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Großbritannien & die Römer - Zusammenfassung

Inhaltsverzeichnis

Wissenschaftliche Hausarbeit mit dem Titel:
Roman Britain - Auf dem Weg zur Eroberung Britanniens durch die Römer in der Zeit von 55 v. Chr. bis 43 n. Chr.

Selbstverständlich auch als Referat zum Thema "Roman Britain" brauchbar!

Inhaltsverzeichnis "Britannien in römischer Zeit"

1 Einleitung

2 Auf dem Weg zur Eroberung Britanniens durch die Römer

2.1 Caesars Britannienexpeditionen 55 und 54 v. Chr.

2.1.1 Motive und Umsetzung

2.1.2 Erfolg oder Misserfolg Caesars?

2.2 Augustus, Tiberius und Caligula: das Verhältnis zu Britannien

2.3 Zur Invasion Britanniens unter Claudius 43 n. Chr.

3 Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das römische Reich hat in der Antike eine enorme Ausdehnung erreicht und galt daher oftmals als unbesiegbar. Auch die Römer, vor allem deren Kaiser, wirken in den Überlieferungen oftmals hinsichtlich militärischer Abenteuer sehr von sich überzeugt. Scheinbar jede Provinz vermochte sich das Imperium Romanum innerhalb weniger Jahre einzuverleiben, bis auf eine: Britannien. Dieses Land außerhalb der bekannten Welt sollte erst gut ein Jahrhundert nach den ersten Expeditionen Caesars erobert werden. In der vorliegenden Arbeit gilt es Gründe dafür zu finden und zu erläutern, wobei der Blickwinkel weniger politische oder militärische, als vielmehr persönliche und psychische Motive einschließt und näher beleuchtet.                                                                      
Der Weg zur Eroberung Britanniens beginnt also bereits unter Caesar. Dessen Motive für seine Expeditionen 55 und 54. v. Chr. sowie deren Scheitern bilden die Basis der Arbeit und darüber hinaus einen wichtigen Schwerpunkt. Außerdem ist zu untersuchen, warum Caesar zwei unmittelbar aufeinander folgende Expeditionen unternahm und ob sie trotz einer gescheiterten Eroberung Britanniens als Erfolg gesehen werden können.                                                                                               
Daran kann im Weiteren aufgezeigt werden, in welchem Verhältnis die politischen Nachfolger Caesars zu Britannien standen und welche Beziehungen sie zu der entfernten Insel hatten. Versuchten sie aktiv an Caesars Vorhaben anzuknüpfen oder erkannten sie womöglich, dass das Imperium Romanum nicht in der Lage war, dieses Gebiet zu erobern und unterwerfen?                                                                                              
Den Abschluss der Arbeit bilden einzelne Aspekte der Invasion Britanniens unter Claudius. Vordergründig sind hierbei seine Motive für den Beginn der Eroberungen Britanniens und Gründe für das Gelingen dieser Mission. Hatte er den Respekt zu dem Gebiet außerhalb der römischen Welt, vielleicht aufgrund der langen Zeitspanne zu Caesars Darstellungen, verloren und war sich seiner Sache sicher oder gab es Motive, die ihn regelrecht dazu zwangen, ein solches Unternehmen zu starten?                 
Als Quellen dienen sowohl das Werk Caesars Commentarii de bello Gallico als auch Tacitus’ Agricola. Die entnommenen Zitate aus Literatur und Quellen werden im Original abgebildet und ermöglichen dem Leser somit einen tieferen Einblick in das Thema.

