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Das Leben der Großbauern Referat

Inhaltsverzeichnis

Die folgende umfangreiche Facharbeit ist natürlich auch als Referat zum Thema "Großbauern in Deutschland" geeignet! Ein paar Worte und Informationen über Großbauer des Zarenreichs und russischen Großbauern sind mitunter entnehmbar, vor allem ein Vergleich bietet sich ja geradezu an. Einige von euch werden sicherlich auch vom Lehrenden ein "Bauernleben Referat" aufgetragen bekommen, wozu dieser Artikel sich bestens zur Ausarbeitungsgrundlage eignet!

Inhaltsverzeichnis "Lebenswelt der Großbauern im 19 Jahrhundert"

Einleitung 
1 Der Großbauer 
1.1 Besitz 
1.2 Die Hauptarbeiten eines Großbauers
1.2.1 Die Arbeiten der Männer auf dem Bauernhof
1.3 Gesellschaftliche Stellung des Großbauern
2 Die Macht des Großbauern über Arbeiter und Familie
2.1 Machtbefugnis und Züchtigungsrecht über die Familie
2.2 Die Erziehung der Kinder im Bauernleben als Referatsbestandteil ist wichtig
2.3 Die Erziehung der Arbeiter zu willenlosen Dienern
2.4 Die hierarchische Stellung des Großbauern im ländlichen Wohn-bereich
2.5 Die festgelegte Tischordnung
2.6 Wohnverhältnisse einer großbäuerlichen Familie
3 Hofübergabe in großbäuerlichen Familien
3.1 Heirat und Nachfolge auf einem großbäuerlichen Hof
3.2 Die Vererbung großbäuerlicher Höfe
4 Die Kleidung als soziales Zeichen
5 Grundherrschaft
6 Industrialisierung und Landflucht; Vor- und Nachteile für die Bauern
7 Schlussbetrachtung
8 Anhang
8.1 Literaturverzeichnis

Einleitung Großbauern

In meiner Facharbeit möchte ich dem Leser einen Einblick in das Leben eines niedersächsi-schen Großbauern im 19. Jahrhundert vermitteln. Dabei habe ich vorwiegend auf Literatur-quellen aus der Lüneburger Heide zurückgegriffen, insbesondere aus dem Archiv des Land-wirtschaftsmuseums in Hösseringen. Es war mir möglich, anhand dieser Quellen, die das Le-ben der Großbauern einer speziellen Region beschreiben, auf allgemeinere Aussagen zu schließen, die das Leben aller Großbauern in Niedersachsen betreffen.

In Kap. 1-4 habe ich mich zunächst mit dem Charakter und der Umgebung des Großbauern beschäftigt. Dies schien mir erforderlich, um dem Leser die Situation dieser Bauernklasse zu veranschaulichen. Auf eine Darstellung der Situation der gesamten Landarbeiter im 18. Jh. musste aus Platzgründen verzichtet werden. Einige wichtige "Einschnitte" im Leben der Großbauern im 19. Jahrhundert werden in Kap. 5 und 6 vorgestellt. In einer Schlussbetrach-tung (Kap. 7) erfolgt eine kurze Zusammenfassung und eine abschließende persönliche Wer-tung.

Für meine Arbeit stand mir ausreichend Material zur Verfügung, sodass ich nur solche Litera-tur als Hauptquelle verwendete, die keinen "verschönigenden" Charakter haben, sondern in denen klar analysiert und kritisch nachgefragt wird.

Mein ursprünglich aufgestelltes Konzept basierte hauptsächlich auf den Lebensverhältnissen der Landarbeiter. Als ich nach einiger Zeit merkte, wie umfangreich das Thema werden wür-de und wieviele neue Fragen sich ergeben hätten, entwarf ich ein neues Konzept, das das Le-ben des Großbauers in den Mittelpunkt rückte.

