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"Orlando" Inhaltsangabe (Virginia Woolf)

Inhaltsverzeichnis

Virignia Woolf - Orlando Inhaltsangabe und Zusammenfassung

Virginia Woolf (1882-1941) gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie hinterließ trotz zahlreicher schwerer Krankheiten und Depressionen zehn Romane, mehrere Kurzgeschichten, feministische Schriften und rund 400 Essays und prägte mit den formalen Neuerungen ihrer Bücher entscheidend die Entwicklung des modernen Romans.
Virginia Woolf wurde in eine viktorianische intellektuellen Familie hineingeboren, ihr Vater, Sir Leslie Stephen (1832-1904), war seinerzeit ein angesehener Schriftsteller und Begründer des „Dictionary of National Biography“. Ihre Mutter Julia (1846-95), die drei Kinder aus erster Ehe mit in ihre Ehe brachte, war zwar schriftstellerisch nicht vorbelastet, kam dennoch aus einer wohlhabenden und politisch einflussreichen Familie. Die Familie war zwar nicht reich, aber dennoch wohlhabend. Neben einem Haus mittlerer Größe in London besaß sie einen Landsitz und einige Dienstboten. Die Kinder wurden standesgemäß unterrichtet, die Söhne wurden auf angesehene Schulen geschickt und die Mädchen von den Eltern oder von Hauslehrern unterrichtet. Virginia besuchte demnach nie eine staatliche Schule, konnte dennoch griechisch und bekam viel Wissen unter anderem durch die in ihrem Haus abgehaltenen Salons mit, damit erhielt sie weit mehr Bildung als es für eine Frau ihrer Zeit üblich war.
Nach dem Tod ihres Vaters zogen die Stephen Geschwister in ein neues Haus im Londoner Bezirk Bloomsbury. Dort traf sich die geistige Elite: Künstler, Schriftsteller, Journalisten, Maler und Studenten. Virginia war zur Zeit des Umzugs mal wieder in Behandlung und war zweifellos froh in das fertig eingeräumte Haus zu kommen, welches viel heller und freundlicher eingerichtet war als ihr, für sie bedrückendes, Geburtshaus. Die Geschwister fühlten sich endlich frei und konnten sich entfalten. Der berühmte avantgardistische Bloomsbury-Zirkel mit Künstlern, Schriftstellern und Freidenkern entwickelte sich in ihrem Haus, dort lernte sie auch ihren zukünftigen Ehemann, Leonard Woolf kennen.
Nach ihrer Hochzeit 1912 gründeten die Woolfs ihre eigene Druckerei, die Hogarth Press (1917), die unter anderem Virginias Schriften veröffentlichte. Virginia begann Karriere zu machen und wurde mit ihren Romanen, wie Orlando weltberühmt. Bereits als Kind begann sie für eine Art Familien Zeitschrift der Familie Stephen, die „Hyde Park Gate News“ zu schreiben. Seit 1897 führte sie Tagebuch. Später schrieb sie für die Zeitschrift „Guardian“ und wurde Literaturkritikerin. Sie wollte Romane schreiben und für ihren ersten Roman „The Voyage Out“, der 1915 veröffentlicht wurde, benötigte sie mehrere Jahre (1908-1913). Mehrere Romane folgten, die berühmtesten darunter sind „Mrs. Dalloway“ (1925), „Die Fahrt zum Leuchtturm“ (1927), „Orlando“ (1928) und „Die Wellen“ (1931). Virginia lernt Sigmund Freud kennen und schätzten, seine Werke, die ihr mit Sicherheit auch Aufschlüsse über ihre Krankheiten bieten konnten, wurden in Übehrsetzungen in England mit der Hogarth Press veröffentlicht.
1941 begeht sie Selbstmord, in ihrem Abschiedsbrief an ihren Mann schreibt sie, „Liebster, ich spüre genau, dass ich wieder wahnsinnig werde. Ich glaube, dass wir eine solche schreckliche Zeit nicht noch einmal durchmachen können. Und diesmal werde ich nicht wieder Gesund werden. Ich höre Stimmen und kann mich nicht konzentrieren...“ anschließend watet sie mit Steinen in ihren Taschen in einen nahegelegenen Fluss.

