Schulzeux.de > Geschichte

Freiburger Juden im Nationalsozialismus

Inhaltsverzeichnis

Eine kurze Darstellung zur Geschichte der Jugen in Freiburg während der Nazi-Zeit

1933, Lotte Paepcke:

Lotte Paepcke, geb. Mayer; geboren 1910; besteht 1933 ihre juristische Staatsprüfung und bewirbt sich am Amtsgericht Breisach, jedoch erhält sie eine Ablehnung weil sie nichtarischer Abstammung ist; Sie geht ins Ausland um überhaupt noch eine Arbeit zu bekommen und wird in einem Anwaltsbüro in Rom angestellt, kommt aber ein Jahr später wieder nach Deutschland zurück um Dr. Ernst Paepcke zu heiraten
Ihr Vater und ihre Mutter besitzen eine Lederhandlung in der Schusterstraße; Max Mayer gehört dem Freiburger Bürgerausschuss an; Er ist während der Prüfung seiner Tochter zur Juristin in Schutzhaft zusammen mit anderen Stadträten; Der Grund seiner Verhaftung besteht darin, dass der Landtagsabgeordnete Nussbaum 2 Polizisten erschossen hatte, während diese seine Wohnung durchsuchten (20.3.’33); Am 11.3.’33 hatte ein kleiner Boykott jüdischer Geschäfte stattgefunden, welchem jedoch kaum Beachtung geschenkt wurde; Max Mayer kommt Ende April wieder frei und kriegt den besser organisierten Boykott in ganz Deutschland mit, bei dem auch sein Ledergeschäft beteiligt ist
Viele Juden in Freiburg hoffen, dass dieses Ereignis nur ein kleiner Schreckschuss war und die Nazis bald damit aufhören würden

1935:

Der Oberbürgermeister von Freiburg soll allen städtischen Beamten und deren Angehörigen verboten haben, bei Juden einzukaufen; andernfalls sollten diese fristlos entlassen werden;
Ab '35 blieben Juden vom Wehrdienst ausgeschlossen und in der Lessing-Schule wurden 2 Zimmer als Volksschule für Juden eingerichtet;
Höhepunkt in diesem Jahr: Die Nürnberger Rassengesetze

1937:

Dem jüdischen Akademiker Alfons Goldschmidt wird als Erste Person der Doktortitel der Freiburger Universität entzogen; Wer sich nun für Juden einsetzte, wurde öffentlich angegriffen; Ab dem Sommer wurden jüdische Personen, nach Verbüßung ihrer Strafe wegen Rassenschande, in ein KZ eingeliefert

Doch trotz dieser Maßnahmen, blieben viele Juden in Freiburg, da sie dachten, dass sie so stark in die Gesellschaft eingegliedert seien, dass die Nazis ihnen nichts anhaben könnten. Sie waren weiterhin in Berufen als Händler, Kaufmann, Geschäftsinhaber und Unternehmer vertreten.

1938:

Es gibt trotz aller Einschränkungen und Benachteiligungen noch immer 71 jüdische Firmen und Geschäfte in Freiburg; Den Nazis ging die Bekämpfung der Juden zu langsam, so kamen weitere Belastungen wie höhere Steuern, Anmeldepflicht für Vermögen, Kennzeichnungspflicht und endgültiger Ausschluss von Gemeinschaftseinrichtungen für die Juden hinzu; Bereits am 28.10.’38 wurden Juden aus Freiburg zunächst nach Heidelberg abgeschoben. Von einer Sammelstelle ging es dann weiter nach Osten. Polen jedoch wollte keine Juden mehr ins Land lassen, da schon vorher viele Juden freiwillig Deutschland verlassen und nach Polen ausgewandert sind.