1 Der Großbauer

1.1 Besitz

Der Berufsstatus des Großbauern war klar definiert. Wer mehr als 100 ha Land besaß, wurde im 19. Jahrhundert als Großbauer bezeichnet. Der ländliche Besitz setzte sich aus Weide, Wald und vor allem Ackerfläche zusammen. Neben den Ländereien hielten alle Großbauern Vieh und Pferde. Der Hof wurde nicht nur vom Bauern bewirtschaftet, sondern auch von an-gestellten Kleinbauern, Knechten und Mägden. Tagelöhner wurden eingestellt, wenn die Ar-beitskräfte nicht ausreichten, um die anstehende Arbeit zu bewältigen. Die eigene Familie des Großbauern wurde von der Arbeit nicht ausgeschlossen, im Bauernleben als Referatsbestandteil ist wichtig zu erwähnen!6,7

1.2 Die Hauptarbeiten eines Großbauern

Der Großbauer hatte im Gegensatz zum Kleinbauern viele Arbeitskräfte auf dem Hof. Sein Wohlhaben und seine Einkünfte zwangen ihn nicht dazu, aktiv an der harten körperlichen Arbeit teilzunehmen. Er konnte es sich grundsätzlich leisten, seine Arbeitskraft auf die Ver-waltung des Hofes zu verlagern und dadurch nur passiv am wirtschaftlichen Geschehen direkt auf dem Hof und den Feldern mitzuwirken.5

Es hing also immer von der persönlichen Einstellung des Großbauern ab, ob er an der aktiven körperlichen Arbeit auf dem Hof teilnahm. Auf dem einen Großbauernhof hatten die Aufga-ben des Bauern verwaltungsmäßigen Charakter, auf dem anderen waren sie von anstrengen-der Arbeit geprägt.
Deshalb kann man die Wirtschaftsräume eines Großbauern zwar beschreiben, meines Erach-tens jedoch keine allgemeingültige Beschreibung über die wirklichen Arbeiten anstellen, die auf jeden Großbauern zutrifft.

1.2.1 Die Arbeiten der Männer

Die Arbeiten auf einem Großbauernhof setzten sich für die Männer hautsächlich aus Forst-, Feld-, und Stallarbeit zusammen. Im Winter war die Feldarbeit wegen des kalten Klimas aus-geschlossen. In dieser Zeit wurde vorwiegend auf dem Hof und im Wald gearbeitet. Die Tiere mussten versorgt werden, Brennholz wurde aus dem Wald geholt, ferner wurde Getreide ge-droschen. Im Frühling wurden die Felder bestellt. Die Männer bearbeiteten die Felder mit Eggen und bauten hauptsächlich mit Hilfe der Frauen Getreide, Kartoffeln und Rüben an.
Die Hauptsaison bei den Bauern war der Hochsommer. Während dieser Zeit stand die Ernte im Vordergrund. Es wurde viel länger gearbeitet, da die Nacht kurz und der Tag lang war.
Der Umgang mit der Sense erforderte viel Geschick. Deshalb bewätligten nur Erwachsene das Mähen des Getreides. Beim Rüben- und Kartoffelroden halfen alle Anwesenden mit.2

1.3 Gesellschaftliche Stellung des Großbauern

Der Großbauer war sein eigener Herr. Er verfügte nicht nur über seinen Besitz, sondern zu-sätzlich über seine Familie und seine Arbeiter. Alle Anwesenden auf dem Hof hatten sich dem Wort des Großbauern zu fügen. Sein "gewissermaßen absolutistisches Verhalten" 6 war traditionell bedingt und sorgte auf dem Hof für eine unangefochtene Ordnungshierarchie, an deren Spitze nur er allein stand.

Er bestimmte nicht nur über sein Leben, seinen Hof und seine Arbeiter, sondern auch weitest-gehend über das Leben seiner Kinder bis zu deren Heirat. Und sogar auf die Heirat übte der Großbauer einen großen Einfluss aus. Die Sicherung der Existenz von Hof und Familie waren für ihn maßgebliche Ziele. Das gesellschaftliche Ansehen im Dorf hatte durch die Größe sei-nes Betriebes und seines Reichtums einen sehr hohen Stellenwert. Er besaß den höchsten Be-rufsstatus in der Mittelschicht. Das verlieh ihm eine gewisse Machtbefugnis.