Doch leider liegen Genie und Wahnsinn immer dicht beieinander, so dass sich nicht nur bei Virginia, sondern auch in ihrer Familie mehrere Fälle von Geisteskrankheiten nachweisen lassen. Stephens erste Ehe brachte eine Tochter, Laura, hervor, die den Schwachsinn ihrer Großmutter geerbt hatte, deren Idiotismus täglich offenbarer wurde, die kaum lesen konnte, die Scheren ins Feuer warf, die eine Zungenlähmung hatte und stotterte.... Ihr Vater war ein exzentrischer Mann mit einer depressiven Mentalität und ihr Großvater hatte ebenfalls mehrere Zusammenbrüche. Auch unter den insgesamt acht Kindern der Familie gab es Fälle von Depressionen, so ist bekannt, dass Virginias Schwester Vanessa einer zweijährigen Depression verfiel. Auch ihr Bruder Adrian zeigte Nervenprobleme, auch er neigte zu Selbstmordgedanken.
Virginia selbst verbrachte einige Zeit ihres Lebens in Krankenhäusern um ihre Depressionen und Schizophrenien zu bekämpfen. Ihren ersten Zusammenbruch hatte Virginia 1895, als ihre Mutter unerwartet an einer Grippe starb. Weitere sollten folgen.
Man sagt Virginia nach, dass sie frigide gewesen seien soll, wofür mit Sicherheit ihr Bruder George verantwortlich ist, der Virginia über Jahre hinweg sexuell Missbraucht haben soll. Zu ihrem Ehemann hatte sie später keine besonders rege sexuelle Beziehung, so schreibt sie ihm beispielsweise „Wie ich dir kürzlich brutal geschrieben habe, übst du auf mich keine körperliche Anziehungskraft aus. Es gibt Augenblicke – als Du mich neulich geküsst hast, war ein solcher -, wo ich nicht mehr als ein Felsen empfinde.“ Neben ihrer kurzen sexuellen Beziehung zu ihrem Mann fühlte sie sich mehr dem weiblichen Geschlecht zugetan, so hatte sie eine homosexuelle Beziehung zu Vita Sackville-West, ebenfalls Schriftstellerin, die Virginias Mann scheinbar tolerierte. Diese Beziehung zu Vita ist nicht nur als flüchtige sexuelle Beziehung zu betrachten, die beiden Frauen verband eine tiefe Freundschaft und Seelenverwandtschaft, letztendlich verehrte Virginia Vita so sehr, dass sie ihr sogar ein Buch widmete, Orlando.

Inhaltsangabe "orlando"

Dieses Buch sollte eine Art Befreiung sein „Denn ich spüre wirklich das Bedürfnis nach einer Eskapade nach diesen ernsthaften, poetischen, experimentellen Büchern, deren Form immer so genau durchdacht ist. [...] Ich glaube, es wird mir großen Spaß machen, es zu schreiben; und es wird meinem Kopf eine Ruhepause verschaffen, bevor ich das sehr ernsthafte, mystische, poetische Werk in Angriff nehme, das als nächstes für mich ansteht [Die Wellen].“ Virginia bezeichnete dieses Buch, mit seinen sechs Kapiteln, als einen einzigen Witz. Schließlich ist es auch ein recht ungewöhnliches Buch. Es ist wie eine Biographie angelegt, wie es sich gehört mit Vorwort, Danksagungen und einem zugegeben unvollständigem Register, vielmehr die Parodie eines Register, die lediglich aussagt, dass eine Biographie ein Register haben muss.
Diese Biographie ist in mehreren Hinsichten merkwürdig, sie handelt von einer fiktiven Person Namens Orlando. Diese Person lebt über 400 Jahre und wird dabei lediglich 36 Jahre alt.

