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Referat zur Weltwirtschaftskrise 1929 (Ursachen)

Inhaltsverzeichnis

Hier geht es bei diesem Referat um die Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929, wobei speziell der Einfluss des Zinses betrachtet wird und als wesentlich ursächlich  angenommen wird. Hauptquelle ist Prof. Bernd Senf (Referat, s.u.) und sein Buch "Der Nebel um das Geld".

Gliederung des Referats zu den Ursachen, Verlauf und Folgen der Weltwirtschaftskrise 1929:

1. Von der Inflation zur Deflation
1.1 Gold als Deckungsgrundlage der Rentenmark
1.2 Börsenkrach und  „Schwarzer Freitag“ 1929

2. Die Dynamik und Rolle des Zinses

1. Von der Inflation zur Deflation

1.1 Gold als Deckungsgrundlage der Rentenmark

Nach der Inflation 1923 und der Einführung der Rentenmark mithilfe der Währungsreform, brauchte man eine Deckungsgrundlage für dieses Geld. Zunächst geschah dies über den „Grund und Boden Deutschlands“ – doch ein Jahr später wollte man zur alten Golddeckung zurückkehren. Zur Rückkehr der goldgedeckten Währung  („Goldkernwährung“) in Deutschland 1924 brauchte es eins: Gold. Dieses wurde über Kredite aus den USA nach Europa transferiert.  In Deutschland wurde das Verhältnis von Papiergeld und Goldkern auf 3 : 1 festgesetzt.

Unter dem Einfluss der US-amerikanischen Kredite, das heißt der Auslandsverschuldung, kam es zu einem deutlichen Wirtschaftsaufschwung. Der Begriff der „Goldenen Zwanziger Jahre“ ist in diesem Sinne fast wörtlich zu nehmen: Wie ein geschwächter Patient auf der Intensivstation an den Tropf angeschlossen wird, so hing damals die deutsche Wirtschaft am amerikanischen Goldtropf und erholte sich zusehends. Die Infusion bestand aus Krediten, die zum großen Teil nur kurzfristig vergeben, aber immer wieder routinemäßig verlängert worden sind bzw. durch neue Kredite ersetzt wurden.

1.2 Börsenkrach und  „Schwarzer Freitag“ 1929

Nach dem Börsenkrach in New York am „Schwarzen Freitag“ 1929 wurden Deutschland und die anderen europäischen Länder schlagartig von diesem Goldtropf abgetrennt.

Im Zuge der dramatischen Kurseinbrüche an der New Yorker Börse, gerieten viele amerikanische Banken in Liquiditätsschwierigkeiten – sie hatten große Mengen Geld an Leute ausgeliehen, die damit Börsenspekulation betrieben.  Und als die Kurse ins Bodenlose stürzten, konnten diese Leute die Kredite nicht mehr zurückzahlen.
Skizze: -> Spekulation -> Kurse steigen -> Spekulation -> -> Kurse steigen -> Gewinnverknappung und Rückzahlungsschwierigkeit der Kredite -> Verkauf der Wertpapiere -> Kursen sinken -> Verkauf der Wertpapiere -> Kurse sinken USW USF.

Auf der anderen Seite wollten aber viele Kontoinhaber ihr Geld in diesen unsicheren Zeiten von der Bank abheben, wodurch viele Banken in die Klemme kamen und vom Konkurs bedroht waren. Etliche von ihnen brachen tatsächlich zusammen, was die Panik unter den Bankkunden und in der Wirtschaft insgesamt nur noch weiter verstärkte.

Vor diesem Hintergrund wurden die in Europa vergebenen Kredite gekündigt und mussten in kürzester Zeit zurückgezahlt werden, ohne dass neue Kredite vergeben wurden. Dadurch kam es im Rahmen der Goldkernwährung zu einem dramatischen Goldabfluss aus Deutschland und anderen Ländern, was ungeheuer destruktive Kettenreaktionen nach sich zog.

