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"Utopia" Zusammenfassung und Interpretation (Referat)

Inhaltsverzeichnis

Im Folgenden eine ergänzende Belegarbeit zum bereits vorgetragenen Referat des Romans "Utopia" von T. Morus. Es enthält neben einer Zusammenfassung und Inhaltsangabe, auch Ansätze zur Interpretation, Charakterisierungen der Figuren,  Stilmittel etc. sind vorhanden.

Gliederung:

1. Inhaltsverzeichnis 2
2. Einleitung
2.1 Aufbau und Ziel der Untersuchung 3
3. Die Person Thomas Morus
3.1 Vita activa oder vita contemplativa? - Das Leben des Thomas Morus 4
3.2 die Familie Morus 7
3.3 Aktivitäten, Werke und Schriften des Thomas  Morus 9
4. Die Utopia
4.1 Eine ausführliche Einführung in den Text der Utopia 13
4.2 Rahmenhandlung 18
4.3 Entstehung und Aufbau der Insel Utopia 20
5. Schlusswort 22
6. Anhang
6.1 Darstellungen der erwähnten Orte und Persönlichkeiten
6.1.1 Thomas Morus, Erasmus von Rotterdam 23
6.1.2 Doppelportrait Morus als Kanzler und als Märtyrer, Morus auf dem Weg zur Hinrichtung, Morus Zelle im Tower 25
6.1.3 Alice Morus (Middleton), John Morus, Cecily Morus (Heron), Ann Cresacre, Elizabeth Morus (Dauncey), Margaret Giggs 28
6.1.4 Blick auf die Utopia 34
7. Quellenverzeichnis 35

2. Einleitung

2.1 Aufbau und Ziel der Untersuchung

Im Rahmen dieser Arbeit werde ich mich mit dem politisch engagierten Gelehrten Thomas Morus auseinander setzen, wobei sich meine Untersuchung sowohl mit der Person des Thomas Morus – seine Familie, sein Leben – als auch mit seinen Aktivitäten und Schriften beschäftigen soll.

Besonderes Augenmerk fällt hierbei auf die „Utopia“, das wohl bekannteste Werk des Autors in der heutigen Zeit.
Diese Begrenzung des Themas resultiert aus der gegebenen Aufgabenstellung und ist sinnvoll, da eine Analyse des Gesamtschaffens den geforderten Rahmen einer Facharbeit weit übersteigen würde.

3. Die Person Thomas Morus

3.1 Vita activa oder vita contemplativa? Das Leben des Thomas Morus

Der politisch engagierte Gelehrte Thomas Morus, dessen Name in späterer Zeit von More in Morus lateinisiert wurde, wurde vermutlich am 6. Februar 1478 in London geboren. Jedoch ist dieses Datum nur teilweise bestätigt, andere Möglichkeiten wären das Jahr 1477 und der 7. Februar.
Seine Grundausbildung erhielt er in der St. Anthony School unter Aufsicht des Lehrers Nicholas Holt. Zur weiteren Förderung wurde er von seinen Eltern als Page in den Haushalt des Lordkanzlers, Erzbischof von Canterbury und späteren Kardinals John Morton übergeben. Dies stellte zur damaligen Zeit eine Sitte der Engländer dar, man erhoffte sich so ein höheres Maß an Bildung, Züchtigung und Erfahrungssammlung für seine Kinder zu ereichen.
Das Mündel Morus wurde mit 14 Jahren auf das Drängen seines Vormunds zum Studium nach Oxford, vermutlich auf das Canterbury College, geschickt. Vormund Morton hoffte vermutlich, dass der junge Morus eine geistliche Laufbahn nach diesem Theologiestudium einschlagen würde. Der leibliche Vater Morus' unterstützte seinen Sohn in keiner Weise und rief ihn schließlich zurück in seine Heimatstadt London. Er erwartete von dem 18jährigen ebenfalls eine Karriere als Jurist einzuschlagen und schließlich begann dieser seine juristische Ausbildung am New Inn, einer weniger bedeutenden Rechtsschule. Erst nach einiger Zeit erhielt er die Zulassung für die renommierte Rechtsschule Lincoln' s Inn.
Die besondere Neigung Mores jedoch galt den humanistischen Studien aller Art, so dass der Zeitabschnitt zwischen Jurastudium und der ersten Heirat im Januar 1505 für seine Entwicklung eine zugleich entscheidende und schwere Phase des Lebens darstellte. Der junge Mann wurde hin- und hergerissen zwischen seinen philosophischen, theologischen, schriftstellerischen Neigungen und Talenten einerseits und andererseits dem Wunsch des Vaters, durch das Jurastudium einen „Brotberuf“ zu erlernen.