Im 16. Jahrhunderts beginnt die Geschichte, Orlando ist ein junger, naturverbundener Knabe, der bereits seine Leidenschaft zu schreiben entwickelt hat. Er kommt aus einer hochherrschaftlichen, adeligen Familie die in den höchsten Kreisen verkehrt. So kommt Königin Elisabeth I. (1533 -1603) in das Familienschloss Whitehall, verliebt sich in den jungen Orlando und ernennt ihn zum Schatz- und Haushofmeister. Orlando ist noch jung, im Gegensatz zur Königin, und sucht andere Affären. Auch hat Orlando, einen Hang zu niederen Gesellschaftsschichten, so dass er mit Leidenschaft die Geschichten der Seemänner in den Kneipen Londons hört und Liebesabenteuer mit einfachen Frauen eingeht. Unter König James (in Deutschland als Jakob I. bekannt) betritt Orlando dann wieder die politische Bühne. Nun hat er wieder Beziehungen mit Damen aus der Gesellschaft, doch als eine russische Prinzessin auftaucht, lässt er seine fast Verlobte links liegen und wendet sich Sasha, der russischen Prinzessin, zu. Sasha besitzt eine ähnliche Lebensfreude wie Orlando und sie haben eine heftige, leidenschaftliche Affäre. Die Beiden planen sogar zu fliehen, letztlich betrügt Sasha jedoch Orlando und kehrt fluchtartig nach Russland zurück. Orlando zieht sich daraufhin auf seinen Landsitz zurück und fällt in einen merkwürdigen, komaartigen Schlaf, aus dem ihn niemand wecken kann. Als er wieder erwacht scheint er sich nicht mehr an Sasha erinnern zu können. Er schleicht durch sein Schloss und konfrontiert sich mit seiner Familiengeschichte. Er beginnt wieder zu dichten und lädt sich, als er seine Einsamkeit nicht länger aushält, einen Dichter, Nicholas Greene, ein. Greene ist nicht wie Orlando sich einen Dichter vorgestellt hatte, er ist unkonventionell, zweifellos ein guter Erzähler, aber auch ein Aufschneider, er kritisiert die zeitgenössischen Schriftsteller, wie Shakespeare und ist der festen Überzeugung die englische Literatur wäre tot. Nach kurzer Zeit hält Greene es nicht mehr in Orlandos Haus aus und kehrt zurück in sein ärmliches Haus in London, Orlando verspricht ihm eine regelmäßige Rente. Nachdem Orlando erfährt, das Greene eine Satire über ihn verfasst hat, ist Orlando schwer getroffen und wendet sich von den Menschen ab. Orlando geht vollkommen in der Natur auf und vernichtet alle seine literarischen Werke, bis auf sein Lieblings-Poem „Der Eichbaum“. Nach einiger Zeit kehrt Orlando wieder zurück in die feine Gesellschaft, er beginnt sein Schloss neu Einzurichten und wird der Gastgeber von zahlreichen Bällen und gesellschaftlicher Ereignissen. Trotzdem kommt er nicht zur Ruhe, Irgendwann taucht eine Erzherzogin Harrieth auf, sobald er merkt, dass er sich in sie verliebt hat flüchtet er nach Konstantinopel um dort Gesandter zu werden. In Konstantinopel schwelgt er in Reichtum, wird zum Herzog ernannt, hat aber auch beträchtliche gesellschaftliche Verpflichtungen. Abermals ist er Gastgeber eines großen Festes und noch am selben Abend fällt er wieder in einen, der Trance ähnlichen Zustand. Als man ihn leblos findet, entdeckt man ein Dokument bei ihm, welches die Heirat zwischen ihm und einer Zigeunerin bezeugt. Während seiner Komaphase geschieht ein Umbruch in Konstantinopel, die „Türken erhoben sich gegen den Sultan, setzten die Stadt in Brand und gaben jedem Ausländer, den sie finden konnten, entweder das Schwert oder die Bastonade zu schmecken.“. Orlando wurde, dank seiner Trance, für tot gehalten, weswegen er das Glück hatte zu überleben. Orlando erwacht wieder, jedoch vollzog sich eine seltsame Wandlung mit ihm, „Er streckte sich. Er erhob sich. Er stand aufrecht in völliger Nacktheit vor uns, und während die Trompeten Wahrheit! Wahrheit“ Wahrheit! schmetterten, bleibt uns keine Wahl, als zu gestehen – er war eine Frau“. Sie schließt sich daraufhin Zigeunern an und wird als eine von ihnen akzeptiert. Doch nach wie vor liebt Orlando die Natur und das Dichten, sie merkt dass sie mit ihren Wertvorstellungen nicht zu den Zigeunern passt, obwohl sie ihr einfaches, zwangloses Leben schätzt. Sie entscheidet sich also nach England zurückzukehren. Auf der Schiffsreise wird sie zum ersten mal mit ihrer Weiblichkeit konfrontiert (bei den Zigeunern gab es kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern), und den Vor- und Nachteilen, die dieses Geschlecht im Zivilisiertem London bringen. Bei ihrer Rückkehr ist die St. Pauls Cahtedral bereits erbaut (1710), und die geistige Elite heißt nun Addison (1672-1719), Dryden (1631-1700) und Pope (1688-1744) es sind also über 100 Jahre vergangen. In England muss Orlando sich mit einem Gerichtsprozess auseinandersetzen, ob sie wirklich als Frau immer noch Orlando sei und damit Anspruch auf ihren Besitz habe. Sie kehrt auf ihren Landsitz zurück und ihre Dienerschaft, die noch die Selbe wie vor 200 Jahren ist, akzeptiert ihre Geschlechtsumwandlung ohne besonders verwundert zu sein. Auch Erzherzogin Harrieth erscheint wieder und macht Orlando abermals ihre Aufwartung, nachdem sie zu erkennen gibt, dass sie ein Mann sei und dass er sich bereits in der Vergangenheit in Orlando verliebt hatte und um sein (Orlandos) Herz zu gewinnen als Frau verkleidet hätte. Der Erzherzog möchte sie nun zur Hochzeit drängen, Orlando hat jedoch nur wenig Interesse und empfindet ihren Verehrer als lästig, um ihn Loszuwerden schummelt Orlando bei ihren gemeinsamen Spielen und steckt ihm letztlich sogar eine Kröte unter sein Hemd. „Eine Stunde nach dem Fortgang der Erzherzogs reiste sie ab.“


