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Vergleich von "Emilia Galotti" und "Nathan der Weise" - Erörterung

Inhaltsverzeichnis

Vergleich zwischen den Theaterstücken "Emilia Galotti" und "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing - Eröterung zur Interpretation Lessings Aussage und Absicht

Der folgende Text beschäftigt sich mit dem Thema, inwiefern die Theaterstücke "Emilia Galotti" und "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing als Stücke der Aufklärung betrachtet werden können und Gemeinsamkeiten bzw Unterschiede aufweisen.

Der Begriff der Aufklärung meint eine Epoche in der Geschichte, in der das "Vernunftsdenken" des Menschen im Gegensatz zu altem, überliefertem Wissen eine immer größere Rolle spielte. Dies war zugleich auch der Grundgedanke der Aufklärung. Den Menschen sollte bewusst gemacht werden, sich eine eigene Ansicht vom Leben und von Behauptungen durch vorgesetzte Personen zu machen. Die Vorgaben von Staat und Kirche waren in der Aufklärung nicht mehr maßgeblich, da die Menschen begannen, selbstständig zu denken.
Auch in der Literatur setzte sich die Aufklärung mit ihren neuen Ansichten über Staat und Gesellschaft durch. Gotthold Ephraim Lessing war einer der wichtigsten Personen auf diesem Gebiet, da er die Entwicklung des Theaters durchsetzte.

Unter den eben genannten Aspekten soll nun untersucht werden, ob das Trauerspiel "Emilia Galotti", das Mitte des 18. Jahrhunderts spielt, als Werk der Aufklärung betrachtet werden kann.
Der tyrannische Prinz von Guastalla verliebt sich in die bürgerliche Emilia Galotti, die Tochter des Obersten Odoardo. Emilia soll jedoch mit Graf Appiani verheiratet werden. Der Wunsch des Prinzen Emilia zu besitzen ist jedoch so stark, dass dieser seinem Diener Marinelli die Vollmacht gibt, alle Mittel anzuwenden, Emilias Hochzeit zu verhindern. Es kommt so weit, dass Graf Appiani bei einem von Marinelli inszenierten Überfall ermordet wird und Emilia auf das Lustschloss des Grafen entführt wird. Emilias Entführung wird als Rettung getarnt. Auf dem Schloss durchschaut die Gräfin Orsina, eine ehemalige Geliebte des Prinzen, die Lüge und erzählt diese Odoardo. Er bringt Emilia um, da sie Angst hat, dem Grafen zu verfallen.

Bei diesem Werk handelt es sich um ein bürgerliches Trauerspiel. Lessing verwendete diese Form, da es auf diese Weise möglich war, Kritik an Gesellschaft und Politik zu üben. Die Kritik richtet sich in diesem Falle gegen die Willkür des Prinzen. Dieser hat die oberste Richtergewalt inne und es ist den Untertanen, wie z.B. Odoardo nicht möglich, dagegen vorzugehen, da der Prinz seinen Willen immer durchsetzen kann. Es gibt keine Person, die neutral entscheidet. Diese Zustände beschreiben die Situation, aus der sich die Menschen befreien sollen.
Bei der Aufführung des Stückes werden den Zuschauern diese Missstände deutlich gemacht. Die Figuren im Stück selbst erfahren keine Veränderung. Sie können sich nicht aus den herrschenden Verhältnissen befreien.
In Anbetracht der Wirkung, die "Emilia Galotti" auf die Zuschauer haben soll, nämlich das Bewusstwerden über die Staatsordnung, kann man hierbei von einem Werk der Aufklärung sprechen.

In Lessings letztem Werk "Nathan der Weise" ist das Thema die Frage nach der wahren Religion. Es spielt zu Zeiten der Kreuzzüge im späten Mittelalter. Drei Personen in dem Stück verkörpern jeweils eine Religion: Nathan ist Jude, ein Kreuzritter verkörpert das Christentum und der Sultan Saladin ist dem Islam zugehörig. Saladin stellt Nathan die Frage, welche Religion die wahre sei. Auf diese Frage antwortet Nathan mit einer Parabel, in der ein Vater seinen drei Söhnen drei sich gleichende Ringe gibt, so dass es nicht möglich ist sie vom ihren Wert her voneinander zu unterscheiden. Nathan überträgt dies auf die Frage des Sultans und demnach ist keine Religion besser oder schlechter als die andere. Der Parabel nach wird eine Religion nicht dadurch die wichtigste, indem sie sich nach alten Überlieferungen darauf beruft die beste zu sein. Die Religion, die es für sich in Anspruch nimmt die beste zu sein, zeichnet sich durch ihre Taten wie beispielsweise Toleranz, Nächstenliebe oder Achtung vor den Mitmenschen aus. Der Sultan erkennt diese Antwort an, da er von Nathans Auffassung überzeugt ist. Er ist bereit, seine althergebrachte Meinung unter neuen Aspekten zu betrachten, sie abzulegen und zu einer toleranteren Ansicht zu gelangen.

Auch hier kann man von einem Werk der Aufklärung sprechen. Die Antwort Nathans weicht von allen bisherigen Vorstellungen über diesen Religionskonflikt ab. Das Stück soll beim Zuschauer eine bis dorthin wenig verbreitete Ansicht über die einzelnen Religionen vermitteln. Da bisher jeder seine eigene Religion als die wichtigste sah, will Lessing erreichen, die Toleranz zu erhöhen. Geschichte endet vielleicht nur dank der in dieser Szene beschriebenen Begegnung in einem allseitigen Happy End.

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4.1 / 5 Sternen (15 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2012
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 27.06.16

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  • Michelle schrieb am 05.09.2011:

    Sehr gut! Hat mir wirklich geholfen, danke!

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