Fortsetzung des "Utopia" Referats Thomas Morus' und  Zusammenfassung mitInterpretation wie folgt: Ein weiteres Problem resultierte aus dieser Unschlüssigkeit, nämlich entweder dem aus einem aus Frömmigkeit und Religiosität entsprungenem Begehren nachzugeben und in ein Kloster einzutreten, oder sich für eine weltliche Laufbahn und somit für eine Ehe, Familie und Kinder zu entscheiden. Schließlich motivierten ihn Freunde wie Grocyn, Linacre und Erasmus von Rotterdam zu einem Leben als Anwalt, Politiker und Ehemann.
Erasmus von Rotterdam als Vertreter einer gänzlich neuen Sichtweise, nämlich der Darstellung des klösterlichen Lebens als überholte Form der christlichen Lebensführung, lenkte Morus (vermutlich durch sein Werk „Enchiridion“) ab von der klösterlichen Richtung des Lebens. Von Rotterdam war der Ansicht, dass Klöster ursprünglich ein
Zufluchtsort vor einer korrupten, feindlichen Umwelt gewesen seien, nun da aber ein christliches Leben in der Gesellschaft möglich sei, stellt eine reine treue Ehe keinerlei Widerspruch zum Keuschheitsgelübde dar, so hebt er in einem Brief an Hutten hervor, dass Morus „lieber ein reiner Ehemann als ein unkeuscher Priester“ sein solle, denn das Bild des hurenden Bischofs, des Völlerei frönenden Mönchs und des lasterhaften Priesters stellte zu dieser Zeit keine Fiktion dar.
Dies wird auch von Morus selbst anerkannt, er äußerte sich wie folgt:
„Ich weiß wohl, dass es unter ihnen viele sehr lasterhafte und nichtswürdige gibt (...) Es gab eine Zeit, als nur wenige Männer das hohe Amt des Priesters auf sich zu nehmen wagten (...) Nun kommt jeder Halunke daher und bietet sich frech selbst als dazu befähigt an“
Um nicht schließlich selbst in diese Gruppe gedrängt zu werden prüfte sich Morus zwischen Ende 1499 und Ende 1503 unter den Kartäusermönchen im Charterhouse of London.
Die Kartäusermönche als katholischer Eremitenorden, der nach dem Grundsatz der Beschaulichkeit lebt, wurde 1084 in der Wildnis der Grande Chartreuse bei Grenoble gegründet. Im 14. und 15. Jh. erlebte der Orden der Kartäuser seine Blütezeit.
Morus jedoch teilte dieses Leben nur soweit seine Tätigkeit als Anwalt und auch sein Rechtsstudium nicht davon beeinträchtigt wurden, denn ein absolutes Leben in Einsamkeit war ihm durch dieses Engagement nicht möglich. Dennoch prägte ihn diese Zeit enorm. Letztlich entschied er sich aber für einen Mittelweg, den Walter Hilton in seinem „Ladder of Perfection“ beschreibt.
„Du sollst darauf achten, und es klug einrichten, dass deine Angelegenheiten und weltlichen Dinge wohl verwahrt werden (...) Ein anderes Mal sollst du die Geschäfte der Welt fliehen und zu Füßen unseres Herrn niedersitzen und in Demut, in Gebeten und in heiligen Gedanken und in Kontemplation über ihn verharren, sowie es eine Gnade gibt (...) Und so sollst du von dem einen zum anderen gehen (...) und beides erfüllen, und dann hältst du gut die Ordnung der Nächstenliebe.“
Den ausschlaggebenden Grund für diese Entscheidung bot laut Briefen des Erasmus von Rotterdam, die Sehnsucht des Thomas Morus nach einer Frau und einer Familie.

3.2 die Familie Morus

Thomas Morus heiratet im Jahre 1505 die siebzehnjährige Jane Colt und lässt sich mit ihr im Londoner Stadtteil Bucklersbury nieder. Er versuchte der 10 Jahre jüngeren Frau die Musik als auch die Literatur näher zu bringen, da er diese Künste bzw. die Neigung zu diesen für die wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde Lebensgemeinschaft hielt, auch unterrichtete er sie in Latein einer (stark) verbreiteten Sprache zu dieser Zeit. In kurzen Abständen wurden dem Ehepaar vier Kinder geboren, zunächst Margaret im Oktober 1505 und schließlich in den folgenden Jahren Elizabeth (1506) und Cecily (1507). Der einzige Sohn, John, erblickte 1509 das Licht der Welt. Jedoch stirbt Jane, die erste Frau vermutlich im Kindbett im Jahre 1510.
Thomas Morus heiratet nur kurze Zeit später eine um sieben bis acht Jahre ältere Frau namens Alice Middleton, eine Witwe mit gleichnamiger Tochter.

