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Das Imperium Christianum - ein frühzeitiges Europa?

Inhaltsverzeichnis

Folgend ein Aufsatz der auch als Referat zum "Imperium Christianum" brauchbar ist. Sehr mühevoll ausgearbeitet und locker eine Eins wert.

Aufgabe:

1) Was verstehen die Karolinger unter „Imperium Christianum“?
2) Wie verändert sich die Auffassung vom Imperium Christianum im Laufe des Mittelalters?
3) Welche Rolle spielt dabei der Begriff „Europa“?

Lösung:

Die Karolinger und der Begriff „Europa“

Während der Zeit der Karolinger wurde der Begriff „Europa“ nur vereinzelt verwendet, und wenn, dann meist auch nur von den Gelehrten. Er hatte sich in der Antike entwickelt: Damals wurde so die höhere Einheit mehrerer kleiner, freiheitlich organisierter Staatswesen in Griechenland bezeichnet. Diese Staatswesen unterschieden sich zwar im Einzelnen, fühlten sich aber dennoch zueinander zugehörig und grenzten sich vor allem von dem despotisch (also rücksichtslos, tyrannisch) regierten Großreich der Perser ab. Besonders verbunden waren sie durch die jährlich stattfindende Olympiade.

Wandel der Auffassung vom Imperium Christianum im Mittelalter

Während des Mittelalters allerdings änderte sich die Auffassung vom Imperium Christianum grundlegend. Es entstanden Nationalstaaten mit unterschiedlichen Königen, die allesamt christlichen Glaubens waren. Als Oberhaupt wähnte sich der damalige Kaiser, doch die Könige werteten sich selbst als mindestens gleichwertig und bekämpften ihn zum Teil sogar. Karls Stellung war jedoch 800 n. Chr. noch unangefochten. Alle Nationen (z. B. Sachsen, Italiener (Langobarden), Franken, Burgunder, Spanier) akzeptierten ihn als Herrscher. Der Europagedanke entwickelte sich also im Laufe des Mittelalters zurück, wovon einzelne Königreiche profitierten. Die einzige Gemeinsamkeit war ihnen nur noch der christliche Glauben und der Kampf gegen die Araber. Mit den Kreuzzügen sollte das heilige Land vom Islam befreit werden. Bald verstand man unter dem Begriff nur noch die kulturelle, kirchliche und politische Gemeinschaft, die es zu verteidigen und zu verwalten gab. Dennoch bestand auch weiterhin die Idee der „christianitas“, die Vorstellung der universalen Christenheit.

Die Idee (eines geeinten) „Europa“ - Karl der Große als Begründer

Der Begriff Europa spielt also schon seit geraumer Zeit eine große Rolle. Es ist immer von der Gesamtheit die Rede, wenn auch in unterschiedlichen Aspekten wie heute. Das Imperium Christianum war ein integriertes Weltreich, also ein Reich, dass sich aus mehreren Territorien zusammensetzt. Das Gegenteil, die Desintegration also, bezeichnet zum Beispiel die Auflösung des römischen Weltreiches. Unter den Nachfolgern Karls dem Großen verlor man die europäische Idee. Stattdessen entstehen Nationalstaaten. Nach der Zeit Karl dem Großen kam es zur Desintegration, das heißt zur Teilung Europas. Der Begriff „Europa“ wurde schon vorher kaum gebraucht und verlor dann im Laufe der Zeit auch noch an Realität: Die Idee Europas hörte auf, weiterhin zu existieren. Europa existierte also nur zur Zeit Karls dem Großen. Erst ab 1949 ist wieder die Rede von einer Idee Europas: Es wird der Europarat gegründet (im Sinne Karls dem Großen). Mitglieder waren Churchill (Groß- Britannien), de Gasperi (Italien), Schumann (Frankreich) und Adenauer (Deutschland). Der erste, der wieder von Europa sprach, war 1946 Winston Churchill. Er sprach nämlich von den Vereinten Staaten von Europa als Zukunftsvision. Er war ja auch ein Mitglied des Europarates. Karl der Große war Begründer der Europa-Idee, allerdings unter dem Einfluss der römischen Tradition. Er ließ in seinem Reich (nach der Krönung!) Individualität zu, zum Beispiel im Bereich der Sprachen, Sitten und Eigenarten, solange sie ihn als Stellvertreter Gottes, also christliches Oberhaupt, ansahen und christlichen Glaubens waren.

Gegenüberstellung der Begriffe „Imperium Christianum“ und „Europa“

Imperium Christianum: Kaiserreich in römischer Tradition (römischer Herrschaftsbegriff)
christlich patriarchalischer Standpunkt - Verantwortung für Andere - Gerechtigkeit - Nächstenliebe

Europa: Ein Begriff der Antike. Die kleinen Staaten in Griechenland nannte man Polis. Sie waren freiheitlich organisiert. Sie mussten sich gegen die Perser behaupten. Dies zeigt auch, was Europa immer meinte: Europa wurde immer als Gegenpol zu Weltreichen verstanden.

Es war also ein aggressiver christlicher Begriff. Im Hoch-/ Spätmittelalter wurde es benutzt, wenn man von Angriffen von außen sprach. Es bezeichnete die Gesamtheit der christlichen Reiche bei der Abwehr anderer Religionen. Der Begriff bezeichnete ein christliches Weltreich in römischer Tradition, was auch die verbindende Idee war. Heute ist die verbindende Idee Europas die Demokratie. Karl überließ den unterschiedlichen Staaten - ebenfalls wie es heute zu sehen ist - ihre eigene Identität und Sitten, was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich war. Eine weitere Gemeinsamkeit war, dass sich die Staaten gegenseitig Schutz bieten.

Die weitere Zeit nach Karl des Großen und dem Zerfall des Kaiserreichs - der Gedanke „Europa“ geht verloren

Nach der Zeit Karls dem Großen beginnt die Desintegration; das Karlsreich zerfällt in verschiedene Nationalstaaten (Deutschland folgt in dieser Entwicklung erst 1871 (!) mit dem Zweiten Deutschen Reich). Vom 11. bis zum 13. Jahrhundert meinte der Begriff „Europa“ die Gesamtheit der christlichen Königreiche bei der Abwehr des islamischen Glaubens. Es war also mehr ein defensiver Europagedanke. Die Kreuzzugsidee beruhte auf diesem Gedanken. Im 13. und 14. Jahrhundert unterwarf man die Slawen (z.B. die Pruzzen (später: Preußen). 1525 gab man die Christianisierung des Ostens nach der Niederlage des Ritterordens endgültig auf. 1683 standen die Türken vor Wien, zogen sich jedoch aus ungeklärten Gründen zurück. Im 15. und 16. Jahrhundert existierte der Europagedanke nicht einmal mehr im entferntesten. Im Karlsreich war der Europagedanke ein offensiver Gedanke.

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4.2 / 5 Sternen (5 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 12. Klasse
  • Erstellt: 2012
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 08.07.16

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