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Vergleich zwischen Kreuzzügen & dem "war on terrorism"

Inhaltsverzeichnis

Folgend ein super Aufsatz über den Zusammenhang und Vergleich von Papst Urbans II. Aufforderung zum Kreuzzug und dazu eben ein Vergleich zu George Bush's "War on terrorism" - über Parallelen und Unterschiede.

I. Gott als Legitimation zum Krieg - George Bush, Osama bin Laden & Papst Urban II. im Vergleich

"Möge Gott Amerika weiter segnen." George W. Bush, US Präsident in seiner Ansprache an die Nation, FAZ, 9.10. 2001, S.6 "Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah, und Mohammed ist sein Prophet." Osama bin Laden, TV Sender Al Dschazira, FAZ, 9.10.2001, S.6
Wenn in den beiden Zitaten auch nicht unbedingt der selbe Wortlaut vorherrschend ist, so sind sie trotzdem vom Inhalt gleich. Zwei völlig verschiedene, sogar verfeindete Länder mit ebenso unterschiedlichen Ansichten und doch haben sie beide Gott auf ihrer Seite.
Das Ergebnis dessen ist spätestens seit dem elften September deutlich geworden.
Osama bin Laden greift Amerika an und bringt unschuldige Zivilisten um; George W. Bush stürzt die Regierung von Afghanistan und nach der ergebnislosen Suche nach Osama bin Laden plant dieser auch Saddam Hussein den Diktator Iraks zu stürzen - ebenso zum Leid der Zivilisten.
Gott wird für beide Seiten als Legitimation dargestellt, doch ist es wirklich im Sinne Gottes, dass die Menschen sich gegenseitig bekriegen?

„Gott will es!“, der Ausruf stammt weder von bin Laden noch von Bush, doch würde er erstaunlich gut zu beiden Aussagen passen. Dabei handelt es sich um den Leitspruch der Kreuzzüge und es ist somit ein Stück mittelalterlicher Geschichte. Aber dennoch lassen sich Parallelen ziehen.
Die Kreuzzüge richteten sich gegen Muslime. Diese hatten Jerusalem unter ihre Herrschaft gebracht und „das Allerheiligste (...) entweiht“. Die vom Papst gezogene Konsequenz war der Aufruf zum „Heiligen Krieg “ mit dem Ziel der Befreiung Jerusalems.
Es folgten 7. Kreuzzüge, die sich von 1095 bis 1270 hinstreckten und insgesamt ca. 22 Millionen Menschenleben forderten. All dies geschah „im Namen Christi “ und bietet noch heute eine argumentative Angriffsfläche der Kirche. Man spricht vom „Rückfall ins Heidentum“ und einer „Tat des Wahnsinns“.
Es stellt sich nun die Frage, ob Osama bin Ladens Aufruf aller Muslime zum Dschihad, dem „heiligen Krieg“, und George W. Bushs „crusade“ gegen bin Laden und den Terrorismus sich ebenso auf die Weltgeschichte auswirken werden, wie damals die Kreuzzüge.
Um diese Frage annährend beantworten zu können ist es notwendig, das geschichtliche „Vorbild“, die Kreuzzüge, auf deren Ursprünge zu untersuchen.
Deshalb werde ich mich im Folgenden mit der Urban-Rede auseinander setzen, die den Beginn der Kreuzzüge darstellt.
Vorrangig, ist es mir wichtig herauszustellen, wie es möglich ist, das sich Menschenmassen über Jahre hinweg an den Kreuzzügen und den damit verbundenen Massakern beteiligt haben, ohne zu bemerken oder anzuzweifeln, dass sich ihr Blutvergießen im Widerspruch mit der Botschaft der Nächstenliebe befindet. Die Reaktion des Volkes ist jedoch nur die Wirkung einer Ursache. Die Grundlage für das Töten wurde von der Kirche selbst gegeben. Papst Urban II. rief die Menschen zum Kreuzzug auf und besiegelte das Schicksal Tausender von Muslimen. Doch ging es ihm wirklich darum, die „Ungläubigen“ auszurotten, was die Kreuzritter in Jerusalem angekommen scheinbar versuchten durchzuführen? Oder wollte er Jerusalem befreien, obwohl sich vorher niemand dafür interessiert hat? Die Motivation des Papstes ist folglich zentral bei meiner Untersuchung und soll mögliche Parallelen aufzeigen.
Die entscheidende Gemeinsamkeit der Gotteslegitimation tritt bei allen drei Herrschern auf, die gleichzeitig jedoch völlig verschiedene und auch unvereinbare Absichten verfolg (t) en. Wie also ist es möglich, dass Gott alle Konkurrenten unterstützt und die Menschen damals und heute nicht begreifen, dass dies weder durchführbar noch im Widerspruch zu allen religiösen Schriften steht?
Die Folgen der Kreuzzüge waren gravierend und prägen bis heute unser Leben als Europäer und Christen. Neben den direkten Folgen des Krieges, wie Menschenverlusten, Armut und Feindseligkeiten, die auch zu den Gegenkreuzzügen geführt hatten, erlitten die Muslime auch erhebliche Kulturverluste. Die ehemals hoch entwickelte, uns in Bereichen wie Philosophie, Mathematik, Naturwissenschaften und insbesondere in der Medizin weit überlegene Kultur, hat durch die brutalen Angriffe der Christen einen schweren Schlag erlitten.
Die europäische Kultur hingegen profitierte von den aus Jerusalem geraubten griechischen Schriftstücken und löste sich allmählich von den strengen Wertvorstellungen, die von der Kirche vermittelt wurden. Somit markierten die Kreuzzüge sowohl den Höhepunkt, als auch den Wendepunkt der kirchlichen Machtposition.
Bei der Durchsetzung von Bushs Politik erwarten uns womöglich noch weit schlimmere Konsequenzen, da der Einsatz von Atombomben und Massenvernichtungswaffen nicht auszuschließen wäre. Atombomben für Gott und Vaterland!?

