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Bauernbefreiung Referat

Inhaltsverzeichnis

Folgend ein Referat über die Bauernbefreiung im 19. Jahrhundert.

Bauernbefreiung

Am Anfang des 19. Jahrhunderts lebten zirka 4/5 der deutschen Bevölkerung von und in der Landwirtschaft. Daher gab es einen erheblichen Arbeitskräfteüberschuß, die Bevölkerung war arm. Außerdem lebten die Bauern in Feudalherrschaft, waren also vom Adel abhängig und mußten oft Frondienste für ihren Gutsherren leisten. Die Ziele dieser Reformen waren persönliche Freiheit, Freizügigkeit und Vertragsfreiheit der Arbeitskräfte und die Einführung des Prinzips des privaten Landeigentums. Die Bauern waren gegen Abtretung von 1/3 beziehungsweise ½ des Landes an den Gutsherren die freien Eigentümer des Landes. Der genossenschaftliche Gemeinbesitz wurde an anteilsberechtigte Bauern verteilt. Die Folgen der Bauernbefreiung waren aber teilweise entgegen dem eigentlichen Ziel, so konnten die Gutsherren ihren Besitz um etwa 18% vergrößern, es entwickelten sich landwirtschaftliche Großbetriebe. Außerdem mußten zahlreiche Bauern ihren Hof aufgeben, weil sie nicht konkurrenzfähig waren. Die Bauernbefreiung hatte eine starke Bevölkerungszunahme auf dem Land zur Folge, es wurden viele unqualifizierte Arbeitskräfte frei, diese sind dann in die Städte abgewandert.
Die Bauernbefreiung verlief in den einzelnen Territorien je nach historischen und rechtlichen Voraussetzungen in unterschiedlicher Weise und zeitlicher Abfolge.

Sie umfaßte im Wesentlichen folgende rechtliche Vorgänge:

1. die Aufhebung der persönlichen Unfreiheit der Bauern (Leibeigenschaft, Erbuntertänigkeit),
2. die Übertragung des Grundeigentums an die Bauern, die den Boden bewirtschafteten (Auflösung der Grundherrschaft oder Gutsherrschaft),
3. die Ablösung der mit der Grund- oder Gutsherrschaft verbundenen Gerichtsrechte (Patrimonialgerichtsbarkeit) sowie der bäuerlichen Verpflichtungen zu Abgaben und Leistungen (Frondienst).

Anlass und Ursache der Bauernbefreiung

war einerseits die Starke Bevölkerungsvermehrung. Lebten um 1700 noch weniger als 30 Menschen auf einem qkm, so waren es 1800 bereits über 40. Damit war der von der Landwirtschaft gegebene Nahrungsspielraum so gut wie erschöpft, was bedeutete, dass die Menschen Nahrungsmangel erleiden mußten. Von einem enormen Aufschwung in der Agrarwirtschaft konnte also nicht die Rede sein.
Nur die Preisentwicklung für Getreide war stetig nach oben gerichtet. Allein zwischen 1770 und 1800 betrug der Anstieg 90%. Der unaufhaltsame Preisanstieg für das Hauptnahrungsmittel Europas war jedoch nur die Folge einer beständigen Verknappung des Angebots. Jedoch, abgesehen von den großen Betrieben in bäuerlicher Hand, konnten ausnahmslos der Adel und der Klerus von der Preissteigung profitieren, indem sie mit Hilfe der Bauern erzielten Mehrerlöse abschöpften.
Anderseits wurden Reformen mit allen Nachdruck betrieben, um die Zahl der steuerpflichtigen und die Einnahmen für die Steuerkassen zu erhöhen.

Soweit man die Geschichte des ländlichen Raumes überblicken kann, haben wohl selten staatliche Maßnahmen so entscheidend und umwälzend in die Struktur und Wirtschaft der Dörfer eingegriffen wie die Ablösungen, Gemeinheitsteilungen und Verkoppelungen der Flurbereinigungen. Sie lösten jahrhundertelange Besitzrechte, wie z.B. das Meierrecht, mit den auf den Höfen und kleineren Stellen lastenden Verpflichtungen ab und machten den Weg frei für eine leistungs- und marktorientierte Landwirtschaft.

Der Vorgang der Bauernbefreiung bezeichnet die Aufhebung und Abschaffung des Abhängigkeitsverhältnisses, dem die bäuerliche Bevölkerung aufgrund des Feudalsystems unterworfen war.

Zu diesem feudalistischen Abhängigkeitsverhältnis gehörten

Rechtliche Bindungen:

Personenrechtliche Abhängigkeitsverhältnisse bedeuteten die Untertänigkeit und damit die persönliche Unfreiheit für den Bauern und seine Familienangehörigen.
Die Abhängigkeit vom Grundherrn beschränkte die Verfügungsgewalt des Bauern über den von ihm bewirtschafteten Boden. Die Abhängigkeit war unterschiedlich stark. Sie hing davon ab, ob der Bauer das Nutzungsrecht auf Zeit oder auf Lebenszeit hatte oder ob die Bauernfamilie das Erbrecht besaß.

