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Nasologie, Wissenssystematisierung und Wissenschaftsgeschichte

Inhaltsverzeichnis

TEXTE:
Schneider, Ulrich Johannes: Nasologie. Versuch über eineWissenschaft des 18. Jahrhunderts, in: Hans-Werner Kalkmann u. a.(Hrsg.):Trzeba mie?nosa, Bad Salzdetfurth 2007, S.36–45.

Schneider, Ulrich Johannes: Zur Systematisierung des Wissens in derzweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, in: Hans Erich Bödeker, PhilippeBüttgen und Michel Espagne (Hrsg.):Die Wissenschaft vom Menschenin Göttingen um 1800, Göttingen 2008, S.69–82.

AUFGABEN:

1. In welcher Weise wird in den Texten der Begriff des praktischen Wissens behandelt? Welche Rolle wird diesem Wissen zugeschrieben? In welcherBeziehung steht es zu einem wissenschaftlichen Wissen?

2. Die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichem/theoretischem Wissenund praktischem Wissen liegt quer zu der Wissenssystematik, die in denVorworten der Enzyklopädien des 18. Jahrhunderts zu finden ist.Skizzieren Sie die Wissenssystematik der Enzyklopädien–so weit das aufder Grundlage der Texte möglich ist–und diskutieren Sie die Frage, ob inden Enzyklopädien praktisches Wissen zu finden sein könnte. Binden Siein diese Diskussion auch die Informationen ein, die Schneiders Aufsätze zuden Autoren und den Herstellungsweisen der Artikel liefert.


ALLGEMEIN:

In den Texten zur Nasologie und der Systematisierung von Wissen schreibt Ulrich Johannes Schneider über Wissensordnungen und Wissensbeständen enzyklopädischer Natur im 18. Jahrhundert. Schneider, der grundsätzlich ein Defizit in der Wissensgeschichte sieht, erläutert den enzyklopädischen Prozess und seine Schwierigkeiten an mehreren Beispielen. Die Rolle und  Begrifflichkeit vom praktischen Wissen in den Lexika sowie seiner Beziehung zum wissenschaftlichen Wissen wird dabei in 1.) genauer betrachtet. Im Punkt 2.) wird sich dann vor allem der enzyklopädischen Wissenssystematik sowie Autoren und Herstellungsprozessen angenähert.


Zu 1.)

Universitätswissen kontrastiert mit anderem Wissen und Wissensorten; das praktische Wissen in den frühen Lexika richtet sich bemerkenswerterweise nur selten an die Praktiker. Wie der von Schneider erwähnte Artikel über geschliffene Gläser verdeutlicht, fließt stellenweise theoretisch-akademisches und praktisches Wissen zu einem Wissensfundus zusammen – mancherorts trifft eine gewisse Neugierkultur und mit der systematischen Universitätskultur aufeinander. Praktisches Wissen wird nicht zuletzt auch deshalb in die Enzyklopädien aufgenommen, weil die Autoren der Artikel oft direkt aus der Praxis kommen  und so ihr Erfahrungs- wie Bestandswissen hineintragen.

Einige Textabschnitte aus den Lexikaartikeln geben Auskunft über den damals üblichen Praxiswissensstand und beinhalten hierzu manchmal bis ins Detail reichende Anleitungen aus angehäuftem Erfahrungswissen zum Nachpraktizieren in der Funktion eines „Selbsthilfebuches“ – wie das Beispiel der plastischen Chirurgie bei Nasenoperationen eindrucksvoll demonstriert.

Historische Enzyklopädien von Louis Moreri oder von Daniel Hofmann rezipieren  europäische Quellen und erweiterten so den Horizont ihrer Leser über die bekannten Ländergrenzen hinweg. Fremde Kulturen wie die arabische oder persische machte der französische Orientalist Herbelot erfahrbar. Die Kaufmannslexika von „Savary bis Zincke“ geben schließlich Auskunft  über die großen Handelsplätze der Welt. Es ist also eine gewisse Tendenz lexikalischer Erfassung der Wirklichkeitsbereiche des Menschen einschließlich seiner im Alltag gewonnenen Praxiserkenntnisse zu beobachten.


Zu 2.)

Eine der zentralen Aussagen von Schneider besteht in der unvereinbaren Divergenz von alphabetischer und systematischer Ordnung einer Enzyklopädie. Enzyklopädien (beg)leitet ja der Anspruch, mittels alphabetischer Ordnung eine Ordnung des Wissens zu präsentieren. An dieser Stelle setzt Schneider aber mit einer grundsätzlichen Kritik an, nach diese alphabetische Wissensordnung eher aufgesetzt scheint; die unzähligen Verweise innerhalb eines Werkes sind nur der Rettungsversuch zur Erhaltung (bzw. scheinbaren Wahrung) einer systematischen Ordnung. Lexika würden nach Schneider bei Verzicht auf die Zwangswahrung zur systematischen Ordnung  nichts verlieren – sie ist nur überflüssig und wenig kompatibel.

Eine große Herausforderung bestand in der komplexen Gestaltung von Begriffseinträgen gleichen Namens doch unterschiedlicher Bedeutungen. In dem Text über Nasologie führt Schneider hierzu die Nase als prominentes Beispiel an: einerseits ihren anatomischen Charakter, andererseits ihre literarisch wie soziologisch-kulturelle Natur. Innerhalb eines solchen mehrschichtigen Themas fiel das Sortieren und Abgrenzen sichtlich schwer. Aufgrund des praxisnahen Bezuges vieler Autoren finden sich in vor allem handwerklich-künstlerischen Artikeln immer wieder explizite und implizite Hinweise auf praktisches Wissen – wie in Punkt 1.) beispielhaft ausgeführt.

Die Produktionsweise bei der Anfertigung enzyklopädischer Werke bestand im Großen und Ganzen in der Aneinanderreihung von Buchwissen der jeweiligen Zeit. Bei diesem Herstellungsvorgang des kompilierten Sammelns offenbart sich erneut der unsystematische Anspruch. In französischen Enzyklopädien findet sich vor allem zusammengetragenes Wissen aus dem Handwerk, den Künsten und der Wissenschaft. Die Autorenschaft vieler Artikel bleibt oft ungeklärt, ergiebig wäre deshalb ein neues Forschungsfeld über die genauen Urheber des Wissens und ihren Quellen zu eröffnen.

Wichtige von Schneider genannte Enzyklopädien und bekannte Autoren sind beispielsweise Pierre Richelet mit „Dictionnaire francois contenant les mots et les choses“ (1680) oder auch die Enzyklopädien mit Namen „Lexikon der Akademie“ und „Universal-Lexicon“. Als gewichtigen Vertreter der „Nosologie“ aus dem 18. Jahrhundert wird der Hannoveraner Arzt Johann Georg Zimmermann genannt.

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  • Autor: T.Z.
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: Keine Angabe
  • Erstellt: 2015
  • Note: 1-
  • Aktualisiert: 14.09.16

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