2 Auf dem Weg zur Eroberung Britanniens durch die Römer

2.1 Caesars Britannienexpeditionen 55 und 54 v. Chr.

2.1.1 Motive und Umsetzung

 Lange Zeit  schien Britannien für das Imperium Romanum nicht interessant zu sein, vor allem aufgrund der geografischen Lage und der daraus resultierenden Entfernung. Es war nur sehr wenig über den Kontinent bekannt. Im Folgenden gilt es daher, Motive Julius  Caesars für eine Expedition in das unbekannte Land sowie deren Umsetzung zu erläutern. Außerdem stellt sich die Frage, warum Caesar zwei unmittelbar aufeinander  folgende Expeditionen durchführte, nämlich in den Jahren 55 und 54 v. Chr.                                 
Caesar selbst gibt für die erste Expedition 55 v. Chr. zwei Motive an. Erstens sei Gallien in den Auseinandersetzungen mit römischen Legionen häufig von britannischen Truppen unterstützt worden.[i] Zweitens stellt Caesar in seinen Darstellungen heraus, dass der Wahrheitsgehalt britannischer Zusagen nicht sehr hoch gewesen sein kann, denn in einem Moment, beispielsweise als die Britannier von dem Plan hörten Caesar käme auf die Insel, schickten sie Gesandte, die Geiseln und die Unterwerfung unter römische Herrschaft zusicherten und in einem anderem, als Caesar die Küste Britanniens erreichte, standen bereits bewaffnete feindliche Truppen bereit.[ii] Die Expedition führt Caesar also einerseits durch, um das frevelhafte Verhalten der Britannier, Abmachungen nicht einzuhalten, zu bestrafen und andererseits die militärischen Aktionen Britanniens in Gallien, wo Caesar von 58 bis 50 v. Chr. Statthalter war, zu unterbinden. Caesar schweigt in seinen Darstellungen über mögliche weitere Motive, wie der Faszination der Römer über das fremde Land, der Glaube an Reichtümer oder aber dem Vorhaben, das Imperium Romanum sprichwörtlich bis zum letzten Zipfel der bekannten Welt auszudehnen.

Die angesprochenen wirtschaftlichen Interessen waren dabei für Caesar von großem Wert, da er die Loyalität des Heeres mit Beute aufrechterhalten sowie persönliche finanzielle Belange regeln musste. Die lange Abwesenheit Caesars aus Rom, durch seine Kriege in Gallien oder aber der ersten Britannienexpedition, setzte beispielsweise teure Propagandamaßnahmen voraus, die seine Präsenz in Rom sichern sollten.[iii] Außerdem sei Caesar sicher gewesen, „[…] sein Ansehen in Rom seinem politischen Konkurrenten Pompeius gegenüber steigern zu können, wenn er Britannien erobern würde, dessen wirtschaftliche Ressourcen in der Hauptstadt als überaus günstig eingeschätzt wurden.“[iv] Neben den bereits vorgestellten politischen und wirtschaftlichen, könnten daher auch persönliche Motive bei der ersten Überfahrt Caesars nach Britannien eine Rolle gespielt haben, denn zu der damaligen Zeit konnten Einbußen von Ruhm und Prestige die Macht oder sogar das Leben kosten.[v]           