Sein Verhalten und Auftreten waren durch diese Machtposition in der Gesellschaft und auf dem Hof geprägt. Die Parallelen zum Patriarchat sind unübersehbar und wirkten sich auf das Zusammenleben der Bauernfamilie stark aus.6

2 Die Macht des Großbauern über Arbeiter und Familie

2.1 Machtbefugnis und Züchtigungsrecht über Familie

"... was weißt Du, wer Du bist? Mein Knecht bist Du, wenn ich will!...Ich bin Herr und Meis-ter, und mit Dir mach ich was ich will und mit meinem Hof mach ich, was ich will! " 6

Mit diesen Worten verdeutlicht ein Großbauer seine Machtbefugnis über seinen Sohn. Seine Herrscherrolle gleicht der eines Monarchen, der über alles regiert, was in seinem Besitz ist.
Die patriarchale Einstellung des Großbauern spiegelt sich in der Erziehung seiner Kinder wieder.6

2.2 Die Erziehung der Kinder

Die Kinder wurden schon früh an die harte Arbeit auf dem Bauernhof gewöhnt. Je nach Alter erreichten sie eine "höhere Klasse von Arbeiten" 6, denen sie sich annehmen mussten.
Schad beschreibt im ersten Band seiner "Lebensgeschichte" 4 die Arbeit als "gewöhnungsbe-dürftig". Hielten sich die Kinder des Hausherren an seine strikten Anweisungen, musste man "keine Drohung" und " keine Schelten" fürchten. Schad verspürte in seiner Kindheit bei man-chen täglichen Arbeiten großen Ergeiz. Das Streben, endlich eine neue Arbeitsklasse zu errei-chen, war für einige Kinder seiner Zeit ein großer Ansporn. Oftmals wurde er aber auch zu Arbeiten gezwungen, die ihm nicht lagen oder gefielen. Doch dem Wort seines Vaters war kein Widerstand zu leisten.

Die Hauptzüge der Erziehung sind deutlich erkennbar. Die Kinder wurden durch das groß-bäuerliche Ehepaar, die Söhne vorwiegend durch den Vater, die Töchter vorwiegend durch die Mutter, an die anstrengenden, mit dem Alter wachsenden Arbeitsbedingungen aus traditi-onellen Gründen gewöhnt. Dabei wurden sie in ihrem "Kind sein" stark unterdrückt. Das war eine schlimme Folge der Erziehung, vor allem auf Seiten des Vaters, der die Folgen nicht be-merken konnte. Er wurde in seiner Kindheit mit nahezu gleichen Erziehungsmethoden kon-frontiert.

Die Kinder sollten durch die Erziehung in ihrem Denken und Handeln dem "Beziehungssys-tem" 6 zwischen Arbeit und Leben untergeordnet und angepasst werden. Das ist der Grund, warum das "Spielen der Kinder", das in unserer heutigen Zeit selbstverständlich ist, um die Entwicklung des Kindes zu fördern, im 19. Jahrhundert und davor nur einen geringen Stel-lenwert einnahm. Arbeit und Leben waren von Fleiss, Anstand und Disziplin geprägt. Kinder sollten durch die Erziehungsmethoden also nicht nur dem System angepasst werden, sondern auch Disziplin lernen.6

2.3 Die Erziehung der Arbeiter zu willenlosen Dienern

Nachdem am Abend die Tagelöhner bezahlt wurden, kehrte der Bauer zurück in die Stube zu den Knechten, die schon in Reihe und Glied auf die Worte warteten, die der Bauer ihnen zu sagen hatte.

Es waren ausschließlich boshaft, ernste, und entwürdigende Worte. Der Bauer warf seinen Knechten grundsätzlich Betrug und zu wenig Fleiß vor. Diese Anmaßungen sollten die Knechte vor den Auswirkungen warnen, kämen sie auf die Idee, keine Disziplin oder man-gelnden Anstand zu zeigen, den Bauern zu hintergehen oder zu wenig für ihn zu arbeiten. Der Bauer beendete seine Konversation mit den Knechten meistens schreiend.

Auch folgendes ist im Bauernleben Referat wichtig und muss Erwähnung finden: Was dem Bauer sicher nicht auffiel war, dass er mit jeder neuen "Predigt" 6 die selbstständige Entwicklung der Knechte behinderte und sie in eine stark von ihm abhängige Position, die der eines kleinen Kindes zu ihren Eltern, zurückwarf. Diese Behandlungsweise der Arbeiter ist ein weiterer Beleg für die stark patriarchale Stellung des Bauern auf dem Hofe. 6

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2.4 Die hierarchische Stellung des Großbauern im ländlichen Wohnbereich

Ingeborg Weber-Kellermann berichtet in ihrem Buch "Landleben im 19. Jahrhundert" 6 über eine in der Stube existierende "sozialrechtliche Grenze", die z.B. im Buch "Deutsche Bauern-stuben" 1 aufgrund des verschönigenden Charakters, den sehr viele Bücher über das Landleben der Bauern in der Vergangenheit aufweisen, nicht erwähnt wird.

