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"linguistic turn" - Definition und Geschichte

Inhaltsverzeichnis

Im Folgenden wird sich mit dem Begrif des "linguistic turn" im Zuge des Studiums der Geschichtswissenschaft intensiver auseinandergesetzt. Dabei dient der Text "Wer hat Angst vor dem linguistic turn?" von Schöttler als Bearbeitungsgrundlage. In ihr werden sowohl Definition und Stellungnahmen Habermas und Wittgensteins zu finden sein als auch die Rolle im Diskurs des "linguistic turns" von Richard Rorty. Insgesamt sind es zwei Exzerpte zwei verschiedener Studenten der Geschichtswissenschaft zum Theama "linguistic turn". Führende Rollen spielen die bereits genannten Personen namens Wittgenstein, Rorty als auch Habermas im Diskurs um den sogenannten Linguistic Turn. Nun aber endlich die beiden Ausarbeitungen als Exzerpt dazu:

Exzerpt zu „Wer hat Angst vor dem ‚linguistic turn’?“ von Peter Schöttler
Erschienen1997 in „Geschichte und Gesellschaft (23)“ S. 134-151

Dieser Artikel umfasst 2 Exzerpte zum o.g. Text. Es wird der sog. "lingustic turn" der Geschichtswissenschaft genauer betrachtet.

Einleitung zum linguistic turn und der Geschichtswissenschaft

Der vorliegende Text von Peter Schöttler über Furcht und Notwendigkeit des linguistischen Paradigmenwechsels im 20. Jahrhundert liefert Überlegungen zu der Eingrenzung des Diskursbegriffes, den theoretisch und empirischen Bezügen des sprachlichen Wandels („linguistic turn“) und ihrer Bedeutung für die Geschichts- und andere Geisteswissenschaften.
Es sollen Ansätze geliefert werden, die zur Erfassung von (historischer) Wirklichkeit mithilfe sprachanalytischer Betrachtungsweisen führen.
Der Autor erörtert unter anderem die These, inwiefern der Prozess des sprachlichen Wandels „Angst […] unter [deutschen] Historikern“ verbreite und beleuchtet dabei dessen Ursache (S. 147).
Für mich stellt sich die Leitfrage, ob und inwiefern Nutzen aus dem „linguistic turn“ für uns angehende Historiker zu ziehen ist. Zudem gilt es die Entwicklung des sprachlichen Wandels zu erfassen, zu definieren und gegebenenfalls Rückschlüsse auf die Gegenwart zuzulassen.

Der Begriff des Diskurses als bedeutendste Wortneuschöpfung der „letzten Jahrzehnte“

Ausgehend von Frankreich in den 60er Jahren, über England und USA in den 70ern fand die wissenschaftliche Verwendung des Wortes „Diskurs“ in (West-)Deutschland erst in den 80er Jahren des 20ten Jahrhunderts Einzug (S.134).
War der „Diskurs“ anfangs ein von „tabuisierten Autoren“ (Foucault) verwendeter Begriff (S. 134),  so durchzieht er heute sämtliche Lebensbereiche wie Bildung, Medien und Politik (S. 135) und hat sich zu einem „Allerweltsbegriff“ entwickelt (S. 134). Er gibt sogar eine erste Definition des Begriffes, wonach jeder „freimütige Dialog, jeder offene Meinungsaustausch in sachlicher Atmosphäre“ inzwischen zum Diskurs stigmatisiert  worden ist (S.136.)
Diesen Prozess wertet Schöttler als eventuelle Modeerscheinung, die vor allem ostdeutschen Wissenschaftlern nach der Wende zu gefallen scheint (S. 135).
Die Gründe dafür sieht er in der Vielschichtigkeit und positiven Assoziierung des Diskursbegriffes und vertritt die These, dass er eine „Beschwörungsformel gegen Ausschluss“ sei (S. 136). [Diskursbegriff als Mittel der (Wieder-)Annäherung zwischen Ost und West nach Wiedervereinigung, also als Integrationshilfe?]
Immerhin kann jeder am Diskurs teilnehmen, der dessen „Spielregeln der Rationalität“ einhielte (S. 136/137) und bezieht sich damit auf Jürgen Habermas „philosophischen Diskurs der Moderne“ (vgl Fußnote 7). Sobald aber Reglementierungen getroffen werden, wird aus der vorurteilsfreien „Kommunikationsgemeinschaft Diskurs“ eine auf bestimmte Sichtweise beschränkte Kommunikation, in der lediglich „gesagt wird was gesagt werden darf“ (S. 137).
Diesem scheinbaren Widersinn möchte Schöttler getreu dem Motto „der Weg ist das Ziel“ mittels Begriffs(er)klärung und Diskussion anhand dreierlei Fragen entgegentreten, an denen sich seine folgenden Aussagen orientieren und Bezug nehmen (S. 138).