Es sollen nicht alle Theorien über mögliche Motive Caesars erläutert werden, dennoch gibt es einen weiteren Faktor: Zwei Legionen, das bedeutet circa 10.000 Mann, sollen beteiligt gewesen sein. Diese Zahl deutet bereits darauf hin, dass Caesar möglicherweise nicht auf die Eroberung Britanniens aus war, sondern lediglich ein erstes Zeichen setzen wollte beziehungsweise eine Art Aufklärung der südlichen Teile der Insel im Sinn gehabt hatte, da von dort die Beziehungen nach Gallien ausgingen. In der Forschung wird außerdem die These diskutiert, dass Caesar für diesen Feldzug keine Legitimation gehabt haben und durch das Übersetzen einer geringen Anzahl von Truppen nach Britannien die Reaktion Roms angetestet haben soll. Dies könnte außerdem erklären, warum Caesar die erste Expedition abbrach, nicht etwa, weil, wie er meint, der Winter nahte, sondern möglicherweise durch eine Rückberufung Caesars durch den Senat.[vi]                                                                                                                  Die Umsetzung der ersten Britannienexpedition sollte demnach wenig erfolgreich von statten gehen. Bereits die Ankunft und das Anlegen der Schiffe stellten sich aufgrund der klimatischen Bedingungen als eine wahre Herausforderung dar. Die den Römern unbekannten keltischen Stämme, die das Gelände und mögliche Rückzugsmöglichkeiten kannten, setzten den Römern des Öfteren zu, konnten letztendlich dennoch in den meisten Fällen geschlagen werden.[vii] Trotzdem scheiterte die Verfolgung der Feinde oftmals, denn sie kannten die Beschaffenheit der Insel, was gewiss ein Faktor des römischen Rückzugs ist.                                                                             
Die Britannienexpedition Caesars 55 v. Chr. scheiterte, sei es aus mangelndem Wissen über die Insel, einer geringen Truppenstärke, ungewohnten klimatischen Bedingungen oder aber der Rückberufung durch den römischen Senat. Fakt ist, dass Caesar unmittelbar nach dieser Expedition eine zweite Überfahrt 54 v. Chr. in Angriff nahm. Welche Motive Caesar dazu bewegten gilt es im Folgenden aufzuzeigen.                                   
Im Gegensatz zu der Ersten gibt Caesar für die zweite Britannienexpedition keine expliziten Motive an. In seinen Darstellungen Commentarii de bello Gallico wird deutlich, dass er die Expedition sehr gewissenhaft plante, was schon an den neuen Bauplänen der Schiffe deutlich wird, die er unter anderem entwerfen ließ, um sich dem rauen Klima anzupassen.[viii] Die gründliche Vorbereitung lässt darauf schließen, dass Caesar anders als ein Jahr zuvor neben der Aufklärung Britanniens auch eine Eroberung im Sinne gehabt haben könnte.                                                                                             
„[…] Caesar's British adventure […] was inspired by the hope of finding pearls.“[ix] Diesem Gedanken wird in der Forschung besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt, da Geld auch damals schon Macht bedeutete und die Römer in Britannien eben diesen Reichtum vermuteten. Caesars zweite Überfahrt könnte daher zum vordergründigen Ziel gehabt haben, jene britannischen Reichtümer dem Imperium Romanum einzuverleiben. Außerdem wird als weiteres Motiv in der Literatur genannt, dass Caesar möglicherweise Revanche wollte für die geringe Ausbeute der ersten Expedition. Untermauert wird dieser Fakt durch die Truppenstärke, die Caesar 54 v. Chr. schließlich auf die Insel führte. Waren es ein Jahr zuvor noch zwei Legionen, so beträgt die Anzahl der zweiten Britannienexpedition bereits fünf Legionen, das heißt, circa 25.000 Mann.[x]                                                                                                                      
Die zweite Überfahrt soll im Einzelnen nicht weiter vertieft werden. Wichtig ist, dass Caesar während der zweiten Expedition bis zur Themse vordrang und diese auch überquerte. Er schaffte damit neue Erkenntnisse in der Aufklärung der Insel und verbuchte weiterhin Siege gegen einheimische Stämme. Der König der Britannier, Cassivellaunus, der von den einzelnen Stämmen als gemeinsame Vertretung gewählt worden war, habe sich sogar ergeben, nachdem die Römer viele Landstriche verwüstet und sich Stämme unterworfen hatten. Caesar forderte einen jährlichen Tribut und Geiseln von dem britannischen König. Diese positiven Darstellungen werden wiederum von Negativen überschattet, denn auch während der zweiten Expedition seien Schiffe durch Stürme zerstört worden. Nachdem sich der König Cassivellaunus augenscheinlich Caesar unterwarf und Tribut sowie Geiseln versprach, zogen sich Caesar und seine Truppen gegen Ende des Jahres 54 v. Chr. von der Insel zurück.[xi] Unklar ist, ob Caesar sich, wie er schreibt, aufgrund des Winters zurückzog oder aber, wie man sich in der Forschung einig ist, weil in Britannien der erwartete Reichtum nicht zu finden war. Außerdem habe die Erhebung des Vercingetorix in Gallien dazu geführt, dass sich Caesar um gallische Angelegenheiten kümmern musste und daher die Expedition in Britannien nicht weiter ausdehnte. Ob nun aus Enttäuschung über mangelnde Beute, das Ausbleiben von Geiseln und der Tributzahlungen oder weil es zu der Zeit nicht möglich war die Expansion nach Britannien weiterzuführen, da die Provinz Gallien sehr instabil war, ist rein spekulativer Natur.[xii]                                                                                  
In den Commentarii de bello Gallico erfolgen keine weiteren Erwähnungen Britanniens nach der zweiten Expedition Caesars. Möglicherweise ist dies ein Hinweis darauf, dass Caesar zu seinen Lebzeiten eine weitere Überfahrt nach Britannien sowie eine Eroberung kategorisch ausschloss.