Er benennt sie stets mit einer Art Kosenamen, der allerdings einen etwas seltsamen Beiklang innehat, namentlich „nec bella nec puella [weder schön noch Mädchen] “, lässt ihr aber dennoch viel Aufmerksamkeit zukommen. Alice Middleton selbst war sowohl bekannt für ihre scharfe Zunge als auch für ihre Schlagfertigkeit und machte aus Morus Haus ein Heim in dem Toleranz und Frohsinn herrschte.
Jedoch hatte sie anfänglich ein großes Problem die Freunde ihres Mannes zufrieden zu stellen, da sie aufgrund ihrer mangelnden Lateinkenntnisse nicht befähigt war an Diskussionen und Debatten teilzunehmen und auch im alltäglichen Tagesablauf unter Verständnisschwierigkeiten zu leiden hatte. Erasmus von Rotterdam zum Beispiel machte sich nie die Mühe die Muttersprache des jeweiligen Gastlandes zu erlernen und kommunizierte stets in der lateinischen Sprache.
Erst nach einiger Zeit im Hause Morus etablierte sie sich in gewissem Sinne und erlangte schließlich durch ihren Frohsinn Ansehen und Respekt bei den Gästen ihres Ehemanns.
Diese Gäste unterrichteten stets die im Hause Morus anwesenden Mündel, Thomas Morus selbst verglich seine „Schule“ oftmals mit der Akademie Platons.
Unter den unterrichteten Mündeln waren zum Beispiel Ann Cresacre, Tochter und Erbin Edward Cresacres, die später John Morus heiratete, Giles Heron der spätere Ehemann der Tochter Cecily, Frances Saverton eine Nichte Morus' und schließlich auch die eigenen Enkelkinder. Das Hause Morus also, war stets von Leben erfüllt, so wie es sich Morus laut seinem guten Freund Erasmus von Rotterdam erträumt hatte.
Morus führte eine reine Ehe, so wie es einerseits in dieser Zeit gefordert wurde und andererseits von Morus selbst vertreten werden konnte.
Letztlich also fand Thomas Morus in diesem Lebenswandel seine Erfüllung.

3.3 Aktivitäten, Werke und Schriften des Thomas Morus

Die ersten Gedichte des Thomas Morus „Nine Pageants“, Book of Fortune“, „A Rueful Lamentation“ und „A Merry Jest“ werden 1499 von dem damals etwa 21jährigen in englischer Sprache, nicht wie zum Beispiel später die Utopia in lateinischer verfasst. Zwei Jahre später erhält Thomas Morus die Zulassung zum Barrister und hält erste Vorlesungen, diese behandelten vorrangig Augustins „De civitate Dei“.
1504 wird Thomas Morus zum Mitglied des Parlaments für London erwählt und erregte dort durch sein rhetorisches Geschick viel Aufmerksamkeit. Er vertrat die Interessen des Parlaments konsequent und zog so den Unmut Heinrich VII. auf sich, da er gegen dessen Geldforderungen opponierte. Dem jungen Gelehrten wurde bereits zu diesem Zeitpunkt von anderen Parlamentsmitgliedern eine große politische Karriere vorausgesagt, hielt sich jedoch während der Regentschaft Heinrich VII. vom Hofe fern.
Morus hoffte wie zahlreiche andere humanistisch eingestellte Persönlichkeiten auf den Thronfolger von Heinrich VII, Heinrich VIII. Jedoch hegte dieser stärkere Interessen für die Jagd als für die Belange der Innenpolitik und strebte nach Ruhm, welchen er durch Kriege erwerben wollte. Heinrich VIII. ließ seinem Berater und späteren Lordkanzler Thomas Wolsey freie Hand zu einer harten Steuerpolitik.
Kurz nach der bereits erwähnten ersten Heirat mit Jane Colt im Jahre 1505 übersetzt Morus in Zusammenarbeit mit Erasmus von Rotterdam die Dialoge Lucians, eines der bekanntesten Werke der damaligen Zeit. Nur 4 Jahre später ernennt man Morus zum Under Sheriff von London, was zwei Jahre später zur Ernennung als Reader im Lincolns Inn, seiner früheren Ausbildungsstätte führt. Ein Jahr zuvor fertigt Morus eine Übersetzung der Lebensbeschreibung des Pico della Mirandola an.
Durch die schnellen beruflichen Erfolge (z.B. Ernennung zum Reader) gelangt Morus schließlich an den Hof. Er galt in seinem Engagement als so unbestechlich, gerecht und ehrgeizig, dass ihn Erasmus von Rotterdam als „omnium horarum“, was hier so viel bedeutet wie „Mann für jede Jahreszeit“ bezeichnete. Jedoch ist diese Aussage ambivalent zu betrachten.