II. Die Kreuzzüge - eine zusammenfassende Darstellung

Bei der Betrachtung der Geschichte des 11. /12. Jahrhunderts sind zwei Geschehnisse unumgänglich. Zum Einen die Entzweiung zwischen dem römischen Papst und dem Patriarchen von Konstantinopel im Jahre 1054, zum Anderen der Aufruf Papst Urbans II. zum Krieg gegen die Sarazenen.
Die Trennung der Ost- und Westkirche geschah durch scheinbar geringfügige liturgische Meinungsverschiedenheiten. Einerseits sind sie nur im religiösen Kontext zu verstehen, andrerseits handelte es sich ebenso um einen religiösen Machtkampf.
41 Jahre nach der Trennung der beiden Kirchen hat Papst Urban II., aufgrund einer geschwächten politischen Lage und sozialer Missstände wieder das Gespräch mit der Ostkirche unter Kaiser Alexios aufgenommen.
Das Verhältnis verbesserte sich und Alexios nutzte diese Umstände, um sein leidiges Problem mit den Sarazenen zu lösen. Seine Situation war dabei nicht sonderlich dramatisch. Bei den Sarazenen handelte es sich um ein Beduinenvolk, das Angriffe auf das Kaiserreich ausübte, diese jedoch bis zu dem jeweiligen Zeitpunkt erfolgreich abgewehrt werden konnten. Folglich schwebte Alexios wahrscheinlich ein Söldnertrupp vor, der das Vorrücken der Sarazenen verhindern sollte.
Sein Hilferuf, den er von Boten übermitteln lassen hatte, wurde mit Übertreibungen versehen um die Lage erheblich zu dramatisieren.
Aus diesem Missverständnis zwischen den beiden Kirchen resultierte ein gewaltiger Kriegszug, der das Ziel hatte, Jerusalem von der Fremdherrschaft zu befreien. Dabei ist anzumerken, dass selbst Urban II. die Proklamation und dessen Wirkung unterschätzt hatte. Das Ausmaß war auch nicht in seinem Sinne.
Menschenmassen aus ganz Europa schlossen sich nun zusammen und zogen los. Beispielhaft dafür ist das erste Kriegsheer unter der Leitung Peter des Einsiedlers, bestehend aus Bauern und Kriegsunerfahrenen. Zum einen Teil sind sie auf dem beschwerlichen Weg gestorben, zum anderen Teil von Sarazenen niedergemetzelt worden ohne jemals Jerusalem erblickt zu haben. Dieser Kreuzzug der Armen wurde ebenso wenig wie der Kinderkreuzzug in die Zählung aufgenommen. Weitere traurige Bilanzen sind das Judenmassaker, das auch die Entstehung des Judenhasses in Europa markiert, und schließlich der Angriff auf Byzanz beim 4. Kreuzzug. Dieser pervertiert die ursprünglichen Ziele der Hilfestellung gegenüber der Ostkirche und zeigt, dass die Kreuzzüge vollkommen außer Kontrolle geraten waren.

III. Papst Urbans Rede (Synode von Clermont)

1. Argumentationsweg Urbans in der Darstellung von Willhelm von Tyrus

Einleitend für all diese Geschehen steht die berühmte Synode von Clermont (einzusehen bspw hier http://www.welt-jahrtausend.de/synode.htm ), die im November des Jahres 1095 von Papst Urban II gehalten wurde. Die Zuhörer waren meist geistlich und mittleren Standes. Der eigentliche Text der Rede ist nicht erhalten, aber es gibt mehrere Augenzeugenberichte und Historiker, die die Rede auf ihre Art und Weise wiedergaben.
So auch Wilhelm von Tyrus, der einer abendländischen Familie abstammt und in Palästina geboren worden ist. Seine Stellung als Kanzler von Jerusalem ermöglichten ihm den Zugang zu früheren Quellen. Folglich gilt seine Illustoria als die klassische Darstellung der Kreuzzüge und als eines der besten mittelalterlichen Geschichtswerke überhaupt.
Negativ anzumerken ist, dass er zum Teil auch Sagen als Quellen benutzt hat und somit die Rede ein wenig idealisiert und ideologisch darstellte. Die Urban-Rede wird hier als eine Primärquelle betrachtet.
Der Argumentationsweg Papst Urbans ist einheitlich strukturiert und lässt sich in vier Abschnitte unterteilen.
Der erste Abschnitt (Z.1-6) der Rede hat eine einleitende Funktion, die sich in einer direkten Ansprache des Volkes äußert. Zusätzlich wird auf die Vergangenheit des christlichen Glaubens und dessen Ursprungsort Jerusalem verwiesen.
In diesem Bezug schildert Urban die Problematik der damals gegenwärtigen Situation Jerusalems und Konstantinopels. So berichtet er, dass Jerusalem und dessen Bewohner unter der Herrschaft der Sarazenen zu leiden haben und die christliche Kirche entweiht wird. (Z 6-28)
Aufgrund dieser Gegebenheiten ist es notwendig Krieg gegen die Sarazenen zu führen und er fordert die Christen auf sich zu beteiligen. (Z 28-34)
Abschließend wird das Hauptargument des Schuldenerlasses aufgeführt und den Menschen zusätzlicher Schutz von der Kirche zugesprochen. (Z 34-43)
Im ersten Abschnitt verfolgt der Papst die Absicht neben der üblichen Ansprache auch eine gemeinsame Basis aller Menschen zu schaffen.