1. Frage: Was ist unter dem Begriff „Diskurs“ zu verstehen?

Wie jedes Wort ist auch der Diskurs nicht eindeutig und abhängig vom zu verwendenden Kontext und Sinnzusammenhang zu verstehen. Diese grundlegende Uneindeutigkeit erfährt beim Diskurs eine Verdoppelung, da wir mindestens zwei divergierende Konzepte vorfinden (S. 138).
Das wäre zum Einen das in den 70ern durch den Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas geprägte Konzept der „Theorie des kommunikativen Handelns“, wonach der Diskurs als philosophischer Begriff auf ein bestimmtes Ideal abzielt ohne empirische Ansprüche zu erheben mit der Hoffnung auf „Einmütigkeit und ethische Regulierung“ (S. 139).
Dem gegenüber steht ein durch den französischen Philosoph, Psychologen und Soziologen Michel Foucault geprägtes zweites Konzept der „konkreten, sprachlich und institutionell eingegrenzten Formation“ (S. 140), welcher den Diskurs als sozialwissenschafltichen Begriff führt und auf eindeutige, empirische Untersuchungen abzielt, welche durchaus eine Veränderbarkeit des Diskursbegriffes mit sich führen können (S. 139).
Die Frage, inwieweit beide Begriffe „kompatibel“ sind, sei eine für Historiker unrelevante da philosophische Debatte. Viel interessanter ist doch die Frage der Konsequenz, welche sich aus der Vermengung beider Begriffe ergibt (S. 140). Diese Vermengung ist bspw. in der auf ex-DDR-Gebiet  gegründeten Zeitschrift „Berliner Debatte – INITIAL. Zeitschrift für sozialwissenschaftlichen Diskurs.“ ersichtlich. Laut Schöttler impliziert der Untertitel [sozialwissenschaftlicher Diskurs] den „Habermaschen Diskursbegriff“, einzelne inhaltliche Darlegungen hätten dagegen eindeutigen Foucault-Charakter. (S.141)
Schöttler kommt zur Erkenntnis, dass die Vermengung beider Begriffe „fatale Folgen“ habe und nennt diesbezüglich konkret „verdrehte [zerstörirische] Perspektiven“, „Entspezifizierung und Banalisierung“; kurzum erkalte der Diskursbegriff durch diese Sinnentfremdung „zum Klischee“ (S. 142).

2. Frage zur Definiton: Was ist unter dem Begriff „linguistic turn“ zu verstehen?

Das in Europa umherziehende „Gespenst des linguistic turn“ [eine Entlehnung aus dem ersten Satz des „Kommunistischen Manifests“] gründet in der Philosophie Richard Rortys aus den 60er Jahren und beschreibt die „kulturgeschichtliche [Neu-]Orientierung“ der Geschichtswissenschaft. Aber auch hier sind nach Schöttler teils divergierende Unterscheidungen notwendig. (S.142).
Die erste ist systematischer Art in der er behauptet, dass die Diskursanalyse wesentlich zu unterscheiden gilt von allen „Weltanschauungen“ und darüber hinaus die historische Sprachanalyse nicht grundsätzlich eine Erfindung der Postmoderne sei (S. 143), wobei es auch für Historiker relevante, „gute“ postmoderne Autoren gäbe wie Peter Jelavich (vgl Fußnote 24).
Die zweite Unterscheidung ist „wissenschaftsgeschichtlich[er]“ (S.144) [Und damit für uns Historiker interessant]. In der neueren Geschichtsschreibung sind vor allem zwei Phänomene auf sprachlicher Ebene zu beobachten, die Schöttler neutralitätssuchend „Strang A“ und „Strang B“ tauft (S. 144).
Strang A habe [nicht näher beschriebene] Vorläufer im 19ten Jhr. und erstreckt sich von den „frühen Annales“ (Lucien Febvre und Marc Bloch) über den „Strukuralismus“ (roland barthes und Régine Robin) hin zu aktuelleren Diskussionen über Kulturgeschichte (Roger Chartier).
Strang B setzt dagegen bei der „traditionelle, nicht-soziologischen, nicht – systematischen Kulturgeschichte der Jahrhundertwende“ an (S.144). Auch hier fallen [offenbar bedeutsame] Namen wie Georg Steinhause oder Hayden White [und andere] (S.145).
Zwischen beiden Strängen gibt es durchaus Gemeinsamkeiten,ja einige Autoren pendelten gar vom einem zum anderen Strang [Bspw.Francois Furet](S.145).Wieder einmal haben wir es also mit einer Uneindeutigkeit zu tun,die Angst auslöse da alle Wissenschaftler Furcht vor dem Nichtbestätigen eigener Erwartungshaltungen hätten (S.146) [vgl auch G. Devereux]