Sie geht wieder nach London, unglücklicherweise wird sie bei einem Spaziergang erkannt und begafft, was sich natürlich nicht für eine Dame von Stand schickt. Doch der Herzherzog erscheint zufällig, er hat ihr alles verziehen. Orlando kommt nun wieder in die hohe Londoner Gesellschaft, die leider vollkommen hohl und nichtssagend ist, Orlando bleibt unbefriedigt. Sie hat nun den Wunsch endlich die berühmten Gelehrten Addison, Dryden und Pope kennen lernen, weswegen sie an einem Salon teilnimmt, dem „Vorzimmer zum Audienzsaal des Genies.“. Auch hier wird Orlando enttäuscht. Das Geistreiche, Tiefgründige in diesen Salons ist lediglich eine Illusion, sie geht tapfer weiter zu den Salons und trifft endlich Pope, der tatsächlich etwas intelligentes sagt und damit beinahe den Salon sprengt. Orlando lädt ihn zu sich nach Hause ein, um ihn kennen zu lernen. Sie hat es Geschafft und verkehrt mit den berühmten Persönlichkeiten Addison, Dryden und Pope. Orlando fällt aber auf, wie normal doch diese Dichter sind, dass sie genau so ihre Macken und Wehwehchen haben wie „normale“ Menschen, die Tatsache, dass Orlando nicht als gleichwertig akzeptiert wird macht sie abermals unglücklich. Orlando zieht sich wieder ihre Männerkleidung an und streift durch die Nacht. Sie begegnet einer Prostituierten, Mistress Nell, diese nimmt sie mit auf ihr Zimmer und als sich Orlando als Frau zu erkennen gibt ist Nell erleichtert. Orlando unterhält sich lang und ausgiebig mit Nell und ihren Freundinnen. Orlando fühlt sich nun endlich wieder frei, wechselt ihre Kleidung, und damit scheinbar ihr Geschlecht, wie sie will und erlebt viele Abenteuer. Als das 19. Jahrhundert beginnt kehrt sie zurück zu ihrem Landsitz. Sie hat nun den Wunsch zu heiraten, doch sie muss feststellen, dass sie zur Natur gehört und wohl nie einen Ehemann finden wird, in diesem Moment der Erkenntnis taucht Marmaduke Bonthrop Shelmerdine, Esquire auf und „ein paar Minuten später waren sie verlobt.“ Auch der Gerichtsprozess, der sich nun über Jahrhunderte hingezogen hatte, wird größtenteils zu Orlandos Gunsten entschieden, sie wird für Weiblich und ihre Ehe mit der Zigeunerin für null und nichtig erklärt. Obwohl Orlando und Shelmerdine heftig verliebt sind, möchte Shelmerdine wieder zurück auf sein geliebtes Meer, schließlich ist er Seemann. Deswegen wird eilig geheiratet und Shelmerdine bricht auf zum Kap Hoorn. Orlando beginnt wieder zu schreiben und als sie fertig ist hat sie wieder das Bedürfnis nach London zurückzukehren, diesmal reist sie mit der Eisenbahn, die inzwischen erfunden wurde. In London trifft sie ihren alten Bekannten, den Schriftsteller Nicholas Greene wieder, den sie bereits im 16. Jahrhundert kennerlernte. Inzwischen war er Professor geworden und lobt Dichter, die er noch im 16. Jahrhundert als unfähig bezeichnete. Er nimmt Orlando ihr Manuskript „Der Eichbaum“ ab und will es veröffentlichen lassen. Sie verabschiedet sich von Greene und geht in den Hyde Park um dort zu entspannen und über das Leben und seinen Sinn nachzudenken. Auf dem Nachhauseweg entdeckt sie einen Buchladen und schwelgt in den zahllosen Büchern, die sie in einer solchen Anzahl und Qualität nie zuvor gesehen hatte. Sie fahrt wieder nach Hause und gebiert einen Jungen, auf einmal befindet sie sich in der Gegenwart (1928). Sie ist in einem großem Kaufhaus einkaufen und fährt, nachdem sie ihren Einkaufszettel verloren hatte, wieder zurück nach Hause. Ihr Gedicht „Der Eichbaum“ ist inzwischen ein großer Erfolg und sie legt, um sich zu bedanken, eine Erstausgabe ihres Buches unter dem Eichbaum in ihren Garten, der sie zu diesem Gedicht inspirierte. Über Orlando braust ein Flugzeug hinweg, aus dem Ihr Mann springt. Und das Buch endet mit den Worten „Und der zwölfte Schlag der Mitternacht erklang; der zwölfte Schlag der Mitternacht, Donnerstag, elfter Oktober, Neunzehnhundertachtundzwanzig.“