In einer Zeit politischer Wirren und Vielfalt, in denen jeweils unterschiedliche Interessen verfolgt werden, bildet die christliche Religion die einzige allgemein gültige Institution. Der Papst macht sich diese Gemeinsamkeit zu Nutze und leitet seine Rede mit den Worten „Ihr wisst (...), wie...“ (Z.1) ein. Dieser direkte Einstieg zeigt, dass der Papst zum Einen alle Menschen durch das Personalpronomen „Ihr“ einbezieht und des Weiteren auch das Wissen über die Religion voraussetzt. Da das Volk sonst nur in wenigen anderen Bereichen, wenn überhaupt, über Wissen verfügt, hebt er somit ihre Rolle als Christen hervor, indem er die katholische Kirche als Wissen vermittelnde Instanz darstellt und auch ein Gefühl der Gleichwertigkeit und des Stolzes beim Volk erweckt. Unterstrichen wird der zuletzt genannte Aspekt durch die Anrede „geliebte Brüder“ (Z.1), da eine geschwisterliche Beziehung den Zusammenhalt und die Gemeinschaftlichkeit symbolisiert. Die Konsequenz dessen ist, dass die Aufmerksamkeit aller Menschen erregt wird, sie Vertrauen zum Papst bilden und sie gleichzeitig das Gefühl haben gemeinschaftlich als Christen zu agieren.
Das vorausgesetzte Wissen beläuft sich auf die Ursprünge der Religion, die in der Menschwerdung Jesu Christi, seinem heilbringenden Wirken und der Auferstehung liegen. Diese Ursprünge werden von ihm im Zusammenhang mit dem „Land der Verheißung“ (Z 2) genannt („das Erlösungswerk, das er hier vollbrachte“ Z.3), sodass die Bedeutung Israels als existenzieller Aspekt für das Leben eines Christen dargestellt wird.
Die Formulierung „Land der Verheißung“ unterstreicht diesen, weil es sich auf die Niederlassung des israelitischen Beduinenvolkes unter Abraham in einem von Gott versprochenem Land bezieht. Damit verweist Urban auf eine noch weiter zurückliegende Besitzrechtmäßigkeit.
Formal wird die Stellung Israels und dem dortigen Wirken Jesu auch durch das positiv konnotierte Wortfeld „Erlöser“, „Heile“ und „Heilige Stadt“ hervorgehoben, was emotional ansprechend wirkt.
Da die Wichtigkeit Israels für die Christen im Widerspruch mit den Fremdherrschaften steht, räumt der Papst ein, dass Gott durch „gerechtes Urteil zugegeben (hat), dass die Heilige Stadt wegen der Sünden ihrer Bewohner mehrmals in die Hände ihrer Ungläubigen geriet“ (Z.4-5), bestreitet jedoch gleichzeitig das Jerusalem „verschmäht und verworfen“ (Z.6) wurde. Somit wird mit dieser Aussage jeglicher Zweifel an der Bedeutung Israels für die Christenheit ausgeschlossen und ein Gefühl des Stolzes hervorgerufen. Daraus resultierend lassen sich bereits zwei unterschiedliche Argumentationsstränge verzeichnen - der ideologische Aspekt und die Gefühlsebene.
Fortfahrend fügt der Papst zu der erzeugten positiven Stimmung einen negativen Situationsbericht Jerusalems auf. Der Satz „Die Wiege unseres Heils nun, das Vaterland des Herren, das Mutterland der Religion, hat ein gottloses Volk in seiner Gewalt.“ (Z.6-7), leitet den Situationsbericht ein und steht stellvertretend für alle folgenden Sätze.

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Jerusalem wird hierbei zwar nicht namentlich genannt doch wird dessen Bedeutung durch die Funktion als Geburts- und Vaterland Jesu sowie des Ursprungs der Religion positiv verstärkt. Dem wird nun das „gottlose (s) Volk“, das Jerusalem beherrscht, antithetisch gegenübergestellt.
Die Formulierung „gottloses Volk“ (Z.8) erneut aufgreifend beschreibt der Papst die Herrschaft der Sarazenen als von „Tyrannei“, „Knechtschaft und Unterwerfung“ gegenüber „Gläubigen“ gekennzeichnet (Z.9). Hierbei ist abermals die kontrastive Konnotation zu beobachten, die jedoch anders als bei dem vorhergegangenen Satz den Schwerpunkt auf der Beschreibung der Herrschaft der Sarazenen legt. Somit sind die zwei Zitate zusammengehörig und ergänzen sich antithetisch. Mit der Aussage bewirkt Urban, dass die Christen sich als eine höhere Zivilisation ansehen und die Sarazenen entsprechend herabgestuft werden. Ihm zufolge haben sie nicht nur vollkommen andere Einstellungen, sondern auch im Gegensatz stehende Absichten in Bezug auf Jerusalem. Die daraus entstandene „Kluft“ ermöglicht es dem Papst die Sarazenen als „niederes Volk“ zu verurteilen. Die aufgezeigte Beziehung wird daraufhin mit einer Metapher („Die Hunde sind ins Heiligtum gekommen, und das Allerheiligste ist entweiht“ (Z.9-10)) verbildlicht und zusätzlich verstärkt. Die Herabstufung ist entscheidend, weil das Gebot der Nächstenliebe umgangen wird. Es erweckt den Anschein, als wenn dieses nur für Christen gültig wäre. Dementsprechend soll der Krieg als Verteidigungskrieg zu verstehen sein, der als einziger legitimiert werden kann und lediglich zum „Schutz“ Jerusalems vor den „Ungläubigen“ dient.
Die Metapher ist insofern bedeutend, da sie leichter verständlich ist und auch die einfacheren Menschen ansprach. Die Schlussfolgerung dessen ist, dass sich der Papst seiner Zielgruppe nach wie vor gewahrt ist und der Argumentationsstrang der emotionalen Ebene konsequent fortgefahren wird.
Entsprechend werden daraufhin Beispiele für die Unterdrückung der Christen gegeben, wie z. B. inhaltlich, dass Priester die Stellung eines Sklaven inne haben oder rhetorische Fragen wie „Liebe Brüder, wer kann das mit trockenen Augen anhören?“ (Z.14) im Anschluss daran geäußert.