2.1.2 Erfolg oder Misserfolg Caesars?

Die Frage nach der Bedeutung von Caesars Britannienexpeditionen für folgende imperiale Abenteuer anderer Kaiser ist von großer Bedeutung und befindet sich in einem ständigen Diskurs. Es gilt daher, im Folgenden einzelne Aspekte aufzuzeigen und zu erläutern sowie festzustellen, ob die Ambitionen Caesars als Erfolg oder Misserfolg gedeutet werden können und müssen.                                                                                           
Der erste Eindruck vermittelt die Annahme, dass es sich um klare Misserfolge handelte. Die erste Expedition brachte, außer dem Fakt, dass es Caesar gelang die Insel zu erreichen, keine bedeutenden Erfolge. Caesar selbst gibt vor anderer Meinung zu sein, wenn er schreibt, dass „[…] diese Erfolge, die aus den Briefen […] hervorgingen, (den Senat veranlassten), ein Dankfest von 20 Tagen zu beschließen.“[xiii]                                     
Auch in der zweiten Expedition sollte es Caesar nicht gelingen permanente römische Posten in Britannien zu installieren und erst recht nicht eine Annektierung Britanniens vorzunehmen.[xiv] Auch wenn das zweite Unternehmen Caesars, anders als das Erste, wesentlich organisierter wirkt, so kann von dem Erhalt der erhofften Beute Caesars keine Rede sein. Finanziell stellen die Britannienexpeditionen daher wohl eher einen Misserfolg dar, denn der logistische Aufwand konnte wohl kaum mit Geiseln oder Ähnlichem beglichen werden.                                                                                               
Die andere Seite der Medaille ist jedoch, dass Caesar durchaus einen Erfolg verbuchen kann, nämlich den, dass es scheint, „[…] er (Caesar – d. Verf.) habe Britannien der Nachwelt gezeigt […].“[xv] Caesar machte die Nachwelt also auf Britannien aufmerksam und schuf mit der Sicherung der Provinz Gallien eine wichtige Vorraussetzung für die Eroberung Britanniens, die fast ein Jahrhundert später erfolgen sollte.                                                                                                                                             
Erfolg oder Misserfolg liegen daher in der Bewertung Caesars Expeditionen sehr nahe beieinander. Für Caesars Persönlichkeit und Wirken als Kaiser waren diese Unternehmungen sicher förderlich, vor allem durch die Darstellungen in seinem eigenen Werk Commentarii de bello Gallico, die nach Meinung moderner Autoren sehr zu Gunsten Caesars ausfallen, hat er seinem Prestige stetigen Aufwind verpasst. Dennoch führte er keine weiteren Versuche durch, Britannien zu einer römischen Provinz zu machen, was zeigt, dass er sich den Misserfolg bezüglich Beute und Umsetzung der Expeditionen gewiss eingestand.

2.2 Augustus, Tiberius und Caligula: das Verhältnis zu Britannien

Nachfolgend wird zu untersuchen sein, inwiefern die politischen Nachfolger Caesars die Eroberung Britanniens vorantrieben und welches Verhältnis kennzeichnend war. Gab es möglicherweise weitere Unternehmungen zur Insel?                                                            
Nein, denn sowohl Augustus als auch Tiberius zogen freundschaftliche Verhältnisse vor, da die Bewohner der Insel keine Gefahr dargestellt hätten und keine finanziellen Vorteile durch eine Eroberung zu erwarten gewesen wären.[xvi] Diese Haltung wirkt sehr an Caesars Darstellungen und Erfahrungen angelehnt, denn aufgrund dessen, dass es dem großen Julius Caesar nicht gelang, weder die Insel einzunehmen noch Beute zu erlangen, scheinen Augustus und Tiberius dieses Thema als indiskutabel angesehen zu haben.                                                                                                          
Erst Caligula fasste eine Überfahrt nach Britannien wieder ins Auge. Grund war ein Hilfeersuchen des Adminius, Sohn des keltischen Stammesfürsten Cunobelin, der von seinem Vater aus Britannien verband wurde. Adminius konnte Caligula überzeugen, indem er ihm anscheinend viel Ruhm voraussagte, ein weiteres Indiz für die Wichtigkeit von Macht und Ruhm zu dieser Zeit. Denn bereits der mögliche Ruhm ließ Caligula in ein solches Vorhaben einwilligen. Er scheiterte jedoch, da seine Truppen bereits vor dem Ablegen der Schiffe meuterten.[xvii] Es gibt verschiedene Meinungen über Gründe dieser Meuterei und des Scheiterns des Caligula. Am glaubwürdigsten ist der Punkt, dass die Soldaten den gefürchteten oceanus nach Britannien nicht zu überqueren bereit waren, da sie die Geschichten Caesars kannten, denn „[…] man (sah) Britannien nach den offenbar völlig unerwarteten Erfahrungen Caesars mit der „schaurigen See“  zunehmend als fern gelegen (an).“[xviii] Unterstützend zu dieser These kann hinzugefügt werden, dass unter der Invasion durch Claudius eine ähnliche Situation stattgefunden hat, wie sich später zeigen wird.[xix]                                             
Es wird also deutlich, dass die Nachfolger Caesars von Augustus über Tiberius bis Caligula alle mit einem Problem zu kämpfen hatten: die Angst der Soldaten vor dem Ungewissen. Somit blieb den Caesaren und Kaisern lange Zeit nichts anderes übrig, als Britannien entweder zu ignorieren oder aber freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Die Eroberung und daraus folgende Etablierung einer Provinz Britannia sollte erst unter Claudius möglich werden.