Das Eintreten Fremder in die Stube wurde von dem Hausherrn geduldet, es durfte aber nur unter der Vorraussetzung Platz genommen werden, wenn der Großbauer die betreffende Per-son dazu aufforderte, denn "das Platz nehmen auf einem Stuhl bedeutete... bereits eine tiefere Teilhabe am Schutz des Hauses..." 6 Diese beschriebene "Raumordnung" wurde vorwiegend durch den Hausvater vertreten. Auch die mit der Raumordnung verbundene hierarchische Ordnung darf nicht ausser Acht gelassen werden. Eine räumliche Nähe war beim Zusammen-leben in der Stube zwar gegeben, jedoch steht sie im Kontrast zur sozialen Ferne, die unter den Bewohnern eines Bauernhauses herrscht.

In der hierarchischen Ordnung nimmt der Großbauer, wie auf dem gesamten Besitz, auch in der Stube die mächtigste Position ein. Aufschlussreichere Details liefert und die Tischordnung beim täglichen Essen. 6

2.5 Die festgelegte Tischordnung

Eine noch tiefere Einsicht in die patriarchale Struktur der Bauernfamilie liefert die Tischord-nung beim gemeinsamen Essen: "Männer und Frauen saßen getrennt am Tisch, die Männer auf einer wandfesten Bank hinter dem Tisch entlang der Fensterbank, die Frauen auf einer beweglichen oft lehnelosen Bank vor dem Tisch." 6 In jedem großbäuerlichen Haushalt nahm der Bauer beim Essen einen Sonderplatz ein. Neben ihm saß der Großknecht. Danach folgte der Mittelknecht und zum Schluss der Kleinknecht. Bei den Frauen war die Sitzordnung im Prinzip gleich. Neben der Bäuerin saß die Großmagd, neben ihr die normale Magd. Die Kin-der saßen je nach Alter neben den Mägden auf der Bank.

Diese beiden Sitzordnungen beruhen auf der Rang- und Arbeitsordnung. Der Bauer war die höchstanzusehende Person im Haushalt. Ihm gehörte nicht nur der gesamte ländliche Besitz, der Betrieb und das Vieh. Er verfügte auch über seine Arbeiter und seine Familienangehöri-gen. Sie waren seine willenlosen Untertanen, die seinen Befehlen Folge zu leisten hatten, ob sie wollten oder nicht. Ihre Meinung stand nicht zur Debatte. Es war geradezu anmaßend, widersetzte man sich einem Befehl des Bauern, widerlegte seine Aussagen oder war nicht einer Meinung mit ihm.

Der Bauer war derjenige, der das Brot am Tisch schnitt und verteilte, wobei die Knechte beim Verteilen den Mägden bevorzugt wurden. Saß der Bauer nicht mit den Knechten auf der Eck-bank, sondern auf einem eigenen Stuhl, bekräftigte er seine hausväterliche Rolle durch die Distanz zur Knechtschaft. Diese Rolle wurde noch stärker bekräftigt, wenn der Stuhl des Bauern Armlehnen besaß.

Im Falle einer Unterhaltung am Essenstisch hatte das Wort des Bauers absoluten Vorrang. Ihn in seinem Sprechen zu unterbrechen war strengstens untersagt. Gesprochen wurde nur, wenn man direkt vom Bauern aufgefordert wurde. Den Kindern war es noch bis ins 20. Jahrhundert untersagt, am Esstisch zu sprechen.

War der Bauer noch nicht am Tisch, mussten alle Anwesenden solange mit dem Platznehmen warten, bis der Bauer erschien und sich zusammen mit seiner Frau setzte. Die Tischordnung unterstreicht die Vorherrschaft des Bauern in der Arbeits- und Ordnungshierarchie.6

2.6 Wohnverhältnisse einer großbäuerlichen Familie

Der Wohnbereich der deutschen großbäuerlichen Familien umfasste im wesentlichen die Wohnstube. Die Küche diente im Gegensatz zur heutigen Zeit nicht nur dem Zubereiten des Essens, sondern war zugleich ein Teil des ländlichen Wohnbereichs.