Auch wird die Schwarz-Weiß- Malerei durch noch drastischere Beispiele weiter ausgeführt, was sich in dem Kontext der vorhergegangenen rhetorischen Fragestellung wie ein Appell an das Volk, ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen, anhört. So werden wichtige christliche Bauten zum „Sitz des Teufels“ (Z.15), dem „heidnischen Aberglauben dienstbar“ (Z.17), von Menschen, die „als Stoppeln der Erhaltung des ewigen höllischen Feuers werden dienen müssen“ (Z.18-19) beherrscht und zu „Schafkrippen und Viehställe (n) verwandelt“ (Z.19-20). Als weitere Verstärkung dient dabei die Aufführung der Leiden des Volkes, bestehend aus Zwangsbekehrungen oder Hinrichtungen im Falle der Verweigerung. Die beschriebenen Verhaltensweisen sind brutal, entwürdigend und grausam. Sie dienen ausschließlich dazu bei den Christen Wut und Hass gegen die Sarazenen zu erzeugen.
Gleichzeitig geht aus diesen Beispielen hervor, dass der Papst bereits über das Leben nach dem Tod (Z.19) urteilt, obwohl dieses alleine in Gottes Hand liegt. Demzufolge kann man hierbei herausstellen, dass sich der Papst eine sehr hohe Position einräumt, die so nicht mehr von der Bibel legitimiert ist.

Im Zuge der Argumentation wird nun ein Zitat Davids aufgeführt, das wieder den Aspekt der kirchengeschichtlichen Rechtmäßigkeit aufgreift. „Herr, wie lange wirst du zürnen und deinen Eifer wie Feuer brennen lassen.“ (Z.37) ist beispielhaft, weil zum Ausdruck gebracht wird, dass Gott gegen die Sarazenen kämpft, beziehungsweise kämpfen will, und die Christen lediglich als die Durchführenden dieses Willens agieren.
Herauszustellen ist bei dem Zitat nun, dass es die zuvor genannten Legitimationen und Argumentationen zusammenfasst. Zuerst wird die Wichtigkeit Israels für die Christen hervorgehoben, die Voraussetzung für deren Teilnahme am Krieg ist. Ebenso ermöglicht sie erst die These des Verteidigungskrieges. Aufgegriffen werden die beiden Punkte von der biblischen Bedeutung Davids. Zum einen ist Jesus Christus dem Stamm Davids angehörig, sodass die familiäre Bindung den historischen Aspekt der Legitimation verstärkt und Israel einzigartig macht. Des Weiteren lebte David in einer kriegerischen Zeit und hatte sich oftmals gegen Angriffe zu verteidigen und Kriege zu führen. Da Gott, wie aus dem Alten Testament hervorgehend, David „unterstützt“ hat, stellt seine Verhaltensweise ein Vorbild dar; an dem man sich orientieren sollte. Die Behauptung, dass David „vorraussehend“ über eine Fremdherrschaft klagt, zeigt auf, dass nicht nur die Imitation dessen vordergründig ist, sondern auch, dass es sich hierbei um eine Bestimmung handelt, die ihr Verhalten bereits festgeschrieben hat.
Dabei ist anzumerken, dass in der Bibel ein anders formulierter und viel längerer Text aufzufinden ist. Sicherlich gründet es zu einem Teil auf Übersetzungsfehlern, beziehungsweise anderen Übersetzungen, aber insgesamt scheint es zusammen konstruiert und aus dem Zusammenhang gerissen. Zusätzlich ist die Behauptung, dass David die Missstände prophezeit hat nicht sehr wahrscheinlich, da es früher auch Überfälle auf Jerusalem gab wie der Papst bereits am Anfang der Rede beschrieben hat. Den ideologischen Höhepunkt erreichend, ruft Urban sein Publikum nun mit den Worten „Bewaffnet euch mit dem Eifer Gottes“ zum Krieg auf.

Angefangen mit dem Ehrgefühl und Stolz in Bezug auf Jerusalem, über die folgende antithetische Situationsbeschreibung die Hass und Wut gegen die Sarazenen erzeugt und abschließend das vermittelte Gefühl der Rechtmäßigkeit ihrer Handlungen sind alles Eindrücke, die bewusst geschürt worden sind. Die Argumentationsstränge sind demnach auf den Höhepunkt ausgerichtet. Entsprechend kann deshalb gesagt werden, dass die offensichtlich falsch zitierte Bibelstelle, ebenso wie die Schwarz-Weiß-Malerei und die überhöhte Darstellung Jerusalems alle lediglich Mittel zum Zweck waren und nicht auf wahren Fakten und Informationen beruhen. Diese gezielte Falschauslegung ist folglich als Propaganda zu verstehen.
Mit dem Zitat „Wendet die Waffen, mit denen ihr in sträflicher Weise Bruderblut vergießt, gegen die Feinde des christlichen Namens und Glaubens“ spricht der Papst schließlich ein damals gegenwärtiges Problem der Söldnertrupps an. Diese aus wirtschaftlichen Missständen sträflich handelnden Ritter werden hierbei erwähnt, da sie die eigentliche, sowohl von Byzanz als auch vom Papst erwünschte Zielgruppe sind, die sich an den Kreuzzügen beteiligen sollten. Dass sich nicht nur die Ritter, sondern auch Arme und Kampfunerfahrene angesprochen fühlen, war nicht geplant.