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2.3 Zur Invasion Britanniens unter Claudius 43 n. Chr.      

Die Eroberung Britanniens erfolgte gut ein Jahrhundert nach den Expeditionen Caesars durch Kaiser Claudius im Jahre 43 n. Chr. Im Folgenden wird zu erörtern sein, welche Motive Claudius hatte, die Überfahrt zu wagen, obwohl seine Vorgänger, wie Augustus oder Caligula, dies vermieden oder gar ablehnten. Der Schwerpunkt liegt daher auf den Hintergründen einer Invasion Britanniens durch Claudius und Gründe für dessen Erfolg, weniger auf militärischen Fakten.                                                                                               
Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Rom und Britannien, die für die Vorgänger Claudius’ als auch dem britannischen König Cunobelin kennzeichnend waren, endeten scheinbar mit der Herrschaft von Cunobelins Söhnen Togodumnus und Caratacus. Es soll häufiger zu Feindseligkeiten und Provokationen gekommen sein, wie diese jedoch aussahen, ist nicht überliefert. Claudius könnte also vorgehabt haben, diese Auseinandersetzungen für Rom zu entscheiden und sich somit einen erheblichen Prestigegewinn zu sichern.[xx] Offiziell habe Claudius die Invasion Britanniens damit begründet, dass es ein Hilfeersuchen seitens Verica gab, der König der in Britannien lebenden Atrebaten. Nach seiner Vertreibung aus Britannien bat er bei Claudius um eine Wiedereinsetzung, zu der es aber nie kam. Dies kann also kein wirklicher Grund gewesen sein. Es gibt andere Motive, die logischer erscheinen, beispielsweise, dass Claudius durch die militärische Invasion seine Herrschaft zu sichern versuchte oder weil er wirtschaftliche Interessen ins Auge gefasst hatte. Letzteres wirkt am wahrscheinlichsten, da Caligula seinen Nachfolger Claudius sprichwörtlich mit leeren Händen zurückließ.[xxi]                                                                                                                
Fast einhundert Jahre lang, nachdem Caesar Britannien erkundet hatte, galt Britannien als unrentabel und eine Eroberung als unnötig. Der römische Historiker Tacitus bestätigt in seinem Werk Agricola die Vermutung, dass der Beutegedanke unter Claudius wieder stärker hervorgetreten war. Der Meinung Tacitus zu Folge würde Britannien nämlich Gold, Silber und andere Metalle als Lohn des Sieges liefern, das heißt, bei erfolgreicher Eroberung des Landes.[xxii]                                                                           
Dennoch hatten die Soldaten auch weiterhin wenig Lust, die ihnen bekannte Welt zu verlassen. Bereits zu Beginn der Mission kam es zu einer Meuterei. Als Grund für die Meuterei wird in der modernen Literatur neben der Furcht vor der unbekannten Welt, vor allem der Propagandaeffekt Augustus’ und Tiberius’ genannt, die, wie bereits erwähnt, verlauten ließen, dass es nichts in Britannien zu holen gebe und eine Überfahrt unsinnig sei.[xxiii]                                                                                                  
Warum die Soldaten schließlich doch zu einer Invasion Britanniens bereit waren, ist umstritten und soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden. Vielleicht appellierte Claudius an die Macht der Götter, die die Truppen auf ihrem Weg unterstützen würden. Eventuell sahen die Soldaten aber auch ein, dass sie mit einer Truppenstärke von circa 40.000 Mann durchaus in der Lage waren, einen Sieg und anschließende Eroberung zu erringen.                                                                                                                              
Das von Aulus Plautius angeführte Expeditionsherr erreichte Britannien und konnte die Britannier bis hinter die Themse zurückdrängen. Claudius stieß erst an dieser Stelle zu seinen Truppen. Hatte er vielleicht erst abwarten wollen, ob die Mission wirklich glückt? Es ist viel Raum für Spekulationen. Sicher ist, dass er mit der Überquerung der Themse und Einnahme der Stadt Colchesters den Grundstein für eine erfolgreiche Eroberung legte.[xxiv]
Diese sicherte er durch das Anlegen von Kastellen und Legionslagern. Außerdem sei die Unterwerfung zahlreicher Stämme ohne Probleme erfolgt, weil diese sich nicht zusammenschlossen und somit nicht viel gegen die römischen Truppen ausrichten konnten.[xxv]                                                                                       
Durch die inneren Rivalitäten, die vielleicht auch deshalb zu Stande kamen, weil sich einige Stämme bereits freiwillig den Römern ergaben, sowie den militärischen Erfolgen, begann unter dem stetigen Vorrücken römischer Truppen die Etablierung einer Provinz Britannia.

