgebrochen ist. Die Seuche ist nun schon soweit vorangeschritten, dass die ganze Stadt desinfiziert werden muß. Das Karbol verschleiert somit den Tod und macht ihn für Aschenbach unkenntlich. Der Musiker läßt sich nun für seine Späße bezahlen und seine Gäste spenden auch ohne zu zögern.

Die Szene ist der Gondelfahrt sehr ähnlich, denn der Gondoliere, Charon, verschwindet sofort nach dem Ausstieg Aschenbachs aus dem Boot, als dieser lediglich Geld tauschen wollte. In dieser Szene hat sich Charon noch nicht entlohnen lassen, doch in der Straßenmusikerszene läßt er sich für sein makaberes Werk bezahlen. Abschließend folgt ein Lied mit eindringlichen "Lachrefrain". Das Stück selbst hat einen unverständlichen Dialekt, welcher ein Sich-lustig-machen der Musiker über die Bewohner des Hotels, also die "High-Society", das sie ihre eigene Dummheit nicht erkennen. Letztendlich haben sie für Hohn und Spott über sich selbst gezahlt. Selbst Aschenbach empfindet das Lachen als ein einziges Hohngelächter. Auf den Rest der Gesellschaft mag es wie ein lustvolles Lachen aus tiefsten Herzen klingen. Schon allein daran wie Mann den Lachchor beschreibt, merkt man wie ironisch, regelrecht zynisch, die Szene gemeint ist. "Schluchzen [...] Stimme schwankt [...] preßt die Hand gegen den Mund [...] verzog die Schultern [...] unbändiges Lachen..." Alle Lachen mit dem "Tod", nur Aschenbach nicht. Es wirkt als ob die gesamte Sippschaft Aschenbach auslacht.

Er erkennt aber die schrecklich Situation, denn er sitzt "aufgerichtet wie zu einem Versuch der Abwehr oder Flucht". Er will dich dem Bann entziehen, doch er kann nicht. Der Karbolgeruch, das Gelächter und nicht zuletzt Tadzio verzaubern ihn regelrecht. Alle negativen Umstände werden von Aschenbach nicht mehr erkannt, denn es scheint, als ob ihm durch Tadzios Anwesenheit alles egal ist. Er will bei ihm bleiben, auch als er feststellt, dass der Knabe beginnt zu kränkeln. Er beschreibt seine Gefühle regelrecht als Rausch und Sehnsucht. Diese Stelle Demaskiert dem Gaukler, denn er hat die ganze Zeit das Dyonische verkörpert. Aschenbach hat sich dem Rausch, also Tadzio, hingegeben.
Die Straßenmusikerszene ist die motivträchtigste Passage der Novelle. Sie ist regelrecht eine dämonische Vollendung des Rausches. Aschenbach ist alles egal, denn er hat nur einen im Sinn: Tadzio. Er nimmt um sich herum gar nichts mehr wahr, so sehr ist er dem schrecklich - schönen Dyonisischem verfallen. Selbst in der Schlußszene empfindet er den Tod nicht mehr als furchtbar, denn er ist nicht am Alter zugrunde gegangen, sondern an seiner widersinnigen Liebe zum jungen Tadzio.

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4 / 5 Sternen (1 Bewertung)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2002
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 16.10.16

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