Denn im Rahmen der Spielregeln des internationalen Goldwährungssystems, musste ja bei einer Verkleinerung des Goldkerns die Papiergeldmenge um ein Vielfaches  vermindert werden – in Deutschland  um das Dreifache, wodurch eine riesige Lücke in den Geldkreislauf gerissen und die deutsche Wirtschaft in eine verheerende Deflation getrieben wurde.
SKIZZE Kreis GO und G außen:
Skizze Goldkernwährung Golddeckung Deflation 1929 bernd senf

So wie ein Mensch an starkem Blutverlust zusammenbricht (um das Gleichnis von vorhin beizubehalten), so brach die Wirtschaft an einem plötzlichen Verlust des Geldes zusammen.
Massenweise gingen die Firmen pleite, Millionen von Menschen verloren ihren Arbeitsplatz und die Steuereinnahmen des Staates gingen drastisch zurück.

2. Die Dynamik und Rolle des Zinses

Einstieg über das Titelbild aus „Der Nebel um das Geld“:

Der nebel um das Geld - Zins als destruktive Kraft im Geldsystem
Erklärung zum Bild: Das Geld ist die Sonne, umgeben von einer Gewitterwolke namens Zins, die Blitze absondert (krisenhafte Entladungen)

[ Geld als etwas durchaus positives (Tauschmittel) ]
ist verknüpft mit dem
[ Zins ]
dieser schafft Probleme auf mehreren Ebenen, hier stellen Blitze die krisenhaften Entladungen dar: Wirtschaft, Umwelt, Gesellschaft, Staat (im Sinne von Staatshaushalt) und 3. Welt

Den meisten erscheint das als selbstverständliche Verknüpfung, als könne es nicht anders sein, als sei es nie anders gewesen.

Dass diese Verknüpfung aber Krisen hervorruft, ist den wenigsten bekannt und ein Tabuthema, das nicht angerührt wird.

Die Dynamik des Zins, die sich über Jahrzehnte hinweg entfaltet, treibt diese Krisentendenz hervor und ist manchmal Ursache der Krisen und / oder deren Verstärker

=> aber beides ist langfristig in seinen Auswirkungen dramatisch genug!

Warum ist das jetzt problematisch? Es ist doch eine wunderbare Sache;
aus Sicht der Geldanleger wächst doch das Vermögen stetig an.

Dazu eine kleine Skizze fertig machen:
Skizze Dynamik des Zinssystems als exponentieller Anstieg

Die Zeitachse sollen mehrere Jahrzehnte sein.
Wie man sieht, haben wir beim verzinsten Geldvermögen GV  ein exponentielles Wachstum.
Dabei kann die Anhäufung von Geldvermögen nur geschehen, wenn spiegelbildlich dazu die Verschuldung VS wächst.

Geldvermögen sind also gleichzeitig Schulden bei jemand anderen – denn das, was an Zinserträgen erzielt wird und auf die GV drauf gepackt wird, kommt ja nur dadurch zustande, da das angelegte Geld zB. zu Banken geflossen ist, die das angelegte Geld ihrerseits weiterreichen (ausleihen) an Schuldner.

 => ein solches, exponentielles Wachstum, wo in einem gesamten System oder Organismus nur ein Teil exp. wächst, kennen wir aus anderem Zusammenhang, zB. beim menschlichen Organismus; und da ist es Krebs!

Das ist erst mal sehr erschreckend, dass eine solche Dynamik dem bestehenden Geldsystem zugrunde liegt.

Aber was ist denn jetzt mit der Verteilung der GV?
Viele meinen ja, dass sie mit dem Zins und Zinseszins nur zu tun haben, wenn sie sich verschulden.
Dies ist aber ein weitverbreiteter Irrtum, denn auch die, die nie einen Kredit aufgenommen haben, sind indirekt in das Zinssystem mit verwickelt.