Zum Abschluss führt der Papst das Argument des Schuldenerlasses auf, das als eine zweite Erhöhung aufzufassen ist. Nach der stark emotional ausgerichteten Rede, die dem Publikum Motivationen ideologischer Natur liefert, wird nun ein Argument hinzugezogen, das attraktiv für alle Zuhörer ist. Beabsichtigt wurde eigentlich wiederum die Söldnertrupps zur Beteiligung zu bewegen. Ideologische Motivationen sind hierbei sicherlich nicht ausreichend gewesen und deshalb wurde die Attraktivität des Aufrufs durch den Schuldenerlass erhöht. Ein an sich schlüssiger und intelligenter Schachzug des Papstes, der jedoch lediglich auf böswilliger Falschauslegung gründet. Sich berufend auf die Apostel Petrus und Paulus als Legitimation verspricht die Kirche, dass, wenn man stirbt, einem Vergebung und ein ewiges Leben zu teil wird. Dabei ist zu bedenken, dass der Papst bewusst den Krieg als Gottes Wille ausgegeben hat, obwohl das im Widerspruch mit den 10 Geboten steht. Somit kann das Versprechen des ewigen Lebens genauso wenig eingehalten werden, da die Kirche keinen Einfluss auf die Begebenheiten hat. Aufgrund der anderweitigen Motivationen, die eigentlich aus Vermittlung von religiösen Normen und Werten bestehen sollte, ist der Papst auch nicht als Geistlicher, sondern als Politiker anzusehen. Um den Aspekt zu verdeutlichen, wird im Folgenden eine zweite Quelle hinzugezogen, die sich im Bezug auf die Motivationen unterscheidet.

2. Unterschiede zu Willhelm von Tyrus

Trotz weitgehender Übereinstimmung mit der anderen Quelle unterscheidet sich diese wesentlich in einem Punkt. Neben der ideologischen Beweggründe und des Argumentes des Schuldenerlasses wird hierbei auch auf den materiellen Aspekt angespielt. So wird durch das Zitat „nehmt das Land dort dem gottlosen Volk, macht es euch untertan!“ zu belegen, eine Aufforderung zur Landeinnahme gegeben, die durch das Ausrufezeichen besonders hervorgehoben wird. Von dem Land wird außerdem behauptet, dass es rechtmäßig den Erben Israels gehört und dass es eines der fruchtbarsten Länder ist. Zum einen wird dadurch eine Legitimation für die Einnahme aufgeführt, zum anderen wird das Angebot, das Risiken wie schlimmstenfalls den Tod beinhaltet, lukrativer gestaltet.
Wenn man den Papst nun als einen Politiker ansieht, ist es nur allzu verständlich, dass er die skeptischen Ritter mit weltlichen Gütern zu überzeugen versucht. Dass dies innerhalb einer idealistischen Rede, die Menschen dazu bewegen wollte aus Liebe zu Gott und der Kirche zu handeln, ein wenig ungewöhnlich war, fiel auch Willhelm von Tyrus auf. Damit ist auch das Fehlen dieses Aspekts in seiner Darstellung zu erklären. Als Sekundärquelle betrachtend weist die Darstellung von Willhelm von Tyrus Schwächen auf (Siehe: Autobiographie Tyrus), weil er die Rede idealisiert hat. Seine Intention dabei war es, die Kreuzzüge als eine euphorische, gemeinschaftliche und ideologische Massenbewegung darzustellen. So folgt der Rede, die mit Anführungsstrichen als direkte Rede gekennzeichnet ist, unmittelbar eine Beschreibung der euphorischen Reaktion des Volkes auf die Rede.
Im Vergleich dazu ist die Darstellung der Urban-Rede vom Benediktinermönch Robert von Reims glaubwürdiger, weil er ein Augenzeuge des Geschehens war und hauptsächlich die Intention der Wiedergabe verfolgte. Ein Nachteil dessen ist jedoch, dass die gewählten Formulierungen lediglich das Bild einer verschwommenen Erinnerung hervorrufen (vgl.Z.113-116) und die emotionale Ausrichtung, die das ausschlaggebende in der Rede ist, nicht deutlich hervortritt.
Festzuhalten ist nun aus beiden Darstellungen hervorgehend, dass der Papst die Rede streng auf den Ausruf konzentriert hat uns sich dabei emotionaler Reaktionen und der Involvierung jedes Menschen bedient hat um sein Ziel durchzusetzen. Die Frage die sich nun stellt ist, was Urban dazu bewogen hat zum Krieg aufzurufen, dass das Engagement, die bewusste Falschauslegung und die Risiken rechtfertigt. In diesem Zusammenhang ist es wichtig sich erst mal mit den historischen Hintergründen zu beschäftigen.

3. Historische Hintergründe der Urban-Rede

Das Entstehungsjahr der Rede ist dem Hochmittelalter zugehörig. In dieser Epoche finden weitreichende Umwälzungen sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen und sozialen Bereich statt.
Die Urban-Rede wurde bei der Synode auch in dem Zusammenhang mit kirchlichen Problematiken wie der Investitur gehalten. Bei dem Investiturstreit handelt es sich um den Konflikt zwischen Kirche und Staat um die Amtseinsetzung von Bischöfen und Äbten durch einen weltlichen Herrscher. Hauptsächlicher Kritikpunkt war dabei, dass die weltlichen Influenzen einen Sittenverfall bei dem ernannten Klerus bewirken. Die Veräußerlichungen geschehend in Form von Nichteinhaltung des Kirchenzölibats oder des Ämterkaufs werden von der Kirche abgelehnt und deshalb auch eine Reformbewegung angestrebt. Berühmtestes Beispiel ist dafür der Buß-Gang von Canossa. Dabei handelt es sich um einen Konflikt zwischen Heinrich IV und Papst Gregor, der aus einem Verbot der Laieninvestitur resultierte. Das letztendliche Scheitern Gregors ruft einen Widerstreit zwischen Päpsten und Gegenpäpsten hervor, der erst von Odo de Lagery um 1088 entgültig gelöst werden konnte. Trotzdem geht Gregor als einer der „gewaltigsten und erfolgreichsten“ Päpste aus der Geschichte hervor. Seine Bedeutung für die folgende Kirchenpolitik liegt darin, dass er als Erster für die Trennung zwischen weltlicher und kirchlicher Macht appellierte und somit eine Wende markiert hat. In diesem Kontext ist auch das Kloster Cluny zu nennen, das die Reformierung seit ihrem Gründungsdatum 11.09.910 antreibt und von wo aus auch Gregor seine harte und unnachgiebige Reformpolitik durchgeführt hat. Cluny fährt die Ansätze Gregors fort und wird bald darauf mit Beinamen wie „zweites Rom“ und „Zentrum der Welt“ betitelt. Urban, ebenso dem Kloster angehörig, trug nun wesentlich zu der Machtausdehnung bei und markierte den Höhepunkt des Einflusses Clunys durch die Kreuzzüge.