Einerseits als Lob und andererseits als Beschreibung der Anpassungsfähigkeit des Thomas Morus, der seine Ansichten zwar stets beibehielt, jedoch nur selten sofort öffentlich bekundete. Diese Art Vorsichtsmaßnahme förderte die Karriere Morus schließlich.
1513 verfasst er zunächst das Leben König Richards III. und anschließend das Eduards V. Schließlich im Mai 1515 wird der königliche Gesandte nach Brügge in den Niederlanden geschickt, wo es im September zu einem Aufenthalt in Antwerpen kommt, wo Morus das zweite Buch der „Utopia“ verfasst.
Vier Monate später kehrt Thomas Morus nach England zurück, verfasst am Anfang des Jahres 1516 das erste Buch der „Utopia“ und schließlich im Mai die Vorrede.
Morus vertraut auch bei dieser Arbeit seinem Freund von Rotterdam und übersendet ihm das Manuskript am 3. September. Nur kurze Zeit später (1517) nimmt Morus abermals an einer Gesandtschaft, diesmal nach Calais teil. Im August desselben Jahres wird Morus Mitglied des königlichen Rates, und wird immer mehr mit Vermittlungs- und Botendiensten zwischen Heinrich VIII. und Thomas Wolsey betraut. Sowohl der König, als auch der mächtige Kardinal schätzten ihn zu dieser Zeit sehr. So wird Morus 1521 zum Ritter geschlagen und zum Under Tresurer ernannt, wobei dies natürlich verbunden war mit dem Rücktritt als Richter des Court of Request.
Nach einer abermaligen Gesandtschaft nach Brügge und Calais ist schließlich klar, dass es von nun an die Aufgabe des Thomas Morus sein wird die Finanzpolitik des Königs zu lenken und somit die wesentliche Verantwortung darüber zu übernehmen. Nach zwei Jahren, im Jahre 1523, aber wechselt Morus die Seiten, indem er zum Sprecher des Unterhauses ernannt wird. Der Kardinal beschwert sich von nun an fortwährend über den neuen Vertreter des Unterhauses, da dieser getreu seiner Prinzipien die Interessen des Parlaments mit vollem Engagement vertat. Des weiteren verfasst Morus in diesem Jahr einige Schriften gegen Luther, einen Unterstützer der protestantischen Kirchenbewegung, allerdings tut er dies lediglich unter dem Pseudonym Guilelmus Rosseus. Ab diesem Zeitpunkt ergänzen Schriften und Reden Morus sein politisches Bestreben. Doch auch die Schrift gegen Luther, in den Augen des streng gläubigen Morus ein Ketzer, tut dem Aufstieg des Gelehrten keinen Abbruch.
So wird Thomas Morus 1524 zum High Stewart der Universität Oxford ernannt, wodurch er mehr und mehr akademische Aufgaben zusätzlich übernimmt. Diese ergänzen sein privates Bestreben zur Ausbildung seiner Angehörigen und Mündel natürlich beträchtlich. 1525, im darauffolgenden Jahr, wird er zum Kanzler des Herzogtums Lancaster ernannt und bereits im darauffolgendem Jahr zum Richter an der Star Chamber, eines der angesehensten Gerichte Englands.
Bereits im Jahre 1527 ist der Ruhm Morus' über ganz Europa verbreitet, so dass der Zeichner und Maler Hans Hohlbein, als auch Hans Holbein d.J. schließlich im Hause Morus als regelmäßige Gäste anzutreffen sind und Gemälde der gesamten Familie als eine Art Gastgeschenk anfertigen.
Abermals verfasst Morus eine Schrift gegen Luther, der „Dialog“ gegen den verhassten Häretiker, aber auch gegen Tyndale entsteht zwei Jahre nach seiner Ernennung zum Kanzler des Herzogtums Lancaster. Am 25. Oktober 1529 wird Morus schließlich zum Lord High Chancellor, hiermit erreicht er den Höhepunkt seiner Karriere, tritt jedoch drei Jahre später, 1532, vom Amt zurück.
Grund dafür bot letztlich das Bestreben Heinrich VIII., welcher sich von seiner Frau Katharina von Aragon scheiden lassen wollte, da diese ihm nur Töchter gebar und anschließend eine zweite Heirat mit einer jüngeren Frau durchführen lassen wollte.
Allerdings musste der Papst zur Lösung der ehelichen Verbindung sein Einverständnis geben, jedoch der Neffe der Katharina von Aragon, Kaiser Karl V., verhinderte dieses Unterfangen aufgrund seines großen Einflusses auf den Papst.
Aus diesem Geschehen heraus erkannte Heinrich VIII. nun fundamentale Gleichheit seiner Interessen mit den Interessen Luthers, nämlich die Infragestellung der päpstlichen Vorherrschaft.
Morus selbst war zu dieser Zeit als Publizist heftig in der religiösen Auseinandersetzung innerhalb Englands verwickelt. Er ging publizistisch – und so weit es ihm möglich war – administrativ und strafrechtlich gegen die maßgeblich von Luther beeinflussten immer größer werdenden Gruppe der Häretiker vor.

Dennoch vermied er es zum Verhalten des Königs in kirchenpolitischen Fragen Stellung zu nehmen. Morus jedoch wurde schließlich in den Prozess der Nonne von Kent verwickelt. In diesem trat ein geistig verwirrtes Mädchen in einen Konvent ein und drohte dem König von England, Heinrich VIII., und auch seinem Land in ihrer vorgetragenen Prophezeiung Unheil an, sollte er nicht von seinen neuerlichen Heiratsplänen absehen.
Thomas Morus hatte sich zuvor mit der jungen Frau getroffen und ihr einen Brief zukommen lassen, wodurch ihm schließlich vorgeworfen wurde, die Kritik am König zu teilen.
Jedoch wurde er vorübergehend von der Anklageliste gestrichen und erst im März 1534 abermals vor den Privy Council, an dem er einst selbst richtete, geladen.
Bei dieser Vorladung bzw. Verhör sollte er einen Eid auf das Nachfolgegesetz leisten, welches die Thronfolge regelte. Morus war zwar bereit auf das Gesetz zu schwören, verweigerte jedoch die Anerkennung der Herrschaft des Königs über den Klerus, wodurch er sich öffentlich gegen die Krone stellte und letztlich dem Hochverrat bezichtigt wurde.
Es folgte eine Festsetzung im Tower, während dieser Zeit wird im April der Suprematseid verworfen, womit sich die Bestrebungen Heinrich VIII. schließlich durchsetzten.
Im Juli 1535 kommt es zum Hochverratsprozess und schließlich am 6. Juli zur Hinrichtung.
Festzustellen ist, dass Morus auch in den Jahren 1534 und '35 – während seiner Inhaftierung – als Schriftsteller tätig blieb. Es entstehen hier die Werke „Treatise on the Passion“, „Treatise to receive the Blessed Body“, „De Tristitia Christi“ und der „Dialogue of Comfort against Tribulation“ [„Dialog vom Trost im Leid“]. Der Dialog ist eine Arbeit in der Tradition der mittelalterlichen Trostbücher, im Mittelpunkt steht die Angst vor körperlichem Schmerz und Tod. Morus also suchte schreiben Trost im Glauben.