3 Fazit und Zusammenfassung

Der Weg zur Eroberung Britanniens und die daraus resultierende Frage, warum dieser gut ein Jahrhundert dauerte, konnte Auszugsweise anhand einzelner Aspekte dargelegt werden. Um eine detailliertere Untersuchung zu erarbeiten, muss man den Blick sowohl auf politische, wirtschaftliche und persönliche Aspekte Britanniens als auch Rom richten. Die Arbeitsergebnisse werden im Folgenden zusammengefasst und bewertet.        Anhand der Darstellungen Caesars ist es sehr gut möglich, seine Britannienexpeditionen zu verfolgen. Die Aussagen scheinen, wie von antiken als auch modernen Autoren bestätigt, dennoch sehr subjektiv, denn ginge es nach Caesar, so war die Eroberung Britanniens bereits in vollem Gange. Es wurde aber deutlich, dass er wirtschaftlich wenig Erfolg hatte und keinen dauerhaften Aufenthalt der Römer in Britannien erzielen konnte, was ebenfalls für die zweite Expedition zutraf. Unklar bleibt, ob es nur an den klimatischen Bedingungen scheiterte oder weil er sich aufgrund seiner Aktionen in Gallien nicht voll und ganz auf Britannien konzentrieren konnte. Fakt ist, dass seine eigenen Darstellungen im Commentarii de bello Gallico nach dem Verlassen Britanniens 54 v. Chr. keine weiteren Verweise hinsichtlich Britanniens aufzeigen, was darauf hindeutet, dass er angesichts mangelnder Beute und auch Zeit vielleicht das Interesse an einer Eroberung verlor.                                                              
Seine politischen Nachfolger Augustus und Tiberius scheinen durch das Scheitern Caesars nicht mehr an eine Eroberung Britanniens geglaubt zu haben. Caesar galt als großer Kaiser, wenn es ihm nicht gelang, wem dann? Die Meinung war allgemein akzeptiert, sodass zukünftig freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Imperium Romanum und Britannien prägend waren. Ich denke, vor allem der oceanus war Grund genug, folgende Eroberungen gar nicht erst zu Stande kommen zu lassen, wie der Versuch Caligulas eindrücklich zeigte. Die Gewalt des Meeres war seit Caesar bekannt, warum sollten die Soldaten also ihr Leben für eine Insel riskieren, die es den Überlieferungen nach nicht wert war, eingenommen zu werden?                                        
Auch Claudius hatte 43 n. Chr. mit einer Meuterei zu kämpfen, konnte diese jedoch erfolgreich niederschlagen. Er nahm das Vorhaben Caesars erstmals wieder auf, weil er sich sicher gewesen sein muss, durch eine Eroberung Britanniens Ruhm und Beute zu erlangen. Der wirtschaftliche Fakt hat sicher seinen Teil dazu beigetragen, die Soldaten von einer Eroberung Britanniens zu überzeugen. Ich nehme außerdem an, dass, wie so oft in der Antike, die Götter eine große Rolle spielten. Claudius könnte propagiert haben, dass seine Soldaten die Einnahme der Insel unter dem Schutz eben dieser Götter erfolgreich ausführen würden.                                                                                             
Durch das Vordringen Claudius’ und seiner Truppen wurde die Eroberung Britanniens schließlich siegreich begonnen und sollte auch in den folgenden Jahren bis in weite Teile des Landes fortgesetzt werden. Die Inbesitznahme, welche schließlich gut ein Jahrhundert dauerte, markierte außerdem den Anfang vom Ende, denn die Provinz Britannia sollte in Zukunft für das Imperium Romanum schwer zu halten und auszubauen sein, und zudem nie die ganze Insel umfassen.