"Die Stuben waren schlicht, und nur das für das menschliche Zusammensein Nötige war dar-in." 1 Margarete Baur-Heinrich assoziiert in ihrem Buch "Deutsche Bauernstuben" den Mittel-punkt des bäuerlichen Lebens mit der Wohnstube. Die Stube glich in den großbäuerlichen Haushalten, den Größenverhältnissen entsprechend, einem Saal, der nur mit dem nötigsten Mobiliar ausgestattet war. In ihm befanden sich maximal zwei Schränke, eine Feuerstelle und ein Tisch mit Stühlen. Der Tisch stand im Mittelpunkt des Raumes als Zeichen für die Ge-meinsamkeit der häuslichen Bewohner. Das wichtigste in der Stube war der freie Raum, in dem die Bewohner und oftmals die Gäste abends vom harten Arbeitstag erholen konnten und ihr Zusammensein entfalten konnten. Die Wohnstube wird von Margarete Baur-Heinrich als das "Herzstück" des Hauses bezeichnet. Bis ins 18. Jahrhundert, als nur die sehr wohlhaben-den Bauernfamilien Stuben besaßen, verlagerte sich der Mittelpunkt des häuslichen Lebens in dem "Einraum mit offener Feuerstelle", in dem Mensch und Tier zugleich lebten. Die Einfüh-rung der Wohnstube trug im wesentlichen zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität der Bauernfamilien bei. Das Zusammensein in der Wohnstube wird von Margarete Baur-Heinrich als harmonisch und friedlich charakterisiert. Man aß und ruhte am Feierabend in friedlicher Atmosphäre.1

3 Hofübergabe in großbäuerlichen Familien

3.1 Heirat und Nachfolge auf einem Großbauernhof

Bei bäuerlichen Hochzeiten standen eindeutig materielle Gesichtspunkte im Vordergrund. Eine echte Liebe zwischen dem Brautpaar war nicht immer vorhanden, aber auch nicht aus-schlaggebend. Der Altbauer hatte aufgrund seiner patriarchalen Herrscherposition über Hof und Kinder Entscheidungsrecht. Er bestimmte, ob eine Hochzeit stattfinden sollte oder nicht. Für das Altbauernpaar waren insbesondere folgende Kriterien wichtig: Die einheiratende Per-son musste eine hohe "Mitgift" 7 mitbringen. Das konnten nur Großbauernkinder. Ausserdem legte man viel Wert darauf, dass der künftige Ehepartner viel vom bäuerlichen Handwerk verstand. Die geographische Endogamie war erstaunlich hoch. Die überwiegende Anzahl der einheiratenden Ehepartner entstammte aus einem Umkreis von nur wenigen Kilometern. Das ist ein Beleg dafür, dass sogar Großbauern keine Zeit zum Reisen hatten. Reisen war für die ländliche Bevölkerung allgemein unvorstellbar. 7

3.2 Die Vererbung großbäuerlicher Höfe

Die Weitergabe des Hofes war ein einschneidendes Erlebnis im Leben aller Betroffenen. Die Machtverhältnisse änderten sich. Der ehemalige Großbauer wurde nach der Hofübergabe zum Altbauer und der Erbe, meistens der älteste Sohn trat in die Fußstapfen seines Vaters und bil-dete mit seiner Ehefrau ein neues Bauernpaar, das dem Hof vorstand.

Jeder neue Familienzyklus auf großbäuerlichen Betrieben begann mit der Hofübergabe an den ältesten Sohn. War unter den Nachfolgern kein Sohn, bekam die älteste Tochter den Besitz.
Die Hofübergabe erfolgte in der Regel nach der Hochzeit; die Eltern zogen sich gleichzeitig auf den Altenteil zurück. Der junge Großbauer hatte die Pflicht, seine Geschwister auszusteu-ern. Die Aussteuerung musste nicht unbedingt in Geld, sondern konnte auch durch Naturalien erfolgen. Allerdings betraf das nur die Geschwister, die noch nicht geheiratet hatten. Sie konnten bis zu ihrer Hochzeit auf dem Hof weiterleben und mussten mitarbeiten.
Man nannte dieses System auch Anerbenrecht (als Anerbe bezeichnet man den Hofnachfol-ger). Die Heirat erfolgte in der gleichen Gesellschaftsschicht. Dies charakterisiert man auch mit dem Begriff "soziale Endogamie" 7. Die folgende Tabelle verdeutlicht diese Aussage.