3. Frage: Was ist daran so erschreckend, woher kommt diese Angst?

Dieser von Devereux beschriebene Prozess von der Sklaverei der Normalwissenschaft sei nur durch ehrliche und kritische Selbstreflexion überwindbar und neue Denkmodelle immer zunächst Zeugnis von „Außenseitertum“[erinnert an Marx’ Aussage wonach alle herrschenden Gedanken die Gedanken der Herrschenden sind], welche nach und nach eine Standardisierung erfahren bis niemand mehr weißt „wer was wann gesagt“ hätte (S. 146).
Schöttler nennt für diese Angst vor dem Fremden [erinnert an den kürzlich zu bearbeitenden Radiobeitrag bzgl „Eigenem und Fremden“ -> Bezug zu Eingangszitat Hölderlin] 3 Gründe:
1. die grundlegende Angst vor Veränderung. Hier prangert schöttler die fehlende Flexibilität der „Berufswissenschaftler“ an (S.147).
2. nennt Schöttler die Angst vor einem Hegemonieverlust gegenüber fremden Theoriemodellen [Bspw. die Abwehr der Annales] (S.147), was aber niemand zugeben dürfe
3. die Angst vor der Literatur mit der These dass Sprache den Wissenschaftler beherrsche (S. 149). Es sei die Angst vor einem neuen „Primat“ [der Sprache] auf etwas [wie der Marxismus das Primat der Ökonomie erklärt], gepaart mit wissenschaftlicher Eitelkeit. Für Schöttler ist es die größte Angst , er spricht sogar von „Kontaminierung aller menschlichen Aktivitäten“ (S. 150) und weist darauf hin, dass feministische Historikerinnen diesem Phänomen bei weitem aufgeschlossener gegenüberstünden (S 150).

Schließlich beschreibt Schöttler seine eigene Intention diesen Text zu verfassen; nämlich um Fragen und Probleme bezüglich der „Diskursanalyse“ und des „lingusitic turns“ aufzuwerfen [ohne konkrete Lösungsansätze zu vermitteln] und zeiht das Fazit durch „lehrreiche“ und „nützliche“ Arbeiten der Sprachanalyse die Wirklichkeit besser verstehen und erfassen zu können [S. 150/151].

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Kommentare

Abschließend möchte ich kurz einige Anmerkungen und Beurteilungen treffen. Ich finde den Aufbau des Textes und der Argumentationsstruktur nicht immer schlüssig und auf Anhieb nachvollziehbar. Auch wurde mir erst durch weitere Lektürenrecherche klar, was der „linguistic turn“ ist.
Der Text richtet sich an ein vermutlich wissenschaftliches Publikum; es sind viele Fremdwörter und Fachbegriffe enthalten die auch ich erst mühsam nachschlagen musste und somit der Sinnzusammenhang nicht immer auf Anhieb erkennbar war.
Auffällig ist auch, dass tlw doch recht viele textimmanente Wiedersprüche zu finden sind bzw scheinbar widersprüchliche Aussagen getroffen werden.
Ebenso sind manche Vergleiche meiner Meinung nach weit hergeholt und nicht sofort verständlich , bspw als er Brillenträger als Vergleich anführt.

Dennoch erachte ich diesen Text als sehr lehrreich und interessant, es bereitete mir Freude ihn zu lesen und zu bearbeitenden, man hat so einiges mitgenommen und gelernt.
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2. Exzerpt zu „Wer hat Angst vor dem ‚linguistic turn’?“ von Peter Schöttler