Dieses Buch zusammenzufassen bereitet einige Schwierigkeiten, da, wie Virginia es ausdrückte, es ein einziger großer Witz ist. Das Buch hat also keinerlei Anspruch gut strukturiert zu sein, eine geradlinige und logische Geschichte zu erzählen, Virginia schrieb dieses Buch um sich vor ihrem nächsten Buch zu erholen. Sie hatte große Freude beim schreiben, große Freude daran alle Konventionen zu brechen und sich über Biographien, wie sie ihr Vater geschrieben hatte, lustig zumachen.

Besonders ungewöhnlich an Virginias Schreibstil sind ihre vielen Einwürfe, immer wenn Orlando gerade nichts spannendes, erzählenswertes erlebt, schweift Virginia ab und erzählt verwirrendes und ungewöhnliches, wie zum Beispiel: „Nach dem November kommt der Dezember. Dann Januar, Februar, März und April. Nach dem April... Diese Methode Biographien zu schreiben, ist, auch wenn sie ihre Vorzüge hat, vielleicht ein wenig dürftig, und der Leser könnte sich, wenn wir damit fortfahren würden, darüber beklagen...“ oder wie „... (und sechs Seiten lang so weiter und so weiter, wenn sie unbedingt wollen, aber der Stil ist öde, und wir lassen ihn lieber fallen) “