Schichtzugehörigkeit des Vaters der Ehepartner BräutigamAnzahl AnerbeProzent BrautAnzahl AnerbinProzent
besondere Berufe 2 1,26 1 2,78
Großbauern 110 69,18 20 55,56
Kleinbauern 15 9,43 2 5,56
weitere Bauern 23 14,47 7 19,44
nichtbäuerliche Unte-schichten 9 5,66 6 16,67

Anm.: Man bemerkt, dass ca. 70% der Großbauernsöhne eine Großbauerntochter und ca. 56% der Großbauern-töchter einen Großbauernsohn heirateten.

Dadurch wurde sichergestellt, dass der Besitz der Großbauern nie geschmälert wurde, sondern im Gegenteil durch Heirat in einer Schicht noch wuchs.7

4 Die Kleidung als soziales Zeichen

" Breit an den Lindenbaum hingelehnt saß der Großbauer da und stemmte die Fäuste auf den Tisch. Er hatte eine kohlschwarze Fellhose an, die von den Knien ab mit steifem Leder be-setzt war bis nieder zu den beschlagenen Bundschuhen; dann eine schwarze Weste mit einer Reihe großer Silberknöpfe. Und er hatte eine kurze Jacke aus dunkelbraunem Tuch an und einen schwarzen seidenwolligen Hut mit schwarzer eingeringelter Krempe auf..." 6 Ingeborg Weber-Kellermann verwendet diese Beschreibung in ihrem Buch "Landleben im 19. Jahrhun-dert", um zu verdeutlichen, dass die Kleidung die gesellschaftliche Stellung und den Reich-tum des Tragenden widerspiegelt. Eine Tracht signalisierte im 19. Jahrhundert und lange da-vor die gesellschaftliche Stellung und den Reichtum der sie tragenden Person. Somit trugen beispielsweise die Großbauern Trachten, die höchstens in Farbe und Muster verschieden wa-ren, aber sich im Wert des Materials kaum unterschieden, weil sie alle der gleichen gesell-schaftlichen Schicht angehörten und sich im Reichtum nicht allzu stark unterschieden. Die Tracht glich nicht der normalen Arbeitskleidung. Sie wurde nur zu besonderen Anlässen ge-tragen. Jeder Arbeiter besaß eine Tracht, die er jeden Sonntag zur Kirche anzog. Erhabenere Leute wie die Großbauern legten sich sogar spezielle Trachten für besondere Anlässe, wie Ostern, Erntedankfest, Fronleichnam, Beerdigungen und Hochzeiten zu. Durch die Tracht spiegelte man nicht nur seine Klassenzugehörigkeit und seinen Reichtum wieder. Man distan-zierte sich auch äußerlich von den niederen Klassen. Großbauern trugen beispielsweise Trach-ten, die sich in Farbe, Muster und im Wert des Materials zu denen der Knechte unterschieden. Somit spielte auch das äußere Erscheinungsbild eine wichtige Rolle in der gesellschaftlichen Hierarchie.6

5 Die Grundherrschaft

Die Grundherrschaft dauerte in Niedersachsen bis ins 19. Jahrhundert an. Sie bestimmte weit-gehend Arbeit und Leben der Bauern. Sie waren vom Grundherrn abhängig, da dem Grund-herr weitestgehend das gesamte, zu bewirtschaftende Land einer Region gehörte, das er an den Bauern verpachtete, der es wiederum bestellte. Einen Teil des Ertrags bekam der Grund-herr, den anderen behielt der Bauer für die eigene Ernährung sowie die nächste Saat. Dies verdeutlicht die starke Abhängigkeit des Bauern vom Grundherrn. Die Unfreiheit der Bauern sollte im 19. Jahrhundert ihr Ende finden, als schließlich durch das Gesetz zum Meierrecht die Grundherrschaft im Königreich Hannover aufgelöst wurde.