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4. Die Utopia - Zusammenfassung

4.1 Eine ausführliche Einführung in den Text der Utopia

Utopia gehört zu den Texten der politischen Literatur, als auch der Weltliteratur, die jede Zeit und jede politische Strömung für sich neu gelesen und interpretiert hat.
So ist die Utopia zunächst einmal ein autobiographischer Text, der eine Episode im Leben des Autors zum Anlass nimmt, die Reise der Gesandtschaft des Königs Heinrich VIII. nach Brügge im Jahre 1515. Gegenstand des Textes ist ein Morus beschäftigendes Grundproblem, wenn auch nicht zu lösen, so doch zu diskutieren, nämlich den Widerspruch zwischen erstens einem Leben der Kontemplation und der Vorbereitung auf die nach dem Tode zu erwartende Existenz und zweitens dem aktiven Leben im Dienst eines Fürsten.
Daher ist das Buch also auch ein Teil einer langen Diskussion um die Stellung des gläubigen Christen in der Welt. Morus kann sich nicht entscheiden zwischen erstens der katholischen Theologie, die die politische Gemeinschaft und den Glauben verbindet und zweitens der mönchischen und anachoretischen Reformbewegung, die der Welt entsagt. Aber auch eine Verbindung der beiden Lebensweisen scheint ihm nicht möglich, er erkennt die Unvereinbarkeit der beiden Positionen an. In der Utopia lässt er diesen Konflikt Gestalt annehmen. Thomas Morus, der eine Art Erzähler im Buch darstellt und Raphael Hythlodäus, der von seinen Erlebnissen auf der Insel berichtet und den Gesprächspartner Morus darstellt, sind Repräsentanten dieser beiden Vorstellungen.
Dennoch weichen beide von ihrer Repräsentation ab:
Morus, indem er als Vertreter des politischen Handelns den anthropologischen Pessimismus Hythlodäus' teilt und eine grundlegende Verbesserung der Menschen für unmöglich erachtet – eine solche Position schränkt politisches Handeln ein. Hythlodäus, als der eigenständige und der Welt mit Distanz begegnende Philosoph, der die Veränderung des Menschen durch Institutionen und eine geregelte soziale Ordnung als möglich erachtet – hat er dies doch auf der Insel Utopia selbst gesehen. Allerdings sieht er die Übertragbarkeit auf die christlichen Länder Europas als unmöglich an.
Dennoch ist die Bedeutung des Namens Hythlodäus zu beachten, nämlich „der der Unsinn spricht“.
Morus also trennt die Positionen zunächst, um sie dann wieder zu vermischen. Dieser Antagonismus ist Thema des ersten Textes, der dem Leser jedoch nicht offen und direkt dargelegt wird, sondern ist er vielmehr in die konkrete Frage gekleidet, ob ein Mann vom Format des Raphael Hythlodäus um seiner selbst, seiner Familie und des Wohlergehens des Landes wegen einen Fürsten beraten soll.
Da Raphael durch seine Charakterisierung als exemplarischer Philosoph die Philosophie als solche vertritt, wirft dies die Frage nach der Aufgabe und Verantwortung der Philosophie auf. Es handelt sich also im engeren Sinne um den Wert der politischen Beratung, wobei an dieser Stelle anzumerken ist, dass sich Morus im Laufe seines Lebens immer wieder mit dieser Frage beschäftigte.
Utopia ist daher auch ein Dialog des Autors mit sich selbst, in ihm stellt er die Richtigkeit seiner Lebensentscheidung indirekt in Frage. Dieser Dialog charakterisiert sich indirekt durch Einflüsse verschiedener anderer Autoren, so handelt es sich sowohl um einen „platonischen“, als auch um einen „lukianischen“ Dialog. Beide Schreiber der Antike stellten Vorbilder Morus dar, wobei Lukian einen weitaus größeren Einfluss auf Thomas Morus innehatte, da dieser seine spöttischen Dialoge bewunderte.
Das zweite große Thema des Textes beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die menschliche Gesellschaft in einer idealen, nicht mehr verbesserungsfähigen Weise zu gestalten ist, es ist also der Versuch eine vollständige Herrschaft der Rationalität sinnvoll zu gestalten und diese zu festigen. Jedoch beinhaltet dieser Aspekt, die Inkaufnahme, dass lediglich die Zweckmäßigkeit die Existenz des Einzelnen begründet.
Morus diskutiert diese Frage im Zusammenhang einer Analyse der institutionellen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Gesellschaft.
In dieser Analyse werden die theoretischen und religiösen Voraussetzungen, aber auch die Grenzen der menschlichen Natur ergründet.