Überhaupt macht Virginia viele Späße, besonders über die Gesellschaft und ihre Zwänge, Über Literaturkritiker und Schriftstellerkollegen und über das Bild der Frau, welches von Männern geschaffen wurde.
Nicholas Greene, ist eine Art Witzfigur, obwohl er, als er mit Orlando das erste mal zusammentrifft, ein begabter Dichter ist, lässt er dennoch kein Gutes Haar an seinen Kollegen und sucht sein literarisches Glück in der Antike, gleichzeitig ist er keineswegs so allwissend wie er sich darstellt. Er ist recht vulgär und undankbar. Bei ihrem zweiten Treffen im 19. Jahrhundert trauert er den großen Dichtern nach, die er noch im 16. Jahrhundert für unfähig erklärte. Die ganze Art, wie Virginia Woolf diesen Greene bezeichnet lässt den Leser spotten. Obwohl es keinen berühmten Dichter Namens Nicholas Greene gab, könnte hinter dieser Person eventuell der Dichter Robert Greene (1558-1592) stecken, dessen Lebensdaten in etwa in das erste Kapitel Orlandos passen könnten, andererseits könnte hinter Greene auch einer der zahlreichen Freunde Vitas stecken.
Über die Benachteiligung der Frauen macht sie sich unter anderem lustig, indem Virginia in ihrem Buch Lord Chesterfield (1694-1773), Staatsmann und Diplomat, zitiert, mit den Worten „Frauen sind nichts als Kinder von größerem Wuchs... Ein Mann von Verstand tändelt nur mit ihnen, hält sie bei Laune und schmeichelt ihnen“.
Doch obwohl diese Biographie so unglaublich und an den Haaren herbeigezogen klingt, steckt in ihr weit mehr Wahrheit als man auf dem ersten Blick meint. Es hat zwar niemals eine Person namens Orlando gegeben, deren Lebensspane über 400 Jahre Betrug und die eine plötzliche Geschlechtsumwandlung erfuhr, aber dennoch gab es eine Vita Sackville-West (1892-1962). Sie war zur Zeit als Virginia Woolf ihren Roman verfasste ihre beste Freundin, Vertraute und Geliebte. Vita stammte aus dem englischen Hochadel und verfasste unter anderem 1922 das Buch „Knole und die Sackvilles“ indem sie detailliert und gut recherchiert die Familiengeschichte der Sackvilles beschreibt. Dieses Buch inspirierte Virginia mit Sicherheit Orlando zu schreiben, so schreibt sie an Vita: „...angenommen, es stellt sich heraus, dass Orlando Vita ist und nur von Dir handelt und den Gelüsten Deines Fleisches und den Verlockungen deines Geister... angenommen, es gibt da den Schimmer von Realität, der sich meinen Figuren manchmal anheftet wie der Lüster an einer Austernschale... Deine Vortrefflichkeit als Sujet beruht hauptsächlich auf deiner Adeligen Geburt und der sich daraus ergebenen Gelegenheit für Unmengen Blumiger Textpassagen... Ich lese Knole und die Sackvilles. Bei Gott, Du weißt viel...“. Virginia übernimmt aus Vitas Buch nicht nur einige Namen, wie den der Haushälterin Orlandos, Mrs. Grimsditch und des Kaplans Mr. Dupper sondern auch die Beschreibungen der Landschaft und des Herrensitzes Orlandos ähneln Vitas Ausführungen in „Knole und die Sackvilles“. Auch hat Virginia einige kleine Anspielungen auf Erlebnisse, die beide gemeinsam hatten, nicht ausgelassen, in einer Szene röstet Orlando beispielsweise Rosinenbrötchen im Feuer, wie Virginia und Vita es oft getan haben sollen. Des weiteren trug Vita, wie Orlando, regelmäßig eine Perlenkette. Selbst Vitas Hunde, Pippin und Canut finden Erwähnung. Besondere Bedeutung in Orlando hat das Gedicht des Protagonisten „Der Eichbaum“, dieses Gedicht symbolisiert „Das Land“, ein von Vita verfasstes Gedicht über ihre Heimat, mit dem sie einen Literaturpreis gewinnen konnte. Dieses Gedicht hat eine immense Bedeutung für das gesamte Buch, in dieses Gedicht steckt Orlando sein ganzes Herzblut, Orlando schreibt fast 400 Jahre an diesem Gedicht und trägt es immer, zu jedem Zeitpunkt mit sich herum, selbst bei ihrem einfachen Leben bei den Zigeunern ist dieses Gedicht immer an ihrer Brust. Mit diesem Gedicht verdeutlicht Virginia die Schwierigkeiten und die Freuden, die ein Dichter bei seiner Arbeit hat. Es ist nicht nur ein ständiger Begleiter, sondern es macht auch einen ständigen Prozess der Verbesserungen mit. Mehrere male wird erwähnt, wie Orlando das Manuskript wieder und wieder hervornimmt um einzelne Passagen zu verbessern, hätte Greene Orlando dieses Manuskript nicht abgenommen wäre es wohl niemals fertig geworden.
Hinter vielen Personen in Orlando stecken Bekannte von Vita, so ist die Jugendliebe Orlandos, Sasha, Violet Trefusis, eine Jugendliebe Vitas. Und hinter der Erzherzogin Harrieth steckt Vitas Freund Henry, Viscount Lascelles, der ihr Avancen machte, bevor sie sich 1913 mit Harold Nicolson verlobte, dessen Part im Buch von Shelmerdine übernommen wurde. Durch diese Bisexuelle Ausrichtung Vitas ist auch die Geschlechtsumwandlung Orlandos zu erklären, man kann also sagen, sie war vom „Material“ her vorgegeben.
Von großer Bedeutung für das Buch sind die dazugehörigen Illustrationen, die Virginia größtenteils gemeinsam mit Vita aussuchte. So ist beispielsweise das Bild von Orlando als Knabe ein Vorfahre Vitas und viele der Porträts stellen Vita selbst dar, die sich extra für ihre Freundin und ihr Buch so ablichten ließ. Auch das Bild von Orlandos Mann, Shelmerdine, suchen Virginia und Vita gemeinsam aus.
Orlando ist demnach ein Schlüsselroman, der Vitas Leben aus Virginias sicht beschreibt. Virginia versetzt sich letztendlich so sehr in Vita hinein, dass sie ihr schreibt: „Orlando ist Fertig!... Die Frage ist jetzt, werden sich meine Gefühle für Dich verändern? Ich habe all diese Monate in Dir gelebt – nun komme ich wieder heraus, und wie bist du wirklich? Gibt es Dich? Habe ich Dich erfunden?“. Zwar hatte Virginia das Schreiben auf eine Art befreit und ihr auch gleichzeitig erlaubt Vita aus einer Gewissen Distanz zu betrachten, liebevoll, amüsiert und ziemlich melancholisch, aber andererseits litt Virginia nachdem sie Orlando vollendet hatte oft unter dem Gefühl menschliche Beziehungen wären irreal, eine Art Phantom oder Einbildung auf das man sich nicht verlassen dürfe.