“Wer hat Angst vor dem “linguistic turn” ?” von Peter Schöttler setzt sich mit essentiellen Vorgängen der Wandlung innerhalb der Geschichtsschreibung auseinander und liefert Definitionen zu gewissem Gebrauchsvokabular.
So fällt er gleich mit der Tür ins Haus und wirft den Leser mit dem mehr als fremden Fremdwort “Diskurs” gleich ins kalte Wasser. Jedoch versucht er ihn, wie er ja ein Anfänger auf dem Gebiet ist, an die Hand zu nehmen und führt ihn durch seinen, nicht immer durchsichtigen, Gedankengang.
Seine Einleitung strotzt demnach nur so vor Fachtermini und gibt nicht wirklich Aufschluss über den eigentlichen Kern des Textes, sprich seiner zentralen Frage und deren Beantwortung. Grob gesprochen beschreibt er zu aller erst einmal die historische Bedeutung bzw. das Aufkeimen des Wortes “Diskurs” im deutschen und internationalen Sprachgebrauch und den verzweifelten Kampf mit der genauen Definition. Vor allem stützt er sich auf Beispiele aus der DDR und wie dieser Begriff dort verwendet und definiert wurde. So stellt er denn Hypothesen und Argumente zur Verfügung, die diese Entwicklung verdeutlichen und klar werden lassen. Jedoch verbringt man mehr Zeit damit im Fremdwörter-Duden nach zu schlagen als sich auf die Erkenntnisgewinnung zu konzentrieren und somit hat man am Ende nun doch nur die Hälfte verstanden.
Nach dieser mehr oder weniger informativen Einführung in seinen Gedankengang - da man ja nur ansatzweise verstanden hat was der Autor sagen wollte auf Grund seiner Wortklauberei - beginnt er mit damit den Begriff “Diskurs” zu definieren bzw. versucht es.
Demnach unterscheidet man zwischen zwei “Definitionen” : Die erste wurde in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts von Foucault aufgestellt und beschreibt den Diskurs als eine Art Praxis für Kommunikation und Wissensaustausch mit gewissen Regeln. Demnach soll dieser als ein sozialwissenschaftlicher Begriff verstanden werden, der sich auf konkrete Tatsachen beziehen soll, zu gleich aber skeptisch ist, wodurch eine große praktische Funktion von ihm abzuleiten sei.
Der zweite Ansatz einer Begriffsklärung entstand in den 70er Jahren  durch Habermas. Dieser fasste das Wort eher als ein Wort denn ein konkretes Objekt auf und beschränkt sich eher auf die theoretische Abhandlung. Daraus lässt sich für den Autor schließen dass es sich bei Habermas “Definition” eher um eine Art philosophischen Begriff handelt der mehr als ein Ideal angesehen werden soll was gewisse Hoffnungen schürt, diese aber nur in geringen Ausmaße erfüllen kann.
Einzige Gemeinsamkeit der beiden “Definitionen” ist der Ursprung des Wortes Diskurs aus der Philosophie. Dies bedeutet nun aber nicht im Umkehrschluss dass auch beide Begriffe kompatibel sind, d.h. sich gegenseitig ergänzen.
Eher kritisieren und relativieren sich beide Ansätze, jedoch wird keiner von beiden vom anderen ausgestochen sondern es kommt zu einer Vermengung was eine komplette Neutralisierung nach sich zieht. Die große Folge aus dieser Entwicklung ist dann letztendlich ein fast kompletter Bedeutungsverlust und ein Verkommen des Wortes “Diskurs”. Es ist dann nur noch ein weiteres Klischee der heutigen Zeit.
Einzig die Unterscheidung der beiden Begriffe von Foucault und Habermas soll nach Autorenaussage einfacher von statten gehen als die Definition des Wortes. So stellt er die Faustregel auf, dass wenn ein Diskurs in Verbindung mit Präpositionen auftaucht, es sich meistens um die Begriffsklärung von Habermas handle und nicht die von Foucault. In manchen oder vielen Fällen aber auch um gar keine von beiden.