Hoheitliche Rechte:

Sie umfaßten die Polizeigewalt und die sogenannte Patrimonialgerichtsbarkeit, die auch die höhere Gerichtsbarkeit (Kriminalfälle) einschloß.

Wirtschaftliche Verpflichtungen bedeuteten

a) Hand- und Spanndienste, die der Bauer dem Grundherrn zu leisten hatte,
b) Gesindezwang, d. h., dass die Bauernkinder im herrschaftlichen Betrieb oder Haushalt arbeiten mußten und
c) Naturalleistungen in Form von Getreide, tierischen Produkten, Flachs usw.;
d) die gemeinsame Nutzung von Weideland und Brache führte bei den kleineren Bauern zur Einschränkung der Viehhaltung, da ausreichende Flächen für den Anbau von Früchten als Voraussetzung der Stallfütterung nicht zur Verfügung standen.
Die gesellschaftliche Erstarrung: Sie verhinderte vor allem die gesellschaftliche und berufliche Mobilität bzw. machte sie abhängig von der Genehmigung des Grundherrn.
Dies bedeutete konkret:
a) Eingeschränkte Freizügigkeit (Ortsgebundenheit, Schollengebundenheit);
b) eingeschränkte Berufswahl;
c) Heiratsgenehmigung und
d) Beschränkung der Bildungsmöglichkeit.

Die Fürsten versprachen sich eine Reihe von Vorteilen aufgrund der

Umstrukturierung in der Landwirtschaft:

- Größeren Wohlstand;
- bessere Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln. Die Bevölkerungsexplosion machte eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion erforderlich. Diese war mit den bisherigen Methoden nicht erreichbar;
- Ablösung der Fronarbeit durch die kostengünstigere und ertragreichere;
- kurzfristig eine zusätzliche Einnahmequelle durch die Ablösezahlungen, langfristig eine Steigerung der Staatseinnahmen aufgrund der Hebung des allgemeinen Wohlstands;
- eine Verringerung der Macht des Adels durch den Abbau der ständischen Hoheitsrechte und die damit verbundene unmittelbare Unterstellung der Bauern unter den Landesherrn (Immediatisierung).

Die Bauernbefreiung kann zeitlich folgendermaßen eingeordnet werden:
Ihre größte Intensität hatten die Reformmaßnahmen in Deutschland zwischen 1765 und 1850. Die letzten Ausläufer reichten bis ins 20. Jahrhundert.

Die Bauernbefreiung in fünf Schritten:

1. Die Aufhebung der persönlichen Bindungen.
2. Die Umwandlung der Dienste und Naturalleistungen in Geld- oder Sachleistungen. Zeitlicher Verlauf.
3. Die Verleihung des Eigentums an Boden, Gebäuden und Inventar an die Bauern. Diese belastete die Bauern unterschiedlich lang (24 bis 50 Jahre).
4. Die Auflösung der Allmenden und die Beseitigung der Gemengelage ("Separation") sowie deren individuelle Nutzung.
5. Die Aufhebung der ständischen Patrimonialgerichtsbarkeit und der Polizeigewalt
Wichtig ist, dass die Reformen nicht überall in dieser Reihenfolge durchgeführt wurden. Einzelne Schritte konnten zusammenfallen. Eine andere Reihenfolge war aufgrund spezifischer Verhältnisse ebenso möglich wie die unterschiedliche Intensität der Durchführung.

Die Bauernbefreiung bedeutete die Auflösung der Agrargesellschaft und brachte deshalb eine Reihe von

wirtschaftliche und soziale Folgen der Bauernbefreiung:

- Die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Produktion. Durch die individuelle Nutzung der Allmende, die Bebauung der Brache, die Urbarmachung von bisher nicht genutztem Boden, die Veränderungen der Produktionsmethoden (Übergang von der einfachen zur verbesserten Dreifelderwirtschaft bzw. zur Fruchtwechselwirtschaft) sowie durch die Sommerstallhaltung wurde eine höhere Produktivität erreicht.
- Die Aufhebung des bisherigen Bauernschutzes (= Schutz vor Aufkauf durch Grundherren; Erlaß der Abgaben und Dienste bei Mißernten oder Seuchen). Hohe Ablösesummen und niedrige Agrarpreise bewirkten, dass viele Bauern ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten, ihren Besitz verloren und Grund und Boden verlassen mußten.
- Die anderen Bauern bildeten das Arbeitskräftepotential der beginnenden Industrialisierung.
- Veränderungen in der ländlichen Sozialstruktur (Verstärkung des ländlichen Proletariats, stärkere Differenzierung der bäuerlichen Gruppen).

Begriffserklärung:
Patrimonialgerichtsbarkeit, die; -, kMz. (jur.) (veraltet) Gerichtsbarkeit eines Großgrundbesitzers über seine Untergebenen

patrimonial das Patrinomium betreffend, auf ihm beruhend, zu ihm gehörend

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2003
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 22.06.16

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