Diese scheint dem verzweifelt glaubenden Christen Morus ein nicht zu verändernder Rahmen, für ihn ist die menschliche Natur sündig und verdorben, wenn auch nicht vollständig schlecht. Die Vervollkommnung des Menschen
scheint für Morus unerreichbar. Realisierbar erscheint ihm jedoch ein erzieherisches Korsett, welches befähigt ist die menschliche Natur im Zaum zu halten. Insoweit ist sie also zumindest verbesserungsfähig.
Das dritte große Thema des Textes charakterisiert sich durch die Darstellung der Einrichtungen Utopias als eine Möglichkeit des Englands der Tudorzeit. Dadurch wird die Erzählung des Raphael in Utopia selbst zu einer Form der Beratung für dieses England.
Das Buch Utopia präsentiert zahlreiche Beispiele und Vergleiche, welche sich direkt und indirekt immer wieder auf das England der damaligen Zeit beziehen.
Einige Beispiele und Vergleiche werde ich im folgenden auflisten:
Seite 59 „...Insel hat 54 Städte...“ - England
einschließlich Wales hat ebenso viele
Seite 62 „...Amaurotum...“ - Ähnlichkeit der
„Nebelstadt“
Amaurotum mit London ist augenfällig
„...der Anydrus...“ - Beschreibung passt
in zahlreichen
Einzelheiten (nicht in den
Längenmaßen) auf die Themse
Seite 63 „Eine hohe und breite Mauer umgibt die Stadt, mit zahlreichen Türmen und Bollwerken. Ein trockener, aber tiefer und breiter Graben, mit Dorngebüsch bewehrt, umzieht die Mauern auf drei Seiten, auf der vierten dient der Strom als Wehrgraben.“ - deutliche
Anspielung auf den Tower-
Wehrgraben des alten London

Seite 81 „Als Gewinn dieses Handelns führen sie nicht nur die Waren ins Land, die ihnen daheim fehlen (denn das ist fast nichts außer Eisen), sondern auch...“ - Eisen gehörte zur
damaligen Zeit ebenfalls in großen Maßen zu den englischen Einfuhrartikeln

Der Leser entfernt sich also wie ein Reisender vom England seiner Tage, um über fremde Völker zum idealen, erträumten England – der Utopia- zurückzukehren, wobei die ironische Bedeutung des Namens außer Acht gelassen werden sollte.
Doch zeigt die Zweiteilung des Buches weiteres auf, nämlich zunächst einmal eine eindeutige Kritik am England der Tudorzeit, dargestellt durch die Erörterung politischer Fragen durch Morus und Raphael Hythlodäus und somit als weiteren Aspekt die Erörterung der Utopia als idealen, klösterlich anmutenden Gegenentwurf, der in der Wirklichkeit jedoch nicht mehr zu erreichen ist. Dies allerdings lässt das politische Engagement der Gelehrten in der tatsächlichen Welt als unsinnig erscheinen.
Die Utopia also steht in der Tradition des Altertums, gleichzeitig ist es jedoch ein Werk des Humanismus, also des Wiederentdeckens. Will man das Werk jedoch einer literarischen Gattung zuordnen, so handelt es sich um eine Romanze.
„Das Grundprinzip der Romanze ist eine Serie von Abenteuern, die möglichst phantastisch zu sein haben. Die häufigste Organisationsform ist eine Reise oder Odyssee. Nicht selten bekommt die Reise dadurch ein Ziel, da sie der Suche nach einem Schatz, einem Geheimnis oder irgendeinem Objekt der Sehnsucht, der Begierde oder der Erlösung geweiht ist. Das kann ein Pokal sein wie der Heilige Gral, ein Füllhorn, das Goldene Flies, das Eldorado, das Paradies, ein verborgener Schatz (...) oder eine Jungfrau, die den Schatz bei sich hat (und deswegen auch Schatz genannt wird). Auch die Utopie ist in der Regel eine Romanze.“
Die fiktive Erzählung vom Idealstaat Utopia, in dem Morus humanistische Bildungsideale verwirklicht sind, veranschaulicht die eben angebrachten Merkmale einer Romanze überwiegend im ersten Abschnitt des ersten Buchs der Utopia. Hier wird Raphael Hythlodäus als Seefahrer eingeführt, der nach der neuen Welt sucht.
Die Utopia als Romanze wurde schließlich zum Modell aller weiteren Utopien.