Quellen- und Literaturverzeichnis

Quellen

Caesar, Der gallische Krieg, übersetzt und herausgegeben von Otto Schönberger,            München 1990.

Tacitus, Agricola, übersetzt und herausgegeben von Robert Feger, Stuttgart 1973.

Literatur

Bechert, Tilmann: Die Provinzen des Römischen Reiches. Einführung und Überblick,                 Mainz am Rhein 1999.

Braund, David: Ruling Roman Britain. Kings, Queens, Governors and Emperors                        from Julius Caesar to Agricola, London 1996.

Brodersen, Kai: Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte, Darmstadt 1998.

Daumer, Jörg: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker                   Zeugnisse, Frankfurt am Main 2005. (= Europäische Hochschulschriften 3)

Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15.                            Jahrhundert, München 1990.

Southern, Patricia: Britannien, in: Claude Lepelley: Rom und das Reich in der Hohen                 Kaiserzeit 44 v. Chr. – 260 n. Chr., Stuttgart 2001, S. 211 – 238.

Fußnoten als Endnoten


[i] Vgl. Caesar, Der gallische Krieg. 4, 20, 1.

[ii] Vgl. Caesar, Der gallische Krieg. 4, 21; 23, 5; 2.

[iii] Vgl. Daumer, Jörg: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse, Frankfurt am Main 2005, S. 52-55.

 

[iv] Bechert, Tilmann: Die Provinzen des Römischen Reiches. Einführung und Überblick, Mainz am Rhein 1999, S. 161.

[v] Vgl. Brodersen, Kai: Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte, Darmstadt 1998, S. 12 f.

[vi] Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1990, S. 21.

[vii] Vgl. Caesar, Der gallische Krieg. 4, 26; 35, 2;5.

[viii] Vgl. Caesar, Der gallische Krieg. 5, 1, 1-3.

[ix] Braund, David: Ruling Roman Britain. Kings, Queens, Governors and Emperors from Julius Caesar to Agricola, London 1996, S. 52.

[x] Vgl. Daumer, Jörg: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse, Frankfurt am Main 2005, S. 53-55.

[xi] Vgl. Caesar, Der gallische Krieg, 5, 15-23.

[xii] Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1990, S. 21 f.

[xiii] Caesar, Der gallische Krieg. 4, 38, 5.

[xiv] Vgl. Southern, Patricia: Britannien, in: Claude Lepelley: Rom und das Reich in der Hohen                       Kaiserzeit 44 v. Chr. – 260 n. Chr., Stuttgart 2001, S. 214.

[xv] Tacitus, Agricola. 13,1.

[xvi] Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1990, S. 22.

[xvii] Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1990, S. 22 f.

[xviii] Brodersen, Kai: Das römische Britannien. Spuren seiner Geschichte, Darmstadt 1998, S. 41.

[xix] Vgl. Daumer, Jörg: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse, Frankfurt am Main 2005, S. 132 ff.

[xx] Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1990, S. 23.

[xxi] Vgl. Southern, Patricia: Britannien, in: Claude Lepelley: Rom und das Reich in der Hohen                       Kaiserzeit 44 v. Chr. – 260 n. Chr., Stuttgart 2001, S. 216.

[xxii] Tacitus, Agricola. 12,6.

[xxiii] Vgl. Daumer, Jörg: Aufstände in Germanien und Britannien. Unruhen im Spiegel antiker Zeugnisse, Frankfurt am Main 2005, S. 136.

[xxiv] Vgl. Krieger, Karl-Friedrich: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zum 15. Jahrhundert, München 1990, S. 23 f.

[xxv] Vgl. Bechert, Tilmann: Die Provinzen des Römischen Reiches. Einführung und Überblick, Mainz am Rhein 1999, S. 162.

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4 / 5 Sternen (9 Bewertungen)
  • Autor: A.G.
  • Fach: Geschichte
  • Stufe: 2. Semester (Uni)
  • Erstellt: 2009
  • Note: 1
  • Aktualisiert: 20.11.16

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