Begünstigt wurde die Machtstellung durch die schlechte wirtschaftliche Lage der Bevölkerung. So wurden ackerbauliche Methoden entwickelt die ermöglichten, dass mehr Menschen versorgt werden konnten. Das bewirkte einen Anstieg der Bevölkerungszahlen und damit verbunden auch eine zunehmende Verstädterung. Die zuletzt genannte Entwicklung zieht nun auch eine soziale Umwälzung mit sich, da Bürger, die sich dem Bereich des Handels und des Gewerbes annahmen bald zu wirtschaftlicher Macht und einem gestärkten Selbstbewusstsein gelangten. Daraus resultierend entstanden soziale Spannungen zwischen Adel und den Bürgern. Weiterhin sind die adeligen Zweitgeborenen ein weiterer Stellvertreter von Unzufriedenen, weil sie aufgrund einer Regelung nicht mehr beerbt werden. Auch die Bauern auf dem Land lassen sich zu der breiten Schicht hinzuziehen, da vom Adel höhere Abgaben eingefordert werden und mehrere schlechte Ernten dies zu einer Existenzbedrohung ausufern lassen. Der weltliche Bereich ist zumal noch schwach entwickelt und kann den Missständen nicht entgegenwirken. Somit werden die gesellschaftlichen Aufgaben und die Unzufriedenheit der Kirche nahegelegt. Die Konsequenz ist, dass die Kirche eine Neuorientierung anstrebt, indem sie die Stellung des Papstes verstärkt und dieser nun einen offenen Herrschaftsanspruche erhebt..
Die gewonnene Macht bewirkt, dass eine Doppelspitze mit Staat und Kirche als höchste Instanzen aufgestellt wird und somit von der Kirche auch unabhängige und dem Staat gleichgestellte Entscheidungen gefällt werden können.
Deshalb wird zurückkommend auf die Synode von Clermont die Investitur erneut und endgültig für verboten erklärt. Zwar stößt dies abermals auf Ablehnung, doch hat die Kirche inzwischen dieselbe Ebene wie ein weltlich regiertes Land und kann sich anhand von Bündnissen vor den verfeindeten Parteien schützen. Urban war hierbei bekannt für sein diplomatisches Geschick. Seine Feindschaften zu Heinrich IV. und Philipp I. glich er durch andere Bündnisse aus und bemühte sich zusätzlich um eine verbesserte Beziehung zu Byzanz. Somit waren die Kreuzzüge für den Papst ein politisches Mittel. Indem er seinen byzantinischen Glaubensbrüdern Hilfe zusandte, ebnete er den Weg zu einer Wiedervereinigung und der damit verbundenen weltlichen Oberherrschaft im römischen Reich.

Diese Erkenntnis beantwortet nun die Frage nach der Intention des Papstes, die ausschließlich politischer Natur und dem Machtstreben des Papstes zuzuschreiben sind. Die Tatsache, dass diese Absichten weder in der Urban-Rede erwähnt noch sonst irgendwie beim Volk bekannt gemacht worden sind, verdeutlicht, dass Urban seine Stellung als Papst missbrauchte, um seine Politik durchzusetzen. Die vermittelte Glaubensideologie, sich stützend auf Bibelzitaten, ist lediglich eine Illusion und Legitimation, die bewusst geschürt wurden um das politische Ziel zu erreichen. Die scheinbar zufälligen und spontanen Nebenhandlung wie der Kniefall des Bischofs Adhemar von Puy und der Ausruf „Gott will es!“ sind wahrscheinlich auch vorher geplant worden und demnach ein Teil seiner Strategie. Doch trug die Propaganda, der impulsiv vorgetragenen Rede und den materiellen und ideologischen Gründen allesamt zu einer Massenbewegung bei, die so selbst vom Papst selbst nicht gewollt war.
Hierfür ist es von Bedeutung die Reaktion des Volkes und deren Weltanschauung zu betrachten.