4.2 Inhaltsangabe, Zusammenfassung der Rahmenhandlung

Utopia weist wie so mancher Dialog Platons eine Rahmenhandlung auf, sie verleiht dem Buch eine innere Struktur und ordnet die erörterten Themen. Am Anfang steht die aus dem Leben gegriffene Situation einer Reisegesandtschaft. Durch diese Darstellung wird der Leser allmählich in das Geschehen eingeführt und erst dann beginnt die eigentliche Erzählung.
Dies erklärt die Einteilung der Utopia in das erste und zweite Buch und deren Entstehungsdaten.
Im ersten Buch wird Raphael Hythlodäus eingeführt. Der Morus darstellende Dialogpartner kommt nur zufällig durch seinen Freund Petrus Aegidius mit dem portugiesischem Seefahrer und Philosophen ins Gespräch. Diese erste Hälfte des Werkes schließt mit einem Wortwechsel über die Rolle des Philosophen, an der Morus durch seinen eigenen Tätigkeitsbereich maßgeblich interessiert ist. Hythlodäus wird während dieses Gespräch durch die allgemeine eher pathetische Sprachweise als ein Mann von ungeheurem Wissen und Intellekt charakterisiert. Mit ihm diskutiert Morus einmal die Notwendigkeit einer rationalen Gestaltung der Politik und des Lebens und zweitens die damit verbundene Unempfänglichkeit der Politik für einen solchen Rationalismus. Hierbei nimmt Morus abermals Bezug auf Platon, nämlich auf seine „Politheia“, in der es sich maßgeblich um die Erkenntnis der philosophischen Staatsführung handelt.
Des weiteren formuliert Raphael in diesem Gespräch einige Thesen. Er diskutiert zum Beispiel das englische Strafrechtssystem und damit verbunden die soziale, durch wirtschaftliche Veränderungen und eine sich auflösende Sozialstruktur hervorgerufene Not weiter Teile der Bevölkerung. Er umreißt so das Feld, das am dringendsten politisches Handeln erfordert und bezieht hierbei die Ursache der Kriminalität mit ein. So zeigt Morus Analyse an dieser Stelle schließlich die Wechselwirkung zwischen der Verknappung von Grund und Boden und der Verteuerung von Nahrung auf.
Das Zweite Buch der Utopia versucht die Probleme der existierenden Staaten in grundlegender Weise zu lösen. Text ist eine Abhandlung über Krieg und Frieden, über internationale Politik und Außenhandel. Utopia wird damit zu einem Kompendium von Ratschlägen für die Gestaltung der Politik eines Landes.
So ist einzig und allein „die Rationalität der Politik ist die Klammer, die alle erörternden Bereiche zusammenhält“.
Raphaels Kernaussage der Argumentation in zweiten Buch der Utopia ist letztlich, dass seiner Meinung nach die christlichen Länder Europas in keiner Hinsicht zur Durchführung einer rationalen Politik fähig sind. Sie muss soweit nicht institutionelle Veränderungen erfolgen erfolglos bleiben.
Nach Raphael kann ein gerechter Staat nur dann existieren und Bestand haben, wenn jegliches Privateigentum abgeschafft wird, also eine Gütergemeinschaft und damit verbunden eine soziale Gleichheit herrscht.
„Überhaupt mein lieber Morus – um dir ganz unverwunden meine wahre Gesinnung zu enthüllen – dünkt mich, dass wo aller Besitz Privatbesitz ist, wo alles am Maßstabe des Geldes gemessen wird, da kann es wohl kaum je geschehen, dass der Staat gerecht und gedeihlich verwaltet wird.“
Morus jedoch führt hierzu zwei Gegenargumente ins Feld, zunächst einmal, dass eine Gemeinschaft, in der Gütergemeinschaft herrscht, weder sich noch den Frieden erhalten kann, da keinerlei Ansporn herrscht und zweitens dass die Verwirklichung der sozialen Gleichheit nicht wünschenswert sei, da mit ihr die Quelle von „Autorität und der Ehrfurcht vor derselben“ verloren geht und damit wiederum die Grundlagen der staatlichen Ordnung gefährdet seien.
Jedoch beseitigt Raphael diese Einwände sofort durch seinen „empirischen Beweis“, den er beim Besuch der Utopier erhielt. ER beschreibt hierzu die immense Überschussproduktion der Insulaner und die Nichtnotwendigkeit höherer Amtsträger, da die Utopier nur wenige Gesetze besitzen. Gänzlich die Ehrfurcht und Achtung vor den Älteren dominiert im Hierarchieverhalten der Gemeinschaft. Die Voraussetzungen zur Erhaltung der Ordnung sind also keine unnötigen Gesetze, sondern ein geregeltes Leben in Arbeit und Askese.