Die Nazis nutzten das Attentat Herszel Grynszpans auf eine deutschen Botschafter als Rechtfertigung für ihre Pogrome und Anschläge auf Synagogen in ganz Deutschland in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938, der Reichspogromnacht. Natürlich blieb die Freiburger Synagoge am Werderring gegenüber vom Stadttheater nicht verschont. Und nicht umsonst steht dort ein Straßenschild mit der Aufschrift: Platz der alten Synagoge. Sie brannte zwischen 3 und 4 Uhr morgens. Feuerwehrleute, sowie Nicht-eingeweihte Kriminalbeamte wurden an ihren Pflichten, den Brand zu löschen und die Täter zu verhaften, gehindert. Sogar Oberstaasanwalt Weiß wurde von seinem Vorgesetzten verboten, die Brandstiftung zu verfolgen. Während des Brandes standen mehrere hundert Menschen umher und schwiegen. Ein Gefängnisdirektor, der den Brand miterlebt hat, sagte später: “Die Nazis haben diese Haltung wohl als Kritik empfunden!“
Noch während die Synagoge brannte, wurden 137 Juden verhaftet und am Abend nach Dachau deportiert. In der selben Nacht wurde in der Adolf-Hitler-Straße, der heutigen Kaiser-Joseph-Straße, Geschäfte jüdischer Inhaber aufgebrochen und verwüstet.
Die Brandstifter wurden letztendlich zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt, deutlich unter der Strafforderung des Staatsanwaltes.

Schon 2 Tage nach der Reichspogromnacht wurde von der Reichsregierung gefordert, dass alle Juden für ihre angebliche „Sühneleistung“ insgesamt über 1 Milliarde Reichsmark in Raten zu zahlen hatten und für die angerichteten Schäden selber aufkommen mussten.

1939:

Ab dem 1.1.’39 durften Juden kein Geschäft mehr besitzen und mussten es in den arischen Besitz übergeben. Alle Wertgegenstände die sie besaßen, mussten zu staatlich festgelegten Preisen abgegeben werden. Ihnen wurde sogar verboten, Autos oder Motorräder zu fahren.
In dieser aussichtslosen Situation wandern immer Juden aus Deutschland aus, solange sie noch eine Ausreisegenehmigung erhalten. Doch nicht immer glückt die Emigration ohne Papiere und endet in einem KZ. Wer nicht rechtzeitig fliehen konnte oder sich für die alte Heimat entschieden hatte, für den war ab Beginn der Massendeportation so gut wie alle Hoffnung verloren.

1940:

Am 29.10. 1940 meldete die Sicherheitspolizei eine reibungslose Abschiebung von 6504 Juden.

1942:

In Freiburg waren es Anfang 1942 laut Liste 256 Juden, die sich aus dem Bereich Breisach, Ehrenstätten und Ihringen zusammenstellte und in das KZ nach Gurs abtransportiert wurden. Die Zustände dort waren entsetzlich: Mit einfachster medizinischer Versorgung versucht man das Elend zu lindern. Doch viele Juden hielten die Gefangenschaft in dem schon als Internierungsstätte für asylsuchende Spanier genutzten KZ nicht aus. Nach der Deportation der Juden wurde ihr gesamtes Vermögen beschlagnahmt.
Einige Juden aus Freiburg konnten den Nazis entkommen indem sie sich versteckt hielten und sich durch gute Kontakte zur Gestapo der Deportation entzogen, wie Lotte Paepcke es tat.

Die wenigen Juden, die der Nazi-Ideologie entkommen konnten, mussten beschämende Wiedergutmachungsverfahren über sich ergehen lassen, nachdem der Krieg vorbei war.

Hilf uns und deinen Freunden, indem du diese Seite teilst, verlinkst und bewertest

4.3 / 5 Sternen (3 Bewertungen)
  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 11. Klasse
  • Erstellt: 2005
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 03.08.16

Schreibe jetzt deine Meinung

    Was ist 2 mal 2? Ergebnis:  
Wähle dein Bild:
  • Viola schrieb am 16.08.2012:

    Ich würde gerne wissen, wo sich Juden in Freiburg versteckt haben während der Nazizeit. Vielleicht kann man diese Orte besichtigen?

Mitmachen

Drag & Drop oder: Durchsuchen... Endungen: .doc(x) .xls(x) .ppt(x) .pdf .txt .rtf .jpg .gif .png .bmp

Danke für deinen Besuch bei Schulzeux.de

Zeig diese Seite deinen Freunden

Mithelfen ist ganz einfach

Du hast sicher auch noch Hausarbeiten, Vorträge etc. auf deinem PC. Veröffentliche sie in wenigen Sekunden und hilf damit tausenden Mitschülern.

Mehr Infos

Schulzeux.de auf Facebook

Schulzeux.de bei Google+