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Quelleninterpretation Friedrich der Großen

Inhaltsverzeichnis

Folgend eine Quelleninterpretation des textes "Reglement vor die Königlich Preußische Kavallerie-Regimenter" vom alten Fritz, Friedrich dem Großen.

Die Quelle „Reglement vor die Königl. Preußische Cavallerie-Regimenter“  von Friedrich II., veröffentlicht am 1. Juni 1743 in Berlin, zeigt die damals verkündeten Heiratsbeschränkungen der verschiedenen Gruppierungen in der Militärhierarchie Preußens, also der Offiziere, Unteroffiziere und Gemeinen der preußischen Kavallerie-Regimenter auf. Den „Subalternen Officiers“ soll das Heiraten z.B. nicht erlaubt sein, es sei denn, sie können „ihr sonderlich Glück“, hier ist vor allem das materielle und finanzielle Glück gemeint, durch diese Heirat finden. Allerdings muss dann „der Obriste oder Commandant“  Nachforschungen anstellen, ob das „sonderlich Glück“ auch wirklich vorhanden ist, dann dem König das Untersuchungsergebnis darstellen und auf dessen Zustimmung zur Eheschließung hoffen.

Unteroffizieren soll eine Heirat nur dann gestattet werden, wenn der jeweilige Vorgesetzte damit einverstanden ist und der Unteroffizier durch die Hochzeit auch zu einem bestimmten Vermögen kommt. Jungen Unteroffizieren ist das Heiraten weitgehend untersagt.

Ausländische „Burschen“ ist eine Eheschließung durch den Rittmeister nur dann zu „accordiren“ wenn die Burschen vermögend sind und dieses „Capital“ an den König abgeben. Allerdings muss dennoch gewährleistet sein, dass dessen Frau nicht zu arm („allzu pauvre“) ist, sodass deren Versorgung entweder durch deren Vermögen oder durch deren eigene Arbeit gesichert ist. Der Rittmeister hat zu überprüfen, dass dieser „Bursche“ sich mit der Heirat nicht ruiniert. Bestätigt der Rittmeister die materielle Absicherung, dann kann der Obrist den „Trau-Schein“ ausstellen.

Auch den einheimischen „gemeinen“ Soldaten ist das Heiraten nur zu erlauben, wenn diese eine wohlhabende Ehefrau finden. Darüber hinaus hat jeder Rittmeister dafür zu sorgen, dass in seiner Kompanie nicht mehr als ein Drittel verheiratete „gemeine“ Soldaten vorhanden sind.

Aus dem Text geht hervor, dass Friedrich II., der 1740 König von Preußen wurde, seinen „Cavalleristen“ das Heiraten deshalb beschränkt, um seine Soldaten entweder an vermögende Frauen zu binden oder ihnen eine Eheschließung vollkommen zu untersagen. Hier werden eindeutig finanzielle Probleme des Königs deutlich. Wegen des 1. Schlesischen Krieges (1740-1742) und des geplanten kommenden 2.Schlesischen Krieges (1744) benötigt Friedrich II. alle finanziellen Mittel die ihm zur Verfügung stehen. Dies wird an folgenden Textstellen deutlich: … „es wäre dann, daß ein armer Officier sein sonderlich Glück durch eine Heyrath machen könnte“, und: „Einen einheimischen Burschen soll, es wäre denn, daß einer eine Braut mit hübschen Mitteln haben könnte, nicht erlaubet werden zu heyrathen: …“. Der König will wegen der hohen Kosten seines großen stehenden Heeres und wegen der Zahlungen an die Witwen der Offiziere seine sowieso knappe Staatskasse weiter entlasten. Diese Problematik wird in Wolfgang Reinhard: Geschichte der Staatsgewalt, Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Frankfurt 2000, bestätigt, indem er schreibt, dass „in Preußen Offiziere zeitweise Heiratsverbot erhielten, weil Friedrich II. keine Pensionen an Offizierswitwen mehr zahlen konnte, … “. Die Aussage, „wenn ausländische Bursche heyrathen wollen, ein Capital haben und solches abgeben wollen“, unterstützt zudem die wirtschaftspolitische Ansicht Friedrichs II., der seine merkantilistische Wirtschaftspolitik so sah: „aus fremden Landen Geld herein zu ziehen … und zu verhindern, dass das Geld nicht unnötiger Weise aus dem Lande gehen müsse…“ aus: Preußen, Zur Sozialgeschichte eines Staates – Die absolutistische Staatswirtschaft  (S.61f).