4.3 Entstehung und Aufbau der Insel Utopia

Das Land der fiktiven Utopia war nicht immer eine Insel. Zuvor handelte es sich laut Morus um eine Halbinsel namens Abraxa. Utopus, ein Söldner, okkupierte mit seinen Soldaten die Halbinsel und kultivierte diese schließlich.
Bewohner und Soldaten stachen auf Befehl Utopus' etwa 15 Meilen Land aus – und machten die Halbinsel so zu einer Insel. Dies geschah um etwaige Missgunst von vornherein unter den Bewohnern selbst zu vermeiden, um schlechte Einflüsse von außerhalb fernzuhalten, wurde die Insel vom Festland getrennt.
Dies ermöglicht sich unter anderem durch die natürlichen Gegebenheiten, die Eindringlinge bzw. Ausländer nur selten das Land der Utopia erreichen lässt. Die Insel nämlich ist umgeben von gefährlichen Klippen, welche sich zum größten Teil unter Wasser befinden und nur mittels Zeichen vom Strand aus passierbar sind. Werden diese verschoben, ist es selbst für Einheimische nahezu unmöglich sich sicher hindurch zu manövrieren.
Die Insel beinhaltete einschließlich der Hauptstadt Amaurotum –die erste gegründete Stadt - 54 Städte, welche alle gleich in Sprache, Sitten, Institutionen und Gesetzen sind. Die am dichtesten gelegenen sind 24 Meilen voneinander entfernt, dennoch kann man laut den Berichten Raphaels alle binnen eines Tagesmarschs zu Fuß erreichen.
Utopus, nach dem die Insel benannt wurde, legt zwar Gesetze und die gesamte Stadtanlage fest, überließ den weiteren Ausbau aber seinen Nachkommen, da er davon ausging, dass ein Menschenleben für die Vollendung der idealen Staatsform nicht ausreichen würde.
Das Ackerland teilte er den Städten gleichermaßen und gerecht zu, und auch nach Utopus Tod verlangt keine aufgrund der vorherrschenden Mentalität und der Erziehung nach einer Erweiterung ihrer Ländereien, so sind die Höfe allesamt planmäßig über das gesamte Anbaugebiet verteilt.
Diese auf dem Anbaugebiet verteilten Höfe werden von je 40 Männern und Frauen bewirtschaftet. Sie bilden einen ländlichen Haushalt, verlassen diesen jedoch nach zwei Jahren wieder und kehren zurück in die dem Land zugehörigen Städte.
So gelangen jährlich neue Arbeiter als Ausgleich auf das Land, die dann von den bereits Anwesenden eingearbeitet werden. Diesen Prozess überwachen Hausvater und -mutter, die zwei gesetzte, gereifte und damit auch erfahrene Personen darstellen. Hier kommt der von Morus durch Raphael Hythlodäus angesprochene Respekt vor dem Älteren besonders zum tragen.
Der Phylarch steht an der Spitze von 20 Haushaltungen und wird jährlich neu von den Hausvätern und -müttern gewählt. Die Regentschaft über zehn dieser Phylarchen hat ein Protophylarch inne, der ebenfalls jährlich neu gewählt werden kann. Oftmals jedoch wird er über eine längere Zeit beibehalten. Diese Protophylarchen treffen sich mindestens alle drei Tage mit dem Fürsten – der in einer geheimen Wahl aller 200 Phylarchen gewählt wird – um über Staatsangelegenheiten zu beratschlagen. Zu jeder dieser Versammlungen werden zwei Phylarchen als Zeugen geladen, diese wechseln bei jeder Versammlung.
Sie sollen etwaige Verschwörungen verhindern und so eine Herrschaft in Tyrannei vereiteln. Dieses Unterfangen, eine gerechte Gemeinschaft (Staat) stabil zu halten, wird unterstützt durch die Tatsache, dass es als ein todwürdiges Verbrechen gilt, außerhalb der eben beschriebenen Versammlungen über Staatsangelegenheiten und oder Probleme zu debattieren.
Die Städte Utopias, sind gesäumt von dreistöckigen Häusern, deren Wände aus Basalt und Mörtel bestehen. Ihre Dächer sind flach und mit einer Stuckmasse belegt, welche fester ist als Blei, jedoch nicht viel kostet und nur schwer Feuer fängt. Die lichthellen Innenräume der Gemeinschaftshäuser, in denen sich das gesellschaftliche Leben abspielt - in ihnen wird gespeist, getrunken, gelesen und über literarische Themen debattiert – unterscheiden sich äußerlich in keiner Weise von den normalen Wohnhäusern. Viele Fenster bzw. Leinwände, die mit Öl oder Bersteinmasse getränkt sind, um das Licht besser hindurch zu lassen, sind ebenso typisch wie die den Häusern anliegenden Kräutergärten, auf die Utopus laut Raphaels Aussagen sehr viel Wert legte. In der Utopia beschreibt Raphael die städtische Ordnung – die auch die staatliche Ordnung reflektiert - folgendermaßen:
„Die Türen sind zweiflügelig und durch einen leisen Druck der Hand zu öffnen, schließen sich dann von selber wieder und lassen so jeden hinein: so weit geht die Beseitigung des Privateigentums! Denn selbst die Häuser tauschen sie alle zehn Jahre um, und zwar nach dem Los!“

5. Schlusswort

Schließlich ist festzustellen, dass Thomas Morus als konservativer Denker der bewahren wollte was er als wahr zu erkennen glaubte, dennoch neue Wege bestritt. Er suchte nach einer neuen und überzeugenden Begründung für die bestehenden Institutionen. Dennoch begegnete er Veränderungen stets mit Misstrauen.
Die Utopia als das wohl meistbekannte Werk Morus' wird noch heute von zahlreichen Menschen gelesen und immer anders interpretiert. So gibt es unter anderem den Vergleich mit Machiavelli oder dem stalinistischen Kommunismus.
Doch kommt es generell auf den Standpunkt des Lesers an, sei er nun sozialistisch, heidnisch, machtpolitisch, kapitalistisch, reformerisch oder idealstaatlich.
Jeder Leser ist durch Morus genötigt sich ein eigenes Bild über die Utopia zu schaffen und selbst über sie zu urteilen.

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4.4 / 5 Sternen (9 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2002
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 23.07.16

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