Denn durch die Verschuldung der Unternehmen sind in den Konsumgüterpreisen überall Zinslasten drin, die natürlich nicht extra ausgewiesen sind wie die Mehrwertsteuer oder die Mineralölsteuer.
Wie hoch ist dieser Anteil? Frage an Euch!
-> Man schätzt, dass ca 1/3 unsichtbare Zinslasten sind!

Das heißt, aus eigenen Geldanlagen, die Zins abwerfen, würde man nur dann profitieren, wenn die unsichtbaren ZL mindestens aufgewogen würden.
Man schätzt, dass nur ein kleiner Teil von 10 bis 15%  so große Geldanlagen haben, um diese ZL zu ersteigen.
Daraus kann man folgern, dass nur eine kleine Minderheit vom Zinssystem profitiert und dass eine ständige Umverteilung von unten nach oben stattfindet, wobei die oberen, profitierenden Schichten immer schmaler und die unteren entsprechend größer werden.

Jetzt ist die Frage: ja was sind denn mögliche Schuldner?
Da kämen in Frage: private Unternehmen, die mit diesen Krediten Investitionen finanzieren.
In der Laufzeit des Kredits müssen sie den sog. Schuldnerdienst aufbringen; also der Kredit muss verzinst und irgendwie bis spätestens Ende der Laufzeit getilgt werden.

Die Frage ist: Können diese aber auf Dauer so viel produzieren und absetzen, wie von ihnen gefordert wird? Hier ist leicht erkennbar, dass in einer Welt mit begrenzten Ressourcen und Absatzmärkten ein exponentielles Wachstum undenkbar ist.

Wer bleibt aber noch als möglicher Schuldner? Die privaten Haushalte!
Wenn die Kredite immer weiter wachsen sollen, dann stehen Banken unter dem Druck (Prof. Bernd Senf nennt es „monetären Stauungsdruck“), das ihnen anvertraute Geld zu mehr Geld werden zu lassen und immer wieder neue Schuldner zu finden.

Das ist in den USA 1929 passiert und auch heute: man schmiss den privaten Haushalten quasi Kredite hinterher und überprüfte dabei kaum die dinglichen Sicherheiten.
Kurz zur Veranschaulichung:
Skizze
Bei einem Kredit K geht es um Zinsen Z, Tilgung T und dingliche Sicherheiten S – Bernd Senf spricht hier von der „Dreieinigkeit des Kredits“:

SKIZZE:
 Z - T - S
       |
       K

Wenn die Tilgung nicht erfolgen kann, greift ja wenigstens die dingliche Sicherheit zB das Haus und Grundstück, das die Bank dann nimmt.

Wenn man nun, wie in den USA jüngst geschehen, massenhafte Zwangsversteigerungen durchführt, purzeln aber diese Sicherheiten in Form der Immobilienpreise ins Bodenlose (das Angebot überwiegt bei weitem die Nachfrage..).
Also sind die Sicherheiten weniger Wert als der Kredit und es hätte Abschreibungen erfolgen müssen. Hier hat man es immer länger mit Bilanzfälschungen  hinausgezögert und diese Schulden als offene Forderungen auch ins Ausland weiterverkauft (die sog. „Verbriefung“).

=> die tiefere Ursache einer Wirtschaftskrise  liegt also im Zinssystem und dem monetären Stauungsdruck; die Gier-Banker und Intransparenz der Finanzmärkte sind nur oberflächliche Symptome dieses Systems.

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Auch die Sicherheiten haben ihren Namen zu Unrecht, denn Immobilien können auf Dauer nicht exponentiell wachsen – die Erdoberfläche ist begrenzt, während ein exp. Wachstum alle Grenzen hinter sich lässt.
BSP für die Absurdität des Zinssystem: Hätte Joseph zur Geburt Jesus einen Cent mit 5% Zinseszins verzinst und würde ein Erbe heute das Vermögen geltend machen wollen, so bekäme er mehr als 100 Milliarden Kugeln mit dem Gewicht der Erde aus Gold.