Durch das schon am Ende des 18. Jahrhunderts formulierte Meierrecht, das folgendes beinhal-tete:
"1. die persönliche Freiheit der Meier,
2. die Erbpacht,
3. die Festlegung des Pachtgeldes (Meierzinsen),
4. die Bezahlung von Meierbriefen bei der Hofübernahme durch den Bauern und
5. die Unteilbarkeit der Höfe." 7

wurden die Bauern aus ihrer Abhängigkeit entbunden und waren wie schon langersehnt zu Besitzern ihres Gutes geworden.

Die Grundherren hatten jegliche Kontrolle über die Bauern verloren, ihre ursprünglichen Ländereien wurden inform von Geld abbezahlt. Eine "Abmeierung"7 des Gutes war ausge-schlossen. Sie hätte wieder eine gewisse Herrschaft des Grundherrn über die Bauern vorge-wiesen und wurde deswegen abgelehnt.

Die Abschaffung des Grundrechts war für alle Bauern ein wesentlicher und positiver Schritt in die Zukunft. Man war endlich von Abgaben und Frondiensten befreit und genoss Unabhän-gigkeit. Jedoch ergab sich durch die Abbezahlung des Ackerlandes ein weiteres Problem. Oft war die Summe so hoch gesetzt, sodass noch nachfolgende Generationen hart arbeiten muss-ten, um die Schulden zu tilgen.7

6 Industrialisierung und Landflucht; Vor- und Nachteile für die Bauern

Vor 1860 gab es in unserer niedersächsischen Region neben der Flachsindustrie kaum andere Möglichkeiten, als in der Landwirtschaft Geld zu verdienen. Erst die beginnende Zeit der In-dustrialisierung schaffte viele neue Arbeitsplätze. Im Gegensatz zur Arbeitszeit auf dem Land, die sich je nach Saison erhöhte oder verringerte, gab es in den Fabriken geregelte Arbeitszei-ten. Das Arbeit-Lohn Verhältniss war wesentlich besser. Man brauchte keine Vorkenntnisse, um in einer Fabrik einen Arbeitsplatz zu finden. Das bedeutete, Arbeiter jeden Standes fanden Arbeit. Die Industrialisierung rückte die Ständegesellschaft immer weiter in den Hintergrund. Ganze Familien zogen in die Städte, um dort ein besseres Leben zu beginnen. Und die meis-ten hatten Erfolg.

Diese Bewegung, die man mit dem Begriff "Landflucht" charakterisiert, versuchten die Bau-ern durch Gehaltserhöhungen zu stoppen. Die meisten Bauern konnten sich die Aufstockung des Lohnes leisten, da die Industrialisierung nicht nur die Städte ergriff, sondern auch das Land. Neue Techniken revolutionierten die landwirtschaftlichen Produktionstechniken, schu-fen bessere Arbeitsverhältnisse und somit auch höhere Einkünfte. Diese Verbesserungen hin-derten die Landarbeiter jedoch nicht, in die Städte zu immigrieren. Die großen Städte lockten besonders die jungen Arbeiter an. Diese "Großstadtsucht"3 war bei den Frauen genauso hoch wie bei den Männern.

Die Konsequenzen waren für den Bauern nur schwer zu tragen. Wer die hohen Gehälter für die Knechte nicht aufbringen konnte, musste sich mit "Schwächlingen"3 oder "Ungesunden"3 abfinden.

Der Mangel an Landarbeitern konnte durch Immigranten aus Ostpreussen und Polen etwas ausgeglichen werden, jedoch nahm die Qualität der Arbeit ab, da manche Einwanderer kaum Vorkenntnisse in der landwirtschaftlichen Arbeit besaßen, alkoholabhängig waren und sprachliche Verständnissprobleme auftraten.

Den Höhepunkt erreichte die Landflucht in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Frank-reich musste infolge des verlorenen Krieges von 1870/71 fünf Milliarden Mark Kriegsent-schädigung an Deutschland zahlen. Diese Summe wurde unter den einzelnen Staaten Deutschlands aufgeteilt. Diese Reparationen wurden vorwiegend in die Industrie investiert. Der Erfolg war erkennbar. Der Lohn der Fabrikarbeiter stieg genauso wie die Wirtschaftskraft der einzelnen Staaten stark an.3

7 Schlussbetrachtung zum Bauernleben

Die Großbauern hatten im Gegensatz zu den anderen Arbeitern der Mittelklasse eine relativ gut gesicherte Existenz, genossen ein hohes Ansehen auf dem Land und nahmen durch ihre Herrscherrolle in Beruf und Alltagsleben eine einflussreiche Machtposition ein.