Mit diesen Reglements wird auch die klare hierarchische Militärdisziplinierung deutlich, die der König in seiner Armee durchsetzt und festigt, indem die jeweils ‘unteren Offiziere‘ immer von der Entscheidung ihrer Vorgesetzten abhängig sind. „Es soll kein Unter-Officier ohne Permission des Chefs heyrathen“. Darüber hinaus wird die Funktion des Überwachens und Kontrollierens der Vorgesetzten deutlich, die weit in die Privatsphäre der Untergebenden reicht, wenn man betrachtet, inwieweit sich die Offiziere über die finanzielle Lage ihrer „Gemeinen“ bei einer angestrebten Hochzeit informieren müssen: „wobey aber der Rittmeister davor sorgen muß, daß ein ausländischer Bursche nicht so blind hin heyrathe, und dessen Braut nicht allzu pauvre sey, oder wenigst durch ihre Arbeit sich ernehren kann, … wornach der Obriste, … den Rittmeister befragen muß.“.

Die im Reglement erwähnten „nicht über ein Drittel beweibte Bursche bey der Compagnie“ haben sicherlich den Sinn zu erfüllen, dass Friedrichs II. strikt diszi-plinierte und gehorsame „Armee des Königs“ nicht „verweiblicht“ wird. Denn im militaristischen Preußen gilt damals „der Soldat … als Inbegriff von Männlichkeit, er fungiert als idealtypischer Symbolträger für das soziale und politische Konstrukt Männlichkeit.“ (aus: Eva Kreisky Der Körper Militär: eine politische Synthese aus Männerkörpern, Wien 2003.) Um diese Männergesellschaft beizubehalten und zu stabilisieren sollten natürlich nicht ständig die Frauen bei der Kompanie sein.

Dieses Reglement führt natürlich dazu, dass weniger Offiziere heiraten konnten. Diese Maßnahmen bedingen allerdings einen ständisch gebundenen Bevölkerungsrückgang, da durch die weniger vollzogenen Ehen auch weniger Kinder ‘ehelich‘ geboren werden. Allerdings nimmt die Anzahl der in „wilden Ehen“ lebenden Paare zu. Kritiker dieser Regelungen verweisen auch auf den Anstieg der Prostitution v.a. in den Garnisonsstädten. Nicht selten verließen zudem ehewillige Paare Preußen-Brandenburg, um dann ‘im Ausland‘ zu heiraten, was auch zu einem Verlust von Soldaten und zusätzlich zu einem Bruch der angestrebten Sozialdisziplinierung führte.

Das von Friedrich II. veröffentlichte Reglement hatte also v.a. den Zweck, die Ausgaben für sein stehendes Heer und die damit verbundenen Alimentierungen für die Offiziere und deren Witwen zu minimieren. Außerdem sollten die monarchischen Militärstrukturen innerhalb der Armee noch stärker ausgebaut und gefestigt werden. Auch die repräsentative Wirkung seines Heeres und seiner Offiziere sollte nicht durch eine ‘Verweiblichung‘ an Prestige und Ansehen verlieren.

Voraussichtlich hatte Friedrich II. nicht mit den Konsequenzen seines Reglements gerechnet, da die Heiratsbeschränkung für Offiziere nach kurzer Zeit wieder aufgehoben wurde. Die wichtigsten Gründe für die Wiederaufhebung des Reglements waren vermutlich die wenigen Geburten in den Provinzen und die Feststellung, dass Soldaten weniger häufig desertieren, wenn sie eine Ehefrau und Familie zuhause haben, die sie nach dem Krieg erwarten. (aus: Soldatenfrauen in Preußen, von Beate Engelen S.64f.)

Quellen:

-       Preussen, Zur Sozialgeschichte eines Staates, Hamburg 1981

-       Wolfgang Reinhard, Geschichte der Staatsgewalt. Eine vergleichende Verfassungsgeschichte Europas von den Anfängen bis zur Gegenwart, Frankfurt 2000

-       Eva Kreisky, Der Körper Militär: eine politische Synthese aus Männerkörpern, Wien 2003

-       Der farbige Ploetz, Illustrierte Weltgeschichte, Freiburg/Würzburg 1982

-       Beate Engelen, Soldatenfrauen in Preußen 2005

Internet:

http://www.geschichtsforum.de/f60/pariser-kommune-24920/

http://www.glasnost.de/hist/fr/akom3.html

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4.3 / 5 Sternen (3 Bewertungen)
  • Autor: M.P.
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 2. Semester (Uni)
  • Erstellt: 2008
  • Note: Ohne Wertung
  • Aktualisiert: 09.08.16

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