IV. Reaktion des Volkes

Wie bereits beschrieben ist die Urban-Rede speziell auf die Zielgruppe der einfachen, größtenteils ungebildeten Menschen ausgerichtet. Dies äußert sich vor allem in der emotionalen Gebundenheit und der bewussten Falschauslegungen von Bibelstellen, die scheinbar von dem Volk nicht als solche erkannt werden. An der beschriebenen Unwissenheit lässt sich das Verhältnis zwischen Volk und Kirche herausstellen. Der Klerus ist als einzige wissensvermittelnde Instanz zu verstehen, die entsprechend das Volk in Abhängigkeit von ihr stellt und Manipulationen ermöglicht. Die Kenntnis von politischen Begebenheiten und der Kirchenpolitik sind nahezu vollständig auszuschließen.
Demzufolge hat die Kirche neben den ideologischen Beweggründen auch den materiellen Aspekt, der zur Zeit wirtschaftlichen Nöten sehr ansprechend war, und den Schuldenerlass hinzugezogen. Um die Wichtigkeit des Schuldenerlasses nachvollziehen zu können, bedarf es einer Klärung der damaligen Glaubensein- und Vorstellung der Menschen.
Die größte Angst die Christen hegten war die des schnellen Todes. Der dadurch beibehaltene Sündenstand bedeutete, dass die Menschen ihrer Vorstellung nach entweder in das Fegefeuer oder in die Hölle gelangten. Allgemein war der Tod im Gegensatz zu heute eine tägliche Konfrontation, was unter anderem auf die hohe Kindersterblichkeit zurückzuführen ist. Das Lebensalter betrug im Durchschnitt 50-60 Jahre. Das Zitat „Mitten im Leben sind wir vom Tod umgeben“, spiegelt das Verhältnis zum Tod wieder und zeigt auf, dass sich die Menschen notgedrungen damit auseinander setzen mussten. Aufgrund der weit verbreiteten Gläubigkeit an die Auferstehung Jesu, ist es nicht der Tod, der Angst und Schrecken erzeugt. Vielmehr ist es die Vorstellung vom Leben nach dem Tod bestehend aus dem Bild des Zwiespalts Himmel- Hölle. Um nicht in die Hölle zu kommen, werden von der Kirche Mahnungen, wie das man sich nicht von Ruhm und Schönheit blenden lassen sollte erteilt. So folgt auf das kirchliche Faschingsfest der Aschermittwoch, an dem der Priester erinnert „Aus Staub bist du, und zu Staub wirst du werden“, um das Gleichgewicht zwischen Lebensfreude und Todesfurcht wiederherzustellen. Der Tod impliziert somit einen Zwiespalt, der zum einen Angst vor der Hölle und den Qualen, zum anderen die Freude auf das Paradies im Himmel umfasst.
Diese Vorstellung machte die Kirche an Hand der Bibelstelle „Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetze übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen“ Matthäus-Evangelium (13,41-42) fest.
Daraus entwickelte sich ein konkretes Bild von der Hölle wie sie auch auf den mittelalterlichen Abbildungen festgehalten wurden. Die Hölle befand sich unter der Erde, wobei die feuerspuckenden Vulkane als Beweis für deren Existenz aufgefasst wurden. Bevölkert war sie von schwarzen Vögeln, Dämonen, Teufeln und Getier. Plagen in form von Hitze, Ausschlag und Juckreiz, sowie die unter Gewissensbissen und Reue leidende Seele sind die vorherrschenden Erscheinungen. Die Entscheidung ob ein Mensch in den Himmel oder in die Hölle kommt wird beim Jüngsten Gericht gefällt und da dieses noch nicht eingetroffen ist, wurde eine Zwischenstufe vermutet und festgelegt. Das somit entstandene Fegefeuer wird auch als Vorhölle bezeichnet und dient als Reinigungsinstanz.
Zurückkommend auf das Verhältnis zum Tod strebten die Menschen folglich eine rechtzeitige Vorsorgung an, um der Hölle zu entkommen. In diesem Bezug stand die strenge Beachtung der Gebote im Vordergrund. Problematisch war nun das manche Berufsgruppen, zum Beispiel Kaufmänner und mächtige Politiker von vorneherein im Widerspruch zu der Bibel stehen. Dem entgegen wirkend trat man entweder am Ende des Lebens ins Kloster ein, um zu sühnen oder spendete an das Kloster, an Arme, an Witwen und an Waise. Der Tod ist an dem Beispiel deutlich gemacht als eine Auslieferung der Seele zu verstehen, dass vor dem Tod durch Buße, Beichte und Reue positiv beeinflusst werden kann.