Die geschichtlichen Ereignisse im 19. Jahrhundert in Deutschland beeinflussten die Lebens-verhältnisse der Großbauern positiv, z.B. durch die beginnende Technisierung der Landwirt-schaft und Abschaffung der Grundherrschaft, aber auch negativ, wie beispielsweise durch die Landflucht.

Das ungerecht verteilte Machtverhältnis zugunsten des Großbauern lastete auf den Rücken aller Betroffenen, meiner Meinung nach besonders auf dem der Kinder. Sie wussten sich nicht zu helfen und durfte sich nicht wehren.

Ich habe durch die intensive Arbeit zum Thema "Lebensverhältnisse der Großbauern im 19. Jahrhundert" viele Erfahrungen gesammelt und bin z.T. sehr erschüttert, z.B. über die Erzie-hung der Kinder eines Großbauern.

Ich denke, je intensiver man sich mit einem Thema befasst - unter der Vorraussetzung, dass man interessiert ist - desto besser kann man auch persönlich von den Ergebnissen profitieren, weil man nach speziellen Sachverhalten z.T. lange sucht und sie ausführlich bearbeitet. Des-halb war es sehr vorteilhaft, dass sich jeder ein Thema seiner Wahl aussuchen konnte.

Die vorliegende Facharbeit hat alle Fragen beantwortet, die ich mir selbst als Leitfaden ge-stellt habe. Jedoch musste ich einige interessante weitere Aspekte, wie z.B. die Lohnbewe-gung der Arbeiter im 19. Jahrhundert oder den Vergleich zwischen Stadt- und Landbewoh-nern, herausnehmen, da dies zuviel Raum eingenommen hätte.

Der bäuerliche Betrieb ist heute eher ein Gewerbebetrieb und kein Familienbetrieb mehr. Die starke Technisierung, die Erfindung von Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln, die Ent-wicklung immer größerer und leistungsfähiger Maschinen und die ertragsreichere Viehwirt-schaft steigerten die Produktion der Landwirtschaft in hohem Maß. Die Globalisierung und die damit verbundene Konkurrenz im In- und Ausland zwingen dazu, die Produktion von landwirtschaftlichen Gütern pro Flächeneinheit immer weiter zu erhöhen. Heutzutage reicht reine Körperkraft nicht mehr aus, um in der Landwirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Spezialwissen in Betriebswirtschaft, Maschinentechnik, Pflanzenkunde und anderen Fachge-bieten ist unverzichtbar. Früher war allein die Körperkraft maßgebend. Heute ist ein hohes Potential an geistiger Arbeit gefordert. Die Landwirtschaft hat sich deutlich geändert.

8 Anhang

8.1 Literaturverzeichnis

1 Margarete Baur-Heinhold, Deutsche Bauernstuben, Stuttgart, J.F. Steinkopf: 1961, S 3 ff
2 Bernhard Dageförde, Leben und Treiben auf dem alten Bauernhof, 2. Auflage, Hamburg, Veröffentlichung des Helmsmuseum, 1985, S. 74 ff; 111 ff
3 Friedrich Gerling, Damals auf dem Dorfe, 2. Auflage, Hannover, Landbuch-Verlag GmbH: 1992, S. 76 ff
4 Johann-Baptist Schad, Lebensgeschichte, 3Bde., Altenburg 1828 (siehe 6, S. 243 ff)
5 Hans Hermann Storm, Das Leben auf dem Lande/Band 2, Rendsburg, Verlag Heinrich Möller Söhne GmbH & Co. KG, 1986, S. 95
6 Ingeborg Weber-Kellermann, Landleben im 19. Jahrhundert, 2. Auflage, München: Beck, 1988, S. 35, 132, 200, 226, 243
7 Ulf Wendler, Ländliche Gesellschaft zwischen Kirche und Staat, Veröffentlichungen des Landwirtschaftsmuseums Lüneburger Heide, S. 31 ff

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2013
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 27.11.16

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