Nun wendet sich der Autor endlich dem zentralen Begriff des Textes zu.
 “Linguistic turn”. Was soll das sein, woher kommt diese englische Begrifflichkeit und was bedeutet sie? Diese Fragen versucht Peter Schöttler nun genauso wie den Diskurs und seine Definitionsfrage zu beantworten, jedoch leider auf die selbe Weise wie zuvor. Demnach versteht man als gebildeter Mensch, der jedoch die Materie nicht durchblickt oder noch nicht durchblicken kann und dem auch das nötige Fachverständnis fehlt, wieder einmal fast komplett nur Bahnhof.
Diese Phrase kam zum ersten mal in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts durch Rorty auf, hatte aber nach dem Autor keine großartige Bedeutung für die heutige Zeit. Danach fand er in den 80er Jahren wieder Anklang in den USA und in Großbritannien, wo dieser sowohl positiv als auch ironisch verwendet wurde. Er bezog sich vornehmlich auf die kulturgeschichtliche neu Orientierung der Geschichtswissenschaften zur damaligen Zeit. Nun kann man aber den Begriff nicht allein anhand seines historischen Auftretens fest machen sondern muss noch weiter eindringen.
So unterteilt Schöttler den Begriff nun in zwei Lager: das erste besteht aus der Diskursanalyse, wodurch ein Zusammenhang zwischen Diskurs und “linguistic turn” hergestellt wird. Das zweite bzw. die zweite Gruppe beinhaltet eine gewisse Weltanschauung bzw. nach heutigem Verständnis eine Narrativitätsdebatte, d.h. wie Geschichtsschreibung nach Stone für heutige Maßstäbe funktionieren und aussehen soll.
Die Historiographiegeschichte unterteilt sich jedoch in zwei Stränge: Strang A und Strang B. Strang A bezieht sich auf die Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 20. Jahrhunderts und nimmt eine sehr kritische Position ein. Hingegen Strang B, ob gleich dieser sich auf den selben Zeitraum beziehen mag, sieht eher einen Konflikt zwischen Narrativik und Sozialwissenschaft der bis heute noch nicht ausgefochten zu sein scheint.
Dadurch ergibt sich nun auch ein Ergebnis für die Unterteilung des “linguistic turn”.
Dieses sieht die Diskursdebatte bzw. -analyse mit der Narrativitätsdebatte in einer Koexistenz. Das heißt demnach, dass beide nur miteinander und nicht alleine oder gegeneinander existieren können und sich auch nicht ausschließen können. Daraus entsteht dann wieder eine Folge. Denn wie schon der Titel des Textes verrät, “Wer hat Angst vor dem “linguistic turn” ?, gibt es bestimmte intellektuelle Kreise, die eine Antipathie diesem gegenüber hegen. Gründe für diese sprichwörtliche Angst, die durch Innovationen ausgelöst wird sind an der Zahl drei: Erstens die Angst vor Veränderungen und die damit verbundene mangelnde intellektuelle Flexibilität, sprich das Beharren auf veralteten aber lieb gewonnenen Werten und Normen der Geschichtsschreibung mit Augenmerk auf Deutschland. Ein zweiter Grund ist das Hegemonieverhalten der Wissenschaftler untereinander. So ist selbst in Zeiten der Globalisierung eine Binnenpriorität vorherrschend die alle Innovationen zurückweist, ob gleich dieses Verhalten verpönt sein mag oder nicht. Es hat die Zeit überdauert und ist weiterhin existent. Zu guter letzt noch das fehlende, mangelnde oder inkorrekte Selbstverständnis der Historiker an sich, die eine hochgradige Angst vor neuartiger Literatur entwickelt haben, ja man könnte fast sagen eine Allergie.

Im Großen und Ganzen kann bzw. muss man abschließend sagen, dass die Sprache für Wissenschaftler sowohl Objekt als auch Subjekt darstellt, somit eineindeutig ist und bleibt.
Nun kann man letztlich doch noch zwischen den Geschlechtern unterscheiden und folgende Unterteilung wagen, bezogen auf den Objektcharakter der Sprache und deren Definition.  Für männliche Historiker stellt die Sprache die Eine und Eindeutige, welche die Wissenschaft beschreibt, was jedoch über die Jahrhunderte mehr als veraltet zu betrachten sein soll. Kurz gefasst steht dies im Gegensatz zur weiblichen Deutung der Sprache als Eineindeutige die trotzdem institutionell fungiert.
Wenn nun jedoch die Sprache als Subjekt in Erscheinung tritt, kommt es zu einem Konflikt zwischen Historiker und Sprache. Da der Historiker nicht nur Historiker sondern auch Autor bzw. Literat ist , bedroht ihn der “lingustic turn” in seiner Koexistenz.

 Abschließend kann man dem Autor wohl unterstellen, dass er zwar ein etablierter seines Fachs ist und die anstehenden Veränderungen auch zu überblicken vermag, jedoch stellt er sein Wissen nicht der breiten Masse zur Verfügung. Er vergräbt sich zwischen Fremdwörtern und Fachbegriffen wie ein Soldat im Ersten Weltkrieg vor Verdun und hat demnach sicherlich auch Angst vor der Granate des “lingustic turn”, wie wohl jeder etablierte Historiker dieser Zeit.

Kursinfo:

PEK  „Einführung in die Geschichtswissenschaft“
Lehrstuhl für Militärgeschichte
Frau A. Strauß
Universität Potsdam

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4.5 / 5 Sternen (2 Bewertungen)
  • Autor: Tom Zeddies
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 1. Semester (Uni)
  • Erstellt: 2008
  • Note: 2+
  • Aktualisiert: 29.06.16

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