Orlando wurde Virginias erster wirklich großer Erfolg, es war überall nach kürzester Zeit vergriffen und schon nach wenigen Monaten musste eine weitere Auflage erscheinen. Vita selbst wurde nach Veröffentlichung des Buches oft mit Orlando angesprochen. Orlando wurde verfilmt und die Zeitung „Die Zeit“ bezeichnete es 1999 sogar als Jahrhundertbuch und Wolf Wondratschek meinte sogar: „Orlando ist ein unwiederholbarer Glücks- und Einzelfall, eine Götterspeise, in deren Atomen man endlos stochern könnte, nur um immer wieder weiter nichts zu finden als die unsichtbaren Bestandteile sorgloser Vollkommenheit.“

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Interpretation:

Meine Meinung über „Orlando“ ist geteilt, zum einem schätze ich diesen Humor, den Virginia teilweise an den Tag legt und ich musste auch ein paar mal laut auflachen, und Virginia schafft es eindrucksvoll über Landschaften und Naturphänomene zu berichten, ihre Beschreibung vom Beginn des 18. Jahrhunderts wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben, dennoch war dieses Buch recht verwirrend und streckenweise etwas langatmig. Schwierigkeiten hatte ich auch mit gänzlich unlogischen und avantgardistischen Passagen, wie „Er streckte sich. Er erhob sich. Er stand aufrecht in völliger Nacktheit vor uns, und während die Trompeten Warheit! Warheit! Warheit! Schmettern, bleibt uns keine Wahl, als zu gestehen – er war eine Frau.“

Quellennachweis:
· Virginia Woolf – Orlando [deutsche Übersetzung von Brigitte Walitzek mit einem Nachwort von Klaus Reichert], Fischer Taschenbuch Verlag, 11. Auflage 1998
· Werner Waldmann – Virginia Woolf, Rowohlts Monographien herausgegeben von Kurt und Beate Kusenberg, Rowohlt Verlag, 1983
· Susanne Amrein – So geheim und vertraut, Virginia Woolf und Vita Sackville-West, Suhrkamp Verlag, 1998

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4.3 / 5 Sternen (6 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Deutsch
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2004
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 23.06.16

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