Wen gibt es aber noch an möglichen Schuldnern? Das wäre der Staat in Form der Staatsschuld, also er nimmt Kredite auf. Wo aber?

Das meiste bei den Zentralbanken zB in Form von Staatsanleihen mit Zinsen, die er jährlich aufbringen muss.

Wenn sich der Staat nun verschuldet und Zinslasten aufbringen muss, wo kann er die her haben?
Zum Beispiel über die Steuern, vom Steuerzahler!

Das heißt aber, auf Dauer müsste das Steuereinkommen auch exponentiell wachsen.
Das geht bei einem gleichbleibenden Steuersystem (also ohne zusätzlich erhobene Steuern) nur, wenn das Sozialprodukt exponentiell wächst.

Das geht natürlich nicht, was passiert also?
Ein Haushalt geht bankrott, ein Unternehmen insolvent, der Staat hat aber die Möglichkeit, immer mehr Kredite aufzunehmen, sich immer weiter zu verschulden.

Er kriegt es also hin, frühere Schulden durch eine Neuverschuldung abzulösen(„Nettoneuverschuldung“). Und wenn von den neuen Krediten das meiste für die Tilgung drauf geht, bleibt immer weniger für die wirklich wichtigen Aufgaben des Staates über wie Infrastruktur, Bildung, Gesundheitswesen, Fürsorge usw. (womit wir auch wieder beim Anfangsbild und den krisenhaften Entladungen wären..)

Bernd Senf stellt an dieser Stelle auch diese These auf, der Staatsbürger heißt so, weil er für die Staatsschuld bürgt!

Der Staat kann sich übrigens mit einem Male entschulden, nämlich durch Hyperinflation und einer Währungsreform – dann allerdings beginnt wieder alles von vorne wie auch 1924 geschehen.

Auf den Punkt gebracht kann man also sagen: in diesem Geldsystem, kann der Staat seine öffentlichen Aufgaben nicht mehr erfüllen! Das ist auch eine erhebliche Gefahr für die Demokratie, da diesem Zwang alle Parteien der verschiedensten Färbungen unterliegen und eine Pluralität kaum mehr gegeben ist. Auch wird Nährboden für extremistische Strömungen geschaffen, wie zu Zeiten der Weimarer Republik an dem Erstarken der Nationalsoziallisten erkennbar.

Jetzt kommt doch aber die alles entscheidende Frage auf: ja wie denn sonst, geht Geld ohne Zins?
Ja na klar, hier hat zB Silvio Gesell schon um 1900 ein alternatives Modell entwickelt, welches ein anderes Mittel der Geldumlaufsicherung vorschlägt – nämlich eine Geldumlaufsicherungsgebühr für gehortetes  Geld, dass der Realwirtschaft und ihrem Fluss entzogen wurde.

Dies aber würde den Rahmen des Thema sprengen, mehr Infos dazu unter www.BerndSenf.de und / oder seinen Videos:

Videos von Prof. Bernd Senf zur Zinskritik

Allgemeiner Überblick bzw Zusammenfassung:
http://www.youtube.com/watch?v=GnEqS4TwCfE Bernd Senf - Die Weltfinanzkrise Tiefere Ursachen und not-wendige Veränderungen

4 teilige Serie von jeweils ca 3. Stunden zum Thema:

http://www.youtube.com/watch?v=U0_Sjn6QKZo 1/17 Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise Teil I

http://www.youtube.com/watch?v=NCEkqXB9684 1/21 Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise Teil II

http://www.youtube.com/watch?v=7HD7a0if_z4 1/18 Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise Teil III

http://www.youtube.com/watch?v=Ide87RuKL3E 1/18 Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Weltfinanzkrise
Teil IV

 

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  • Autor: Tom Zeddies
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 3. Semester (Uni)
  • Erstellt: 2010
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 02.10.16

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