V. Fazit

Die Feststellungen sind entscheidend für das Verständnis vom Schuldenerlass, weil die Kirche mit der Versicherung des Sündenerlasses und dem ewigen Leben, die eigene Vorsorgung unnötig macht und dem Menschen auch die Höllenangst genommen wird. Die Entbindung aus den Pflichten ist nicht nur lukrativ für den Menschen, sondern mitunter auch ein Grund für das letztendliche Scheitern der Kreuzzüge. Ohne jegliche Druckmittel verwandelten sich die respektvollen, ehrfürchtigen Christen in einen „Mob“, der selbst von den jeweiligen herrschaftlichen Befehlshabern kaum mehr zu kontrollieren war. Es kam zu brutalen Übergriffen gegenüber Juden, Sarazenen und auch Christen.
Diesen blinden, religiös motivierten Übereifer nennt man Fanatismus, der im Falle der Kreuzzüge 22 Millionen Menschenleben forderte. Die Schuld daran liegt jedoch nicht alleine bei den christlichen Teilnehmern der Kreuzzüge. Es handelt sich eher um ein Missverständnis der beiden Parteien Kirche und Christen. Der Papst hat seinen Einfluss, die Macht und die Wirkung auf die Menschen unterschätzt. Die Propaganda der Glaubensideologie gekoppelt mit Zugeständnissen, die eine größere Menschenmenge und vor allem die randalierenden Adeligen ansprechen sollte, aber eigentlich politische Ziele Urbans verfolgte, löste eine Massenbewegung von Menschen aus. Doch bestanden deren Absichten aus der Aneignung von Wohlstand und dem Erleben eines Abenteuers. Der Schuldenerlass diente ihnen nur als kirchliche „Genehmigung“ dazu.
Der beschriebene Interessenkonflikt ist am Beispiel Byzanz's am besten zu verdeutlichen. Während der Papst eine Wiedervereinigung im politischen Sinne anstrebte, prallten die wirtschaftlichen Interessen der Kreuzritter mit denen Byzanz s gegeneinander und führten letztlich zu der Einnahme der Stadt beim 4. Kreuzzug. Dass die Wiedervereinigung ausblieb und sich die Christen stattdessen untereinander bekämpften, ist auch die Hauptursache des Scheiterns der Kreuzzüge. Während bei dem ersten noch „ideologische“ Intention mit der Einnahme Jerusalems erfüllt wurden, sind alle folgenden eher wirtschaftlich orientiert und führen zu Interessenkonflikten der Beteiligten.
Letztlich sind die Kreuzzüge mehr als ein Expansionsunternehmen aufzufassen, das durch die kirchliche Steuerung eine werbewirksame Kampfesideologie mit vielen Anhängern hervorrief. Der Misserfolg der Kreuzzüge bedeutete zugleich die Verringerung der politischen Bedeutung des Papsttums.
Die Folgen für uns sind trotzdem nicht mit denen Palästinas zu vergleichen. Das palästinische Gebiet ist vollständig ruiniert. Entweder durch den wirtschaftlichen Ruin der Bauern oder lokal durch die Eroberung der Städte. Die Zerstörungen sind von Christen begangen worden, die im Grunde genommen nichts über die Sarazenen wussten. Sie hassten und bekämpften eine Kultur, nur weil sie anders war als die christliche. Ihre Abneigung und Herunterstufung ging soweit, dass sie Familien, Kinder, sogar Säuglinge nicht verschont haben. Ein Augenzeuge berichtet „Niemand hat jemals von einem ähnlichen Blutbad unter dem heidnischen Volk gehört oder es gesehen“. Auch Fälle vom Kannibalismus sind bekannt. In diesem Zusammenhang hört sich der Ausruf „Gott will es!“ fast schon sarkastisch an und stößt bei uns auf totales Unverständnis.
Die Tatsache, dass die Sarazenen genau das Gegenstück zum barbarischen Vorgehen der Christen waren, verstärkt diese Wirkung. Der Islam war zivilisiert, hochgebildet und vorbildlich. Saladin symbolisierte auch das Idealbild eines Herrschers, weil er höflich, bescheiden und großzügig war. Bei der Wiedereinnahme Jerusalems ließ er seine christlichen Feinde am Leben und gab ihnen die Möglichkeit sich von der Sklaverei freizukaufen. Die reichen Christen hatten zusätzlich die Option ihre ärmeren Mitstreiter zu unterstützen, die sie jedoch nicht genutzt haben. Darauf hat Saladin selbst für viele von ihnen die Summe aufgebracht und beschämt die Christen nur noch mehr.
Außerdem wurden Friedensverträge geschlossen, wo nach Christen Jerusalem als friedliche Pilger besuchen durften und unter dem ägyptischen Sultan ging Jerusalem sogar ganz an die Christen zurück.
Zur Verdeutlichung der Unterschiedlichkeit der Kulturen dient folgendes Beispiel: Ein in arabischer Heilkunde geschulter Arzt sollte einen Ritter mit Abszeß am Bein und eine Frau heilen, die an Auszehrung litt. Der Arzt legte dem Ritter ein Pflaster auf, und das Abszeß besserte sich. Er verschrieb der Frau eine Diät mit Kräutertee, und sie wurde beinahe gesund. Da kam ein fränkischer Arzt daher und behauptete „Der weiß doch gar nicht, wie sie zu behandeln sind.“ Er befahl: „Holt mir einen Gehilfen und ein scharfes Beil“. Der Gehilfe musste dem kranken Ritter das Bein abhacken, was nach dem zweiten Versuch gelang. Der Ritter war sofort tot. Hierauf untersuchte er die Frau und sagte „Sie hat einen Dämonen im Kopf, der sich in sie verliebt hat. Schert ihr die Haare.“ Dann nahm er ein Rasiermesser und schnitt ihr kreuzförmig über den Kopf, entfernte die Haut in der Mitte, bis der Schädelknochen freilag, und rieb ihn mit Salz ein. Die Frau starb augenblicklich. Da fragte ich (der arabisch geschulte Arzt): „Habt ihr mich noch nötig?“ Sie verneinten, und ich ging weg, nachdem ich von ihrer Heilkundegelehrt hatte, was ich vorher nicht wusste“
Der letzte Satz ist wohl wahrscheinlich sarkastisch gemeint und spiegelt das eigentliche Problem der beiden Kulturen wieder. Das gegenseitige Unverständnis und die Intoleranz. Hat der Papst die negative Haltung gegenüber der Sarazenen gefestigt oder war es Wut, Armut und Verzweiflung, die bewirkt haben, dass die Christen sich gegen die Kultur wendeten? Wahrscheinlich trug beides dazu bei. Eine Reihe von Missverständnissen, Unwissenheit und Intoleranz lösten einen chaotischen, unkontrollierten und brutalen Kriegszug aus, der am Ende nur das Ziel des wirtschaftlichen und kulturellen Wohlstands einiger erreichte.

VI. Schluss

Sollte dies auch das einzige Ziel der Politik Bushs sein? Ein Krieg aus Rachsucht und aus verletztem Stolz, weil Amerika beziehungsweise Donald Rumsfeld in den 80ern von Saddam Hussein hintergangen wurde oder aus Gründen wirtschaftlicher Macht? Vor noch einem halben Jahr wurde der Irak für ungefährlich gehalten. Inzwischen versucht die Regierung mit allen Mitteln Krieg zu führen, obwohl noch nicht mal ein konkreter Beweis für Massenvernichtungswaffen vorliegt. Die Parallelen sind erstaunlich. Politiker streben nach Macht, mit dem Unterschied das Papst Urban II. im Nachhinein bereits als solcher entlarvt wurde und sich Menschenmassen an den Kreuzzügen beteiligt haben. Wenn es Bush wirklich nur um Macht geht, können wir uns zumindest einen Fortschritt zugutehalten, wir ziehen nicht mit.

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  • Autor: Nicht angegeben
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 13. Klasse
  • Erstellt: 2004
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 19.08.16

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